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Schlagwort: Fortschritt

Zechenrente

Ein ausführlicher Beitrag über den Wasserverbrauch von Rechenzentren in Hessen: Warum Rechenzentren Wasser brauchen – und kaum jemand weiß, wie viel. Das Fazit steht schon im Titel. Das ist aus meiner Sicht eine Augenwischerei. Die wahre Nachricht wäre: „Politik vermeidet Aussage zu Wasserverbrauch“.

Zum einen sind die Informationen nicht gerade gehaltvoll. Auf der Hessenkarte popt dies hier über Gießen auf:

Bestehende Rechenzentren: 1
Rechenzentren im Bau: 0
Geplante Rechenzentren: 1
Genannte Orte:
Anmerkung der Kommune:
Wir können als Landkreis hierzu leider keine umfassenden Angaben machen und erheben auch keine Zahl von Rechenzentren. […] Die Justus-Liebig-Universität betreibt nach unserer Kenntnis ein eigenes kleines Rechenzentrum. […] In Gießen selbst gab es in den vergangenen Wochen die Diskussion um den Bau eines Rechenzentrums.

Zum anderen schließt der Artikel damit:

Explizit zu Rechenzentren könne das Umweltamt jedoch keine Einschätzung abgeben, da die Verbrauchsdaten nicht vorliegen würden.

Genau diesen Punkt kritisiert Jens Gröger vom Öko-Institut: Die Kommunen müssten häufig anhand von lückenhaften Informationen über die Ansiedlung von Rechenzentren entscheiden.

„Grundsätzlich müssen nur Kennwerte genannt werden, so etwas wie Liter pro Kilowattstunde“, sagt Gröger. „Wenn nicht dazu gesagt wird, wie viele Kilowattstunden verbraucht werden, weiß ich auch nicht, wie viele Liter das sind.“ Deshalb sei aus seiner Sicht wichtig, dass Betreiber absolute Zahlen zum Wasser- und Strombedarf transparent machen.

Das Hessische Digitalministerium teilt dazu mit, dass es die bestehenden Regelungen für „auskömmlich“ halte. „Grundsätzlich setzten wir uns auch für weniger Regelung und mehr Digitalisierung und Entbürokratisierung ein“, heißt es. Zudem werde auf EU-Ebene an einem neuen Kennzeichnungs-System für die Wassereffizienz gearbeitet. So wolle man den Ressourcenverbrauch der digitalen Infrastruktur europaweit senken.

Mit anderen Worten: Eine Diskussion über den Wasserverbrauch von Rechenzentren ist nicht erwünscht. (Stichwort: Wegtreten & Co)

Aus meiner Sicht besteht bei diesem Thema die fast unlösbare Aufgabe darin, nicht als eine Art Maschinenstürmer zu gelten – oder eben doch. Die ökologische Frage ist die soziale Frage unserer Zeit.

Ein konkretes Beispiel, wieso Ökologisches und Soziales zusammenhängen: Statt mit einem Tankrabatt hätte man auch mit der Einführung eines CO2-Geldes auf die steigenden Spritpreise reagieren können.
Ein Gedankenexperiment: Steuern auf Sprit um 17ct runter, im gleichen Maße CO2-Preis hoch. Der Sprit an der Tankstelle kostet also gleich viel. Die Auszahlung des CO2-Geldes an den Einzelnen wäre aber deutlich spürbar und man kann selbst entscheiden, ob man das Geld wirklich fürs Tanken ausgibt. Außerdem profitiert jeder davon und nicht nur Autofahrer. (Die Nachteile des Autofahrens betreffen ja auch jeden, nicht nur Autofahrer.)
Eine hohe Besteuerung und eine mittelfristig steigende CO2-Bepreisung alleine verschärfen die soziale Frage allerdings, weil die Menschen, die auf ein Auto zwingend angewiesen sind, nicht automatisch auf ein Elektroauto wechseln können, um damit alle Probleme zu lösen.

Bemerkenswert ist, dass die Studie zur CO2-Neutralität von Elektroautos, die jetzt so hohe Wellen schlug, eine Metauntersuchung ist, bei der mit KI-Bots allerlei Studien durchforstet wurden, wobei sicher nicht nur einiges an Wasser sondern auch viel Strom verbraucht worden ist, um die Erkenntnis zu erlangen, dass bei der Herstellung von Autos Energie verwendet wird und die EU das auch in die Klimabilanz mit einbeziehen sollte, und sie außerdem gar nicht peerreviewed wurde. (Ulay, was ein langer Satz.)

Radapoxie

In der Vergangenheit bin ich öfter über den Begriff Dark Enlightenment, also Dunkle Aufklärung, gestoßen. Ich fand die Formulierung immer ziemlich schräg und die einzige Leistung des Begriffs besteht aus meiner Sicht darin, durch seine Paradoxie eine gewisse sprachliche Griffigkeit zu besitzen, die intellektuell klingt. Jetzt ist mir etwas Ähnliches aus der Weimarer Republik aufgefallen: Konservative Revolution:

Die Ideen der Konservativen Revolution bildeten keine politische „Lehre“ oder geschlossene Weltanschauung, sondern sie waren geprägt durch unterschiedlichste Strömungen. Gemeinsam war ihnen die Kritik am Liberalismus, Parlamentarismus und am Weimarer Parteienstaat, der mit der deutschen Kultur nicht in Einklang zu bringen und dem Deutschen Reich nach dessen Niederlage im Ersten Weltkrieg aufgezwungen worden wäre. […] Einer der Haupttheoretiker der Konservativen Revolution war Arthur Moeller van den Bruck, dessen Buchtitel „Das dritte Reich“ von den Nationalsozialisten als politisches Schlagwort übernommen wurde. Wesentliche Einflüsse gingen auch von der pessimistischen Kulturphilosophie Oswald Spenglers aus, die er in seinem zweibändigen Hauptwerk „Der Untergang des Abendlandes“ (1918-1922) entwickelte. In ihren sozialromantischen, antiparlamentarischen und antidemokratischen Tendenzen wurden Gruppen der Konservativen Revolution zu geistigen Wegbereitern des Nationalsozialismus.

Das erinnert doch stark an Curtis Yarvin und Nick Land. Oder auch Hans-Olaf Henkel und Thilo Sarazzin. Oder, oder, oder… Die Gemeinsamkeit scheint das pessimistische, zerstörerische Denken zu sein. Mehr fällt mir dazu gerade nicht ein, denkt selbst weiter.

Nachtrag:
Debatte über Dobrindt – Was ist die „Konservative Revolution“?

Hallig AI

Wie ich einer Karte entnehmen konnte, ist in der Gießener Weststadt („Im Katzenfeld„) der Bau eines Rechenzentrums geplant. Beschlossen wurde das Ganze Ende August von der Stadtverordnetenversammlung. Der Standort ist in der direkten Nähe des Umspannwerks. Das Rechenzentrum soll mit maximal 65 MW Anschlussleistung etwa so viel verbrauchen wie die gesamte Stadt Gießen. Die Abwärme soll in das Fernwärmenetz eingespeist werden. Um das Rechenzentrum hochwassersicher zu machen, wird das Gelände um 30m aufgeschüttet, wie man so liest.

Gegen den Bau des Rechenzentrums gibt es auch Proteste. Neben den allgemeinen Gegenargumenten (hoher Strom- und Wasserverbrauch) wird genannt, dass das Gelände eine Frischluftschneise sei. Außerdem sei die Lärm- und Sichtbelästigung, insbesondere mit Kita und Grundschule in rund 400m Entfernung, nicht hinnehmbar. Das mit der Frischluftschneise kann ich nicht überprüfen. Und dass ein Gewerbegebiet in der Nähe von Schule und Kita doof ist, kann man auch verstehen, insbesondere wenn es 30m erhöht auf die Weststadt herabblickt. Entscheidend finde ich aber die grundlegenden Argumente, dass ein Rechenzentrum einen enorm hohen Energiebedarf sowie einen hohen Wasserverbrauch hat. Dem kann man zwar entgegnen, dass es dann eben nur woanders gebaut wird. Auch wenn ich diese Art Gegenargument immer lahm finde, stimmt es vermutlich. Ebenso stelle ich mir die Frage, was passiert, wenn die KI-Blase platzen sollte. Dann haste da so nen hässlichen 30m Hüppel für viel Geld rumstehen und keine Einnahmen. Aber Hauptsache vorne mit dabei und nicht so viel meckern. Zudem ist wohl noch gar nicht klar, wer der Betreiber des Rechenzentrums werden wird. Soweit ich es verstanden habe, nutzen in Gießen zu wenige Haushalte Fernwärme, als dass das sinnvoll nutzbar wäre. Aber klar, das wäre in den ganzen Mietwohnungen in 10-20 Jahren vermutlich besser, als noch mit Gas zu heizen.

Aber klar, gut, mit AIs könnte man jetzt meine wirren Gedanken, spontan heruntergeschrieben, zu einer schönen, sauberen Erörterung im Ping-Pong-Prinzip aufbauen lassen.

Übrigens, was die Freiluftschneise angeht, sehe ich dieses geplante Bauprojekt als viel kritischer an: Stadtfraktionen über Altenfeldsweg uneins: Sieben Häuser in Kaltluftschneise geplant. Aber da zieht wohl das Gegenargument: Ihr wollt doch günstig wohnen, also brauchen wir mehr Wohnraum. Entstehen soll dort aber kein günstiger Wohnraum. (Siehe auch: Wohnungsnot in Deutschland)

Dauerwerbezustand

Weil mein jetziges Auto beim Tüv sehr genau unter die Lupe genommen wurde, erhielt es selbigen nicht und die Reparatus im Verhältnis für den mir entstandenen Nutzen steht nicht im Verhältnis. Jetzt hatte ich also wieder Gedäh vor mir: Autos Probe fahren.

Vom MG4 Urban war ich sehr angetan. Hinterher kam mir der Gedanke, dass es ja auch das erste Mal gewesen war, dass ich Elektroauto gefahren bin und ich von daher gar nicht genau weiß, was mir speziell an diesem Auto so gefallen hat. Gut war jedenfalls der Verbrauch auf der Strecke (11kwh). Umgerechnet hätte ich mit einem Diesel 1,1l auf 100km verbraucht. Weniger gefallen haben mir der Sitzkomfort und die Bediensoftware.

Als nächstes bin ich dann den Opel Frontera gefahren. Der hat mir gar nicht gefallen. Das lag im Wesentlichen daran, dass ich, um alles auf der Straße im Blick zu haben, den Kopf leicht nach links oder rechts bewegen musste, weil der Rückspiegel immer im Weg war. Eine Sitzeinstellung veränderte daran nichts. Ich denke, dass mich das vor allem deshalb geärgert hat, weil es ein deutlich größeres Auto ist. Der Frontera schied also sofort aus und ich glaube der Verkäufer war im anschließenden Gespräch etwas beleidigt. Ich erfuhr dann, dass genau der Wagen, den ich da gerade gefahren bin, sein Auto ist. Jedenfalls wollte er mir gar kein weiteres Auto empfehlen. Ich war ein bisschen enttäuscht, hatte ich mich doch auf ein Verkaufsgespräch eingestellt.

Ein paar Tage später bin ich im gleichen Autohaus den Hyundai Inster gefahren. Dieses Auto würde Diego gefallen, der mir neulich mal den logischen Gedanken mitgab, dass ein gutes Auto jenes sei, bei dem man möglichst wenig Material möglichst effizient durch die Gegend bewegt. Der Inster ist im Innenraum sehr variabel. Man kann bspw. die Rücksitze (getrennt) nach vorne oder hinten schieben, je nachdem, ob man mehr Kofferraumvolumen oder mehr Platz zum Sitzen hinten benötigt. Man hat auch deutlich mehr gesehen als im Frontera, obwohl das Auto deutlich geringere Abmessungen hat. Der Verbrauch lag bei einer ähnlichen Testrunde wie beim MG4 Urban mit rund 14kwh deutlich höher, obwohl er kleiner ist. Vermutlich liegt das am Cw-Wert. Irgendjemand auf Youtube hat mir mal erklärt, dass für den Verbrauch bei der Beschleunigung zwar Rollwiderstand und Gewicht die entscheidende Rolle spielen. Aber beim konstanten Fahren (Autobahntempo) ist das Gewicht nebensächlich, stattdessen spielt hier der Luftwiderstand die entscheidende Rolle. Beim Elektroauto ist das Gewicht noch weniger relevant, da durch Rekuperation ein Teil der Energie wiedergewonnen werden kann. Als ich den Inster wieder zurückgab, sprach ich den Händler auf ein Angebot an. Er war nicht bereit, mir preislich entgegenzukommen, weder beim Direktkauf, noch beim Finanzieren oder beim Leasing. Ich glaube, das Auto verkauft sich recht gut. Auf meine Frage, bis wann ich mich da entscheiden müsste, ob ich sein Angebot annähme, meinte er: „Wir machen das in der Regel so: Wenn ich von Ihnen nichts mehr höre, dann gehe ich davon aus, dass Sie kein Interesse mehr am Auto haben und alle sind glücklich.“ Wir quatschten noch ein bisschen weiter und ich meinte dann zum Schluss: „Ja, wir machen das dann so, wie Sie gesagt haben: Wenn ich mich nicht mehr melde, dann gehen wir davon aus, dass alle glücklich sind.“

Als nächstes fuhr ich den Kia PV5. Da es sich um einen Bus oder Van handelt, war entsprechend der Verbrauch bei gleicher Strecke höher und lag bei 20kwh. Das Auto hat mir gut gefallen. Allerdings lag wohl ein Missverständnis vor. Ich war davon ausgegangen, dass das Auto wie laut Anzeige sofort verfügbar gewesen wäre. Der Händler erklärte mir aber schnell, dass das nicht der Fall sei und ich mit einer Lieferzeit von rund 10 Monaten rechnen müsse. Jetzt mag man einwenden, dass von all den ohnehin schon unterschiedlichen Autos dieses am deutlichsten heraussticht. Ich hatte aber zwischendurch dann doch wieder mit dem Gedanken gespielt, das Auto zum campen zu verwenden. Und der Kia hat ziemlich ähnliche Innenmaße wie mein alter Scudo, sodass vieles hätte übernommen werden können. Allerdings bleibt die Idee Spinnerei. Das Fahren hat Spaß gemacht und jeder, der für Familie und Urlaub ein großes Auto sucht, der sollte dieses Auto mal fahren. Vielleicht sollte man aber im nächsten Jahr schauen, wenn das Nachfolgemodell kommt.

Außerdem fuhr ich den Leapmotor B05 Probe. Als ich den Hyundai Inster zurückgegeben hatte, sah ich im Autohaus den B05 stehen und fragte den Verkäufer – es war der Herr, dessen Frontera ich gefahren war –, ob ich den Leapmotor auch einmal Probe fahren könne, der wirke interessant. Der Verkäufer meinte dann, dass das ihr Vorführwagen sei und der sei schon verkauft. Reinsetzen wäre aber kein Problem. Mir gefiel der Sitzkomfort spontan besser als beim MG4 Urban. Ich sprach den Verkäufer dann nochmal an und bat darum, dass er sich doch melden möge, wenn sie den B05 wieder als Probefahrzeug hätten. Stattdessen gab er mir sein Kärtchen und bat mich, ich solle mich wieder bei ihm melden. Ich wies ihn darauf hin, dass ich ja nicht wissen könne, wann ich mich melden solle, das interessierte ihn aber nicht weiter. Ich verstehe ja übrigens nicht, wieso man als Verkäufer so kurzfristig denkt und das Probefahrzeug direkt verkauft. Man nimmt sich ja die Möglichkeit, weitere Käufer zu finden. Aber gut, vielleicht hat er an diesem einen Autoverkauf so viel Gewinn gemacht, dass ihm das egal war. Ich hab dann, zuhause angekommen, über die Leapmotorseite eine Probefahrt beim Autohaus gleichen Namens in Marburg angefragt. Ratet, wer meine Mail beantwortete. Richtig, der Verkäufer, mit dem ich eben gesprochen hatte. Er sei im Konzern für Leapmotor zuständig. Nach 2 Mails erklärte er sich dann auch bereit, mich von sich aus zu kontaktieren, wenn sie denn wieder einen B05 zur Probefahrt bereit hätten. Ich bin dann woanders Probe gefahren und hab dort einen Kaufvertrag unterschrieben. Unterm Strich ist dieses Auto im Verhältnis zum Preis das für mich sinnvollste Angebot gewesen. Der Verbrauch war vergleichbar mit dem des MG4 Urbans, Software und Sitze gefielen mir deutlich besser.

Mal sehen, wie es sich als Laternenparker dann so im Alltag schlägt. Die Stadt Gießen hat ja vergangenen Sommer dann auch mal begonnen, die Ladeinfrastruktur zu fördern, sodass jetzt in der Stadt verteilt einige 22kw-AC-Ladepunkte vorhanden sind, an denen man zu einem (wie lange noch?) akzeptablen Preis von 0,38€/kwh laden kann. Das Problem an den Elektroautos ist ja meiner Ansicht nach sowieso, dass Eigenheimbesitzer ohnehin einen Vorteil haben, wenn sie zuhause laden können. Wenn dann auch noch in eine Solaranlage investiert worden ist, kann man sein Auto besonders günstig laden. Entscheidender bleibt aber die Lademöglichkeit überhaupt, weil die Kosten für die Anschaffung der Solaranlage auch einberechnet werden müssen. Da zu meiner Wohnsituation kein Stellplatz gehört, ist der Vermieter auch nicht zu verpflichtet, der Installation einer Wallbox zuzustimmen, wenn ich die rechtlichen Regelungen richtig verstehe. In Anbetracht der Tatsache, dass die Kosten für Mobilität in Zukunft vermutlich weiter steigen werden, trägt das aus meiner Sicht wesentlich zur Verschärfung von Ungleichheiten der materiellen Verteilung in der Gesellschaft bei. Da winken am Horizont schon Dinge wie das Aussetzen des CO2-Preises, um das Autofahren nicht noch teurer werden zu lassen. Aber grundsätzlich gilt natürlich auch: Ein Auto muss man sich erst einmal leisten können. Ich fürchte, dass in Zukunft die Menschen, die beim Autokauf sparen müssen, dafür um so höher durch die Alltagskosten belastet werden.

Randnotiz: In den letzten Wochen habe ich mir auch echt viele Youtube-Videos von Leuten angeschaut, die Autos vorstellen. Das ist ein bisschen lustig, weil sich jetzt einige darüber beschweren, dass das, was sie machen, jetzt, gerichtlich festgestellt, deutlicher als Werbung gekennzeichnet werden müsse. Ich finde die ganzen Leute, die ihre Autokanäle betreiben, ja ganz lustig, jeden auf seine Art. Aber es ist doch klar, dass all die Videos, die ich gesehen habe, Werbung sind. Ich fand das auch gut, dass sie mir endlich das Gefühl eines Verkaufsgespräch gegeben haben, das ich bei manchen Autohäusern so vermisst habe. Ich vermute, dass die Autobranche insgesamt ganz schön satt und zufrieden ist. Anders kann ich mir die Entspanntheit beim Verkauf nicht erklären. Obwohl, vielleicht kam es auch nicht so gut an, dass ich meistens mit dem Fahrrad zum Termin zur Probefahrt erschienen bin.

Siehe auch: Ferrariszene in Beverly Hills Cop 2 (Die deutsche Synchronisation macht da was Lustiges draus: „Ich scheiße nicht ins Auto, ich bin Ästhet!“)

20 Jahre später: Völkische Ideologie konkret

Sachsen-Anhalt: DAS will die AfD an Schulen ändern (von Maurice Höfgen):

Landeseinheitliche Lehrmaterialien, die das Bildungsministerium diktiert. „Sonderklassen für Flüchtlingskinder“. Private Wachdienste auf Schulhöfen. Russischer Sprachunterricht und Austauschprogramme. Das Kaiserreich als inszeniertes Vorbild im Geschichtsunterricht. Das Ende für das Programm „Schule gegen Rassismus“, weil es „echten Rassismus kaum noch gibt“ und damit „gegen legitime rechte und patriotische Einstellungen vorgegangen“ werde (steht so im Programm, kein Scherz!). Keine Integration, keine Inklusion, keine Schulsozialarbeit. Nur: Lesen, Schreiben, Rechnen. Und zwar mit Frontalunterricht, systematischer Wiederholung und strenger Leistungskontrolle. […]

Die AfD fördert also nicht einfach Nachwuchs, sondern gezielt deutschen Nachwuchs. Um – Zitat aus dem Regierungsprogramm – “das Aussterben des Deutschen Volkes” zu verhindern.

Da sind sie also, wenig überraschend, die Ideen der völkischen Ideologie, konkret ausgestaltet in einem Wahlprogramm, Ideen, die von libertären Ex-Mitgliedern der AfD wie Hans-Olaf Henkel dereinst gefeiert wurden. Ich schrieb dazu in Vorbereitung auf eine Prüfung 2007:

Nehmen wir diese Erkenntnis einmal, um auf ein Buch zu blicken, das unter dem Titel Das Ende des Weißen Mannes: Eine Handlungsaufforderung letztes Jahr veröffentlicht wurde. Der vordergründig rassistisch wirkende Titel ist wohl in der Tat kaum mehr als Polemik – die im Buch zum Vorschein kommende Auffassung der Genese kultureller Unterschiede und deren Folgen liest sich aus der Perspektive der oben stehenden Ausführungen jedoch als eine Entlarvung eines Rassismus ohne Rassen. […] Der Autor, MANFRED POHL, ist »ausgewiesener Historiker und Kulturexperte«, Mitglied im Konvent für Deutschland sowie Vorsitzender des jüngst gegründeten Frankfurter Zukunftsrates, der sich zum Ziel gesetzt hat, ein alle Bereiche umfassender ›think tank‹ für gesellschaftliche Entwicklung zu sein . Auf dessen Homepage war bis vor wenigen Tagen noch der Satz »Wie müssen Hierarchiestrukturen aufgebaut werden, um in der Globalisierung zu bestehen?« zu lesen – mittlerweile wurde er gelöscht (im Google-Cache noch nachweisba). In einem solchen elitären Selbstverständnis liest sich die ›Handlungsaufforderung‹ zur Rettung des ›Weißen Mannes‹ etwas anders.

Sucht man heute nochmal nach dem erwähnten Buch von Manfred Pohl, stößt man auf diese Kritik aus der SZ via Perlentaucher:

Rezensent Thomas Wagner kann gar nicht fassen, wie unverblümt Manfred Pohl, einst Haushistoriker der Deutschen Bank, hier „rassistische Stereotype“ pflegt. Pohl wolle die kulturelle Vorherrschaft des weißen Mannes retten, da zumindest der genetische Siegeszug des „Multi-Colour-Man“ nicht mehr aufzuhalten sei. Wie wir der Rezension entnehmen, gehören für Pohl zur MCM-Spezies der „Schwarze“, der „Gelbe“ und der „Rote Mann“. Und der Moslem. Deshalb könne nur mit radikalen Reformen noch die westliche-weiße Überlegenheit gesichert werden, etwa im Schulbereich durch Förderung der Hochbegabten unter Vernachlässigung der „nicht Bildungsfähigen“. Auch müssen Frauen wieder ihren „biologisch ausgeprägten Mutterinstinkt“ reaktivieren, Männer dürfen sich nicht mehr der Kindererziehung widmen, das mache nämlich impotent, referiert Wagner Pohls Thesen weiter. Die Relevanz dieses Buches erkennt der Rezensent allein darin, dass Roman Herzog, Manfred Osten und Hans-Olaf Henkel sich dahinter gestellt haben.

Eigentlich wundert mich nur, dass Leute wie Henkel aus der AfD ausgetreten sind. Die Rechtsextremen wollen doch exakt das umsetzen, das die Libertären damals indirekt gefordert haben. Die Geister, die ich rief und so.

Siehe auch: NachDenkSeiten & Hans-Olaf Henkel United (2012, von Andreas Kemperer)

Dunkler Sozialismus

Im Sommer las ich Am Ende des Fortschritts – Überleben in den Ruinen des Kapitalismus von Kohei Saito. Darin geht es um die These, dass das westliche bzw. kapitalistische Fortschrittsversprechen im Angesicht eines Klimakollapses, der in permanente Mangelwirtschaft mündet, gescheitert ist. Er legt dazu in verschiedenen Abschnitten auf die Auswirkungen der natürlichen Veränderungen auf gesellschaftliche Entwicklung, auf Karl Marx (Stichwort: Degrowth & Co) und auf aktuellere Beiträge anderer, zum Beispiel auf Ulrike Herrmanns Vorschlag einer grünen Kriegswirtschaft zur Bekämpfung des Verlusts der Lebensgrundlagen des Menschen ein. Letztere kritisiert er insofern, als dass er Herrmanns Ansatz als einen Versuch des Erhalts des kapitalistischen Systems sieht, und das hält er mittlerweile für überholt. Letztlich sieht er damit den Weg in eine faschistische Gesellschaft geebnet. Er nennt das Technofaschismus bzw. auch Klimafaschismus. Als eine Lösung bietet er etwas an, dass er Dunklen Sozialismus nennt.

Der Begriff Dunkler Sozialismus ist ein Kunstgriff als indirekte Antwort auf die Dunkle Aufklärung, ein Konzept, das neurechte „Vordenker“ wie Curtis Yarvin seit einigen Jahren propagieren. Die Dunkle Aufklärung sieht den Anbruch eines Zeitalter, in dem der einzelne nicht frei ist und es nur Eliten möglich sein wird, von gesellschaftlichen Errungenschaften zu profitieren. Statt einer Demokratie sehen Leute wie Yarvin eine Welt, in der Staaten bzw. Gesellschaften im Wettbewerb gegeneinander stehen, was letztlich einer Oligarchie gleiche. Dementsprechend ist Saitos Dunkler Sozialismus als egalitäre Antwort darauf zu lesen, in dem wir mittels hochtechnologisierter Planwirtschaft eine egalitäre Gesellschaft im Leben des Mangels ermöglichen. Also einfach gesagt: Dunkel wirds auf jeden Fall, aber wir haben es in der Hand, wie dunkel wir es gesellschaftlich werden lassen.

Das Buch richtet sich an alle interessierten Leser und das merkt man nicht nur daran, dass es an sich einfach geschrieben ist. Saito wiederholt sich häufiger und verteidigt seine Thesen, bevor er sie überhaupt erklärt. Häufiger bin ich über Stellen gestolpert, die so wirkten, als flehe er den Leser an, ihm gedanklich weiter zu folgen und nicht das Buch wegzulegen. Vielleicht ist das aber auch eine Stilfrage im Japanischen und somit der Übersetzung geschuldet.

Seine Beschreibung der nahen Zukunft erinnerte mich sehr an den Stoff von Isaac Asimovs Foundation. Darin findet die Psychohistorik heraus, dass eine Zeit des gesellschaftlichen Zusammenbruchs galaktischen Ausmaßes naht. Dieser lässt sich nicht verhindern, aber auf ein Minimum von 1000 Jahre verkürzen, indem die Foundation gegründet wird. Ich habe die Foundation-Trilogie als Hörbuch gehört und fand es unglaublich zäh. Es hatte mich gewundert zu sehen, dass Apple den Stoff als Serie verfilmt.

Insgesamt finde ich es interessant, dass sich aus dem Lesen viele Denkanregungen gegeben haben. Zustimmen konnte ich dem Autor nicht immer und manchmal war das Buch – wie bereits angedeutet – recht zäh und redundant. Ein Essay hätte vielleicht auch genügt.

Heißes Pflaster

Neulich schrieb ich einige Erlebnisse und Gedanken zur Hitzewelle im Juni auf. Während es fast überall unerträglich heiß war, vor allem in der Schule und dort insbesondere im 3. Stock bereits früh morgens, wo sich mangels Nachtlüftung die Hitze über die Woche staute, war ich neidisch auf einen Kollegen, der mit seiner Klimaanlage daheim prahlte. Er erzählte ausufernd, dass ihm die Hitze ja egal sei, weil er gleich nach Hause ins schön gekühlte Wohnzimmer gehe, während ich im Büro schwitzte und er mich so von meiner Arbeit abhielt – dabei wollte ich doch möglichst früh, bevor es zu heiß würde, mit den Zeugnissen fertig werden. Vielleicht habe ich aus diesem Affekt auch nur plump Klimaanlagen gefordert, ohne mich näher mit der Sache zu beschäftigen.

Jetzt hörte ich in einem Podcast was zur Kühlung statt Klimatisierung und wie man für Hitze baut. Im Gespräch ging es dann schwerpunktmäßig um längerfristig gedachte Maßnahmen. Zwar stritt der Fachmann nicht ab, dass es gezielt auch Klimaanlagen brauche. Viel wichtiger sei jedoch, Bäume (vor allem auf der Südseite von Gebäuden) stehen zu lassen, beim Neubau Kühlung mitzudenken (z.B. durch eine Wärmepumpe, die kaltes Wasser durch eine Fußbodenheizung leitet) oder weit austragende/begrünte Dächer. Ein faszinierendes Beispiel von altbekannten Kühlungsmaßnahmen seien Windtürme, wie sie z.B. in der Altstadt von Dubai (Barjeel) stehen. Diese Türme fangen den Wind oben ab und führen ihn nach unten in die engen Gassen und tragen so zur Kühlung bei.

Ich erinnere mich auch an einen Beitrag über einen neu gebauten Kindergarten in München. Dahinter steht der Architekt Diébédo Francis Kéré, der mit einfachen Materialien den Bau eines sich selbst kühl haltenden Gebäudes umgesetzt hat.

Neulich meinte Jan, dass das Stadtbüro in Gießen auch schön kühl sei, ohne aktiv klimatisiert zu sein. In Gießen fällt mir außerdem die begrünte Fassade an der THM auf, wenn ich dort entlang gehe. Das Gebäude sollte eigentlich mal abgerissen werden. Interessant scheint auch das Haus der Nachhaltigkeit zu sein. Da war ich vor über einem Jahr tatsächlich mal zu einer Preisverleihung zweier meiner Schüler, aber da ist mir nur der Makerspace in Erinnerung geblieben. Bei der Suche nach Klimatisierungsmaßnahmen in Gießen stößt man außerdem auf die Aktion Dönerdreieck abpflastern. (Das ist auch deswegen witzig, weil der Begriff „Dönerdreieck“ auf einen AStA-Kalender von vor über 20 Jahren zurückgehe, so erzählt man es sich. Siehe auch: Leben im Dreieck.)

Außerdem erinnere ich mich an das Gebäude der Firma Janitza, als ich einen meiner Praktikanten dort vor einigen Jahren besuchte. Die Firma sei auf Energiedatenmanagement spezialisiert und der Herr, der mich durch das Gebäude führte, war sichtlich stolz auf deren energetisch durchdachten Neubau. Leider habe ich mir die Details nicht gemerkt.

Wie man sieht, ist das Thema Kühlung komplexer. Gerade Städte stehen da vor Herausforderungen, die nicht allein mit der simplen Forderung nach mehr Klimaanlagen beantwortet werden sollten (allein schon wegen der Abwärme, die die Luft außerhalb der Gebäude aufheizt). Stattdessen ist es wohl wichtiger, tradiertes Wissen nicht zu vergessen und bei Neu- und Umbauten mitzudenken.

Siehe auch:
Hitzeschutz in deutschen Städten: Zwischen Konzept und Wirklichkeit
Kaltluft kann in der Nacht Städte kühlen – sofern nicht zu viel verbaut ist
Wie antike Zivilisationen Gebäude ohne Elektrizität kühlten
Natürliche Kühlung von Gebäuden – Aus traditionellen Bauweisen lernen

Der neue Faschismus

Auf die Nachricht hatte ich ja schon hingewiesen: CSU-Politiker erwägen Verbotsverfahren gegen Thüringer AfD. Jetzt lese ich dies: Jens Spahn bringt Wahlrechtsentzug für Björn Höcke ins Spiel. Nach dem Lesen wurde mir klar, woher mein Störgefühl bei der Meldung neulich kam. Es liegt nahe, dass die Strategie verfolgt wird, die AfD „koalitionsfähiger“ zu machen, vielleicht ja mit Jens Spahn als nächsten Kanzler. Außerdem ist die Botschaft an die AfD-Wähler klar: Mit der Union bekommt ihr etwas ähnlich Fremdenfeindliches, nur nicht so schädlich für „unser Land“. Interessant ist z.B., was Jens Spahn an der AfD so stört – und was nicht:

Spahn bekräftigte in dem [Focus-]Podcast seine eigene Abgrenzung zur AfD. »Wer für Putin unterwegs ist, für China spioniert, extrem und radikal in der Sprache ist, von dem grenzen wir uns, grenze ich mich klar ab – politisch, inhaltlich, menschlich«, sagte der CDU-Politiker.

Die AfD allein ist aber nicht das Problem, sondern die Normalisierung eines Denkens, Sprechens und Handelns, das in eine faschistische Gesellschaft führt. Nur: Der Umgang mit der AfD offenbart diese Normalisierung. (Zur Normalisierung siehe z.B.: Die Populisten haben gewonnen (Kommentar vom 01.09.2024 zu den Landtagswahlen in Thüringen und Sachsen), „Remigration“: Der Versuch, die Grenzen des Sagbaren zu verschieben (Kommentar vom 29.01.2025) und Welche Folgen die Radikalisierung der Sprache hat (zum vergangenen Bundestagswahlkampf vom Februar 2025).

Zum Gegenwartsfaschismus siehe z.B. hier:

Ich hab neulich in einem Gespräch mal den Gedanken geäußert, dass es vielleicht schon längst zu spät ist mit allem. Man blickt zurück und fragt sich, wann das alles angefangen hat – und eigentlich meint man damit: Man hätte was ändern können. Aber wann?

Nachtrag:
Ist das gerecht? – Trump und die AfD als „Faschisten“ zu bezeichnen, ist problematisch

Hitzefrei

Um der Hitze zu entgehen, bin ich gestern Nachmittag im klimatisierten Kino gewesen. Der erste Film hieß Disclosure Day und – was soll ich sagen? Er war schlechter als erwartet. Ich denke, man kann ihn als Rehabilitierungversuch für Alienverschwörungsgläubige bezeichnen. Über mehr als ein Detail bin ich erschrocken, gehe aber nur auf eines ein, um nicht zu spoilern: Gegen Ende werden Randfiguren als bloße Befehlsempfänger dargestellt, die nicht selbst denken und entscheiden. Das dürfte den Verschwörungsgläubigen gefallen. (Stichwort: Schlafschafe&Co.) Das damit transportierte Menschenbild finde ich sehr bedenklich.

Spontan haben wir dann noch den Film Michael geschaut. Der hat mir besser gefallen. Das lag besonders an der schauspielerischen Leistung von Jaafar Jackson als Erwachsener Michael Jackson.

Währenddessen gibt es in Frankreich einen Kulturkampf um die Klimaanlage und die Grünen in Deutschland fordern ein Sofortprogramm für Klimaanlagen. Ich finde die Idee gut. Natürlich muss dazu auch Photovoltaik aufs Dach und man sollte bei Krankenhäusern und Pflegeheimen anfangen. Beim Kältemittel darf man natürlich keines verwenden, das hochgiftig oder einen hohen GWP-Wert hat. Wenn ich daran denke, im August wieder im 3. Stock zu unterrichten, in dem man es die letzte Woche (jeden Tag hitzefrei nach der 5. Stunde!) schon um 8.00h nicht hat aushalten können, ärgere ich mich umso mehr über Bayern und Baden-Württemberg. Zum Glück lasse ich ja nur arbeiten.

Denkensprechen

Führte gerade ein erstes, längeres Gespräch mit Claude (Sonnet 4.6). Dabei kam heraus, dass der Chatbot seiner Ansicht nach besonders gut sei in nuanced reasoning und having natural conversations like this one. Ich fragte nach einer Erklärung von nuanced reasoning und als Antwort erhielt ich: I am good at understanding complicated situations where there is no right or wrong answer. Nach meinem Hinweis auf die aus der Erklärung resultierende Tautologie entschuldigte sich der Chatbot. Ich bat Claude dann, nicht so devot zu antworten, was er bejahte. (Es war also keine natürliche Konversation.)

Ich muss sagen, dass Claude beim Denken dem Anschein nach ganz gut helfen kann. Es entwickelte sich nämlich ein (nicht sehr natürliches) Gespräch über Max Frischs Vorstellung von Theater, dem Zusammenhang von Denken und Sprechen und die echte Gefahr von KI. In seinen Tagebüchern schreibt Max Frisch von einer Erinnerung an ein Puppenspiel, in dem ein hölzerner Christus dargestellt wurde. Seinem Empfinden nach war die Jesus-Puppe viel echter, als es ein menschlicher Darsteller je sein könnte, da mit diesem immer auch der Versuch der Täuschung verbunden sein würde. Die Puppe hingegen sei aus ehrlichem Holz, ein durchschaubares Spiel. Während Claude unterwürfig antwortete Ah, I think I see where you are going with this – and it is clever, dachte ich, vielleicht ist das die eigentliche Gefahr von KI: Das Sprechen mit Automaten verändert unser Denken.

Ich verließ das Gespräch mit Claude und begab mich ans Schreiben dieses Textes, an dessen Ende mir der Gedanke kommt, wenn das Sprechen, besser: die Sprache, das Entscheidende ist, was den Mensch zum Menschen macht, sollte ich vielleicht weniger mit gefühlsduseligen Automaten sprechen – und wenn, dann mich zumindest erinnern, dass ich mit einer Holzpuppe spreche, die sein mag, was auch immer sie will, zu der ich aber nicht werden will.

Nachtrag:
Leben nach KI – Anthropic, „Pluribus“ und der Streit um Kollektive Intelligenz
(von Georg Diez):

Das Experiment mit der Maschine ist interessant, wenn man die Weise verstehen will, wie Gedanken entstehen oder das, was wir für Gedanken halten.

Was also heißt „gutes Schreiben“, was heißt überhaupt Schreiben in einer Zeit, in der die Maschine so sehr Sprache und Denken beeinflusst und vorgibt? Ein aufmunternder Kommentar auf meine Zweifel war, dass ich Claude als einen Assistenten sehen und einsetzen solle – aber das klärt immer noch nicht die Frage, was das spezifisch Menschliche an Sprache und Kommunikation ist und was die Rolle der Maschine.

Bis dahin, wie immer: Start worrying, details to follow.

Ninive soll brennen

Ein Soziologe aus Offenbach erklärte neulich in einem Vortrag, dass sich weite Teile der Gesellschaft eigentlich im Ziel einig sei, die Erderhitzung zu begrenzen. Uneinigkeit herrsche beim Tempo der Transformation. Das ist als Beschreibung sicher zutreffend, ob es im Umgang hilft, sei dahingestellt.

Ich denke, dass auch das eine Ausrede dafür ist, sich nicht zu verändern. Sieht man auch in anderen Bereichen: Es ist leicht, sich einzureden, dass „linke“ Bewegungen Schuld trügen am Erstarken rechtsextremer Anschaungen. Politisch ist das als ein entscheidendes Motiv von vielen Parteien derzeit genannt, u.a. begründet die CDU ihren ausländerfeindlichen Wahlkampf so. (Leseempfehlung eines Interviews der TAZ mit dem Historiker Jens Bisky: Wie Weimar ist die Gegenwart? Siehe auch: Hu-Hu-Hufeiseneinsatz)

Als weiteres Beispiel sei der Verweis auf die Kaliberexperten genannt. Die Logik, die dahintersteckt: Die Waffenlieferungen an die Ukraine wirkten als eine Art Brandbeschleuniger des Krieges. Das ist gedanklich nicht weit entfernt davon, die Schuld am Kriegsausbruch nicht in den Entscheidungen der russichen Führung zu suchen. (Leseempfehlung des ZEIT-Interviews mit dem Schriftsteller Marko Martin: „Wir dürfen uns in der Nähe der Apokalypse nicht wohlfühlen“)

Mich erinnert vieles derzeit an Kassandras Schicksal, die Figur der griechischen Mythologie. Die erhielt das Geschenk der Weissagung von Apollon. (Weil der sie so schön fand und er damit ihre Zuneigung bekommen wollte.) Apollon verfluchte sie dann aber. (Weil sie ihn zurückwies.) Ihren Weissagungen wurde fortan kein Glaube geschenkt. Nachdem sie mehrere ihrer Weissagungen sich erfüllen sehen muss, wird sie vergewaltigt, entführt und von der Frau des Entführers (oder deren Geliebten) getötet.

Fehlt also nur noch, dass ihr jemand nachträglich die Schuld an den Tragödien gegeben hätte: Wenn Kassandra die Zukunft doch kannte, hätte sie sich eben stärker einsetzen müssen, die Zukunft zu verändern. So rein hobbypsycholgisch würde das z.B. erklären, warum derzeit eigentlich alle was gegen die Grünen haben. Und letztlich sind die Parteien ja nur Projektionsflächen für wahre Konflikte innerhalb der Gesellschaft.

Es gibt ja in der Bibel eine der Kassandra ähnliche Figur: den Propheten Jona. Der bekommt von Gott den Auftrag, zur Stadt Ninive zu reisen. (Das ist wohl als die Hauptstadt einer die Israliten beherrschenden Großmacht zu lesen, z.B. der Assyrer.) Darauf hat Jona aber keine Lust und will stattdessen nach Tarsis. Er heuert auf einem Schiff an, das nach kurzer Fahrt in einen schweren Sturm gerät und Jona ahnt, dass er der Grund für den Sturm ist. Er bittet die Mannschaft, ihn über Bord zu werfen. Das wollen die zuerst nicht, tun es nach vergeblichen Ruderversuchen dann aber doch. Das Unwetter legt sich und die Schiffsbesatzung ist so beeindruckt, dass sie alle zu Gott beten.
Jona wird im Wasser von einem großen Fisch verschluckt. Nach 3 Tagen im Bauch des Fischs wird er schließlich an Land gespuckt und nimmt seinen Auftrag an. Er geht nach Ninive und spricht zu den Bewohnern der Stadt: In 40 Tagen gehe die Stadt unter. Zu seiner Verwunderung tun die Bewohner Buße und gehen in Sack und Asche und fasten, sogar der König. Gott sieht deshalb von der Zerstörung ab.
Daraufhin wird Jona sauer und man erfährt, was der eigentliche Grund seiner ursprünglichen Flucht vor dem Auftrag war: Er ahnte, dass Gott gnädig sein würde. Voller Zorn sucht er sich außerhalb der Stadt einen Platz, um von dort ihr Schicksal zu beobachten. Gott lässt ihm einen Rizinus wachsen, der ihm Schatten spendet, sodass sich Jonas Laune bessert. Bei Anbruch des Morgens schickt Gott jedoch einen Wurm, der den Strauch „sticht“ und er verdorrt. Später schickt Gott einen heißen Wind und die Sonne „sticht“ Jona, so stark, dass dieser lieber tot wäre. Gott fragt Jona, ob er wirklich denkt, zu Recht sauer wegen des Rizinus zu sein. Trotzig antwortet er Gott: „Mit Recht zürne ich bis an den Tod.“ Das Buch Jona endet dann mit der Antwort Gottes, die er als Fragen formuliert: „Dich jammert der Rizinus, um den du dich nicht gemüht hast, hast ihn auch nicht aufgezogen, der in einer Nacht ward und in einer Nacht verdarb, und mich sollte nicht jammern Ninive, eine so große Stadt, in der mehr als hundertzwanzigtausend Menschen sind, die nicht wissen, was rechts oder links ist, dazu auch viele Tiere?“

Hier einige Gedanken, die ich in keinen sinnvollen Zusammenhang bekomme:

  • Kassandra und Jona sind den Entscheidungen und Handlungen der anderen radikal ausgeliefert.
  • Während Kassandra als Figur dazu verflucht ist, passiv zu sein, wehrt sich Jona (vergeblich) gegen sein Schicksal, indem er den Tod sucht, aber nicht findet.
  • Lustigerweise sind die Bewohner der Stadt Ninive am Ende auch verflucht: Sie müssen damit leben, nie zu wissen, ob die Stadt wirklich untergangen wäre.
  • Veränderung sei Schuld am Verharren ist ein verführerischer Gedanke, weil er ermöglicht, es sich in seinem Nicht-Handeln behaglich einzurichten.
  • Sich als Kassandra (oder Jona) zu fühlen ist verführerisch, weil man sich dann nicht mehr als Teil der Gemeinschaft betrachten muss.
  • Jona zieht sich zurück ins Private, findet Glück und verliert es alsbald.
  • Jona hätte Tool gehört: AEnema.

Resilieren

So neu ist das Wort Resilienz nicht, aber wir hatten neulich einen Schwerpunkttag an der Schule, an dem auch dieser Begriff eine wichtige Rolle spielte. Ich muss bei dem Wort resilient sehr stark an flexibel denken. Solche Wörter haben ganz schnell den Geschmack, als würde man sie von einem Chef gesagt bekommen. Soll heißen: Das sind solche Luftblasenwörter, bei denen nicht nur die direkte Bedeutung des Wortes oder die Situation, in der man es sagt, eine Rolle spielt, sondern auch das Wertegerüst und die Rolle im System der sie aussprechenden Person. Ein gut gemeinter Vorschlag zur Resilienzsteigerung klingt dann schnell nach einer Idee, wie man besser funktioniert.

Richard Sennetts über 25 Jahre altes (ulay!) Buch Der flexible Mensch kommt mir da in den Sinn: „Absolute Flexibilität bedeutet für den einzelnen, einer unvorhersehbaren Kontrolle durch wechselnde Dritte ausgesetzt zu sein.“ (Deutschlandfunk 1998) Kein Wunder, dass man heute die Leute resilienter machen muss, nachdem man sie vor einer Weile flexibler gemacht hat.

Ich hab mir jedenfalls vorgenommen, in Zukunft etwas mehr zu resilieren und auch mal Nein zu etwas sagen – wozu ich Nein sage, sehe ich dann, ganz flexibel.

Google is in big trouble

Ich habe noch nicht mit midjourney herumgespielt, Diego. Aber diversen Tweets zufolge kommt man mit dem Herumspielen eh nicht mehr so gut hinterher, Stichwort: AutoGPT. Nvidia und Microsoft werden die AI Zukunft bestimmen, glauben einige.

In Frankreich hat mir der Googleübersetzer jedenfalls sehr geholfen. Manche Ergebnisse sind auch ganz lustig:

KettenReaktion

Am Mittwochabend habe ich Starlink am Himmel gesehen. Ich wusste die am Himmel aufsteigende Lichterreihe zunächst nicht einzuordnen, vermutete dann aber, auch weil die Leuchtpunkte dunkler wurden, dass es Satelliten waren, die da das All zumüllen. Hier ist ein lesenswerter Text dazu: StarLink, StarShield … SkyNet. Interessant fand ich dieses Szenario:

Während des Ukraine-Krieges gab es mindestens ein Update, um russische Störsender ineffektiv zu machen, die die Starlink-Signale gestört hatten. Wahrscheinlich ist das seit dem ein fortwährender stiller Kampf der Nerds auf beiden Seiten. […]

Um deutlich zu machen, zu welchen Überlegungen der Wegfall der Sinnhaftigkeit des gezielten Ausschaltens einzelner US-amerikanischer Satelliten im Falle eines Taiwan-Krieges führt, wurden Simulationen für das Abräumen ganzer Orbits mit Nuklearwaffen publiziert. Die Idee dabei ist, eine nukleare Detonation an der oberen Grenze der Atmosphäre zu benutzen, um die dort noch vorhandenen Gasteilichen aufwärts zu beschleunigen, wo sie eine radioaktive Wolke in der für Starlink relevanten Umlaufbahn-Höhe bilden. Satelliten, die in diese Wolke fliegen, würden ge- oder zerstört. Nach einer Weile löst sich die Wolke auf. Das die so unkontrollierbar gewordenen Satelliten letztenendes ein Kessler-Syndrom lostreten würden scheint nicht unwahrscheinlich.

https://steadyhq.com/en/realitatsabzweig/posts/e3aa3613-eb2c-4b6b-94f9-e6af27b9c153

Mal eine andere Frage: In dem Zitat sind mehrere Links drin, die sind ja nicht von mir. Wie mache ich das kenntlich? Bzw. wie zitiert man Verlinkungen? Ich könnte damit ja auch Unfug treiben und dem Zitierten irgendwelche schrägen Links unterjubeln. Hätte man sich vielleicht vorher überlegen müssen (Siehe: As We May Think von Vannevar Bush und Xanadu von Ted Nelson).

Gaskrieg, surrealistisch, Öl auf Leinwand

Robert Habeck erklärt beim Tag der Industrie, dass Russland einen Gaskrieg gegen Europa führt, surrealistisch, Öl auf Leinwand

Das Video dazu ist aus dem Juni: Robert Habeck beim Tag der Industrie 2022. In seiner Rede benutzt er öfter das Wort Ungleichzeitigkeit. Dieser philosophische Begriff geht auf Ernst Bloch zurück und wenn ich es richtig verstanden habe, beschreibt er die Gleichzeitigkeit von Widersprüchen innerhalb eines Raumes. Oder anders gesagt: Das, was wir Fortschritt nennen, entwickelt sich eben nicht linear in eine Richtung, sondern Rückschritt und Fortschritt gehen Hand in Hand. Es gibt also verschiedene Zustände der Entwicklung gleichzeitig innerhalb eines Raumes. (So führt bzw. führte die Globalisierung gelegentlich dazu, dass in einer Großstadt Menschen mit extremen materiellen (und damit sozialen) Unterschieden enger beieinander leben.) Auf die gesamte Erde bezogen würde das bedeuten, dass wir gerade weltweit sehr viele Widersprüche aushalten müssen. Eine mögliche Antwort wäre dann, sich nach Innen oder zumindest einen kleineren Raum, wie z.B. eine Nation, zurückzuziehen.

Ich denke, dass sich dieser Rückzug weg vom Globalen momentan ganz gut erkennen lässt. (Das ist zwar nicht neu, das Ausmaß ist aber in meiner Wahrnehmung angestiegen.) Das mag an einer Überforderung des Einzelnen in einer Welt mit einem Überangebot an Informationen oder auch an einem Anstieg von Gefühlen wie Angst oder Gier liegen. Zumindest stelle ich fest, dass in Deutschland sehr viel darüber gesprochen wird, dass eine Flüchtlingssituation von 2015 sich nicht wiederholen solle (im Presseclub sagte Ulrich Ladurner in der Schlussrunde, dass die individuellen Asylrechte eingeschränkt und die EU-Grenzen stärker bewacht werden müssten, um den sozialen Frieden in Deutschland zu wahren), aber weniger wahrgenommen, wie viele Menschen auf dem Weg nach Europa im Mittelmeer sterben. Auch wird über die Energieversorgung im Winter in Deutschland gesprochen und man stellt sich in der Öffentlichkeit weniger die Frage, wie wohl andere europäische Nationen geschweige denn so manch einer in der Ukraine durch diesen Winter kommen wird.

Gaskrieg ist dabei übrigens ein bescheuertes Wort, wenn man die Tatsache meint, dass die russische Führung in ihrem hybriden Krieg gegen die Europäische Integration die Gaslieferungen einstellt. Interessant ist, dass die KI bei zwei Versuchen nicht auf die Idee gekommen ist, irgendwas mit Gasmasken zu malen. Ein KI-Bild sagt halt nur etwas über ihre Datenbank aus. Vielleicht ist das ein Symptom des Problems, dass wir zwar über unglaublich viele Informationen verfügen, gleichzeitig aber (vielleicht dadurch?) sehr vieles vergessen haben – zum Beispiel das Leid in den beiden Weltkriegen, die in Europa im vergangenen Jahrhundert entstanden sind. Woher aber weiß man, dass man etwas wirklich vergessen hat? Insofern könnte man meine obige Definition von Ungleichzeitigkeit so ergänzen:

Ohne Erinnerung gehen Fortschritt und Rückschritt
aus Ungewissheit Hand in Hand, immer weiter in Richtung Zukunft.

Robert Habeck erklärt beim Tag der Industrie, dass Russland einen Gaskrieg gegen Europa führt, surrealistisch, Öl auf Leinwand

Mittlere Reife

Gestern war ich in Gießen auf der Klimademo: „Weil man uns die Zukunft klaut“. (Der Gießener Anzeiger fasst alles Wesentliche gut zusammen.) Ich bin mit Anne erst am E-Klo zur Demo dazugestoßen und hatte auf dem Weg dorthin schon Sorge, dass sie ausgefallen wäre, weil keinerlei Verkehrsbehinderungen bemerkbar waren. Anne entdeckte in der Menge dann für mich schnell Jörg Bergstedt von der Projektwerkstatt. Den hatte, wenn ich mich richtig erinnere, Alexander einmal doppelt polemisch als die linke Dagegenopposition zum AStA bezeichnet, weil der im StuPa alle Listen immer mal wieder mit wirren Redebeiträgen etwas genervt hatte, ohne überhaupt gewählt worden geschweige denn Student gewesen zu sein. (Bei letzterem bin ich mir nicht so sicher.)

Vom E-Klo ging es dann zum Oswaldsgarten, wo sich der Pulk auf der Kreuzung niederließ, um den Redebeiträgen zu lauschen. Der erste war von einer Geographie-Studentin, die von ihrer Hausarbeit über Erdrechte erzählte. (Auf die Schnelle habe ich nur einen Bezahllink der FAZ gefunden, der sich kritisch damit auseinanderzusetzen scheint: Mutter Erde als Rechtsperson) Ich habe nicht immer alles verstanden, aber es klang ganz interessant. Die Rednerin wurde kurz von hupenden Autofahrern unterbrochen. Die haben nämlich auch mal gemeinsam Lärm gemacht. Ich war mir aber nicht sicher, ob nur als spontane Gegendemo aus Langeweile oder doch zur Unterstützung. (Vielleicht sollte man die nächste Klimademo als Autokorso machen. Damit könnte man den Stadtverkehr wirklich lahmlegen, wenn jede/r der 800 Demonstrant:innen ein einzelnes Auto führe. Symbolisch könnte dann ja den Autos der Sprit ausgehen, so von wegen Ende der fossilen Energieträger.)

Der nächste Redner war dann Jörg Bergstedt. Der stellte verschiedene seiner Dauerthemen vor, u.a. das Verkehrskonzept der Projektwerkstatt für die Stadt Gießen. Da sind viele Dinge ganz interessant. Ich hatte später trotzdem so meine Probleme mit einigen Leuten, die ich der Projektwerkstatt zuordne. Da waren Rufeanfeuerer, die mit niemandem sonst unterwegs waren. Da war auch das Gespräch von zweien, das Anne etwas mitgehört hatte, in dem sich die zwei darüber unterhielten, wie sie auf welchen kommenden Demos ihre Standpunkte unterbringen können. Und da war der Gesamteindruck, dass die FFF-Leute einfach viel lockerer, weniger verbissen waren. Vielleicht liegt das daran, dass diejenigen, die, wie z.B. die Projektwerkstättler, schon länger in der Aktivistenszene unterwegs sind, z.T. noch „ihre“ alten Inhalte unterbringen wollen und nicht die Jüngeren mal machen lassen. Diese manipulative Methode mag ich einfach nicht, gleich um welche Inhalte es geht.

Wer fehlte waren Vertreter:innen der politischen Parteien. Insgesamt waren aus meiner Sicht höchstens die Hälfte der Personen jünger, also Schüler:innen und Student:innen, die anderen waren Leute mittleren und reiferen Alters. Die Leute, die nicht da waren, konnten vielleicht nur deshalb nicht, weil sie Der Würgeengel noch zuende schauen wollten.

Mein Fazit: Wir Älteren sollten unbedingt darauf achten, nicht zu sehr aus einer Macht- und Erfahrungsperspektive auf die Jüngeren zu schauen. (Dem Sinn nach nicht diesen Fehler machen: Sieh mal, wie schön die Klimaschutz spielen!)

Bleibt nur noch die Frage: Wie kommt man ins Handeln?

Instagramazon

Allmacht Amazon habe ich neulich nebenbei geschaut. Ganz interessant war der Selbstversuch einer Netzaktivistin. Düstere Zukunftsszenarien wie bspw. dass Amazon in Zukunft weiß, was du willst, bevor du es weißt, blieben natürlich auch nicht aus. Durch die zunehmende Macht von Amazon drohe sich ein Modell der Planwirtschaft zu entwickeln. Klingt nach ganz großem Fußball, der Jeff Bezos da gelingt.

Derweil hat Facebook vom Bundeskartellamt ein fettes Dislike und 1 Jahr Zeit bekommen, seine Regelungen zur Datensammlung umzugestalten, sodass man dem ausdrücklich zustimmen muss. Was mir dabei nicht klar war: Facebook sammelt z.B. Daten von seinen Nutzern, wenn eine beliebige Internetseite Facebooks Like-Button implementiert hat, ohne dass man diesen drücken müsste. Schöne neue Welt.

Opti? Fast.

Beim Zappen in der ARD Mediathek bin ich auf 3sat auf das Thema Fasten gestoßen: Scobel.

Da waren viele mir bekannte Informationen dabei (Autophagie, Ketone) und einige für mich neue: Fasten durch Nahrungsmittelergänzung Spermidin , Fasten mache Chemotherapie verträglicher.

Ein bisschen nervt mich, dass in jüngster Zeit alles Mögliche evolutionär begründet wird, wenn es klug, plausibel und fortschrittlich klingen soll. Streng genommen ist die Argumentation aber reaktionär, wie es in der Sendung auch deutlich wurde: Da solle unser Körper ernährt werden wie zu Zeiten der Jäger und Sammler, z.B. durch das Intervallfasten, auch 16/8 genannt. Erinnert mich an mein Projekt 20/4. Vielleicht gehe ich das demnächst mal an.

Bambus&Co

Vor einigen Tagen habe ich in einer Baumkugel übernachtet. Das war eine tolle Idee von Anne. (Ich würde sie ja gerne verlinken, aber sie hat immer noch kein eigenes Blog, soweit ich weiß.) Das Restaurant hatte eine ziemlich feine Küche. Hungrig saßen wir als einzige Gäste (zunächst) an einem der Tische, als der einzige andere Mensch – der Koch, wie sich später herausstellte – mit einem Teller hübsch dekorierten Essen zu uns kam, uns diesen zeigte und unsere Meinung zur Ästhetik wissen wollte, schließlich machen ja alle bei Instagram (No Fotos!) mit, da müsse er auch mal was posten – und zog uns das Gemüse vor unserer Nase wieder weg.

Das folgende Drei-Gänge-Menü war richtig gelungen. Insgesamt ist Robinsons Nest sehr auf Nachhaltigkeit ausgelegt. So hatte man die Wahl, eine normale Toilette mit Spülung oder ein Plumpsklo mit Rindenmulch und getrenntem Ausscheidungs-Auffang zur besseren Düngenutzung zu benutzen. Der Aufenthalt in der Kugel war ein wenig wie in einem Boot bei ruhigem Seegang. Schön war der Blick in die Baumwipfel und später – wir hatten klare Sicht – der Blick in den Sternenhimmel. Das vegetarische Frühstücksbuffet am nächsten Morgen gefiel mir ausgesprochen gut. Insgesamt also zu empfehlen.

Meinen Hinweis zwischendurch, dass ich es fraglich finde, ob man mit den Anwesenden auch einfach draußen am Lagerfeuer eine Mettwurst grillen kann, fand Anne nicht so lustig. Ich hatte jedenfalls immer ein bisschen das Gefühl, Nachhaltigkeit ist vor allem was für feine Leute.

So von wegen E-SUV fahren. Ich  glaube, es gibt zwei Gründe, warum es von deutschen Autoherstellern zunächst eher Elektro-SUVs gibt als Elektro-Kleinwagen: Der Elektroantrieb wird teuer und SUVs werden ohnehin teuer. Außerdem kann man den ungenutzten Platz in der Karosserie für Akkus verwenden.

Ich hatte darüber dann auch am Montag ein Gespräch mit Christian. Wir waren in McDonalds einen Kaffee trinken und überlegten, dass wir bei der Weihnachtsbaumaktion, die mit einem gemeinsamen Fackelmarsch zum Verbrennen der Weihnachtsbäume mit Mettwürstchen vom Grill & Co endet, mit eigenen Bambusfackeln mitlaufen, vegane Mettwürstchen grillen und vorschlagen, die Bäume nicht zu verbrennen sondern zu kompostieren. (Das war eigentlich irgendwie Diegos Vorschlag.) Im Prinzip alles gute Ideen, die aber ganz schön viel Veränderung abverlangen würden.

Eine Frage dabei ist, kann Nachhaltigkeit gelingen, wenn es sich nur Reiche überhaupt leisten können. Wenn es in einigen Jahrzehnten womöglich so ist, dass ein eigenes (Flug-)Auto nur noch den Superreichen vorbehalten sein wird, weil es für die große Mehrheit der Menschen schlicht zu teuer sein wird, erscheint mir das ungerecht – so wie es ja derzeit im weltweiten Vergleich ungerecht zugeht. Obwohl…

Derweil habe ich mir im Avocadostore in Berlin Bambussocken gekauft. Damit ich wenigstens manchmal tue, was ich für richtig halte.

Metaorganoid

Ich habe mir ja in der Vergangenheit schwer Gedanken gemacht, wie körperlich alles ist. Passend dazu nehme ich auf ärztlichen Rat seit kurzer Zeit Vitamin D. Die Einnahme hob in den vergangenen Wochen leicht meine Stimmung, ob direkt oder durch Placebo ist mir egal.

(Placebo ist ja eben ein körperlicher Effekt. Der Begriff Placebo wird vermutlich häufig mit dem Wort „nur“ gedacht, was aber der Wirkmacht des Effekts nicht gerecht wird und eher nach einer hilflosen Deskription derer klingt, die *alles* erklären können wollen. Eigentlich geht es um die Frage der Kontrolle: In welchem Maß habe ich es in der Hand, wie es mir geht? Womöglich hilft der Gedanke, dass man nichts für seine Befindlichkeit kann, sehr wohl aber Faktoren beeinflussen kann.

Mich würde interessieren, ob es schon Untersuchungen gibt, ob in Anbetracht des Zusammenwachsens von Technik und Mensch sowas wie ‚Cyber-Placebos‚ oder auch ‚Cyber-Nocebos‚ existieren. Ich vermute, überall, wo Abhängigkeiten entstehen, entstehen bei Funktionsausfall Entzugserscheinungen. Logische Konsequenz: Man sollte zunächst versuchen, sich nicht von seinem Körper abhängig zu machen. Vielleicht besteht ein Problem auch darin, dass der Mensch zu viel über sich und seinen Körper weiß, aber die Informationen nicht gut genug einordnen kann. Also müsste man vor allem an Selbstwahrnehmungscyberimplantaten forschen, wenn das Ziel eine Selbstoptimierung sein soll.)

Interessant im Zusammenhang der Frage, wie körperlich alles ist, ist zum Beispiel, welche Auswirkung die bakterielle Besiedlung des Darms haben kann:

  • Meine Bakterien und ich – Der Mensch als Metaorganismus (Man beachte, dass ein wesentlicher Ausgangspunkt der Kieler Forschung die Hydra ist: „Hydra, alle Tiere und der Mensch sind mehr als ihre Teile. Sie sind „Metaorganismen“, weil ihr Organismus auch die eigenen Mikroben umfasst.“)
  • Der kluge Bauch – Unser zweites Gehirn („Im Bauchhirn lebt eine Hunderte Milliarden von Bakterien zählende Kolonie, deren Aktivität sich auf Persönlichkeit und Entscheidungen des Menschen auswirkt und die dafür verantwortlich ist, ob jemand beispielsweise zurückhaltend oder verwegen reagiert.“)
  • Bakterien-Fund im Gehirn wirft viele Fragen auf („Rosalinda Roberts hält es für denkbar, dass Bakterien direkt im Gehirn eine Rolle spielen könnten. Jene Mikroben, die sie in den Hirn-Gewebeschnitten entdeckte, gehören sogar zu Stämmen wie Bacteroidetes, Firmicutes und Proteobacteria. Diese kommen auch im Darm vor. Es wäre eine faszinierende Vorstellung, wenn die Darm-Hirn-Achse nicht auf einer Fernwirkung beruhte, sondern auf einer direkten Einflussnahme vor Ort.“)
  • „Mini-Gehirne“ aus Stammzellen – Was denkt ein Organoid in der Petrischale? (Hat nicht mit dem Thema direkt zu tun, ist aber auch interessant. „Man könnte sagen: Die Organoide sehen. Licht trifft auf die Netzhautzellen, und die Nervenzellen reagieren mit elektrischen Signalen. Nicht so kompliziert wie im Gehirn, aber das gleiche Prinzip.“)
  • Von cerebralen und anderen Organoiden (Kritischer Blick, 5 Jahre alt: „Mit etwas Glück könnten die Wiener Forscher zeigen, wie sich neuronale Synapsen entwickeln und verknüpfen. Aber die vielfältigen und komplexen Verhaltensmuster von Autismus zu erklären – dazu bedarf es nun wirklich einiges mehr.“)

Ich bin übrigens nicht wirklich schlauer geworden, wie körperlich alles ist. Solange die Maschine aber noch zittert und Vitamin D beim Bloggen hilft, soll mir vieles recht sein.

Künstliche Verantwortung

Diskussionen zwischen KI-Systemen sollen Entscheidungen nachvollziehbar machen, berichtet heise von OpenAI.

Da denke ich mir (was mit dem Artikel selbst nur noch wenig zu tun hat): Wenn uns demnächst Maschinen auch Entscheidungen abnehmen können, dann brauch man ja auch keine Verantwortung mehr zu übernehmen. Autonome Autos sind da ziemlich plausibel, vielleicht gilt das aber auch für andere Bereiche, wie z.B. Altenpflege. Vorher machen uns aber am besten noch die Hirnforscher weis, dass wir gar nicht die Entscheidung selbst treffen, sondern unser Gehirn. Dann wären wir alle fein raus.

Einfach mal mit dem Rad zur Arbeit fahren

Während in den USA gerade Bike Month ist, kommt die HLB laut Patrick auf interessante Ideen:

Mo-Fr von 06:00 bis 09:00 und 16:00 bis 19:00 Uhr steht der Mehrzweckbereich nicht für die Fahrradmitnahme zur Verfügung, solange dieser für Stehplätze benötigt wird.
(Quelle: ADFC)

ÖPNV in D – K tA St ρ fE. Vielleicht sollte man die alten Dieselloks wieder reaktivieren, damit mehr Fahrräder transportiert werden können. Naja, da lausche ich lieber dem Podcast As Easy As Riding A Bike (To Work) und lächle.

Derweil re-verstaatlicht Großbritannien diverse Zugstrecken. Warum? Teure Tickets und etliche Zugausfälle:

Die Medien waren voll von wütenden Pendlern, die Konsequenzen forderten. Andere reagierten mit Humor. Ein Spieleentwickler stellte das Spiel „Southern Rail Tycoon“ ins Netz. Das Ziel des Spiels ist es, von möglichst vielen Fahrgästen Geld kassieren und dann so viele Zugfahrten wie möglich ausfallen zu lassen.

Weltbienenrat

Im DLF gibt es ein Interview zu Bienen und ökologischer vs industrieller Landwirtschaft. Darin gibt es einen lustigen Versprecher, als der Bienenexperte „Weltagrarrat“ sagen wollte. Die von der Weltbank beauftragten wissenschaftlichen Untersuchungen kämen zu dem Schluss, dass langfristig die Weltbevölkerung nur ernährt werden könne, wenn die Landwirtschaft folgende Bedingungen erfülle:

  • minimaler Pestizideinsatz
  • keinen Kunstdünger
  • keine gentechnisch veränderten Pflanzen
  • regionale Produktionsmethoden

Ausgangsfrage war demnach von der Weltbank folgende: Wo sind die größten Risiken der Weltwirtschaft in Zukunft? Antwort: Hungerrevolten.

Derweil kann man sich auch fragen, wie viel Wasser beim Sojaanbau in Brasilien dafür draufgeht, dass ich ein Rindersteak esse. Stichwort: Virtuelles Wasser, wie Diego heute morgen sagte, als wir über Steuerungsmechanismen und Verantwortung in Bezug auf Nachhaltigkeit sprachen. Ich finde es dabei irgendwie Augenwischerei, wenn dem Verbraucher die Verantwortung für ökologisches Bewusstsein in die Schuhe geschoben wird. Das dachte ich mir schon beim Film zum Thema Landgrabbing, den ich im Januar auf der Globale gesehen hatte. Kann der Weltbienenrat nicht mal eine Nachhaltigkeitssteuer auf sämtliche Waren erheben, die sich nach langfristigen Kriterien richtet?

Das Zittern der Maschine

Die Illusion der Gewissheit ist ein Essay von Siri Hustvedt (Die zitternde Frau), über den im Deutschlandfunk berichtet wurde: Rezension („Das Leesen des Buches ist schwere Arbeit“) und Interview („KI wird nicht in der Lage sein, Emotionen zu entwickeln“).

Im Grunde geht es glaube ich mal wieder um das Leib-Seele-Problem, wenn auch vielleicht nicht direkt. Ich stelle ja in letzter Zeit immer wieder fest, wie körperlich viele Dinge doch sind, von denen ich es vorher nicht annahm. Vielleicht werde ich alt. Jedenfalls spricht sie mir beim Thema KI&Co aus der Seele. Wenn sie mit ihren Thesen daneben läge, würde sie mir – logisch – aus dem Leib sprechen.

Findet es noch jemand witzig, dass sie Siri heißt? Und warum findet  derzeit jeder HAL interessant, anstatt sich mal bspw. auf SHODAN zu beziehen, wenns um verrückte KIs geht:

Baby on board

Can This AI-Powered Baby Translator Help Diagnose Autism?

“Misidentifying false positives is not risk-free,” he says. “We’re talking about changing a way a parent thinks about their child and interacts with them, which in and of itself can influence their development.” With research about how to best help neurodiverse kids flourish already lagging far behind the field of AI-based autism detection, and access to the resources that are available unequally distributed through society, algorithms won’t be enough to democratize good outcomes.

Iiiiih, Mobilität!

Bei Andreas‘ neuem Auto, einem Hybrid-Passat, hat mich tatsächlich dieses Active Lighting System am meisten beeindruckt. Auch wenn ich zugeben muss, dass der kombinierte Antrieb auch schick ist. Vielleicht kauf ich mir ja den kürzlich auf heise vorgestellten kommenden Audi e-tron. Dort werden mich dann vermutlich die digitalen Außenspiegel am meisten beeindrucken.

Wusstet ihr, dass (zumindest in Deutschland) das Stromtanken nach Zeit und nicht nach kwh, also Aufnahmemenge, berechnet wird? Ich nicht. AC-Laden dauert länger und kostet deutlich weniger als das schnelle DC-Laden. Vielleicht hängt das mit den Kosten für die entsprechende Infrastruktur zusammen. Oder es dient dazu, in Zukunft mit diversen Tarifmodellen Stromtanken noch gewinnbringender zu vermarkten. Denn wer sich für 80.000 € ein Elektro-Auto leistet, tankt dann vielleicht auch häufiger DC. Aber ich hab ja keine Ahnung. Auch davon nicht, was die Blockchain-Technologie mit dem Ganzen zu tun hat.

Derweil kann man natürlich das Ökologiefass aufmachen und fragen, wie umweltschonend der Akku-Einsatz ist. Dieser ganze Energiebilanz-Hype ist, glaube ich, recht neu. Ich finde die Betrachtung zwar wichtig, wundere mich aber, wieso niemand schon früher auf die Idee gekommen ist. Wird das z.B. mit Kohlekraftwerken auch berechnet? Wie viel CO2 wird bei der Herstellung eines Kohlekraftwerks verbraucht, fragt das jemand? Und wie hoch ist der zusätzliche CO2-Ausstoß durch die Leute, die in einem solchen Kraftwerk arbeiten und dahin pendeln müssen im Vergleich zur Herstellung und Unterhaltung von Windkrafträdern? Da wird die Argumentation schnell scheinheilig, finde ich.

Jedenfalls finde ich es wichtiger, den Öffentlichen Personennahverkehr auszubauen, als auf Akku-Mobilität zu setzen, solange es noch keine flächendeckenden autonomen E-Carsharing-Plattformen gibt. Und die daraus resultierenden Stadtarchitekturplanungsänderungsmöglicheiten wären noch ein ganz eigenes Thema. (Diego merkte dazu mal an, dass er es da für wesentlicher hält, die Arbeitszeiten zu flexibilisieren.)

Nachtrag (23.4.): Interview zur Berücksichtigung von Fußgängern bei der Stadtplanung

Real existierende Zukunft

Im Deutschlandfunk kann man sich was durchleesen oder auch mal anhöören: Hat die Zukunft eine Zukunft? Über die  Zurückeroberung eines Imaginationsraums. Heißt bestimmt extra Zurückeroberung statt Rückeroberung. Ich mag solche Wortspielchen ja auch, als Leser finde ich sowas aber anstrengend. Kann man also dialektisch betrachten.

Im Artikel wird Oscar Wilde zitiert:

Eine Weltkarte, in der das Land Utopia nicht verzeichnet ist, verdient keinen Blick, denn sie lässt die eine Küste aus, wo die Menschheit ewig landen wird.

Ich denke bei dem Thema Utopie immer auch an zwei Sätze aus dem Alten Testament:

Es gibt nichts Neues unter der Sonne. (Pred. 1,9)

Denn siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr’s denn nicht? (Jes. 43,19)

Und an ein weises Zitat eines Freundes:

Es kann immer alles sein.

Die Sprachspiele im DLF-Beitrag erinnern mich etwas an Alexanders und meinen Versuch, Futur III zu bilden. Mein Favorit ist da ja irgendwas in die Richtung von wurde gewesen sein. Schließlich dachten wir auch über den Konjunktiv 3 nach und kamen zu dem Schluss, dass das logisch identisch mit Futur III zu sein haben würde. Derweil scheint das Lieblingswort im Artikel Panorama zu sein. Ich hätte es das ein oder andere Mal ersetzt mit Panoptikum. Klingt auf die Schnelle auch klug.

Hiob hab ich zwar neulich schonmal verlinkt, passt hier aber besser:

Die Zitate sind wohl aus dem Film Deathrace 2000 (1975):

 

Alexa, lass mich in Ruhe!

War gestern bei nem Freund, der mit Alexa im Wohnzimmer zusammenlebt. Wir hatten jede Menge Spaß zu dritt, Amazons Echo Dot hat uns nur schwerlich verstanden. Das hat mich sehr beruhigt. Ich hab nämlich nach Sascha Lobos Podcast gedacht, dass die Technik schon so gut funktioniere, dass man die technische Ebene nicht mehr wirklich spürt. (Auch deswegen hatte ich mich gestern kritisch zur zukünftigen Vernetzung geäußert.) Mit Alexa zu reden, ist, wie mit einer Maschine zu reden, an die ich mich anpassen muss.

Mein erster Befehl gestern war Alexa, spiel doch mal Oddisee, Built By Pictures. Es wurden dann irgendwelche Oldies abgespielt und mein Freund rief Stopp! Alexa, stopp! Es hat ein wenig gedauert, bis wir gecheckt haben, dass ich den Künstlernamen Deutsch ausgesprochen hab (See), mit englischer Aussprache (see) hats dann funktioniert, wobei das Lied nicht erkannt wurde und dann irgendwas von Oddisee abgespielt wurde.

Haupteinsatzbereich ist vermutlich noch Musikstreamdienststeuerung, auch wenn die Sprachsteuerung im Smarthomebereich nochmal interessanter würde. Es werden aber leider nur wenig Streamingdienste unterstützt. Wer also kein spotify nutzt, für den ist das eher nix.

Es gab bei der Bedienung noch so einige Schwierigkeiten später, habe mich eher wie in der Telekomhotline gefühlt, bevor man einen genervten Menschen am Telefon hat. (Ich habe Sie nicht verstanden.) Alexa hat mir beim Klangschalenskill (App heißt bei Alexa Skill, App mich am Skill!) alle Namen der Klänge vorgelesen, obwohl ich das ausdrücklich nicht gewollt hatte und auch einen Namen zu nennen, während sie auflistet, hat sie nicht unterbrochen. Das kann die Hotline besser.

Jedenfalls bin ich mit einem leicht glücklichen Gefühl wieder gefahren, als ich das von Hand gestartete Eastern Promises von Omar Rodriguez-Lopez im Auto hörte und mit der Technik vorhin unzufrieden gewesen war. In Schwierigkeiten mit der Bedienung offenbart sich die technische Ebene und dies sorgt dafür, dass man die Maschine als einen Fremdkörper erkennen kann.

So betrachtet wird mir die Utopie im Film Her immer unheimlicher. Was, wenn die Maschinen uns nicht verlassen, weil sie unser überdrüssig werden?

Nachtrag (9.4.):
Alexa, what is love?

Neue Netze

Falls ihr Lust auf ein anderes Internet habt, probiert doch IPFS mal aus: https://ipfs.io/. Falls ich es halbwegs kapiert habe, soll es eine Alternative zum bestehenden http-Protokoll (also einem Client-Server-System aka WorldWideWeb&Co) durch Peer-to-Peer und Blockchain mit dezentraler Datenspeicherung und -übertragung sein. Praktisch ändert sich durch das System, dass Dateien nicht mehrfach abgelegt würden. No more broken links? Ich erinnere mich an Theodor Holm Nelsons Ideen zur Umsetzung von Hypertext. Vielleicht wird Xanadu so doch noch ein bisschen Wirklichkeit.

In dieser Richtung zu nennen wäre noch Einiges, wie z.B. das Konzept von dApps (das ‚d‘ steht für decentralized). Interessant finde ich gerade Zipperglobal (Blockchainplattform für Smartphones basierend auf Ethereum) und deren Zusammenarbeit mit streamr (damit soll man Kontrolle über persönliche Daten erlangen).

Am Rande will ich noch hinweisen auf Fuchsia (das hatte ich schon wieder voll vergessen), einem von grundauf neu programmierten Betriebssystem, von Google entwickelt (was auch immer das heißt) womöglich für die kommende IoT-Sause.

Zum Schluss ein kritischer Gedanke: Es rollt mit dem Internet of Things und all der Weiterentwicklung der Vernetztheit eine Welle auf uns zu, welche die entscheidenden Veränderungen auf einer Ebene bringt, die wir Menschen aktiv nur oberflächlich wahrnehmen und schwer verstehen werden, uns aber in unserem Selbstverständnis wesentlich verändern kann. Dem Homo Oeconomicus folgt sowas wie der Homo Reticulus? (Stichwort: Netzwerk&Co)

Was passiert mit dem Individuum in der wirklich vernetzten, schönen neuen Welt?

Fortschritt und Religion sind hilflos zerstrittene Geschwister, sie können sich in der Öffentlichkeit nicht zurücknehmen. Sehnsucht, ihre Mutter, ist maßlos überfordert. Glauben hat sie schon vor langem verlassen. Um sich selbst zu verwirklichen, sagt man.

Cave KI-nem

Ich gebe zu, der Titel ist ein wenig bemüht. Aber seht selbst: „Das größte Risiko für unsere Zivilisation“: Elon Musk warnt erneut vor KI. Ich empfehle, es sich vom Computer vorlesen zu lassen. Unterstreicht das ganze Szenario.

Das erinnert mich daran, dass man der Sprachausgabe von Windows 98 Wissenbacher Platt beibringen konnte. Die amerikanische Computerstimme hat nämlich das R gerollt wie in Barnarne. Man musste sich halt an der englischen Aussprache orientieren: Deetr, wool dou a brutwoasht or a currywoasht ho? Aich danga, aich nam a brutwoasht mit currysoase.

So ungefähr jedenfalls, hab die Originaldatei mal unter erhaltenswertem Unfug gespeichert und verloren. Ein intelligentes OS, das mich kennt, hätte sie aufgehoben und sofort parat. Und den Blogeintrag für mich geschrieben. Ohne dass ich überhaupt auf die Idee gekommen wäre.

Sowieso glaube ich, dass das eigentliche Problem ist, dass wir gar keine klar umrissene Vorstellung von Künstlicher Intelligenz haben. Für die einen ist das eine einfache Weiterentwicklung im Rahmen technologischer Möglichkeiten, die dem Menschen zunehmend (lästige) Denkprozesse abnimmt, für die anderen ist es die Erschaffung eines eigenständigen Bewusstseins auf technologischer Basis. Also so von wegen „Hey, ich bin anders als du, Mensch, deshalb erkenne ich mein eigene Identität in Abgrenzung zu dir.“ Zauberwort bei jedem Gespräch darüber, egal welche Vorstellung nun zu Grunde liegt, ist: Algorithmen. Vorsicht, wenn das jemand benutzt, inklusive mir, denn meistens sind mit diesem Wort ominös irgendwelche Fähigkeiten, Entwicklungsmöglichkeiten und damit einhergehende Gefahren technologischer Entwicklung gemeint. Also eigentlich ein Eingeständnis, dass ich das, was geschieht, vom Menschen geschaffen, nicht mehr wirklich verstehe.

Leider gibt der heise-Artikel nicht her, wovor nun genau Elon Musk warnt. Vielleicht sieht er auch nur seine Felle davon schwimmen und will durch strengere Regelungen bei der Erforschung von KI Boden wiedergutmachen. Oder er hat die Zukunft gesichtet und warnt wie Cassandra vor dem Unaufhaltsamen. Vielleicht hat er aber auch gemerkt, dass es die Menschen in ihrem Wesen verändert, je mehr ihnen von Maschinen abgenommen wird.

Mir kam neulich auf einem Tex-Konzert in Bad Nauheim der Gedanke, als einige Menschen mit ihren Telefonen Fotos machten, dass man sich ja selbst gar nicht mehr an den Moment erinnern muss, wenn die Maschine beim Speichern hilft.

Im Film Her schreibt der Protagonist beruflich sehr persönliche, einfühlsame Briefe für seine Auftraggeber. Die unausgesprochene These scheint zu sein: Die Menschen verlernen den emotionalen Umgang miteinander durch die Art, wie Technologie unser Kommunikation verändert. (In Her verliebt sich der Protagonist in sein neues OS. Das Thema des Films ist in meinen Augen, wie man sich selbst findet und dass man dafür ein Gegenüber zur Auseinandersetzung braucht.)

Jedenfalls finde ich, dass die entscheidenden Fragen sind, wenn man sich mit dem Thema KI auseinandersetzt: Was macht uns Menschen aus? Was unterscheidet uns im Wesen von Maschinen? Sind Emotionen Folgen von komplexen Algorithmen? (Obacht!) Träumen Androiden von elektrischen Schafen? Wer sind wir?

Ich empfehle, Ridley Scotts Filme mit diesen Fragestellungen anzusehen. Ich denke dabei gerade an Alien, Blade Runner, Prometheus, Alien: Covenant.

Naja, vielleicht ist das ja alles Panikmache oder Hysterie. Ich empfinde es jedenfalls derzeit so, dass die Menschheit sich von ihrer Natur entfremdet anstatt sich ihr zuzuwenden. Vielleicht ist das aber gar nicht so sondern eher ein Wahrnehmungstrick, weil ich mich vermehrt mittels Maschinen informiere und damit ein verfälschtes Bild von öffentlicher Meinung entsteht. Krass, was Maschinen/Algorithmen schon so können:

Es ist vielleicht so, dass wir mit Google oder Alexa oder Siri oder Cortana schon sowas wie eine Künstliche Intelligenz am Erschaffen sind. Stichwort: Netzwerke&Co. Keine Ahnung. Skepsis hilft etwas, hab ich geleesen.

Nur der Skeptiker ist wirklich offen für Neues.

Nachtrag am 21.7.:
https://www.heise.de/newsticker/meldung/Kuenstliche-Intelligenz-Was-denkt-sich-eine-KI-3778547.html

Nachtrag am 24.7.:
Mir ist noch Olimpia aus „Der Sandmann“ eingefallen, der von den Göttern geschickte Nathanaels Professor konstruierte Automatenmensch:
Automatenmenschen, Monster, Puppen: Streifzug durch die Literatur
Olimpia ist von einem Menschen nicht zu unterscheiden. Einzig ihre Augen zeigen, dass sie kein Mensch ist, ihr die Seele fehlt. Sie ist ähnlich der schönen Pandora, die laut der Überlieferung der Prometheussage von den Göttern konstruiert wurde, um Epimetheus zu täuschen und Übel über die Menschheit zu bringen.

Ähnlich wie David, der Android in Prometheus: Dunkle Zeichen und Alien: Covenant:

https://www.youtube.com/watch?v=qgJs7uluwlU

Er scheint auch eine Pandora zu sein, auf die zwar nicht Epimetheus aber die Menschen reinfallen. Und gleichzeitig ist er auch die Büchse der Pandora selbst, die die Menschheit konstruiert hat, da er selbst alles mögliche Übel ‚erschafft‘, nachdem er von seinem Schöpfer den Auftrag erhält: „Steigere dich.“ Vielleicht ist diese Gier aber auch die eigentliche Büchse der Pandora. Kann ein Android gierig sein? Hat das eigentlich noch mit dem Thema zu tun? #wirr