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Fragmentierte Zeit

Genau wie das fragmentierte Lernen sorgt der Zeitmangel während der Lehrerausbildung für innere Zerrissenheit – und Zeitmangel… Nicht dass ich mich allein damit rausreden will, dass ich wegen dem Stress der Ausbildung recht wenig in letzter Zeit geschrieben hab – ich bin, wie angekündigt, zurzeit auch am Umziehen. Aber dennoch bleibt die unumstößliche Tatsache, dass man den Kopf nicht einfach nach abgelaufenem Workload abschalten kann, wenn man mal wirklich schlechten Unterricht hinter sich hat…

Aber wie dem auch sei: Es gibt ja auch günstige Momente, in denen ich etwas Zeit habe. Jetzt ist grade so einer. Ich wollte grade meine kleine Kommode zusammenbauen, nachdem ich vorgestern das unbehandelte IKEA-Holz geschliffen und mit ner Lasur eingestrichen hab. Ich bin dabei wie ein Mathematiker vorgegangen. Mein Mathelehrer sagte früher öfter mal, um eine neue Rechenmethode einzuführen, die wohl irgendwas vereinfachen sollte: „Mathematiker sind von Natur aus faul.“ Das ist übrigens das Einzige, das ich mir aus Mathematik behalten habe. Neulich fragte mich eine Schülerin aus der 7H, wie man eine Matheaufgabe löst, da eine Arbeit in der darauffolgenden Stunde anstand – nebenbei bemerkt scheinbar ein noch höherer Effizizenzgrad der Prüfungsvorbereitung, als ich ihn je perfektioniert hätte. Ich hatte keinen blassen Schimmer, wie die Aufgabe gelöst werden sollte. (Und das, obwohl ich mir in Wissenbach schon den Ruf erarbeitet hab, Mathematik studiert zu haben und sogar schon mal eine Stunde Mathenachhilfe gegeben habe, in der mir der Schüler mehr beibrachte, als ich ihm…) Ich weiß übrigens nicht, was das Mädchen in der Arbeit geschrieben hat, aber ich betrachte es schon als Erfolg, dass ich sie nach einem emotionalen Gespräch überzeugen konnte, die Mathearbeit mitzuschreiben und nicht einfach abzuhauen…

Ich bin also beim Lasurauftragen wie ein Mathematiker vorgegangen und hab mir am Aufbauplan angeschaut, welche Holzteile ich lasieren (gibts das Wort? – scheinbar schon) muss. Jetzt ist es nur so, dass eine gewisse Dialektik im Satz „Mathematiker sind von Natur aus faul.“ auf der Inhaltsseite zu finden ist: Man muss die Mathematik beherrschen, um ein fauler Mathematiker zu sein. Oder einfacher gesagt: Ich hab ein Holzteil übersehen und musste jetzt während des Aufbaus noch mal ein Stück lasieren, das natürlich jetzt erstmal trocknen muss. Und das bedeutet, dass ich grade mal wieder Zeit habe, einen (bereits abgekühlten) Pfefferminztee zu trinken und den ein oder anderen Blogeintrag zu machen.

Ich hoffe, es bleiben nicht solche günstigen Momente der Zeit, die ich meinen fragmentierten Unfähigkeiten verdanke, um diese Seite auch weiterhin während der Ausbildung am Leben zu erhalten.