Sachsen-Anhalt: DAS will die AfD an Schulen ändern (von Maurice Höfgen):
Landeseinheitliche Lehrmaterialien, die das Bildungsministerium diktiert. „Sonderklassen für Flüchtlingskinder“. Private Wachdienste auf Schulhöfen. Russischer Sprachunterricht und Austauschprogramme. Das Kaiserreich als inszeniertes Vorbild im Geschichtsunterricht. Das Ende für das Programm „Schule gegen Rassismus“, weil es „echten Rassismus kaum noch gibt“ und damit „gegen legitime rechte und patriotische Einstellungen vorgegangen“ werde (steht so im Programm, kein Scherz!). Keine Integration, keine Inklusion, keine Schulsozialarbeit. Nur: Lesen, Schreiben, Rechnen. Und zwar mit Frontalunterricht, systematischer Wiederholung und strenger Leistungskontrolle. […]
Die AfD fördert also nicht einfach Nachwuchs, sondern gezielt deutschen Nachwuchs. Um – Zitat aus dem Regierungsprogramm – “das Aussterben des Deutschen Volkes” zu verhindern.
Da sind sie also, wenig überraschend, die Ideen der völkischen Ideologie, konkret ausgestaltet in einem Wahlprogramm, Ideen, die von libertären Ex-Mitgliedern der AfD wie Hans-Olaf Henkel dereinst gefeiert wurden. Ich schrieb dazu in Vorbereitung auf eine Prüfung 2007:
Nehmen wir diese Erkenntnis einmal, um auf ein Buch zu blicken, das unter dem Titel Das Ende des Weißen Mannes: Eine Handlungsaufforderung letztes Jahr veröffentlicht wurde. Der vordergründig rassistisch wirkende Titel ist wohl in der Tat kaum mehr als Polemik – die im Buch zum Vorschein kommende Auffassung der Genese kultureller Unterschiede und deren Folgen liest sich aus der Perspektive der oben stehenden Ausführungen jedoch als eine Entlarvung eines Rassismus ohne Rassen. […] Der Autor, MANFRED POHL, ist »ausgewiesener Historiker und Kulturexperte«, Mitglied im Konvent für Deutschland sowie Vorsitzender des jüngst gegründeten Frankfurter Zukunftsrates, der sich zum Ziel gesetzt hat, ein alle Bereiche umfassender ›think tank‹ für gesellschaftliche Entwicklung zu sein . Auf dessen Homepage war bis vor wenigen Tagen noch der Satz »Wie müssen Hierarchiestrukturen aufgebaut werden, um in der Globalisierung zu bestehen?« zu lesen – mittlerweile wurde er gelöscht (im Google-Cache noch nachweisba). In einem solchen elitären Selbstverständnis liest sich die ›Handlungsaufforderung‹ zur Rettung des ›Weißen Mannes‹ etwas anders.
Sucht man heute nochmal nach dem erwähnten Buch von Manfred Pohl, stößt man auf diese Kritik aus der SZ via Perlentaucher:
Rezensent Thomas Wagner kann gar nicht fassen, wie unverblümt Manfred Pohl, einst Haushistoriker der Deutschen Bank, hier „rassistische Stereotype“ pflegt. Pohl wolle die kulturelle Vorherrschaft des weißen Mannes retten, da zumindest der genetische Siegeszug des „Multi-Colour-Man“ nicht mehr aufzuhalten sei. Wie wir der Rezension entnehmen, gehören für Pohl zur MCM-Spezies der „Schwarze“, der „Gelbe“ und der „Rote Mann“. Und der Moslem. Deshalb könne nur mit radikalen Reformen noch die westliche-weiße Überlegenheit gesichert werden, etwa im Schulbereich durch Förderung der Hochbegabten unter Vernachlässigung der „nicht Bildungsfähigen“. Auch müssen Frauen wieder ihren „biologisch ausgeprägten Mutterinstinkt“ reaktivieren, Männer dürfen sich nicht mehr der Kindererziehung widmen, das mache nämlich impotent, referiert Wagner Pohls Thesen weiter. Die Relevanz dieses Buches erkennt der Rezensent allein darin, dass Roman Herzog, Manfred Osten und Hans-Olaf Henkel sich dahinter gestellt haben.
Eigentlich wundert mich nur, dass Leute wie Henkel aus der AfD ausgetreten sind. Die Rechtsextremen wollen doch exakt das umsetzen, das die Libertären damals indirekt gefordert haben. Die Geister, die ich rief und so.
Siehe auch: NachDenkSeiten & Hans-Olaf Henkel United (2012, von Andreas Kemperer)