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Schlagwort: wirr

Buchbesprechung

Vergangene Nacht habe ich etwas geträumt, an das ich mich teilweise erinnere – das ist nicht selbstverständlich. Es ging um ein Buch: As far as I am. von Heinz Erhardt.

Es besteht aus drei Teilen, die sich jeweils mit einem Abschnitt aus dem Leben des Künstlers beschäftigen. Das grobe Erzählgerüst ist autobiographisch gehalten, besitzt aber viele fiktive Elemente, die es eindeutig zu einem Roman im klassischen Sinne machen. Es ist bebildert mit Ansichten im Postkartenformat aus der “guten alten Zeit” und umfasst ca. 330 Seiten. Den Verlag habe ich leider vergessen.

Kommen wir zum Inhalt. Hier wird es etwas trickreich, denn ich will nicht zu viel verraten. – Kann ich auch gar nicht, denn ich hatte mir das Buch ausgesucht, um es in einer Arbeit zur Verteidigung meines Beamtentums zu untersuchen. (Es handelt sich um eine Art 3. Staatsexamen.) Nach langem Vorgespräch mit dem zuständigen Professor wurde meine Gliederung schließlich genehmigt, ich ging in die Buchhandlung, holte meine 5bändige Spezialausgabe von As far as I am. ab und fing an zu schreiben. Wegen Zeitmangels konnte ich den Roman kaum leesen und sog mir für meine schriftliche Arbeit etwas aus den Fingern. Ich weiß, dass ich unzufrieden mit dem Haupteil war, doch um ihn zu verbessern, musste ich den Roman vollständig lesen, das war ausgeschlossen. Ob ich die Arbeit fertigstellen konnte, will ich hier nicht verraten…

Mir hat As far as I am. wirklich gut gefallen. Vor allem beeindruckt mich nach wie vor das Repertoire des Autors, da er mir bislang nur durch seine deutschsprachigen Gedichte bekannt gewesen ist. Die philosophische Denktiefe, die in der geschickt angeordneten Verquickung autobiographischen und fiktiven Stoffs an vielen Stellen aufblitzt, habe ich so noch nirgends gelesen. Seitdem lese ich Erhardt völlig neu. So ist zum Beispiel für das heiter wirkende Gedicht Die Made eine völlige neue Rezeption zwingend erforderlich (“Schade!”). As far as I am. ist der Schlüssel zu Heinz Erhardts Gesamtwerk.

Ich grübele übrigens seit dem Aufwachen nach einer passenden Übersetzung des Titels.

Ach, du alle Welt

Vergangenen Dienstag war ich auf der Auftaktveranstaltung Ernährung vom Funkkolleg von hr-info. Dort sprach zum Ende Kai Funkschmidt, der irgendwie in die evangelische Kirche involviert ist, zum Thema religiöse Elemente in der Ernährung – oder umgedreht, erinner mich nicht mehr exakt. Ich erinnere mich aber an eine Randaussage, in der er die Antifa als linksterroristisch titulierte. (Den Zusammenhang krieg ich gerade nicht mehr hin, fiel aber auch schon direkt schwer, das weiß ich noch.) Linksterroristisch ist doch etwas unscharf formuliert. Der Wikipediaeintrag formuliert auch eine m.E. unscharfe Sichtweise des Verfassungsschutzes auf die Antifa:

[Die Jahresberichte des Verfassungsschutz] stellten [die Aktionen der Antifa] als terroristische Gewalt oder gefährliche Aufwertung und Provokation von Neonazis, deren Brandanschläge auf (andere) politische Gegner als Reaktion darauf dar. Sie erwähnten jahrelang keine gewaltfreien Aufklärungs- und Störaktionen von Antifa-Netzen gegen verfassungsfeindliche Rechtsextreme, setzten Antifagruppen mit gewaltbereiten Autonomen gleich und sahen Antifakampagnen fast nur als Rechtfertigung für Gewalt und „Klammer“ für linksextreme Aktivitäten gegen den Staat.

Also anders gesagt: Die Antifa sei Schuld an rechtsextremistischen Taten. Das klingt arg nach Verschwörungstheorie.

Wofür wohl das ‘V’ in BfV steht? Ob Kai Funkschmidt von der Christlichen Antifa weiß? Ob die Christen in der AfD von all dem wissen? Ob die Christen in der AfD wissen, dass Stauffenberg auch kritisch zu sehen ist?

Skythische Lämmer

Über Glauben und Wissen – Irrwege und Irrsinn:

Wissenschaft zeigt nicht, was wahr ist und was falsch. Wissenschaft schließt, anhand von Evidenz, was am wahrscheinlichsten wahr sein könnte.

Das Baumlamm kannte ich noch nicht (s. Wikipedia):

Other writers cite ancient Talmudic traditions, which tell of the Jeduah, described by rabbinical scholars as a plant-animal like a lamb which is tethered to the ground by a sort of umbilical cord, and which can only eat what vegetation is within reach of the cord. […]

In a variation, the Jedoui takes human form and is similarly grounded by its navel – it is a savage beast which kills anyone it can reach and can only be killed by severing the cord with an arrow or dart. Jedoui means ‘wizard’ and is the same wizard mentioned in Leviticus XIX 31, “Regard not them that have familiar spirits, neither seek after wizards, to be defiled by them: I am the LORD your God”; the bones of the Jedoui were placed in the mouth and immediately one was endowed with the gift of prophecy.

The Lamb Lies Down

It had a head, yes, ears, and all other parts a newly born lamb. …For myself, although I hadpreviously regarded these Borametz as fabulous, the accounts of it were confirmed to me by so many persons of credence that I thought it right to describe it.

Legend of the Lamb-Plant

Erinnert mich an Karl May. Und Wilhelm von Humboldt.

Mir kam der Gedanke, dass man es sich als Wissenschaftler ganz schön einfach machen kann, indem man seine Subjektivität aus der Beobachtung rausnimmt und sagen kann: “Ich bin fein raus.” Die Fragen sind nur: Geht das wirklich? Duldet die Wahrheit ein Subjekt? Erträgt die Antwort die Frage?

Siehe auch: Atheisten sind aber gläubig und Frage / question.

Wiener

Gestern schrieb ich ja über Star Trek Discovery. Da ist mir in der letzten Folge tatsächlich in der Szene, als Käpt’n Pike ein entlegenes Klingonenkloster aufsucht die Assoziation zu Game of Thrones gekommen (ohne dass ich davon je eine Folge gesehen hätte – außer die passende Southpark-Folge natürlich). Einen kurzen Moment später fiel mir auf, dass die Hintergrundmusik mit Geigen/Synthesizern unterlegt die Game of Thrones-Titelmelodie andeuteten. Vermutlich haben mir meine Lhren einen Streich gespielt. Eine winzige Restmöglichkeit bleibt, dass die Melodie so subtil unterlegt wurde, dass erst dadurch die Assoziation überhaupt hervorgerufen wurde. Dann wäre ich wieder fein raus.

Im Anfang steht das Denken still und lauscht

Im Deutschlandfunk Kultur gibt es gerade einige Buchvorstellungen zum Thema Ki&Co, z.B.: Robert Feustel: „Am Anfang war die Information“ – Die Grenzen der Digitalisierung.

Zu Beginn des Beitrages unterläuft dem Moderator ein beliebter Fehler, der sich zum Teil wohl vom Buchtitel herleitet, als er sagt: “‘Am Anfang war das Wort’, so lautet zumindest in der Bibel die Schöpfungsgeschichte.” Das gemeinte Zitat ist aus dem Johannesevangelium und lautet eigentlich “Im Anfang war das Wort”. Die Bedeutung verändert sich nicht unwesentlich, wenn es “Im” oder “Am” heißt.

Eine interessante Übersetzung findet sich ebenfalls beim DLF Kultur:

Im Uranfang war Er, das Wort.
Und Er, das Wort, war bei Gott.
Und Gott war Er, das Wort.
Der war im Uranfang bei Gott
Alles ist durch Ihn geworden,
und ohne Ihn geworden ist nicht eines.

Eugen Drewermann übersetzt das nicht ungeschickt so:

Am Anfang steht worthafter Geist. Denn worthafter Geist geht nach Gott. Gott selber ist worthafter Geist.

Von Anfang an geht er nach Gott.

Alles entsteht nur durch ihn, und ohne ihn entsteht nichts. Was immer entsteht, ist Leben durch ihn.

Jetzt ist natürlich die Frage, ob Robert Feustel mit seinem Buchtitel wirklich auf das Johannesevangelium anspielen will, vermutlich nicht. Für die Meinung von Philosoph Markus Gabriel, Gedanken seien objektiv wahre Tatsachen, die wie ein Ding existieren, kann er jedenfalls nichts. (Das Beispiel, Angela Merkel sei Bundeskanzlerin, ohne dass wir dies denken, ist eigentlich ein Beispiel für ein Gegenargument, denn wenn niemand denken würde, sie sei Bundeskanzlerin, wäre Angela Merkel verrückt. Wer ist nun verrückt?)

Mir scheint die fälschliche Übersetzung sowie die Zuschreibung zur Genesis ein ähnlich beliebter Irrtum zu sein, wie der, nachdem Eva, das Früchtchen, ihrem Adam einen Apfel gegeben hätte. Siehe auch: Der unsichtbare Apfel.

Am ehesten aus der Reihe der vorgestellten Bücher würde mich “It’s Alive” interessieren.

Schöpfung wird durch Fehler kreativ, sonst bleibt sie Wiederholung. Es folgt die Herausforderung der Kreatur, ihr einen Sinn zu geben.

Künstliche Verantwortung

Diskussionen zwischen KI-Systemen sollen Entscheidungen nachvollziehbar machen, berichtet heise von OpenAI.

Da denke ich mir (was mit dem Artikel selbst nur noch wenig zu tun hat): Wenn uns demnächst Maschinen auch Entscheidungen abnehmen können, dann brauch man ja auch keine Verantwortung mehr zu übernehmen. Autonome Autos sind da ziemlich plausibel, vielleicht gilt das aber auch für andere Bereiche, wie z.B. Altenpflege. Vorher machen uns aber am besten noch die Hirnforscher weis, dass wir gar nicht die Entscheidung selbst treffen, sondern unser Gehirn. Dann wären wir alle fein raus.

Han Solo ist tot

Hab mir jetzt Star Wars – Das Erwachen der Macht nochmal richtig angesehen. Ein echtes Disney-Märchen: Für Kinder von Kindern. Kylo Ren gefällt mir in und als Paterson. (Ein Gedicht von einem Film – oder anders herum. Merke gerade, dass ich dazu seit eineinhalb Jahren schon was zu schreiben wollte.)
Mir fiel auf, dass jeder Planet einer eigenständigen Klimazone der Erde gleicht. Genau so in Knights of the Old Republic oder Mass Effect – letzteres ist übrigens im Wesentlichen ein neueres KotOR ohne den Star Wars-Kram. Bei allen findet man klimatisch mehr oder weniger einheitliche Planeten.

Apropos Klima. Das nenn ich mal ne abgespacete Klimakarte: The worlds skyrocketing CO2-levels visualized as skyscrapers.

Cave KI-nem

Ich gebe zu, der Titel ist ein wenig bemüht. Aber seht selbst: “Das größte Risiko für unsere Zivilisation”: Elon Musk warnt erneut vor KI. Ich empfehle, es sich vom Computer vorlesen zu lassen. Unterstreicht das ganze Szenario.

Das erinnert mich daran, dass man der Sprachausgabe von Windows 98 Wissenbacher Platt beibringen konnte. Die amerikanische Computerstimme hat nämlich das R gerollt wie in Barnarne. Man musste sich halt an der englischen Aussprache orientieren: Deetr, wool dou a brutwoasht or a currywoasht ho? Aich danga, aich nam a brutwoasht mit currysoase.

So ungefähr jedenfalls, hab die Originaldatei mal unter erhaltenswertem Unfug gespeichert und verloren. Ein intelligentes OS, das mich kennt, hätte sie aufgehoben und sofort parat. Und den Blogeintrag für mich geschrieben. Ohne dass ich überhaupt auf die Idee gekommen wäre.

Sowieso glaube ich, dass das eigentliche Problem ist, dass wir gar keine klar umrissene Vorstellung von Künstlicher Intelligenz haben. Für die einen ist das eine einfache Weiterentwicklung im Rahmen technologischer Möglichkeiten, die dem Menschen zunehmend (lästige) Denkprozesse abnimmt, für die anderen ist es die Erschaffung eines eigenständigen Bewusstseins auf technologischer Basis. Also so von wegen “Hey, ich bin anders als du, Mensch, deshalb erkenne ich mein eigene Identität in Abgrenzung zu dir.” Zauberwort bei jedem Gespräch darüber, egal welche Vorstellung nun zu Grunde liegt, ist: Algorithmen. Vorsicht, wenn das jemand benutzt, inklusive mir, denn meistens sind mit diesem Wort ominös irgendwelche Fähigkeiten, Entwicklungsmöglichkeiten und damit einhergehende Gefahren technologischer Entwicklung gemeint. Also eigentlich ein Eingeständnis, dass ich das, was geschieht, vom Menschen geschaffen, nicht mehr wirklich verstehe.

Leider gibt der heise-Artikel nicht her, wovor nun genau Elon Musk warnt. Vielleicht sieht er auch nur seine Felle davon schwimmen und will durch strengere Regelungen bei der Erforschung von KI Boden wiedergutmachen. Oder er hat die Zukunft gesichtet und warnt wie Cassandra vor dem Unaufhaltsamen. Vielleicht hat er aber auch gemerkt, dass es die Menschen in ihrem Wesen verändert, je mehr ihnen von Maschinen abgenommen wird.

Mir kam neulich auf einem Tex-Konzert in Bad Nauheim der Gedanke, als einige Menschen mit ihren Telefonen Fotos machten, dass man sich ja selbst gar nicht mehr an den Moment erinnern muss, wenn die Maschine beim Speichern hilft.

Im Film Her schreibt der Protagonist beruflich sehr persönliche, einfühlsame Briefe für seine Auftraggeber. Die unausgesprochene These scheint zu sein: Die Menschen verlernen den emotionalen Umgang miteinander durch die Art, wie Technologie unser Kommunikation verändert. (In Her verliebt sich der Protagonist in sein neues OS. Das Thema des Films ist in meinen Augen, wie man sich selbst findet und dass man dafür ein Gegenüber zur Auseinandersetzung braucht.)

Jedenfalls finde ich, dass die entscheidenden Fragen sind, wenn man sich mit dem Thema KI auseinandersetzt: Was macht uns Menschen aus? Was unterscheidet uns im Wesen von Maschinen? Sind Emotionen Folgen von komplexen Algorithmen? (Obacht!) Träumen Androiden von elektrischen Schafen? Wer sind wir?

Ich empfehle, Ridley Scotts Filme mit diesen Fragestellungen anzusehen. Ich denke dabei gerade an Alien, Blade Runner, Prometheus, Alien: Covenant.

Naja, vielleicht ist das ja alles Panikmache oder Hysterie. Ich empfinde es jedenfalls derzeit so, dass die Menschheit sich von ihrer Natur entfremdet anstatt sich ihr zuzuwenden. Vielleicht ist das aber gar nicht so sondern eher ein Wahrnehmungstrick, weil ich mich vermehrt mittels Maschinen informiere und damit ein verfälschtes Bild von öffentlicher Meinung entsteht. Krass, was Maschinen/Algorithmen schon so können:

Es ist vielleicht so, dass wir mit Google oder Alexa oder Siri oder Cortana schon sowas wie eine Künstliche Intelligenz am Erschaffen sind. Stichwort: Netzwerke&Co. Keine Ahnung. Skepsis hilft etwas, hab ich geleesen.

Nur der Skeptiker ist wirklich offen für Neues.

Nachtrag am 21.7.:
https://www.heise.de/newsticker/meldung/Kuenstliche-Intelligenz-Was-denkt-sich-eine-KI-3778547.html

Nachtrag am 24.7.:
Mir ist noch Olimpia aus “Der Sandmann” eingefallen, der von den Göttern geschickte Nathanaels Professor konstruierte Automatenmensch:
Automatenmenschen, Monster, Puppen: Streifzug durch die Literatur
Olimpia ist von einem Menschen nicht zu unterscheiden. Einzig ihre Augen zeigen, dass sie kein Mensch ist, ihr die Seele fehlt. Sie ist ähnlich der schönen Pandora, die laut der Überlieferung der Prometheussage von den Göttern konstruiert wurde, um Epimetheus zu täuschen und Übel über die Menschheit zu bringen.

Ähnlich wie David, der Android in Prometheus: Dunkle Zeichen und Alien: Covenant:

Er scheint auch eine Pandora zu sein, auf die zwar nicht Epimetheus aber die Menschen reinfallen. Und gleichzeitig ist er auch die Büchse der Pandora selbst, die die Menschheit konstruiert hat, da er selbst alles mögliche Übel ‘erschafft’, nachdem er von seinem Schöpfer den Auftrag erhält: “Steigere dich.” Vielleicht ist diese Gier aber auch die eigentliche Büchse der Pandora. Kann ein Android gierig sein? Hat das eigentlich noch mit dem Thema zu tun? #wirr

Schlag Mensch!

Wie Diego aufklärt, sei die Gewürzmischung Curry eine westliche Erfindung, wenngleich auch curryähnliche Mischungen lange vor Eintreffen der Europäer in Indien verwendet worden seien. Das deutschsprachige Wiktionary schreibt das hier:

Die in den indischen Sprachen Tamil und Canarese existierenden Wörter kari beziehungsweise karil wurden im 16. Jahrhundert zu carriel, dann im 17. Jahrhundert zu carree und schließlich zu curry → en anglisiert. Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ist das Wort auch in Deutschland gebräuchlich. Ursprünglich stand es für die Blätter der Karipflanze und eine für Südindien typische Zubereitung von Gemüsegerichten.

Und das hier noch zur räumlichen Klarstellung des Begriffs Orient (oder eben nicht):

[1] nicht eindeutig: ein Gebiet, dass mindestens den Nahen Osten umfasst, aber auch den Mittleren Osten, den Fernen Osten, Nordafrika und Russland umfassen kann

Vermutlich immer noch zu fremd für den deutschen Menschenschlag. Oder nur für Xenophobe. Doch halt – Ausgangspunkt waren ja Orientale, also orientalisch aussehende Menschen. Dabei wollen wir doch alle nur mal wieder Deutsch sein dürfen:

Vielleicht sollte man den Alternativen für Deutschland bei Gelegenheit mal einen Fremdenführer schenken (oder fremden Führer?). Edition Orient: Von Usbekistan bis zur Karibik. (Karibik. Jetzt bin ich total verwirrt.) Oder doch den Xenophes Guide to the Germans. Das ist eine echt schwierige Sache mit der Identität. Und mit der Sprache:

In diesem Sinne: Goo ten are bent allerseits.

Aufrechte Demokratie

Derzeit höre ich oft das Wort Demokratie. Ursprünglich heißt es soviel wie Herrschaft der Bewohner eines Gebietes. Hört man genauer hin, möchte es je nach Sprecher unterschiedlich verstanden werden. Mal liegt der Schwerpunkt auf den oft damit verbundenen Freiheiten einer modernen Gesellschaft, ein anderes Mal betont man damit einfach nur Mehrheitsverhältnisse.

Letzteres kann aus meiner Sicht nur funktionieren, wenn sich alle Bewohner auf gemeinsame Grundlagen geeinigt haben. Sonst entsteht das Problem, dass eine Mehrheit der Bewohner womöglich über eine oder mehrere kleine Gruppen herrscht, ihnen z.B. das Recht nimmt, zu sprechen und gehört zu werden, also ihren Willen zum Ausdruck zu bringen. Das bedeutet, Demokratie funktioniert nur, wenn alle Bewohner langfristig mitmachen dürfen.

Wenn man derzeit genau hinhört, fällt auf, wie häufig auch demokratiefeindliche Stimmen das Wort Demokratie für ihre Absichten nutzen. Dabei geht es vielen darum, die Regeln für die Bewohner grundlegend zu verändern.

So steht z.B. bald in der Türkei eine Abstimmung über eine Verfassungsänderung an, die mit der Wiedereinführung der Todesstrafe verknüpft ist. Hierbei ist ein Streit zwischen Türkei und Deutschland entbrannt, der auch mit dem Wort Demokratie geführt wird: Türkische Regierungsstellen und Medien werfen Deutschland mangelnde Meinungsfreiheit bzw. Scheinheiligkeit angesichts diverser abgesagten Werbeveranstaltungen für die Verfassungsänderung vor. Deniz Yücel ist übrigens Bewohner beider Gebiete.

Oder geheime Whatsapp-Chats entlarven, was sowieso jeder weiß: Die AfD findet die Demokratie gut, solange sie nützlich ist.

Oder Donald Trump sieht sich (vielleicht wirklich) als derjenige, der die Souveränität den Bewohnern zurückgeben wird:

Formulierungen wie folgende lassen dann aufhorchen, wenn Trump die Wahlergebnisse noch einmal untersuchen lassen möchte mit der Absicht: to strengthen up voting procedures.

Man könnte in weitere Gebiete der Welt schauen und jeweilige Demokratiefeinde feststellen, die vermeintlich beabsichtigen, die Macht den Bewohnern wiedergeben zu müssen. Dabei geht es ihnen eigentlich darum, neu zu bestimmen, wer zu den Bewohnern eines Gebietes zu zählen ist, wer dazu gehört und wer nicht, wem damit die dort geltenden Rechte zustehen und schließlich die Rechte den eigentlichen Bewohnern wieder zurückzugeben und dabei noch zu verändern.

Ich sehe mich dabei übrigens als Bewohner der Erde.

Vermutlich zeigt diese Entwicklung, dass wir satt, gierig und faul sind. Satt von der Demokratie, gierig nach Effizienz und zu faul, sich wirklich in die eigenen Angelegenheiten einzumischen. Gegen solche Tendenzen sollten sich alle Bewohner unseres Gebietes stellen. Es ist schließlich nicht so, dass Demokratie unumkehrbar wäre.

Nachtrag am 4. März:

Wir werden so lange durchhalten, bis wir in diesem Lande 51 Prozent erreicht haben.
(Björn Höcke am Schluss des Films Die Stunde der Populisten)

Nachtrag am 5. März:

Spiegel-Online hat einen Essay zum Thema veröffentlicht: Niedergang der Demokratie – Warum Populismus nicht die Ursache ist. Darin benutzt Johannes Thumfart schwer oft das Wort Effizienz. Wenn ichs recht verstehe, fordert er zur effizienten Konsensfindung auf, um im Wettbewerb der Gesellschaftssysteme mithalten zu können und eine globale Demokratie-Rezession zu verhindern.
Da denk ich mir: Leute, werdet doch erst mal leidenschaftlich zufrieden.

Réne Marigtte’s Surraelsitische Rveoltuion

René Magritte hinterfragt mit seinen Bildern unsere Wahrnehmungs- und Abbildungsfähigkeit der Wirklichkeit. Die Ausstellung in der Schirn gibt einen recht guten Überblick über seine Werke, mit denen er wohl eine surrealistische Revolution bewirken wollte. Ihm war es laut Ausstellungstext wichtig, mit der – gerade unter Philosophen – dem Wort untergeordneten Stellung des Bildes zu brechen. Berühmt ist sein Der Verrat der Bilder von 1929, welches bspw. von Michel Foucault 1973 interpretiert wurde, wie ich las. Gefallen hat mir das Bild, welches aus einer mit Lagerfeuer beleuchteten Höhle auf eine Staffelei herausblickt, die eine Burg am felsigen Horizont einrahmt. Er spielt damit wohl auf Platons (oder Sokrates’) Höhlengleichnis an, mit welchem die für den Menschen unüberbrückbare Kluft zwischen Wirklichkeit einerseits und ihrer Darstellung und Wahrnehmung andererseits verdeutlicht werden soll.

Interessant an alledem finde ich, dass Bilder, die ihrem Wesen nach konkrete Gegenstände abbilden (sollten), mit meiner Wahrnehmung derart spielen, dass sie – wenn man sich denn auf die Auseinandersetzung einlässt – Fragen erzeugen anstatt Antworten zu geben. Das ist das Wesen von Philosophie, laut Alexander.

Ich habe mich zum Beispiel gefragt, wieso der Gedanke einer linearen Existenz so allgegenwärtig ist. (Dieser selbstverständlichen Allgegenwärtigkeit hat Anne übrigens widersprochen.) Anlass dazu war ein Erklärtext in schick geformten Buchstaben an einer Wand in der Ausstellung, in der die kunsthistorische Perspektive einer irgendwie aufeinander aufbauenden Entwicklung der Malerei kurz eine Rolle spielte. Ist es nicht eher so, dass alles mit sich spielt, sich selbst wiederholt? Gleichsam dem Wellengang eines Ozeans ist diese oder jene Idee stärker da, obschon alles bereits vorhanden ist. Ohne allzu wehmütig zu klingen verweise ich wie schon 2009 in meinen ersten Blogbuchstaben auf den Prediger (1,9): Es gibt nichts Neues unter der Sonne.

Vielleicht ist das auch eine Dialektik der Aufklärung, die Folge einer Vorstellung von der Einzigartigkeit eines Menschen: Solange ich mich als von der Existenz des anderen losgelöstes, eigenständig existierendes Individuum begreife, dessen Bestehen einen Anfang und ein Ende hat, muss ich linear denken. Oder anders gesagt: Wenn man nur nah genug ranzoomt, mag ein Kreis wie eine Linie wirken.

Ausgangspunkt meiner Wörter waren ja die Bilder von Magritte. Bei Le Viol musste ich an die Marsianer in der Sesamstraße denken. Am besten gefiel mir Gesang des Gewitters, welches im Internet auf die Schnelle nicht zu finden ist. Was auch mal ganz gut tut.

 

Jahresrückblick 2017: In welcher Geschwindigkeit will ich leben?

In diesem Jahr ging es ganz schön drunter und drüber. Ich erinnere da nur an Dienstag, den 17.1.:

Kein Wunder, dass Diego an diesem Tag nichts geschrieben hat.

Ich komme langsam auch nicht mehr hinterher:
Gestern wurde der neue US-amerikanische Präsident vereidigt (keine Namen, man darf Populisten keine unnötige Aufmerksamkeit schenken). Er soll in seiner Antrittsrede die USA sinngemäß als ein massakriertes, am Boden liegendes Land bezeichnet und anschließend zu Frank Sinatras Auferstanden aus Ruinen und Vorwärts ist keine Richtung getanzt haben.

Wie konnte es in diesem Jahr nur so schnell so weit kommen?

Ich vermute, meine Umgebungsgeschwindigkeit beschleunigt sich zu stark. Oder anders ausgedrückt: Ich bin langsam. Jedenfalls habe ich beschlossen, mich dem Tempo meiner Umgebung nicht anzupassen. Den Gedanken habe ich von John Franklin. Spaceman Spiff hat mich mit seinem Lied Nichtgeschwindigkeit dazu ermuntert:

 

Schweigen ist Zuhören,
Öffnen wird Wachsen,

Verstummen bleibt Bewahren.

Meermenschen, Leviathan, PEGIDA und der Teich

Ich kann nun endlich in das neue Moop Mama-Album reinhören:

Das Lied Meermenschen (Thema Gesellschaft und Flüchtlinge) erinnert mich an die Filmmusik von Leviathan. Insbesondere die fließende Rhythmusänderung lässt Wellengang nachfühlen. Die Musik ist ursprünglich in der Oper Akhnaten von Philip Glass zu hören gewesen, welche, soweit ich weiß, keinen Bezug zu Meer oder Wasser im Allgemeinen hat:

Die Oper erzählt laut Wikipedia keine zusammenhängende Geschichte sondern portraitiert Echnathon und beschäftigt sich mit seinem Scheitern. Im Film Leviathan geht es um das klassische Hiobsthema.

Siehe, tötet er mich, ich werde auf ihn warten, nur will ich meine Wege ihm ins Angesicht rechtfertigen.

Nikolai wird von Staat und Kirche bedrängt, sein an der Barentssee gelegenes Haus zu verkaufen. Er weigert sich und ihm widerfährt viel Unheil, schließlich wird er für den Mord an seiner Frau für schuldig befunden. Der Film endet mit dem Blick auf eine neu gebaute Kirche, die an der Stelle steht, an der Nikolais Haus stand. Anders als das Original der Bibel also etwas glaubwürdiger: kein Happy End.

Ein würdiges Ende fand auch Lars Ruppel eben im Poetry Slam im Jokus bei seinem Auftritt mit einem neuen Text, der wohl noch nicht veröffentlicht ist: Brat mir einer n Storch. Er erzählt darin von einem Teich und dessen Bewohnern, die nach und nach alle auf den Storch hören, der den Teich wieder so haben will wie früher. Als erstes müssen die Frösche dran glauben, für die folgende Mückenplage müssen andere Tiere Mückenjagen lernen.  Schlussendlich wird der Teich eingezäunt, damit nicht jeder an den Teich gelangt, aber dadurch verdreckt er immer mehr. Diese gesellschaftskritische Fabel ließ mich an “Meermenschen” denken, damit schließt sich der Kreis zu Moop Mama:

PS: Alle Kinder mögen alle Kinder. Nur nicht Lisa. Die mag Pegida.

Unter der Konsole

Mit Bier geht alles, sogar Kultur, dachte ich mir. Also war ich vergangenen Sonntag im Städel. Einige der Bilder dort – vor allem in der Moderne – haben mich beeindruckt. Besonders Edgar Endes Unter der Konsole. Im Städelblog liest sich zu dem Bild Interessantes:

Wenn er nach der Bedeutung seiner Bilder gefragt wurde, antwortete er: „Ich habe mir gar nichts dabei gedacht. Sie sollen sich etwas dabei denken.“

Eine weitere Passage erinnerte mich stark an Robert Gwisdeks Der unsichtbare Apfel, welches ich neulich schon mal erwähnt habe:

Dank seines Sohnes Michael ist überliefert, wie Edgar Ende bei seiner Motivsuche vorging: Er verriegelte sein Atelier, verdunkelte die Fenster, legte sich mit geschlossenen Augen auf ein Sofa und konzentrierte sich auf – nichts.

In dem Roman schließt sich Igor für ein Experiment 100 Tage in einen komplett abgedunkelten Raum. Das ist der Beginn einer abgefahrenen Reise ins Innere der Trauer. Ob man dabei wohl das fühlt, was diese Gesichter fühlen?

Diese beiden Bilder habe ich mir auch gemerkt:

Gefährlicher Wunsch von Richard Oelze und Oberon von Georg Baselitz. (Bekomme gerade Lust, Ouroborous von der Bedlam in Goliath zu hören, obwohl das Bild Oberon mit der Musik wohl außer der – grobschlächtig betrachtet – phonetischen Ähnlichkeit nichts zu tun hat.)

Gegenwartskunst

Von Kunst hab ich ja keine Ahnung. Den Kommentar von Georg Diez hab ich mir trotzdem durchgelesen:

Kunst in der Krise: Das Ende der Gegenwart ist nah.

Danach hab ich mich gefragt, was a) Gegenwart ist und 1. Kunst. Ergebnis: Ich hab keine Ahnung.

Nach all den Gedanken ist dieses Video irgendwie passend:

Zu a)
Gegenwart ist die Auseinandersetzung mit dem, was war und dem, was kommt. Formen der Auseinandersetzung sind Angst und Trauma sowie Hoffnung und Nostalgie.
(Jetzt wollte ich erst sowas schreiben wie:
Angst und Trauma, genauso wie Nostalgie und Hoffnung sind jeweils die gleichen Bewegungen, nur in unterschiedliche Richtungen. Aber da bin ich mir nicht sicher, ob das mit der Richtung und der Bewegung Sinn macht. Klingt so linear. Vielleicht ist alles nur ein Kreis, wer weiß. Oder vielmehr eine Spirale, wovon Robert Gwisdek in Der unsichtbare Apfel schreibt. Denn was ist schon Fortschritt?
Und noch was: Im Flow vergisst der Mensch diese bewusste Auseinandersetzung. Aber ohne Erinnerung daran oder Sehnsucht danach hat auch das Flow-Erleben keinen Bestand. Ich sah nicht die Weisheit der Gegenwart, Zerstreuung, Ruhe ist unauslöschlich.)

Zu 1.
Kunst ist die Auseinandersetzung mit dem Menschen in der Auseinandersetzung. Sie gelingt, wenn sie das bewusstmacht.

Nachtrag: Das Tocotronic-Lied im Video heißt Hi Freaks. Danke Patrick.

Advantageous: Ist einträglicher Nutzen dienlich?

Ich mag Science-Fiction(-Filme). Gerade habe ich einen solchen Film gesehen: Advantageous. (Irgendwie gefiel er mir noch besser als Under The Skin.)
Die Handlung: Eine allein erziehende Mutter beschließt, ihre Identität zu Werbezwecken in einen jüngeren Körper verpflanzen zu lassen.

Ich wurde beim Sehen im Wesentlichen an zwei der folgenden drei Dinge erinnert:
1. Möglichkeiten haben nichts mit Freiheit zu tun
2. Wer bist ich?
3. Schönheit liegt im Auge des Betrachters

Wie gute Science-Fiction spiegelt der Film die Gegenwart. Hier meiner Meinung nach insbesondere das Streben nach gesellschaftlich anerkannter Anerkennung ( meist “das Nützliche” genannt).

Apropos Kritik der Gegenwart, in der Kierkegaard zu Beginn dem modernen Selbstmörder das Selbstmördersein abspricht, da er nicht aus sondern durch Überlegung Selbstmord begehe: Die Tochter der Hauptfigur(en) fragt wiederholt verzweifelt ihre Mu(e)tter, welchen Sinn es überhaupt habe, dass sie selbst lebe. Die Mutter wiederum opfert sich dafür, dass ihre Tochter ein möglichst gutes Leben hat. Den Sinn im Leben projiziert die Mutter also in ihren Nachwuchs, der ihn selbst sucht. Irgendwie auch eine Flucht vor der eigenen Betroffenheit.

Meine Antwort auf den in dem Film angeprangerten Nützlichkeitswahn ohne Sinn mit Verstand: Pure Vernunft darf niemals siegen.
Das meinte auch ein Freund gestern, weshalb wir uns entschlossen, noch Nachos mit Käse zu bestellen.

In The Dead Of The Night

Habe ich eigentlich schon mal diese Musik hier verlinkt?

Lasse Matthiessen verzieht sein Gesicht so schön, damit er noch besser singen kann.
Von TV Noir gibt es natürlich so einiges an hörenswerter Musik, ich überlasse aber die Suche jedem selbst.

Ps: Jan Boehmermann und Olli Schulz sagen, dass ein eigenes Blog zu den fünf Nogos des Internets gehört. Find ich blöd, dass die erst jetzt damit rausrücken.

Brot

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Ps: Das neue Album von Kraftstolz heißt glaube VOLLKORNSCHNITTE, weiß aber nicht, wann es released wird.

Pps: Lars Ruppels Brot-Lyrik kennt ihr sicherlich schon.

 

HUK-Coburg

Vergangene Nacht hatte ich einen Traum, in dem ich meinen Job als Lehrer aufgegeben hatte, um stattdessen Versicherungskaufmann zu sein, weil ich das eigentlich immer wollte (WHAT?). Als ich dann als alter Hase in unserem Konzern eine Gruppe Besucher mit einer Ansprache begrüßen sollte, merkte ich während dem Reden, dass ich den neuen Job bereue und wachte auf.

Edward Snowden

Heute nur kurz ein Link zu einem guten Beitrag im Überwachungsthema, der zu Beginn die richtigen Fragen stellt: Bürger im absoluten Staat

Und: Was sagt es über eine Gesellschaft aus, dass die Satire – die derweil populärste Form der Kritik – vorrangig der Unterhaltung dient?

Ein Freund vertrat erst kürzlich die These, dass wir uns bereits in der Postdemokratie befänden. Da ist er nicht der erste. Aber, wie gesagt, sehe ich ja das größere Problem in der gegenseitigen persönlichen Überwachbarkeit und der Bewusstheit darüber. (Z.B.: “Du warst doch bei Whatsapp online, warum hast du nicht geantwortet??”) Wenn man so formulieren mag, könnte ich nun den Postindividualismus feststellen. Könnte man bestimmt mal googeln…

Schalke: ein Selbstversuch

Neulich in der Kaffeerunde erblickte ich ein Handy-Hintergrundbild, das irgendwie schlecht Schalke04 zu huldigen schien. Beim weiteren Gespräch entstand die Idee, ein ähnliches, aber schlechteres Bild mal im Deutschunterricht als Bildimpuls zum kreativen Schreiben zu verwenden: Schalkedelfine. Bevor ich das wirklich umsetzen sollte, wollte ich es aber mal selbst ausprobieren. Herausgekommen ist ein schlechter Text:

Wir schreiben das Jahr 2104. Delfi, Thuni und Gelsi haben die Schnautze voll vom blauen Planteten. Schließlich haben sie die Bewohner schon lange ertragen müssen. Vieles haben sie mit sich machen lassen, ohne sich zu beschweren: Den Kollateralschaden bei der Thunfischjagd, dem viele ihrer Verwandten und Bekannten zum Opfer gefallen sind, die schwarze Pest, die immer wieder ihren Lebensraum inklusive ihrer Nahrung verölen lässt, und schließlich den ganzen Lärm, den die hysterischen Buckelwale veranstalten, wenn mal wieder eines dieser U-Boote durch die Ruhe plärrt. Aber was jetzt passiert ist, ist eindeutig zu viel. Eigentlich fanden die drei es ja ganz praktisch, dass mit den ganzen Klimawandelleugnern die Grundlage für die Ausweitung ihres Lebensraums geschaffen wurde. Aber wer konnte schon ahnen, dass damit auch das menschengemachte Kontinuum aus den Fugen gerät, die Naturkonstanten ad absurdum geführt werden? Niemand hat es vorausgesehen und doch ist es passiert: Schalke04 ist Wasserballmeister geworden. – So long, and thanks for the fish!

Fühlt euch frei, eigene kreative Texte zum Bild in den Kommentaren zu veröffentlichen. Vielleicht können mich eure Ergebnisse überzeugen, das Schalke-Bild im Unterricht zu benutzen…

Brot

Beim Surfen habe ich gerade einen nettes Video gefunden: Making No-Knead Bread. Der Hinweis darauf fand sich auf indexhibit.org, klang auch ganz interessant, aber ich hab kein Linux installiert, also werde ich mit schmutzigen URLs leben müssen. Auf indexhibit.org bin ich gestoßen, weil ich auf dieser kleinen Seite ein amüsantes Schriftartensuchspiel gestartet habe. (Das hat mich schwer an Prokrastination erinnert.) Hingeführt wurde ich von typophile.com. Dort war ich wegen eines Forenhinweises zu einem Telepolis-Artikel: Digital ist besser – oder doch nicht? Geklickt hab ich auf den Artikel, weil mich das Thema rund um die Zukunft des Buches sehr interessiert. Was das Ganze mit Brot nunmehr zu tun hat, weiß ich auch nicht, außer dass die Verknüpfungen selbst in Zukunft vielleicht die inhaltlich sinngebenden Zusammenhänge darstellen werden: As We May Think.

Atheisten sind aber gläubig

Ich bin vor kurzem, nachdem ich diesen tp-Artikel samt Kommentaren geleesen habe, hier über diesen Gedanken gestolpert:

Der gern geäußerte Vorwurf , beim Atheismus handle es sich auch nur um eine weitere Religion, entspringt der Vorstellung, auch derjenige sei abergläubisch, der keine Angst vor schwarzen Katzen hat.

Nach ein wenig Grübeln hab ich bemerkt, dass der Gedanke nicht funktioniert. Schließlich steht die Existenz der schwarzen Katze nicht infrage. Auch hab ich nach Leesen dieses Eintrags den Eindruck, dass der Autor der Seite sich in den Kategorien verstrickt, gegen die er kämpft.

Jetzt gehts mir nicht um die Ehrenrettung eines dialektischen Gedankens. Viel spannender bei dem Ganzen finde ich die Frage nach der Bedeutung des Begriffs ‘Glauben’, was ja letztendlich in all dem steckt. Ich stell mir jetzt mal vor, ich sei jemand, der, hoch reflektiert, dabei nicht unnötig affektiert sondern eher ehrlich und bescheiden, sich selbst als Atheist bezeichnen würde. Ich würde vermutlich auf Kirche, Religion, die Welt verweisen, die Klugheit der Antike, die wenige im europäischen Mittelalter betonen und so versuchen aufzuzeigen, dass es eine schlechte, von Menschen gemachte Welt sei, die aber, weil sie von Menschen gemacht sei, besser werden könne, eben genau dann, wenn die Menschen erkennten, wessen Geistes Kind sie wären und sich von den Verblendenden Reden derer befreiten, die da an eine moralische Vormacht außerhalb dieser Welt glauben. Ich würde also versuchen, die Menschen von ihrem schlechten Glauben zu befreien, einer Unvernunft, die nicht auf Erkenntnissen, auf Fakten, Logik, auf Beweisbarem sondern auf blinden Vorstellungen beruht. Ich wäre der Ansicht, dass die Kategorie ‘Wissen’ über der des ‘Glauben’ steht, da ja schließlich etwas zu wissen valider sei, als etwas zu glauben. In all dem würde ich nicht loskommen können von den Ansichten derer, die da glauben, würde sie insgeheim lächerlich finden, ihnen das aber nicht so deutlich offenbaren wollen, würde mich damit beschäftigen wollen, was jemanden dazu treibt, zu glauben, obwohl er wissen kann. Mit der Dauer der Auseinandersetzung mit Religionen und Kirchen würde ich vermutlich verbitterter, weil ich sehen würde, wie sich die Naivität überall wiederholt und ihre Kreise zieht. Irgendwann vor meinem Tod würde ich den Kopf schütteln und denken: “Ich habe es richtig gemacht – mit allen Fehlern, die dazugehören, aber im Grundsatz richtig.” Ich weiß nicht, ob ich jemals erkannt hätte, dass ich andere letztlich nur von meinen Ansichten hätte überzeugen wollen. Ich hätte wohl nicht beachtet, dass man fremde Erkenntnisse nur glauben kann.

Naja, zum Glück lebe ich ja nicht hoch reflektiert… Glaub ich.

An den Lippen kleben

Auszug aus einem Artikel auf Spiegel-Online, wo über eine Untersuchung berichtet wird, in der autistischen und nicht-autistischen kleinen Kindern zwei gleiche Zeichentrickfilme zeitgleich – der eine normal vorwärts, der andere rückwärts auf dem Kopf stehend – mit einer einzigen Tonspur (passend zum normal ablaufenden Film) gezeigt und die Fokussierung der Kinder beobachtet wurde:

Die Übereinstimmung der rhythmischen Bewegungen und der rhythmischen Sprechweise fasziniere die Kinder noch mehr als das Klatschen allein, schreiben die Forscher. In dieser Faszination für Synchronität sehen die Wissenschaftler daher den Grund dafür, dass Autisten ihrem Gegenüber beim Sprechen am liebsten auf den Mund sehen.

Ich musste – daran werde ich heute immer noch erinnert, wenn ich mich dabei ertappe, meinem Gesprächsgegenüber nur auf den Mund zu starren – mir früher erst mühsam antrainieren, dass es für den anderen angenehmer ist, wenn man ihm in die Augen als auf den Mund schaut, wenn er redet. Dabei fällt mir auch heute noch auf, dass es mir leichter fällt, das Gesagte zu merken, wenn ich nicht nur zuhöre sondern auch die passenden Lippenbewegungen zu den gesprochenen Wörtern sehe.

Soviel nur dazu, weil ich neulich schon in ähnlicher Weise meine Sichtweise auf Autismus angedeutet habe.  Je mehr ich mich damit beschäftige, desto mehr glaube ich einfach, dass autistische Verhaltensweisen vor allem dazu beitragen, den “normalen Leuten” einen Spiegel vorzuhalten und deren vermeintlich menschlichen Verhaltensweisen in Frage gestellt zu sehen.

Frühkindlicher Autismus ist eine Entwicklungsstörung, bei der verschiedene Teile des Gehirns nicht richtig zusammenarbeiten und vor allem die soziale Interaktion mit der Umwelt stark beeinträchtigt ist. In der Folge kapseln sich autistische Kinder stark von ihrer Umwelt ab. Viele Forscher und Mediziner vermuten, dass bei ihnen die sogenannten Spiegelneuronen nicht genügend aktiviert werden. Diese Neuronen ermöglichen es, andere Menschen nachzuahmen und sich in den Gegenüber hineinzuversetzen.

Man kann natürlich in einer bei Autisten gesteigerten Faszination für Synchronität die Ursache für das beschriebene Verhalten finden. Allerdings ist es vielleicht viel naheliegender, dass sich den Versuchspersonen der Sinn einer betrachteten Sache nicht intuitiv erschließt, sondern dass sie erst die Zusammenhänge benötigen, um der Beobachtung einen Sinn zu geben. Das für Nicht-Autisten Selbstverständliche wird unter dieser Voraussetzung eben in Frage gestellt; die Welt wird erst geprüft, bevor sie konstruiert wird. Nicht-autistisches aber echtes Lernen könnte demgegenüber vielleicht als Dekonstruktion von etablierten Auffassungen beschrieben werden…

Update

Hab mir grade noch mal durchgelesen, was ich da gestern geschrieben hab: Abgesehen davon, dass ich mir (nicht nur hier) unsicher bin, ob das denn auch alles wenigstens halbwegs stimmt, was hier steht, musste ich feststellen, dass vor allem der letzte Absatz wirr und unzusammenhängend rüberkommt. Ich versuchs, nochmal klarzumachen:

Ich verstehe den Begriff ‘Lernen’ als das Durchdringen von Welt, also alles, was wir irgendwie wahrnehmen können, verstehen zu wollen. Dazu behelfen wir uns üblicherweise Begriffen und Kategorien, die zusammengenommen unserer Sicht auf die Dinge einen Sinn geben. Diese kategorischen Hypothesen benötigen wir, weil wir ja irgendetwas annehmen müssen, irgendeine Erklärung brauchen, die dann die Grundlage weiteren Lernens sein kann. Jetzt ist es nur so, dass wir im Lauf der Zeit verschiedene Vermutungen als falsch erkennen und bisherige Sichtweisen also dekonstruieren. Deswegen würde ich einfach mal so behaupten, dass die konstruktivistische Sichtweise von Lernen – jeder entwickelt eine eigene Sicht auf die Dinge, die dann kommuniziert und also angeglichen werden aber nicht grundsätzlich falsch sein kann – in Wahrheit einen dekonstruktivistischen Vorgang beinhaltet. Alte Weltbilder und Sichtweisen erweisen sich als unzureichend und werden durch neue, plausiblere Hypothesen ersetzt (übrigens sowohl individuell- als auch menschheitsgeschichtlich betrachtbar).

Meine gewagte These lautet jetzt: Vielleicht ist die oben beschriebene autistische Beobachtungsweise keine thesengeleitete also dekonstruktivistische sondern von ihrem Wesen her unvoreingenommener, naiver, also unmittelbar dem jeweiligen Sinn aus der Beobachtung selbst konstruierend…

(Ohne dass das alles so wirklich stimmen muss hoffe ich, dass es jetzt klarer geworden ist, wie ich drauf gekommen bin.)

PS: Bei dem geilen Wetter werd ich jetzt wohl mal wieder Fahrrad fahren müssen. Hab mich den ganzen Winter drum gedrückt, aber der Sonnenschein entdeckt meine Ausreden…

Die Kompossibilität des Konfusen

Hab grad nen Artikel auf Spiegel-Online geleesen, in dem Oswald Egger dem Wesen des Unvorstellbaren nachgeht. Ist aus oder zu seinem Buch Diskrete Stetigkeit. Poesie und Mathematik (erschienen 2008 beim nach Berlin ziehenden Suhrkamp-Verlag).
Ich finde solche (sprach-)philosophischen Gedanken ja immer ganz spannend, aber ich raff einfach nicht, warum derartige Texte oft in einer Sphäre eigener Begrifflichkeiten schweben, die höher liegt als jeder andere wissenschaftliche Elfenbeinturm. – Wer soll das denn verstehen:

Die Kompossibilität des Konfusen und auch des Konformen, und die Interimsbilder inzwischen: in Leibniz’ wechselständiger Fulguration von winzigen, sofort wieder zerfallenden, geborgten Bedeutungen, die wie Augenblicksgötter koexistierender Zustände zwischen Rede und Realität oszillierten

Meine Übersetzung (für Hauptschulphilosophen):
“Wie wir Zusammenhänge herstellen können im Unordentlichen und auch im bereits von anderen Geordneten sowie die Frage, wie wir durch Sprache zu Momenten der Erkenntnis (= Augenblicksgötter koexistierener Zustände zwischen Rede und Realität) gelangen”

Und das ist ne Zwischenüberschrift… Ich frag noch mal: Wer soll das raffen? Vielleicht ist das ja auch ein Philosophenwitz: Das ist deren Geheimsprache und der Inhalt dieses Satzes heißt im Grunde genommen: “Wer das liest, ist doof.” …

Im Grunde genommen will Egger – so vermute ich – einfach sagen, dass es eine interne Logik in der Sprache gibt, wie sie sich selbst zusammenhält und wie sie mit der Realität in Kontakt kommt bzw. ob sie überhaupt die Realität berührt. Vielleicht will er ja auch was ganz anderes sagen. Er hat hier halt Konfusion komponiert, zumindest in mir.

Präzision, die eitel ist, führt zur geordneten Konfusion. Wer wahrhaft verstehen will, muss das Wesen der Dinge reduzieren, herunterbrechen auf die Wahrheit. Eggers Essay ist große sprach-mathematische Kunst, wer weiß. Vielleicht aber auch nicht. Ich kanns nicht beurteilen. – Und dass ich es nicht beurteilen kann, ist mein Vorwurf an ihn.

Aber vielleicht bin ich auch einfach unfair, weil ich die Dinge mit meinem kindlichen Idealismus sehe, der auf dem festen Glauben beruht, dass die Wahrheit nichts Exklusives ist.

PS: Ich mag das Roboterbild, das hat so was Romantisches…