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Schlagwort: wirr

Brot

Beim Surfen habe ich gerade einen nettes Video gefunden: Making No-Knead Bread. Der Hinweis darauf fand sich auf indexhibit.org, klang auch ganz interessant, aber ich hab kein Linux installiert, also werde ich mit schmutzigen URLs leben müssen. Auf indexhibit.org bin ich gestoßen, weil ich auf dieser kleinen Seite ein amüsantes Schriftartensuchspiel gestartet habe. (Das hat mich schwer an Prokrastination erinnert.) Hingeführt wurde ich von typophile.com. Dort war ich wegen eines Forenhinweises zu einem Telepolis-Artikel: Digital ist besser – oder doch nicht? Geklickt hab ich auf den Artikel, weil mich das Thema rund um die Zukunft des Buches sehr interessiert. Was das Ganze mit Brot nunmehr zu tun hat, weiß ich auch nicht, außer dass die Verknüpfungen selbst in Zukunft vielleicht die inhaltlich sinngebenden Zusammenhänge darstellen werden: As We May Think.

Atheisten sind aber gläubig

Ich bin vor kurzem, nachdem ich diesen tp-Artikel samt Kommentaren geleesen habe, hier über diesen Gedanken gestolpert:

Der gern geäußerte Vorwurf , beim Atheismus handle es sich auch nur um eine weitere Religion, entspringt der Vorstellung, auch derjenige sei abergläubisch, der keine Angst vor schwarzen Katzen hat.

Nach ein wenig Grübeln hab ich bemerkt, dass der Gedanke nicht funktioniert. Schließlich steht die Existenz der schwarzen Katze nicht infrage. Auch hab ich nach Leesen dieses Eintrags den Eindruck, dass der Autor der Seite sich in den Kategorien verstrickt, gegen die er kämpft.

Jetzt gehts mir nicht um die Ehrenrettung eines dialektischen Gedankens. Viel spannender bei dem Ganzen finde ich die Frage nach der Bedeutung des Begriffs ‚Glauben‘, was ja letztendlich in all dem steckt. Ich stell mir jetzt mal vor, ich sei jemand, der, hoch reflektiert, dabei nicht unnötig affektiert sondern eher ehrlich und bescheiden, sich selbst als Atheist bezeichnen würde. Ich würde vermutlich auf Kirche, Religion, die Welt verweisen, die Klugheit der Antike, die wenige im europäischen Mittelalter betonen und so versuchen aufzuzeigen, dass es eine schlechte, von Menschen gemachte Welt sei, die aber, weil sie von Menschen gemacht sei, besser werden könne, eben genau dann, wenn die Menschen erkennten, wessen Geistes Kind sie wären und sich von den Verblendenden Reden derer befreiten, die da an eine moralische Vormacht außerhalb dieser Welt glauben. Ich würde also versuchen, die Menschen von ihrem schlechten Glauben zu befreien, einer Unvernunft, die nicht auf Erkenntnissen, auf Fakten, Logik, auf Beweisbarem sondern auf blinden Vorstellungen beruht. Ich wäre der Ansicht, dass die Kategorie ‚Wissen‘ über der des ‚Glauben‘ steht, da ja schließlich etwas zu wissen valider sei, als etwas zu glauben. In all dem würde ich nicht loskommen können von den Ansichten derer, die da glauben, würde sie insgeheim lächerlich finden, ihnen das aber nicht so deutlich offenbaren wollen, würde mich damit beschäftigen wollen, was jemanden dazu treibt, zu glauben, obwohl er wissen kann. Mit der Dauer der Auseinandersetzung mit Religionen und Kirchen würde ich vermutlich verbitterter, weil ich sehen würde, wie sich die Naivität überall wiederholt und ihre Kreise zieht. Irgendwann vor meinem Tod würde ich den Kopf schütteln und denken: „Ich habe es richtig gemacht – mit allen Fehlern, die dazugehören, aber im Grundsatz richtig.“ Ich weiß nicht, ob ich jemals erkannt hätte, dass ich andere letztlich nur von meinen Ansichten hätte überzeugen wollen. Ich hätte wohl nicht beachtet, dass man fremde Erkenntnisse nur glauben kann.

Naja, zum Glück lebe ich ja nicht hoch reflektiert… Glaub ich.

An den Lippen kleben

Auszug aus einem Artikel auf Spiegel-Online, wo über eine Untersuchung berichtet wird, in der autistischen und nicht-autistischen kleinen Kindern zwei gleiche Zeichentrickfilme zeitgleich – der eine normal vorwärts, der andere rückwärts auf dem Kopf stehend – mit einer einzigen Tonspur (passend zum normal ablaufenden Film) gezeigt und die Fokussierung der Kinder beobachtet wurde:

Die Übereinstimmung der rhythmischen Bewegungen und der rhythmischen Sprechweise fasziniere die Kinder noch mehr als das Klatschen allein, schreiben die Forscher. In dieser Faszination für Synchronität sehen die Wissenschaftler daher den Grund dafür, dass Autisten ihrem Gegenüber beim Sprechen am liebsten auf den Mund sehen.

Ich musste – daran werde ich heute immer noch erinnert, wenn ich mich dabei ertappe, meinem Gesprächsgegenüber nur auf den Mund zu starren – mir früher erst mühsam antrainieren, dass es für den anderen angenehmer ist, wenn man ihm in die Augen als auf den Mund schaut, wenn er redet. Dabei fällt mir auch heute noch auf, dass es mir leichter fällt, das Gesagte zu merken, wenn ich nicht nur zuhöre sondern auch die passenden Lippenbewegungen zu den gesprochenen Wörtern sehe.

Soviel nur dazu, weil ich neulich schon in ähnlicher Weise meine Sichtweise auf Autismus angedeutet habe.  Je mehr ich mich damit beschäftige, desto mehr glaube ich einfach, dass autistische Verhaltensweisen vor allem dazu beitragen, den „normalen Leuten“ einen Spiegel vorzuhalten und deren vermeintlich menschlichen Verhaltensweisen in Frage gestellt zu sehen.

Frühkindlicher Autismus ist eine Entwicklungsstörung, bei der verschiedene Teile des Gehirns nicht richtig zusammenarbeiten und vor allem die soziale Interaktion mit der Umwelt stark beeinträchtigt ist. In der Folge kapseln sich autistische Kinder stark von ihrer Umwelt ab. Viele Forscher und Mediziner vermuten, dass bei ihnen die sogenannten Spiegelneuronen nicht genügend aktiviert werden. Diese Neuronen ermöglichen es, andere Menschen nachzuahmen und sich in den Gegenüber hineinzuversetzen.

Man kann natürlich in einer bei Autisten gesteigerten Faszination für Synchronität die Ursache für das beschriebene Verhalten finden. Allerdings ist es vielleicht viel naheliegender, dass sich den Versuchspersonen der Sinn einer betrachteten Sache nicht intuitiv erschließt, sondern dass sie erst die Zusammenhänge benötigen, um der Beobachtung einen Sinn zu geben. Das für Nicht-Autisten Selbstverständliche wird unter dieser Voraussetzung eben in Frage gestellt; die Welt wird erst geprüft, bevor sie konstruiert wird. Nicht-autistisches aber echtes Lernen könnte demgegenüber vielleicht als Dekonstruktion von etablierten Auffassungen beschrieben werden…

Update

Hab mir grade noch mal durchgelesen, was ich da gestern geschrieben hab: Abgesehen davon, dass ich mir (nicht nur hier) unsicher bin, ob das denn auch alles wenigstens halbwegs stimmt, was hier steht, musste ich feststellen, dass vor allem der letzte Absatz wirr und unzusammenhängend rüberkommt. Ich versuchs, nochmal klarzumachen:

Ich verstehe den Begriff ‚Lernen‘ als das Durchdringen von Welt, also alles, was wir irgendwie wahrnehmen können, verstehen zu wollen. Dazu behelfen wir uns üblicherweise Begriffen und Kategorien, die zusammengenommen unserer Sicht auf die Dinge einen Sinn geben. Diese kategorischen Hypothesen benötigen wir, weil wir ja irgendetwas annehmen müssen, irgendeine Erklärung brauchen, die dann die Grundlage weiteren Lernens sein kann. Jetzt ist es nur so, dass wir im Lauf der Zeit verschiedene Vermutungen als falsch erkennen und bisherige Sichtweisen also dekonstruieren. Deswegen würde ich einfach mal so behaupten, dass die konstruktivistische Sichtweise von Lernen – jeder entwickelt eine eigene Sicht auf die Dinge, die dann kommuniziert und also angeglichen werden aber nicht grundsätzlich falsch sein kann – in Wahrheit einen dekonstruktivistischen Vorgang beinhaltet. Alte Weltbilder und Sichtweisen erweisen sich als unzureichend und werden durch neue, plausiblere Hypothesen ersetzt (übrigens sowohl individuell- als auch menschheitsgeschichtlich betrachtbar).

Meine gewagte These lautet jetzt: Vielleicht ist die oben beschriebene autistische Beobachtungsweise keine thesengeleitete also dekonstruktivistische sondern von ihrem Wesen her unvoreingenommener, naiver, also unmittelbar dem jeweiligen Sinn aus der Beobachtung selbst konstruierend…

(Ohne dass das alles so wirklich stimmen muss hoffe ich, dass es jetzt klarer geworden ist, wie ich drauf gekommen bin.)

PS: Bei dem geilen Wetter werd ich jetzt wohl mal wieder Fahrrad fahren müssen. Hab mich den ganzen Winter drum gedrückt, aber der Sonnenschein entdeckt meine Ausreden…

Die Kompossibilität des Konfusen

Hab grad nen Artikel auf Spiegel-Online geleesen, in dem Oswald Egger dem Wesen des Unvorstellbaren nachgeht. Ist aus oder zu seinem Buch Diskrete Stetigkeit. Poesie und Mathematik (erschienen 2008 beim nach Berlin ziehenden Suhrkamp-Verlag).
Ich finde solche (sprach-)philosophischen Gedanken ja immer ganz spannend, aber ich raff einfach nicht, warum derartige Texte oft in einer Sphäre eigener Begrifflichkeiten schweben, die höher liegt als jeder andere wissenschaftliche Elfenbeinturm. – Wer soll das denn verstehen:

Die Kompossibilität des Konfusen und auch des Konformen, und die Interimsbilder inzwischen: in Leibniz‘ wechselständiger Fulguration von winzigen, sofort wieder zerfallenden, geborgten Bedeutungen, die wie Augenblicksgötter koexistierender Zustände zwischen Rede und Realität oszillierten

Meine Übersetzung (für Hauptschulphilosophen):
„Wie wir Zusammenhänge herstellen können im Unordentlichen und auch im bereits von anderen Geordneten sowie die Frage, wie wir durch Sprache zu Momenten der Erkenntnis (= Augenblicksgötter koexistierener Zustände zwischen Rede und Realität) gelangen“

Und das ist ne Zwischenüberschrift… Ich frag noch mal: Wer soll das raffen? Vielleicht ist das ja auch ein Philosophenwitz: Das ist deren Geheimsprache und der Inhalt dieses Satzes heißt im Grunde genommen: „Wer das liest, ist doof.“ …

Im Grunde genommen will Egger – so vermute ich – einfach sagen, dass es eine interne Logik in der Sprache gibt, wie sie sich selbst zusammenhält und wie sie mit der Realität in Kontakt kommt bzw. ob sie überhaupt die Realität berührt. Vielleicht will er ja auch was ganz anderes sagen. Er hat hier halt Konfusion komponiert, zumindest in mir.

Präzision, die eitel ist, führt zur geordneten Konfusion. Wer wahrhaft verstehen will, muss das Wesen der Dinge reduzieren, herunterbrechen auf die Wahrheit. Eggers Essay ist große sprach-mathematische Kunst, wer weiß. Vielleicht aber auch nicht. Ich kanns nicht beurteilen. – Und dass ich es nicht beurteilen kann, ist mein Vorwurf an ihn.

Aber vielleicht bin ich auch einfach unfair, weil ich die Dinge mit meinem kindlichen Idealismus sehe, der auf dem festen Glauben beruht, dass die Wahrheit nichts Exklusives ist.

PS: Ich mag das Roboterbild, das hat so was Romantisches…