Erik wies mich auf den Trend „Robin Alexander Anne Will“ hin, danke. Ich hab dann bei Bluesky (siehe auch: Operation Bluebird) danach gesucht und siehe da: Man stößt auf einen einminütigen Videoschnipsel aus einer Talkshow von 2017, in der Robin Alexander bei Anne Will von einer Strategiesitzung der CDU mit einem Eröffnungsvortrag mit dem Titel „Die AfD als Chance“ berichtet. Demnach sei die machtstrategische Entscheidung getroffen worden, die SPD und die Linkspartei zu bekämpfen. Was nach Verschwörungstreffen riecht, ist wohl eher etwas vollkommen Normales. Man schaut einfach danach, was machtstrategisch am erfolgsversprechendsten erscheint. Das Schlimme daran ist, dass es so verantwortungslos ist und die Gefahr des Rechtsextremismus mal wieder komplett verkennt. Ein paar Jahre später waren dann die Grünen der strategische Hauptgegner.
Das alles finde ich so dumm, weil es offensichtlich nur noch Machtpolitik ist und keine inhaltliche Politik. Besonders staatstragend ist das auch nicht. Als (bewusster?) Nebeneffekt sind damit nicht nur SPD, Linkspartei und Grüne bekämpft worden, sondern auch die christlich-humanistische Strömung innerhalb der CDU. Wer das schon seit einiger Zeit immer wieder analysiert und kritisiert, ist Andreas Püttmann, z.B. hier:
Zwischen Christdemokratie und Rechtspopulismus – Wie die Merz-Union ideell schlingert und schrumpft.
In den 90ern ist ja schonmal mit dem Asylkompromiss versucht worden, dem Rechtsextremismus den Nährboden zu entziehen. (Siehe dazu auch das Buch Kipppunkte von Georg Diez.) Damals meinte man also, dass die Leute ja nur so rechts seien, weil es zu viele Ausländer gebe. (Ulay, das ist jetzt seehr zugespitzt.) Und diese Strategie fährt die Union ja jetzt seit ein paar Jahren wieder, nur funktioniert es nicht, wie gedacht. Oder anders gesagt: Die Leute haben bei der letzten Bundestagswahl die 90er gewählt und die 90er bekommen (nostalgisch eben).
Ich denke, dass es derzeit eine Mischung aus Biedermann und Zauberlehrling ist, was man bei der Union und auch in weiten Teilen der Gesellschaft generell so beobachten kann.
Siehe auch: Radapoxie