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Schlagwort: Fortschritt

Die Pflicht zum digitalen Ungehorsam: Wie wir kommunizieren möchten

Vorwort
Ich überlege seit einiger Zeit, SailfishOS dank Community-Port nochmal auf meinem Fairphone zu installieren. Was mich daran hindert, ist die Tatsache, dass Whatsapp dank fehlender Androidunterstützung nicht nutzbar ist, neulich leider offiziell bestätigt. Bin schonmal von Whatsapp gesperrt worden, weil ich Whatsup für SailfishOS genutzt hatte. Das hat Facebook nicht so gefallen, Fremdsoftware für deren Dienst zu benutzen. Etwas beleidigt habe ich mir dann gedacht, ich machs ähnlich wie Diego und boykottiere erstmal Whatsapp. Habe es nicht so lange durchgehalten wie er, wollte wieder mit allen schnell kommunizieren. Daher ist meiner Meinung nach Software wichtiger als Hardware, wenns um Nachhaltigkeit geht. Mal sehen, was ab morgen auf dem Mobile World Congress in Barcelona von Jolla und Fairphone so noch kommt.

Digitale Kommunikation
Verschiedene Gespräche über die Art und Weise, wie wir heute digital kommunizieren, insbesondere im Gegensatz zu der Zeit vor wenigen Jahren, haben mich viele selbstverständliche Kommunikationswege in Frage stellen lassen. Ich wage mal einen spontanen, nicht recherchierten Blick in die vergangenen Jahre:
Vor etwa sechs bis sieben Jahren hat bei mir Whatsapp den Short Message Service als Kurznachrichtendienst weitgehend abgelöst. Der SMS funktioniert als geräte- und anbieterunabhängiger Standard. Die Netzbetreiber bzw. Tarifanbieter haben meiner Meinung nach (zumindest in Deutschland) die Entwicklung verschlafen – womöglich weil man damit eben lange ordentlich Geld verdient hat. Ich war aber irgendwann nicht mehr bereit, pro Nachricht zu bezahlen, wenn es doch deutlich (monetär) günstigere Dienste gibt. Daher bin ich auf den Whatsappzug aufgesprungen.

Jetzt fragte ich mich neulich, warum niemand ein ernsthaftes Interesse daran hat, einen neuen geräte- und anbieterunabhängigen Standard durchzusetzen, der ähnliche Möglichkeiten wie Messenger wie Whatsapp bietet. Und – ZACK – lese ich Folgendes: Googles Android Messages: Angriff gegen WhatsApp und Co. durch die Hintertür RCS. Google, soso. Klingt auch nicht besser, wenn einem beim Thema Kommunikation Postgeheimnis, Briefgeheimnis und Fernmeldegeheimnis wichtig ist. Ob meine Kommunikationswege über Facebook-Server laufen oder Google darauf in irgendeiner Weise Zugriff hat, finde ich ähnlich blöde.

Tolle neue Welt?
Warum hat unsere Gesellschaft eigentlich kein Interesse daran, einen Kommunikationsstandard zu schaffen, der garantiert, dass die digitale Kommunikation ihrer Bürger geschützt ist? Und zwar vor anderen Bürgern, vor Unternehmen, vor Robotern – und vor dem Staat selbst.

Meiner Meinung nach ist es grob fahrlässig, dieses Themenfeld denen zu überlassen, die aus Profitabsicht solche Dienste anbieten. Man könnte sich ja mal in die eigenen Angelegenheiten einmischen, sich ein bisschen aktiv gestaltender mit der virtuellen Realität auseinandersetzen.

Natürlich ist es toll, dass Whatsapp verschlüsselt funktioniert. Aber:

Allerdings sind durch die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung natürlich nicht alle potenziellen Probleme aus der Welt geräumt. Der Quellcode von WhatsApp liegt nicht offen, Anwender müssen Facebook also nach wie vor ein gewisses Vertrauen einräumen. Zum Beispiel, dass der Anbieter die geheimen Schlüssel nicht auf einem Seitenkanal von ihrem Smartphone ableitet und so die Nachrichten auf dem Server doch wieder entschlüsseln kann. Auch das Metadaten-Problem bleibt bestehen. Die WhatsApp-Server sehen zwar nicht den Inhalt der Nachrichten, aber sie können nach wie vor beobachten, wer mit wem spricht. Und WhatsApp macht keinen Hehl daraus, dass diese Daten gespeichert werden. Das ist besonders interessant für Strafverfolgungsbehörden und Geheimdienste, die diesen Daten fast so viele Informationen entlocken können wie dem Inhalt der eigentlichen Nachrichten.

Natürlich ist es toll, wenn ich dank des kommenden Netzstandard 5G  und seiner höheren Signalstärke auch im tiefsten Keller guten Empfang haben werde. Aber etwas Kontrolle – oder wenigstens umfassendes Verständnis davon – über die mit dem Internet of things einhergehenden Veränderungen, also das, was wirklich passieren wird, ist nicht das Schlechteste.

Natürlich ist es toll, insgesamt so viel mehr Möglichkeiten zur Kommunikation zu haben. Aber Möglichkeiten sind nicht Freiheit.

Pflicht zum Ungehorsam
Bei alledem sehe ich zwei wesentliche Probleme: Die gesammelten Daten, insbesondere zum Kommunikations- und Konsumverhalten, lassen auch Rückschlüsse auf diejenigen zu, die sich diesen Kommunikationsformen entziehen. Auch wer nicht bei Facebook ist, handelt nach bestimmten Prinzipien, die sich womöglich auch manipulieren lassen. Um ein konkretes Beispiel zu bringen, sorgte nach der US-Präsidentschaftswahl die Firma Cambridge Analytica für Furore, als ihr CEO behauptete, mit Psychogrammen via Facebook Donald Trump zum Wahlsieg verholfen zu haben. Ob das tatsächlich so war oder nur ein Werbecoup für seine Firma, sei hier dahingestellt. Wenn man das nämlich hysterisch zu Ende denkt, können mittels Psychogrammen von Facebooknutzern auch Rückschlüsse auf das Verhalten von Nicht-Facebooknutzern gezogen werden – und so ganze Gesellschaften zielgerichteter beeinflusst werden.

Das zweite Problem: Diejenigen, die sich der digitalen Kommunikation aus einer grundsätzlichen Kritik heraus entziehen (zu Recht oder nicht spielt keine Rolle), nehmen an dieser gesellschaftlichen Entwicklung nicht direkt Teil. Kritik von Innen ist aber dringend nötig, um das Bestehende zu hinterfragen und darauf hinzuwirken, es zum Besseren zu verändern. Wir haben die Pflicht zum Ungehorsam – heute nicht nur gegenüber dem Staat, sondern vielmehr unserem gewohnten Verhalten gegenüber.

Nachwort
„Ich habe nichts zu verbergen“ ist zwar eine Einstellung, die auf ein gesundes Selbstbewusstsein schließen lässt. Allerdings bezieht der Gedanke nicht den Faktor Zeit mit ein. Wer weiß, ob ich in 20 Jahren nicht doch lieber verborgen hätte, was mir heute gleich ist? Habe neulich eine Nachricht gelesen (finde sie leider gerade nicht wieder), laut der in Russland eine Bürgerin kürzlich wegen Spionage zu einer Haftstrafe verurteilt worden sei, weil sie vor einigen Jahren eine SMS geschrieben habe, in der sie von russischen Panzern auf dem Weg nach Georgien schrieb.

Man muss ja nicht jeden Kommunikationsscheiß mitmachen, aber einzelner Boykott bewegt wenig. Tox ist beispielsweise eine Alternative, gibts auch für SailfishOS als native App.

Und: Sabine Leutheusser-Schnarrenberger wurde 2011 zur Regulierung im Internet interviewt.

Réne Marigtte’s Surraelsitische Rveoltuion

René Magritte hinterfragt mit seinen Bildern unsere Wahrnehmungs- und Abbildungsfähigkeit der Wirklichkeit. Die Ausstellung in der Schirn gibt einen recht guten Überblick über seine Werke, mit denen er wohl eine surrealistische Revolution bewirken wollte. Ihm war es laut Ausstellungstext wichtig, mit der – gerade unter Philosophen – dem Wort untergeordneten Stellung des Bildes zu brechen. Berühmt ist sein Der Verrat der Bilder von 1929, welches bspw. von Michel Foucault 1973 interpretiert wurde, wie ich las. Gefallen hat mir das Bild, welches aus einer mit Lagerfeuer beleuchteten Höhle auf eine Staffelei herausblickt, die eine Burg am felsigen Horizont einrahmt. Er spielt damit wohl auf Platons (oder Sokrates‘) Höhlengleichnis an, mit welchem die für den Menschen unüberbrückbare Kluft zwischen Wirklichkeit einerseits und ihrer Darstellung und Wahrnehmung andererseits verdeutlicht werden soll.

Interessant an alledem finde ich, dass Bilder, die ihrem Wesen nach konkrete Gegenstände abbilden (sollten), mit meiner Wahrnehmung derart spielen, dass sie – wenn man sich denn auf die Auseinandersetzung einlässt – Fragen erzeugen anstatt Antworten zu geben. Das ist das Wesen von Philosophie, laut Alexander.

Ich habe mich zum Beispiel gefragt, wieso der Gedanke einer linearen Existenz so allgegenwärtig ist. (Dieser selbstverständlichen Allgegenwärtigkeit hat Anne übrigens widersprochen.) Anlass dazu war ein Erklärtext in schick geformten Buchstaben an einer Wand in der Ausstellung, in der die kunsthistorische Perspektive einer irgendwie aufeinander aufbauenden Entwicklung der Malerei kurz eine Rolle spielte. Ist es nicht eher so, dass alles mit sich spielt, sich selbst wiederholt? Gleichsam dem Wellengang eines Ozeans ist diese oder jene Idee stärker da, obschon alles bereits vorhanden ist. Ohne allzu wehmütig zu klingen verweise ich wie schon 2009 in meinen ersten Blogbuchstaben auf den Prediger (1,9): Es gibt nichts Neues unter der Sonne.

Vielleicht ist das auch eine Dialektik der Aufklärung, die Folge einer Vorstellung von der Einzigartigkeit eines Menschen: Solange ich mich als von der Existenz des anderen losgelöstes, eigenständig existierendes Individuum begreife, dessen Bestehen einen Anfang und ein Ende hat, muss ich linear denken. Oder anders gesagt: Wenn man nur nah genug ranzoomt, mag ein Kreis wie eine Linie wirken.

Ausgangspunkt meiner Wörter waren ja die Bilder von Magritte. Bei Le Viol musste ich an die Marsianer in der Sesamstraße denken. Am besten gefiel mir Gesang des Gewitters, welches im Internet auf die Schnelle nicht zu finden ist. Was auch mal ganz gut tut.

 

Gegenwartskunst

Von Kunst hab ich ja keine Ahnung. Den Kommentar von Georg Diez hab ich mir trotzdem durchgelesen:

Kunst in der Krise: Das Ende der Gegenwart ist nah.

Danach hab ich mich gefragt, was a) Gegenwart ist und 1. Kunst. Ergebnis: Ich hab keine Ahnung.

Nach all den Gedanken ist dieses Video irgendwie passend:

Zu a)
Gegenwart ist die Auseinandersetzung mit dem, was war und dem, was kommt. Formen der Auseinandersetzung sind Angst und Trauma sowie Hoffnung und Nostalgie.
(Jetzt wollte ich erst sowas schreiben wie:
Angst und Trauma, genauso wie Nostalgie und Hoffnung sind jeweils die gleichen Bewegungen, nur in unterschiedliche Richtungen. Aber da bin ich mir nicht sicher, ob das mit der Richtung und der Bewegung Sinn macht. Klingt so linear. Vielleicht ist alles nur ein Kreis, wer weiß. Oder vielmehr eine Spirale, wovon Robert Gwisdek in Der unsichtbare Apfel schreibt. Denn was ist schon Fortschritt?
Und noch was: Im Flow vergisst der Mensch diese bewusste Auseinandersetzung. Aber ohne Erinnerung daran oder Sehnsucht danach hat auch das Flow-Erleben keinen Bestand. Ich sah nicht die Weisheit der Gegenwart, Zerstreuung, Ruhe ist unauslöschlich.)

Zu 1.
Kunst ist die Auseinandersetzung mit dem Menschen in der Auseinandersetzung. Sie gelingt, wenn sie das bewusstmacht.

Nachtrag: Das Tocotronic-Lied im Video heißt Hi Freaks. Danke Patrick.

Bikes vs Cars

Am Dienstag Abend habe ich dank nicht gekündigtem Netflix-Probemonat angefangen, den Film Bikes vs Cars zu schauen:

Nach den ersten 5 Minuten, in denen man eine Radfahrerin in Sao Paulo begleitet, beendete ich den Film und wechselte den Schlauch meines Vorderrades. (Das Vorderrad hatte ich am Samstag nach einer ausgiebigen Cyclocrosstour in den Wäldern heimatlicher Gefilde am Haus meiner Eltern wieder angekommen am Bordstein platt gefahren.) Ich war hoch motiviert, am nächsten Morgen statt mit dem Auto mit dem Rad zur Arbeit zu fahren, das erste Mal seit längerer Zeit. Schwierig wurde, dass ich Mittwoch eine Stunde früher aufstehen musste als gewöhnlich. Donnerstag fuhr ich auch wieder mit dem Fahrrad, wenn ich da auch schon recht spät dran war. Heute habe ich dann, damit ich etwas länger im Bett liegen konnte, wieder das Auto genommen. Auf dem Rückweg stand ich dann auch prompt im Stau. Da musste ich dann Fatoni in Dauerschleife hören, um nicht auch noch an mein gescheitertes 2°-Ziel erinnert zu werden:

https://www.youtube.com/watch?v=eepgaapRebY

Den Film habe ich mittlerweile komplett gesehen. Interessant, dass der Fokus nicht einfach auf den Fortbewegungsmitteln selbst lag sondern vielmehr auf unterschiedlich umgesetzte Stadtentwicklungsplanungen. Los Angeles habe sich zum Beispiel in den 1930er Jahren ganz bewusst entschieden, voll auf Autos und Busse zu setzen, der Einfluss der Automobilindustrie sei da nicht unerheblich, erzählt der Film. Am Ende zeigte der Film Bilder von Jakarta. Darüber unterhielt ich mich vorhin mit einem Kollegen, der dort schon einmal war und mir das aus eigener Erfahrung bestätigte.

In einer Stelle spricht ein Bürgermeister in Los Angeles vom „war on cars“ und meinte damit die Radfahrer, die ein „pain in the ass“ der Autofahrer seien. Solche Aussagen findet man in Deutschland sicherlich auch so ähnlich, zumindest bemerke ich häufig aggressive Fahrweisen von Autofahrern, die zum Beispiel nicht ertragen können, dass man als Radfahrer bis zur Ampel vorne zur entsprechenden Markierung vorfährt und dann vergessen, dass ein Unfall mit einem Radfahrer dem Autofahrer so gut wie nichts ausmacht.

Gut gefallen hat mir die globale Perspektive des Films, die mir deutlich gemacht hat, dass sich so fast jedes Land als Autonation sieht, wenn es denn nur will. Das ist wahrscheinlich so ähnlich wie der Mythos, dass die Atomkraftwerke im eigenen Land die sichersten seien.

Ich will mal sehen, wie oft ich demnächst noch Fatoni hören muss. Vielleicht ja aber auch Benjamin Button.

Advantageous: Ist einträglicher Nutzen dienlich?

Ich mag Science-Fiction(-Filme). Gerade habe ich einen solchen Film gesehen: Advantageous. (Irgendwie gefiel er mir noch besser als Under The Skin.)
Die Handlung: Eine allein erziehende Mutter beschließt, ihre Identität zu Werbezwecken in einen jüngeren Körper verpflanzen zu lassen.

Ich wurde beim Sehen im Wesentlichen an zwei der folgenden drei Dinge erinnert:
1. Möglichkeiten haben nichts mit Freiheit zu tun
2. Wer bist ich?
3. Schönheit liegt im Auge des Betrachters

Wie gute Science-Fiction spiegelt der Film die Gegenwart. Hier meiner Meinung nach insbesondere das Streben nach gesellschaftlich anerkannter Anerkennung ( meist „das Nützliche“ genannt).

Apropos Kritik der Gegenwart, in der Kierkegaard zu Beginn dem modernen Selbstmörder das Selbstmördersein abspricht, da er nicht aus sondern durch Überlegung Selbstmord begehe: Die Tochter der Hauptfigur(en) fragt wiederholt verzweifelt ihre Mu(e)tter, welchen Sinn es überhaupt habe, dass sie selbst lebe. Die Mutter wiederum opfert sich dafür, dass ihre Tochter ein möglichst gutes Leben hat. Den Sinn im Leben projiziert die Mutter also in ihren Nachwuchs, der ihn selbst sucht. Irgendwie auch eine Flucht vor der eigenen Betroffenheit.

Meine Antwort auf den in dem Film angeprangerten Nützlichkeitswahn ohne Sinn mit Verstand: Pure Vernunft darf niemals siegen.
Das meinte auch ein Freund gestern, weshalb wir uns entschlossen, noch Nachos mit Käse zu bestellen.

Plattendreher

Seit kurzem habe ich dank Christian einen ordentlichen Plattenspieler. In den Folgetagen stieg dann mein Investitionsniveau bei discogs&co exponentiell an. Ich mache mir nun Sorgen, dass dies nach meinem weißen Eingangrad – mittlerweile verkorkst und will ich in diesem Jahr mal angehen – und dem schön bunten Cyclocross ebenso dazu beiträgt, dass Diego mich für einen Hipster hält. Dabei ist mein Grundproblem, dass ich zu langsam bin, um zur Hipster-Avantgarde zu gehören.

Jedenfalls bin ich bei meiner Musikleidenschaft nicht nur auf gute Musik (z.B. Christian Scott), nachdenklich machende Musik (z.B. Edgar Wasser&Mine) oder schöne Musik (z.B. Nils Koppruch) gestoßen, sondern musste auch feststellen, dass es etwas anderes ist, eine Platte aufzulegen, als bei Spotify alles Mögliche dargeboten zu bekommen. Letzteres mag seine berechtigte Situation haben, wenn es geht, bevorzuge ich allerdings das Albumdurchhören.

Jetzt muss ich nur noch aufpassen, dass ich nicht zu hip werde, indem ich allerlei Trends progressiv hinterherjage und mich im Kreis drehe. Vorwärts ist keine Richtung.

Crowdfunding: Massenegoismus

So langsam wird es mal Zeit, hier über diverse Crowdfundingprojekte zu berichten, die ich in der letzten Zeit unterstützt habe. Zunächst wäre da natürlich das Telefon, mit dem ich diesen und die letzten Beiträge erstellt habe. Nach beinahe zwei Jahren Nutzung muss ich mittlerweile sagen, dass ich das Betriebssystem ziemlich gut finde und es gerne täglich nutze. Meiner Meinung nach ist die Bedienung der anderen Smartphones überlegen – wenngleich man aufpassen sollte, keinen Swipedaumen zu bekommen.

20150822_025Am Freitag kam dann meine Uhr, die eigentlich bereits im März verschickt werden sollte. Da gab es schon viel Rumgeheule in der entsprechenden Community. Dass das Design gelungen ist, bestätigte mir gestern in der Berghain-Schlange eine ganz sympathische Hipsterella. Die war zwar nicht davon beeindruckt, dass die Uhr auch blinken kann, aber die Tatsache, dass sie mit ihrem Hipster-Begleiter reingelassen wurde, der wiederum für seinen Norwegentrip – „Ich will da so durch die Fjorde wandern und wenn es regnet, will ich gut aussehen!“ – eine ganz spezielle gelbe Regenjacke online suchte, einen Friesennerz, wie sich herausstellte, bestätigte meiner Uhr einen gewissen Stylefaktor. Nevo bewirbt sie als erste analoge Smartwatch. Es gibt derzeit wohl noch viele Probleme mit der App. Die kann ich aber eh nicht ausprobieren, da mein Supertelefon Android nur bis Version 4.1 emulieren kann. Also bleibt mir erstmal nur der Stylefaktor.

Vermutlich im September kommt übrigens das passende Tablet zum Telefon. Viel spannender als die Hardware wird da jedoch sein, wie sich die Änderungen in SailfishOS 2.0 so machen werden. Das soll dann auch mit etwas Verzögerung aufs Telefon kommen, daher nicht irrelevant.

Gespannt bin ich auch auf den Coffee-Grinder, der mit seinem Mahlwerk speziell für Espressomehl gut geeignet sein soll. Der Vorteil ist, dass er nicht elektrisch ist. Das erhöht neben dem Style- auch den Gutmenschenfaktor meiner Küche.

Schade finde ich, dass das Projekt AguaClara, welches ich als Weihnachtsgeschenk für jemanden finanziert hatte, seinen Zielbetrag damals nicht im Ansatz erreichen konnte. Vielleicht lag es an einer mangelhaften Kampagnendurchführung – denn das sollte klar sein, dass Crowdfunding meist eine ganz spezielle Form von Werbung für ein Produkt ist. Nevo schreibt dazu, wie man das am geschicktesten machen sollte. Irgendwie ziemlich entlarvend. Ich glaube aber eher, dass Crowdfunding grundsätzlich funktioniert, wenn es dem Einzelnen etwas konkret bringt. Insofern kann man von Massenegoismus sprechen.

Der größte Vorteil für mich ist das zeitversetzte Konsumieren. So kann ich Geld ausgeben und irgendwann kommt ein tolles neues Spielzeug, über das ich mich freuen kann. Das ist dann quasi wie ein Geschenk, da ich das Bezahlen schon wieder vergessen habe. Toll, was?

Innehalten ohne Wachstumsangst

Das Gezeter um die Aschewolke des isländischen Vulkanausbruchs hat gezeigt, dass unsere Gesellschaft kaum in der Lage ist, einfach mal eine Pause zu machen. Das liegt wohl an einer für viele selbstverständliche Wachstumsmaxime (China), die das Denken auch sehr unbewusst bestimmen kann. Dabei darf man mit Sicherheit die Frage stellen, ob das Wachsen tatsächlich die sinnvolle Art von Fortschritt ist. Wohlstand ohne Wachstum, so lautet ein lesenswerter  Spiegel-Artikel über eine wirtschaftlich alternative Denkweise.

Der Presseclub, den ich gerade schaue, redet über die Sinnhaftigkeit der Maßnahmen zur Stützung der griechischen Wirtschaft. Und so richtig ausgestanden ist die Finanz- und Wirtschaftskrise der jungen Zeit ja auch noch nicht. In diesem Zusammenhang ist im Rahmen einer grundsätzlichen Kapitalismuskritik immer wieder von Gier die Rede. Ich finde dabei weniger die Gier entscheidend, weil ich glaube, dass dahinter eher eine unscheinbare Angst steht, nicht hintenanstehen zu wollen – bedingt durch ein Konkurrenzdenken, das nur Wachstum als Maßstab kennt.

Mein Fazit aus der „Vulkankrise“ ist weitreichender: Stillstand ist Rückschritt? Innehalten wäre ein Anfang.

Die Kunst, ein Opfer der Kunst

Beim Leesen eines Artikels auf zeit.de bin ich auf Jonathan Meese aufmerksam gemacht worden, bei dem ich zunächst an eine Vereinigung von Helge Schneider und Jonathan Davis denken musste. Seine Vision einer Diktatur der Kunst, in der es niemals Opfer gäbe, stellt er in einen Gegensatz zur „Menschenmachtsrealität“. Ich glaube aber, dass er das Kindische überhöht: Er küsst Heidegger lieber, als dass er ihn liest, kritzelt in Büchern rum und erklärt, es sei weder Assoziation noch Improvisation, was er tut… Wenn ichs recht begriffen habe, ist sein Leben für ihn ein andauerndes Spielen mit der Realität. Wenn man seiner Vision folgen würde, opferte man die Realität für die Diktatur der Kunst und aus „Alles ist Kunst“ würde dann ja logischerweise „Nichts ist Kunst“. Ich kann damit ja nicht so viel anfangen. Total wenig, um genau zu sein.

Reale Virtualität

Wollte nur mal eben schnell auf das schon seit Wochen durchs Netz schwirrende Aufklärungs-Video, veröffentlicht von WikiLeaks.org, Bezug nehmen: Collateral Murder. Wenngleich ich ohne Frage zustimme, dass unabhängige Medien wichtig sind, so will ich doch darauf hinweisen, was ich vor über einem Jahr bezüglich Call of Duty 4 geschrieben habe:

Die Grenzen zwischen virtuell und real verschwimmen, wenn die einzige Unterscheidungsmöglichkeit die Quelle wird, woher wir die Bilder empfangen.

WikiLeaks funktioniert ja nur dadurch, dass die Informanten anonym bleiben, wie man im Disclaimer nachlesen kann. Das ist ja nicht nur gut sondern auch notwendig für einen Journalismus, der eine Alternative zu den etablierten und womöglich schon zu sehr eingeschliffenen Medien sein will. Allerdings bleibt dann die Frage nach der Glaubwürdigkeit der Quelle unbeantwortbar, es sei denn, man begnügt sich mit WikiLeaks als Quelle der Glaubwürdigkeit. Es wird eben nur dann gefährlich, wenn man die Informationen nicht eindeutig als virtuell oder real bestimmen kann.

Wenn mehr Möglichkeiten weniger Freiheit bedeuten

Mit den modernen Kommunikationsmöglichkeiten steigen die Freiräume des Einzelnen. … – Weit gefehlt: Neulich berichtete ein Ausbilder im Studienseminar, dass es noch vor rund zehn Jahren üblich gewesen sei, die schriftliche Unterrichtsvorbereitung in ausgedruckter Form morgens vor der Unterrichtsstunde vom Referendar in die Hand gedrückt zu bekommen. Heute ist es üblich, dass wir LiV (=Lehrkfräfte im Vorbereitungsdienst) am Vortag abends den Entwurf dem Ausbilder zumailen, in der Regel bis 18h. Wenn ich das Lernverhalten meiner Schüler und auch mein eigenes beobachte, schließe ich daraus, dass es früher viele Referendare gab, die eine durchgemachte Nacht hinter sich hatten, um morgens den Entwurf frisch ausgedruckt mit in die Schule bringen zu können. Das ist im heutigen Ausbildungssystem nicht mehr möglich. Ausnahmsweise hat das mal nichts mit der Reform des Systems, sprich: der Modularisierung zu tun, sonder mit der „Reform“ der Kommunikationsmöglichkeiten.

Das ist ausnahmsweise mal kein Gejammer, ich will weniger wertend diesen oder jenen Zustand bevorzugt darstellen. Es ist aber bemerkenswert, dass auf nahezu selbstverständliche Weise durch den Zuwachs an Möglichkeiten die Selbstbestimmtheit verloren geht.

Gestern erzählte mir ein Freund eine amüsante Geschichte: Ein Jugendlicher sei auf ihn zu gekommen und sagte, er brauche Hilfe beim Schreiben seines Praktikumsberichts. Das heiße, formuliert sei er schon, er müsse aber noch ins „Internet geschrieben“  werden. … – Als er das erzählte, dachte ich zu aller erst, dessen Schule habe ein Online-System entwickelt, um Praktikumsberichte „praktischerweise“ einfacher darzustellen. Dann dachte ich, dass man das bestimmt nutzen könne, um im Stil von Blogeinträgen die Schüler in Zukunft zu Tagesberichten zu veranlassen. Ich dachte an die Praktikumsberichte, die ich bislang geschrieben hatte und vor allem, wie ich diese geschrieben hatte, und bekam eine leichte Dystopie-Blässe  im Gesicht. Besagter Freund spannte mich glücklicherweise nicht länger auf die Folter und offenbarte mir, dass für den Jugendlichen die Begriffe „Computer“ und „Internet“ dasselbe bedeutet hätten und er einfach den Bericht digitalisieren wollte. … Da bin ich noch mal mit dem Schrecken davongekommen.

Aber wer weiß, toll wärs schon, wenn man als Lehrer mal sehen könnte, zu welcher Uhrzeit die Schüler ihre Hausaufgaben machen. „Aufsatz veröffentlicht von Artur am 10.01.2017 um 07:22 Uhr in der Kategorie ‚Erörterungen‘ “ Mann, das wäre ein Machtzuwachs. – Solange die Schüler nicht mitbekommen, wann ich meinen Unterricht vorbereite…

PS: Wer hier was Philosophischeres erwartet hat, muss zwischen den Zeilen lesen. Mein Verständnis von „Freiheit“ hat übrigens wenig mit „Freiräumen“ zu tun…

Automat

War gerade noch mal im Freibad schwimmen, um es zum letzten Mal diese Saison im Freien zu genießen. Da ich meine ermäßigte „Karte“ – in Wahrheit handelt es sich um einen RFID-Chip, der in einem 5-Mark-Stück-großen, roten, runden Plastikchip sitzt – beim letzten Mal verbraucht hatte und dieser der Automat automatisch eingezogen hatte, wollte ich mir heute einen neuen ermäßigten Chip kaufen. Übrigens ist es nicht möglich, einzelne Ermäßigungen zu bekommen,  man muss immer mindestens fünf auf einmal bezahlen (=6,40€). Dass das Schwimmbad zwei Tage später zumacht, war mir egal, kann ich ja noch nächste Saison benutzen, dachte ich. Tja, das dachte ich, während ich vor dem unbesetzten Kassenhäuschen stand… – nachdem ich ne Weile dachte, dass auch Kassierer aufs Klo müssen, betätigte ich die Klingel für die Fernsprechanlage und schilderte der fragenden Stimme, das Kassenhäuschen sei nicht besetzt. Die wieß mich dann auf den Bezahlautomaten hin, den ich bis dahin tatsächlich übersehen hatte. Auf meine bedankende Schlussbemerkung, dass ich ja ermäßigten Eintritt bekäme, offenbarte mir der Lautsprecher, dass dies am Automaten nicht möglich sei (was ich insofern verstehe, als dass ich ihm zwar meinen Ausweis vor den Bildschirm halten könnte, ich aber andererseits froh bin, dass noch keine intelligenten Scanner für sowas im Einsatz sind). Ermäßigte Karten könne man nur kaufen, wenn die Kasse besetzt sei. Auf meinen Hinweis, laut Beschilderung sei ich zu einer Uhrzeit an der Kasse, an der sie besetzt sein sollte, wurde ich darauf hingewiesen, dass wegen fünf Badegästen die Kasse nicht besetzt werde. Prinzipiell fand ich das ja verständlich – wenn damit nicht ausgeschlossen worden wäre, dass ich weder ermäßigten Eintritt bekäme, noch den Euro für den Spint mir hätte wechseln können, noch das 20-Cent-Stück, welches für die warmen Duschen benötigt wird… Also fing ich kurz an zu disktuieren, nachdem sich das Gespräch aber – ähnlich wie mit Wachtmeistern – im Kreis drehte, ließ ich dem Lautsprecher gegenüber die Bemerkung fallen, dass Diskutieren offensichtlich nichts bringe, ich das alles dämlich fände und bedankte mich höflich (wohl nur höflich und weniger ehrlich) und steckte die 2,40€ in den Automaten und die durch Wut und Unverständnis aufgeladene Energie in die folgenden 2200m…

Abgesehen davon, dass ich mich in dieser kurzen Erzählung in einer Welt voll Grausamkeit als den Entrechteten schlechthin darstellen möchte, gehts mir um Folgendes: Ich finde es krass, dass sich eine Entwicklung bestätigt, möglichst viel zu automatisieren. Eine Folge, die ich heute selbst gespürt habe, ist, dass eine ehemals selbstverständlich von einem Menschen besetzte Kasse nur noch als kulanter Zusatz-Service zum Automat verstanden wird. Wer dann irgendwelche Bedürfnisse hat, die nicht ins automatisierte Schema passen, hat gelitten, bzw. hat zu leiden. Ähnliches Prinzip befürchtet sich beim mittlerweile automatisierten Rückmeldesystem an der Uni Gießen zu entwickeln, wo man mittlerweile im Idealfall nur noch was mit Scannern und Druckern zu tun hat, um die benötigten Unterlagen zu bekommen.

Den Bogen weiter gespannt sei noch zum Schluss der Hinweis gestattet, dass man nicht automatisch Maschinen benötigt, um Automaten herzustellen. Bestes Beispiel ist die Umsetzung der Modularisierung von Bildung, die zuweilen dazu führt, dass sich eine Logik automatisiert, die nichts mehr mit Realität zu tun hat oder vielmehr: eine Logik, die sich eine eigene Realität schafft. Hab ich heut morgen wieder gedacht, als ich mitbekommen habe, mit welchen Problemen sich einige meiner Hauptschüler rumschlagen (wörtlichst). Das Ausbildungsmodul Erziehen, Beraten, Betreuen kann jedenfalls trotz schicken Titels mir nicht mehr Ratschläge geben, als: Machense doch mal Gruppenarbeiten im Unterricht… (Achtung: Zynische Polemik!) Es tut aber so, als könne man nach dem Besuch erziehen, beraten und betreuen. Probleme, die über den Zuständigkeitsbereich eines Moduls hinausgehen, haben ja rein technisch betrachtet dort jeweils keinen Platz. Zum Glück sitzen aber manchmal Menschen in den Modulen, die nicht nur Routine automatisch abspulen…

Des Krieges Schleim

Schützender Schleim für Soldaten Die Entwickler des stoßdämpfenden Schleim mit der Bezeichnung „D30“ ließen sich von Journalisten mit Spaten traktieren – geschützt durch die „intelligenten Moleküle“ in der wabbeligen Masse. Die versteift sich blitzschnell, wenn sie von einem Objekt mit hoher Geschwindigkeit getroffen wird. „Das ist in etwa so, als ob ein Bodybuilder seine Bauchmuskeln anspannt“, sagte Richard Palmer, einer der Hersteller des Schutzschleims, der britischen „Times“.

Hier zu lesen: www.spiegel-online.de. Zur Entfremdung der Realität durch das Virtuelle hab ich vor kurzem schon geschrieben. Die Frage, die sich bei diesem Artikel und der Vorschau auf die Möglichkeiten der kommenden Kriegsführung ergibt, ist, ob die Realität auch durch die Entwicklung des Realen entfremdet werden kann. Will das nicht weiter ausführen sondern nur kurz anreißen: Über die Technologisierung könnte die Gefahr bestehen, das Wesen des Krieges – es ist nicht die Waffe, die ist nur sein Ausdruck; es ist die Zerstörung – zu vergessen. Die Entfremdung, die durch den Fokus auf die Technologie stattfindet, vernichtet die Distanz zur Zerstörung.

Naja, vielleicht ist das auch nur Polemik, weiß es grad nicht. …