Youtube hat mir seit ein paar Tagen diese Arte-Doku angezeigt, jetzt habe ich mal reingeschaut: Weltkrieg als Bühnenshow – Kriegsästhetik im Metal. Während Kanonenfieber mit einem deutschen Historiker, dessen Schwerpunkt der 1. Weltkrieg sei, zusammenarbeitet und die Maskierung der Bandmitglieder an den unbekannten Soldaten erinnern soll, welcher für die unzähligen Gefallenen der Schlachtfelder stehe und der Band ein Vorbild sei, ist der Leadsänger der ukrainischen Band 1914 nach eigenen Aussagen Kriegsarchäologe, der in den Karpaten unter anderem auf Überbleibsel wie Gürtelschnallen hessischer Soldaten gestoßen sei. Die an diese Überreste der Gefallenen gerichtete Frage Was machst du hier? treibe ihn seither um und die Musik sei ein Mittel, dies zu verarbeiten.
Ich hatte häufiger den Eindruck, dass es den Bandmitgliedern, die in der Dokumentation zu Wort kommen, wichtig ist, sich von rechtsextremer Vereinnahmung sowie von Kriegsverherrlichung zu distanzieren. Das zeigt meines Erachtens, dass ihnen der Widerspruch einer der Unterhaltung dienenden Bünenshow und der Ernsthaftigkeit bewusst ist. Ich hatte nicht den Eindruck, dass sie diesen haben auflösen können. Das sagt dann an einer Stelle auch der Interviewpartner des Panzermuseums, dass auch das Museum in diesem Zwiespalt von Unterhaltung und Auklärung ist.
Für mich klingt das ein bisschen so, als würde man als Jugendlicher Call of Duty spielen und würde dann mit Erwachsenen erklären, warum man das mache. Dabei gibt es das ein oder andere Computerspiel, das das Thema Krieg nicht als Ballerspiel umsetzt, z.B. This War of Mine. Speziell zum 1. Weltkrieg wären außerdem 11-11: Memories Retold sowie Valiant Hearts: The Great War zu nennen. Ich hatte da mal den Fehler gemacht, einem Schüler, der seine Präsentationsprüfung zum 1. Weltkrieg machen wollte und wir in einem Gespräch auf die Darstellungen von Krieg in Videospielen zu sprechen kamen, diese Spiele zu nennen. Dadurch wurden sie dann bei ihm uncool, wie ich später merkte.
– Gedankensprung: Heute morgen habe ich im Unterricht nach einem gelungenen Essaytext einer Schülerin zum Thema Einsamkeit in der Masse spontan das Gedicht Städter von Alfred Wolfenstein vorgestellt. Bei der Nennung des Autorennamens waren die Blicke der männlichen Jugendlichen vielsagend. Meine Schwester führte damals mal ein ernstes Gespräch mit mir, als sie auf meinem 386er den Ordner C:\Spiele\wolf3d\ sah. Ich reagierte ähnlich (vermeintlich?) aufgeklärt, wie die Personen in der Doku, aber etwas pubertärer, wenn ich mich noch richtig erinnere. Erhalten hatte ich das Spiel von jemandem aus der Schule, ich glaube er hatte eine Kopie auf 6 Disketten. Ich hatte es aber bald wieder deinstalliert, da ich wieder Sherlock Holmes spielen wollte, und das war zwar gepackt, brauchte aber dennoch 9 Disketten und somit etwa 29mb von der 80mb großen Festplatte. Das war ein ganz schöner Krampf, vor allem als dann irgendwann eine der 9 Disketten fehlerhaft war und ich keine Sicherheitskopie mehr zur Hand hatte.
Siehe auch: Musik im Panzermuseum: „Panzerhenker“ von Kanonenfieber in der Analyse (Wacken Special)





