Zum Inhalt springen →

Im Kino: Staatsschutz

Am Samstag war ich in dem Film Staatsschutz von Faraz Shariat. Darin begleitet man eine junge Staatsanwältin, die Opfer eines Anschlags wird und dann auf eigenen Faust – wegen der Verstricktheit von Mitarbeitern der ermittelnden Behörden – auf eigene Faust ermittelt.

Der Film thematisiert die schwierige Aufklärung von Straftaten an migrantischen Opfern. Während er, soweit ich weiß, nicht auf einer konkreten wahren Begebenheit beruht, ist er jedoch durch jahrelange Recherchen stark „in der Realität verwurzelt“.

Auf filmisch.online heißt es zu dem Film:

STAATSSCHUTZ behandelt fiktionale Ereignisse, die an reale Fälle in Deutschland erinnern, etwa an die rechtsterroristischen NSU-Morde oder weitere rassistisch motivierte Verbrechen. Der Film erzählt sowohl aus der Perspektive einer Betroffenen als auch mit Blick auf eine Institution. Neben Aspekten des Gerichtsfilms ist STAATSSCHUTZ auch eine rassismuskritische Gegenerzählung mit Popmusik und Elementen des Thriller-Genres. So erkämpft sich Seyo nach dem Neonazi-Angriff peu à peu wieder Haltung und Handlungsmacht. Mit einem kugelsicheren Sportwagen, der an die 1980er-Jahre-Serie „Knight Rider“ erinnert, und R‘ n ‘B-Sounds aus den Auto-Lautsprechern sammelt die Juristin eigenhändig Indizien zu rechtsextremen Strukturen und den Versäumnissen ihrer eigenen Behörde. Die empowernde Inszenierung einer post-migrantischen und queeren Hauptfigur unterscheidet sich signifikant von anderen medialen Erzählungen über rassistische Gewalt und deren Folgen.

Ich musste, als sich die Staatsanwältin ein neues, vermeintlich sichereres Auto zulegt, einen schwarzen Dodge Challenger, nachdem sie ihr altes mit zerstochenen Reifen vorfindet, nicht an Knight Rider sondern an den Film The Wraith denken, bei dem ein geheimnisvoller verdunkelter Wagen die Auto-Rocker zu Rennen auffordert und sie dabei bestraft. Das war sicher nicht beabsichtigt, zeigt aber, dass der Film keine Dokumentation war. Das Auto sollte vielleicht eher sinnbildlich dafür stehen, dass sie sich nicht kleinkriegen lässt und die Herausforderung annimmt.

Ich fand den Film gelungen. Er war, bei aller Ernsthaftigkeit des Themas und dessen Wirklichkeitsbezug, unterhaltsam und erinnerte von der Handlung an eine Tatortfolge, über die man noch länger spricht. Der Kerngedanke scheint mir, dass die Staatsanwältin unglaublich stark sein muss und sich nicht einschüchtern lassen darf und manchmal auch illegal handeln muss, um der Wahrheit auf die Spur zu kommen. Meiner Meinung nach hätte am Ende das Störgefühl, das in der Auflösung der Geschichte nur angedeutet ist, noch stärker betont werden können.

Zum Thema rechtsextreme Gewalttaten und deren Aufklärung empfehle ich auch das Buch Kipppunkte, wenngleich hier der Schwerpunkt die 1990er Jahre sind.

Siehe auch: VOR 33 (1/5) – Strafnachlass für Nazi-Schläger (Danke, Christian)