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Die Ruhe vor dem Sturm

2 Reportagen, die den Blick auf Menschen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern legen:

Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: Eine Reise durchs »Hier war mal«-Land

Die da unten

Beide sind zu empfehlen. Insbesondere die der ZEIT, da sie so ruhig ist. Das ist eine wohltuende Abwechslung im Vergleich zu diverser anderer Berichterstattung.

Anne meint, dass es gut sein kann, dass wir Montag in einer anderen Gesellschaft aufwachen, weil diejenigen, die mit AfD-Positionen sympathisieren, sich dann offener zeigen würden im Alltag. Da mag durchaus was dran sein, wir werden sehen. Ich glaube ja, dass die Stimmung so ist, dass es egal ist, wie die Wahlen für die AfD genau ausgehen:

  • Absolute Mehrheit hieße Gewinn. Strategie: Umbauen, was man umbauen kann; stören, wo man institutionell stören kann; Erzählung: „das Wesentliche können wir nicht ändern, wegen denen da oben in Berlin“.
  • Hohe Prozentzahl, aber keine absolute Mehrheit: Landtag ggf. handlungsunfähig, Hängepartie bis zu Neuwahlen, Schuld sind die „Altparteien“.
  • Deutlich niedriger als in Umfrageergebnissen: Wahlen wären gefälscht. Vor allem Briefwahl müsse weg (siehe Trump).

So oder so wird das gesellschaftliche Klima im Alltag vermutlich rauer.

PS: Mal sehen, wie viele Sabotageakte vor den Wahlen noch so stattfinden. Stichwort: Operation Matrjoschka & Co. Mich erinnert das an die Verstopfung der Auspuffe, nur dass es damals selbst die Desinformationskampagnen noch beschaulicher zugingen. Siehe auch: Aufrüsten in Gesellschaft?

PPS: Wir leben in einer Zeit von Angst und Wut, so scheint es. In einem Podcast hörte ich mal die Formulierung, Chrupalla verkörpere die Angst, Weidel die Wut. So als Projektionsfläche für die besorgten Bürger. In Hitlers Mein Kampf steht irgendwo über Propaganda, dass nicht derjenige Redner der beste sei, welcher intelligent rede. Der beste Redner sei der, der das Herz der Masse zu erobern wisse. Gefühlsduselei eben. Wahrheit spielt dann nur insofern eine Rolle, wenn sie nützlich ist. Der entscheidende Unterschied Massenkommunikation von damals scheint mir zu sein, dass sie heute fragmentierter daher kommt, sich auch genauso an die Masse richtet, man das aber durch seine individualisierten Informationsräume nicht so sehr spürt. Der Kopf lässt sich leichter in den Sand stecken. Mal sehen, wie es weiter geht.

Nachtrag:
Historikerin: AfD will Erinnerung an NS-Zeit und Holocaust ausradieren