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Dunkler Sozialismus

Im Sommer las ich Am Ende des Fortschritts – Überleben in den Ruinen des Kapitalismus von Kohei Saito. Darin geht es um die These, dass das westliche bzw. kapitalistische Fortschrittsversprechen im Angesicht eines Klimakollapses, der in permanente Mangelwirtschaft mündet, gescheitert ist. Er legt dazu in verschiedenen Abschnitten auf die Auswirkungen der natürlichen Veränderungen auf gesellschaftliche Entwicklung, auf Karl Marx (Stichwort: Degrowth & Co) und auf aktuellere Beiträge anderer, zum Beispiel auf Ulrike Herrmanns Vorschlag einer grünen Kriegswirtschaft zur Bekämpfung des Verlusts der Lebensgrundlagen des Menschen ein. Letztere kritisiert er insofern, als dass er Herrmanns Ansatz als einen Versuch des Erhalts des kapitalistischen Systems sieht, und das hält er mittlerweile für überholt. Letztlich sieht er damit den Weg in eine faschistische Gesellschaft geebnet. Er nennt das Technofaschismus bzw. auch Klimafaschismus. Als eine Lösung bietet er etwas an, dass er Dunklen Sozialismus nennt.

Der Begriff Dunkler Sozialismus ist ein Kunstgriff als indirekte Antwort auf die Dunkle Aufklärung, ein Konzept, das neurechte „Vordenker“ wie Curtis Yarvin seit einigen Jahren propagieren. Die Dunkle Aufklärung sieht den Anbruch eines Zeitalter, in dem der einzelne nicht frei ist und es nur Eliten möglich sein wird, von gesellschaftlichen Errungenschaften zu profitieren. Statt einer Demokratie sehen Leute wie Yarvin eine Welt, in der Staaten bzw. Gesellschaften im Wettbewerb gegeneinander stehen, was letztlich einer Oligarchie gleiche. Dementsprechend ist Saitos Dunkler Sozialismus als egalitäre Antwort darauf zu lesen, in dem wir mittels hochtechnologisierter Planwirtschaft eine egalitäre Gesellschaft im Leben des Mangels ermöglichen. Also einfach gesagt: Dunkel wirds auf jeden Fall, aber wir haben es in der Hand, wie dunkel wir es gesellschaftlich werden lassen.

Das Buch richtet sich an alle interessierten Leser und das merkt man nicht nur daran, dass es an sich einfach geschrieben ist. Saito wiederholt sich häufiger und verteidigt seine Thesen, bevor er sie überhaupt erklärt. Häufiger bin ich über Stellen gestolpert, die so wirkten, als flehe er den Leser an, ihm gedanklich weiter zu folgen und nicht das Buch wegzulegen. Vielleicht ist das aber auch eine Stilfrage im Japanischen und somit der Übersetzung geschuldet.

Seine Beschreibung der nahen Zukunft erinnerte mich sehr an den Stoff von Isaac Asimovs Foundation. Darin findet die Psychohistorik heraus, dass eine Zeit des gesellschaftlichen Zusammenbruchs galaktischen Ausmaßes naht. Dieser lässt sich nicht verhindern, aber auf ein Minimum von 1000 Jahre verkürzen, indem die Foundation gegründet wird. Ich habe die Foundation-Trilogie als Hörbuch gehört und fand es unglaublich zäh. Es hatte mich gewundert zu sehen, dass Apple den Stoff als Serie verfilmt.

Insgesamt finde ich es interessant, dass sich aus dem Lesen viele Denkanregungen gegeben haben. Zustimmen konnte ich dem Autor nicht immer und manchmal war das Buch – wie bereits angedeutet – recht zäh und redundant. Ein Essay hätte vielleicht auch genügt.