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Heißes Pflaster

Neulich schrieb ich einige Erlebnisse und Gedanken zur Hitzewelle im Juni auf. Während es fast überall unerträglich heiß war, vor allem in der Schule und dort insbesondere im 3. Stock bereits früh morgens, wo sich mangels Nachtlüftung die Hitze über die Woche staute, war ich neidisch auf einen Kollegen, der mit seiner Klimaanlage daheim prahlte. Er erzählte ausufernd, dass ihm die Hitze ja egal sei, weil er gleich nach Hause ins schön gekühlte Wohnzimmer gehe, während ich im Büro schwitzte und er mich so von meiner Arbeit abhielt – dabei wollte ich doch möglichst früh, bevor es zu heiß würde, mit den Zeugnissen fertig werden. Vielleicht habe ich aus diesem Affekt auch nur plump Klimaanlagen gefordert, ohne mich näher mit der Sache zu beschäftigen.

Jetzt hörte ich in einem Podcast was zur Kühlung statt Klimatisierung und wie man für Hitze baut. Im Gespräch ging es dann schwerpunktmäßig um längerfristig gedachte Maßnahmen. Zwar stritt der Fachmann nicht ab, dass es gezielt auch Klimaanlagen brauche. Viel wichtiger sei jedoch, Bäume (vor allem auf der Südseite von Gebäuden) stehen zu lassen, beim Neubau Kühlung mitzudenken (z.B. durch eine Wärmepumpe, die kaltes Wasser durch eine Fußbodenheizung leitet) oder weit austragende/begrünte Dächer. Ein faszinierendes Beispiel von altbekannten Kühlungsmaßnahmen seien Windtürme, wie sie z.B. in der Altstadt von Dubai (Barjeel) stehen. Diese Türme fangen den Wind oben ab und führen ihn nach unten in die engen Gassen und tragen so zur Kühlung bei.

Ich erinnere mich auch an einen Beitrag über einen neu gebauten Kindergarten in München. Dahinter steht der Architekt Diébédo Francis Kéré, der mit einfachen Materialien den Bau eines sich selbst kühl haltenden Gebäudes umgesetzt hat.

Neulich meinte Jan, dass das Stadtbüro in Gießen auch schön kühl sei, ohne aktiv klimatisiert zu sein. In Gießen fällt mir außerdem die begrünte Fassade an der THM auf, wenn ich dort entlang gehe. Das Gebäude sollte eigentlich mal abgerissen werden. Interessant scheint auch das Haus der Nachhaltigkeit zu sein. Da war ich vor über einem Jahr tatsächlich mal zu einer Preisverleihung zweier meiner Schüler, aber da ist mir nur der Makerspace in Erinnerung geblieben. Bei der Suche nach Klimatisierungsmaßnahmen in Gießen stößt man außerdem auf die Aktion Dönerdreieck abpflastern. (Das ist auch deswegen witzig, weil der Begriff „Dönerdreieck“ auf einen AStA-Kalender von vor über 20 Jahren zurückgehe, so erzählt man es sich. Siehe auch: Leben im Dreieck.)

Außerdem erinnere ich mich an das Gebäude der Firma Janitza, als ich einen meiner Praktikanten dort vor einigen Jahren besuchte. Die Firma sei auf Energiedatenmanagement spezialisiert und der Herr, der mich durch das Gebäude führte, war sichtlich stolz auf deren energetisch durchdachten Neubau. Leider habe ich mir die Details nicht gemerkt.

Wie man sieht, ist das Thema Kühlung komplexer. Gerade Städte stehen da vor Herausforderungen, die nicht allein mit der simplen Forderung nach mehr Klimaanlagen beantwortet werden sollten (allein schon wegen der Abwärme, die die Luft außerhalb der Gebäude aufheizt). Stattdessen ist es wohl wichtiger, tradiertes Wissen nicht zu vergessen und bei Neu- und Umbauten mitzudenken.

Siehe auch:
Hitzeschutz in deutschen Städten: Zwischen Konzept und Wirklichkeit
Kaltluft kann in der Nacht Städte kühlen – sofern nicht zu viel verbaut ist
Wie antike Zivilisationen Gebäude ohne Elektrizität kühlten
Natürliche Kühlung von Gebäuden – Aus traditionellen Bauweisen lernen