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Han Solo ist tot

Hab mir jetzt Star Wars – Das Erwachen der Macht nochmal richtig angesehen. Ein echtes Disney-Märchen: Für Kinder von Kindern. Kylo Ren gefällt mir in und als Paterson. (Ein Gedicht von einem Film – oder anders herum. Merke gerade, dass ich dazu seit eineinhalb Jahren schon was zu schreiben wollte.)
Mir fiel auf, dass jeder Planet einer eigenständigen Klimazone der Erde gleicht. Genau so in Knights of the Old Republic oder Mass Effect – letzteres ist übrigens im Wesentlichen ein neueres KotOR ohne den Star Wars-Kram. Bei allen findet man klimatisch mehr oder weniger einheitliche Planeten.

Apropos Klima. Das nenn ich mal ne abgespacete Klimakarte: The worlds skyrocketing CO2-levels visualized as skyscrapers.

Cave KI-nem

Ich gebe zu, der Titel ist ein wenig bemüht. Aber seht selbst: “Das größte Risiko für unsere Zivilisation”: Elon Musk warnt erneut vor KI. Ich empfehle, es sich vom Computer vorlesen zu lassen. Unterstreicht das ganze Szenario.

Das erinnert mich daran, dass man der Sprachausgabe von Windows 98 Wissenbacher Platt beibringen konnte. Die amerikanische Computerstimme hat nämlich das R gerollt wie in Barnarne. Man musste sich halt an der englischen Aussprache orientieren: Deetr, wool dou a brutwoasht or a currywoasht ho? Aich danga, aich nam a brutwoasht mit currysoase.

So ungefähr jedenfalls, hab die Originaldatei mal unter erhaltenswertem Unfug gespeichert und verloren. Ein intelligentes OS, das mich kennt, hätte sie aufgehoben und sofort parat. Und den Blogeintrag für mich geschrieben. Ohne dass ich überhaupt auf die Idee gekommen wäre.

Sowieso glaube ich, dass das eigentliche Problem ist, dass wir gar keine klar umrissene Vorstellung von Künstlicher Intelligenz haben. Für die einen ist das eine einfache Weiterentwicklung im Rahmen technologischer Möglichkeiten, die dem Menschen zunehmend (lästige) Denkprozesse abnimmt, für die anderen ist es die Erschaffung eines eigenständigen Bewusstseins auf technologischer Basis. Also so von wegen “Hey, ich bin anders als du, Mensch, deshalb erkenne ich mein eigene Identität in Abgrenzung zu dir.” Zauberwort bei jedem Gespräch darüber, egal welche Vorstellung nun zu Grunde liegt, ist: Algorithmen. Vorsicht, wenn das jemand benutzt, inklusive mir, denn meistens sind mit diesem Wort ominös irgendwelche Fähigkeiten, Entwicklungsmöglichkeiten und damit einhergehende Gefahren technologischer Entwicklung gemeint. Also eigentlich ein Eingeständnis, dass ich das, was geschieht, vom Menschen geschaffen, nicht mehr wirklich verstehe.

Leider gibt der heise-Artikel nicht her, wovor nun genau Elon Musk warnt. Vielleicht sieht er auch nur seine Felle davon schwimmen und will durch strengere Regelungen bei der Erforschung von KI Boden wiedergutmachen. Oder er hat die Zukunft gesichtet und warnt wie Cassandra vor dem Unaufhaltsamen. Vielleicht hat er aber auch gemerkt, dass es die Menschen in ihrem Wesen verändert, je mehr ihnen von Maschinen abgenommen wird.

Mir kam neulich auf einem Tex-Konzert in Bad Nauheim der Gedanke, als einige Menschen mit ihren Telefonen Fotos machten, dass man sich ja selbst gar nicht mehr an den Moment erinnern muss, wenn die Maschine beim Speichern hilft.

Im Film Her schreibt der Protagonist beruflich sehr persönliche, einfühlsame Briefe für seine Auftraggeber. Die unausgesprochene These scheint zu sein: Die Menschen verlernen den emotionalen Umgang miteinander durch die Art, wie Technologie unser Kommunikation verändert. (In Her verliebt sich der Protagonist in sein neues OS. Das Thema des Films ist in meinen Augen, wie man sich selbst findet und dass man dafür ein Gegenüber zur Auseinandersetzung braucht.)

Jedenfalls finde ich, dass die entscheidenden Fragen sind, wenn man sich mit dem Thema KI auseinandersetzt: Was macht uns Menschen aus? Was unterscheidet uns im Wesen von Maschinen? Sind Emotionen Folgen von komplexen Algorithmen? (Obacht!) Träumen Androiden von elektrischen Schafen? Wer sind wir?

Ich empfehle, Ridley Scotts Filme mit diesen Fragestellungen anzusehen. Ich denke dabei gerade an Alien, Blade Runner, Prometheus, Alien: Covenant.

Naja, vielleicht ist das ja alles Panikmache oder Hysterie. Ich empfinde es jedenfalls derzeit so, dass die Menschheit sich von ihrer Natur entfremdet anstatt sich ihr zuzuwenden. Vielleicht ist das aber gar nicht so sondern eher ein Wahrnehmungstrick, weil ich mich vermehrt mittels Maschinen informiere und damit ein verfälschtes Bild von öffentlicher Meinung entsteht. Krass, was Maschinen/Algorithmen schon so können:

Es ist vielleicht so, dass wir mit Google oder Alexa oder Siri oder Cortana schon sowas wie eine Künstliche Intelligenz am Erschaffen sind. Stichwort: Netzwerke&Co. Keine Ahnung. Skepsis hilft etwas, hab ich geleesen.

Nur der Skeptiker ist wirklich offen für Neues.

Nachtrag am 21.7.:
https://www.heise.de/newsticker/meldung/Kuenstliche-Intelligenz-Was-denkt-sich-eine-KI-3778547.html

Nachtrag am 24.7.:
Mir ist noch Olimpia aus “Der Sandmann” eingefallen, der von den Göttern geschickte Nathanaels Professor konstruierte Automatenmensch:
Automatenmenschen, Monster, Puppen: Streifzug durch die Literatur
Olimpia ist von einem Menschen nicht zu unterscheiden. Einzig ihre Augen zeigen, dass sie kein Mensch ist, ihr die Seele fehlt. Sie ist ähnlich der schönen Pandora, die laut der Überlieferung der Prometheussage von den Göttern konstruiert wurde, um Epimetheus zu täuschen und Übel über die Menschheit zu bringen.

Ähnlich wie David, der Android in Prometheus: Dunkle Zeichen und Alien: Covenant:

Er scheint auch eine Pandora zu sein, auf die zwar nicht Epimetheus aber die Menschen reinfallen. Und gleichzeitig ist er auch die Büchse der Pandora selbst, die die Menschheit konstruiert hat, da er selbst alles mögliche Übel ‘erschafft’, nachdem er von seinem Schöpfer den Auftrag erhält: “Steigere dich.” Vielleicht ist diese Gier aber auch die eigentliche Büchse der Pandora. Kann ein Android gierig sein? Hat das eigentlich noch mit dem Thema zu tun? #wirr

Schlag Mensch!

Wie Diego aufklärt, sei die Gewürzmischung Curry eine westliche Erfindung, wenngleich auch curryähnliche Mischungen lange vor Eintreffen der Europäer in Indien verwendet worden seien. Das deutschsprachige Wiktionary schreibt das hier:

Die in den indischen Sprachen Tamil und Canarese existierenden Wörter kari beziehungsweise karil wurden im 16. Jahrhundert zu carriel, dann im 17. Jahrhundert zu carree und schließlich zu curry → en anglisiert. Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ist das Wort auch in Deutschland gebräuchlich. Ursprünglich stand es für die Blätter der Karipflanze und eine für Südindien typische Zubereitung von Gemüsegerichten.

Und das hier noch zur räumlichen Klarstellung des Begriffs Orient (oder eben nicht):

[1] nicht eindeutig: ein Gebiet, dass mindestens den Nahen Osten umfasst, aber auch den Mittleren Osten, den Fernen Osten, Nordafrika und Russland umfassen kann

Vermutlich immer noch zu fremd für den deutschen Menschenschlag. Oder nur für Xenophobe. Doch halt – Ausgangspunkt waren ja Orientale, also orientalisch aussehende Menschen. Dabei wollen wir doch alle nur mal wieder Deutsch sein dürfen:

Vielleicht sollte man den Alternativen für Deutschland bei Gelegenheit mal einen Fremdenführer schenken (oder fremden Führer?). Edition Orient: Von Usbekistan bis zur Karibik. (Karibik. Jetzt bin ich total verwirrt.) Oder doch den Xenophes Guide to the Germans. Das ist eine echt schwierige Sache mit der Identität. Und mit der Sprache:

In diesem Sinne: Goo ten are bent allerseits.

Aufrechte Demokratie

Derzeit höre ich oft das Wort Demokratie. Ursprünglich heißt es soviel wie Herrschaft der Bewohner eines Gebietes. Hört man genauer hin, möchte es je nach Sprecher unterschiedlich verstanden werden. Mal liegt der Schwerpunkt auf den oft damit verbundenen Freiheiten einer modernen Gesellschaft, ein anderes Mal betont man damit einfach nur Mehrheitsverhältnisse.

Letzteres kann aus meiner Sicht nur funktionieren, wenn sich alle Bewohner auf gemeinsame Grundlagen geeinigt haben. Sonst entsteht das Problem, dass eine Mehrheit der Bewohner womöglich über eine oder mehrere kleine Gruppen herrscht, ihnen z.B. das Recht nimmt, zu sprechen und gehört zu werden, also ihren Willen zum Ausdruck zu bringen. Das bedeutet, Demokratie funktioniert nur, wenn alle Bewohner langfristig mitmachen dürfen.

Wenn man derzeit genau hinhört, fällt auf, wie häufig auch demokratiefeindliche Stimmen das Wort Demokratie für ihre Absichten nutzen. Dabei geht es vielen darum, die Regeln für die Bewohner grundlegend zu verändern.

So steht z.B. bald in der Türkei eine Abstimmung über eine Verfassungsänderung an, die mit der Wiedereinführung der Todesstrafe verknüpft ist. Hierbei ist ein Streit zwischen Türkei und Deutschland entbrannt, der auch mit dem Wort Demokratie geführt wird: Türkische Regierungsstellen und Medien werfen Deutschland mangelnde Meinungsfreiheit bzw. Scheinheiligkeit angesichts diverser abgesagten Werbeveranstaltungen für die Verfassungsänderung vor. Deniz Yücel ist übrigens Bewohner beider Gebiete.

Oder geheime Whatsapp-Chats entlarven, was sowieso jeder weiß: Die AfD findet die Demokratie gut, solange sie nützlich ist.

Oder Donald Trump sieht sich (vielleicht wirklich) als derjenige, der die Souveränität den Bewohnern zurückgeben wird:

Formulierungen wie folgende lassen dann aufhorchen, wenn Trump die Wahlergebnisse noch einmal untersuchen lassen möchte mit der Absicht: to strengthen up voting procedures.

Man könnte in weitere Gebiete der Welt schauen und jeweilige Demokratiefeinde feststellen, die vermeintlich beabsichtigen, die Macht den Bewohnern wiedergeben zu müssen. Dabei geht es ihnen eigentlich darum, neu zu bestimmen, wer zu den Bewohnern eines Gebietes zu zählen ist, wer dazu gehört und wer nicht, wem damit die dort geltenden Rechte zustehen und schließlich die Rechte den eigentlichen Bewohnern wieder zurückzugeben und dabei noch zu verändern.

Ich sehe mich dabei übrigens als Bewohner der Erde.

Vermutlich zeigt diese Entwicklung, dass wir satt, gierig und faul sind. Satt von der Demokratie, gierig nach Effizienz und zu faul, sich wirklich in die eigenen Angelegenheiten einzumischen. Gegen solche Tendenzen sollten sich alle Bewohner unseres Gebietes stellen. Es ist schließlich nicht so, dass Demokratie unumkehrbar wäre.

Nachtrag am 4. März:

Wir werden so lange durchhalten, bis wir in diesem Lande 51 Prozent erreicht haben.
(Björn Höcke am Schluss des Films Die Stunde der Populisten)

Nachtrag am 5. März:

Spiegel-Online hat einen Essay zum Thema veröffentlicht: Niedergang der Demokratie – Warum Populismus nicht die Ursache ist. Darin benutzt Johannes Thumfart schwer oft das Wort Effizienz. Wenn ichs recht verstehe, fordert er zur effizienten Konsensfindung auf, um im Wettbewerb der Gesellschaftssysteme mithalten zu können und eine globale Demokratie-Rezession zu verhindern.
Da denk ich mir: Leute, werdet doch erst mal leidenschaftlich zufrieden.

Réne Marigtte’s Surraelsitische Rveoltuion

René Magritte hinterfragt mit seinen Bildern unsere Wahrnehmungs- und Abbildungsfähigkeit der Wirklichkeit. Die Ausstellung in der Schirn gibt einen recht guten Überblick über seine Werke, mit denen er wohl eine surrealistische Revolution bewirken wollte. Ihm war es laut Ausstellungstext wichtig, mit der – gerade unter Philosophen – dem Wort untergeordneten Stellung des Bildes zu brechen. Berühmt ist sein Der Verrat der Bilder von 1929, welches bspw. von Michel Foucault 1973 interpretiert wurde, wie ich las. Gefallen hat mir das Bild, welches aus einer mit Lagerfeuer beleuchteten Höhle auf eine Staffelei herausblickt, die eine Burg am felsigen Horizont einrahmt. Er spielt damit wohl auf Platons (oder Sokrates’) Höhlengleichnis an, mit welchem die für den Menschen unüberbrückbare Kluft zwischen Wirklichkeit einerseits und ihrer Darstellung und Wahrnehmung andererseits verdeutlicht werden soll.

Interessant an alledem finde ich, dass Bilder, die ihrem Wesen nach konkrete Gegenstände abbilden (sollten), mit meiner Wahrnehmung derart spielen, dass sie – wenn man sich denn auf die Auseinandersetzung einlässt – Fragen erzeugen anstatt Antworten zu geben. Das ist das Wesen von Philosophie, laut Alexander.

Ich habe mich zum Beispiel gefragt, wieso der Gedanke einer linearen Existenz so allgegenwärtig ist. (Dieser selbstverständlichen Allgegenwärtigkeit hat Anne übrigens widersprochen.) Anlass dazu war ein Erklärtext in schick geformten Buchstaben an einer Wand in der Ausstellung, in der die kunsthistorische Perspektive einer irgendwie aufeinander aufbauenden Entwicklung der Malerei kurz eine Rolle spielte. Ist es nicht eher so, dass alles mit sich spielt, sich selbst wiederholt? Gleichsam dem Wellengang eines Ozeans ist diese oder jene Idee stärker da, obschon alles bereits vorhanden ist. Ohne allzu wehmütig zu klingen verweise ich wie schon 2009 in meinen ersten Blogbuchstaben auf den Prediger (1,9): Es gibt nichts Neues unter der Sonne.

Vielleicht ist das auch eine Dialektik der Aufklärung, die Folge einer Vorstellung von der Einzigartigkeit eines Menschen: Solange ich mich als von der Existenz des anderen losgelöstes, eigenständig existierendes Individuum begreife, dessen Bestehen einen Anfang und ein Ende hat, muss ich linear denken. Oder anders gesagt: Wenn man nur nah genug ranzoomt, mag ein Kreis wie eine Linie wirken.

Ausgangspunkt meiner Wörter waren ja die Bilder von Magritte. Bei Le Viol musste ich an die Marsianer in der Sesamstraße denken. Am besten gefiel mir Gesang des Gewitters, welches im Internet auf die Schnelle nicht zu finden ist. Was auch mal ganz gut tut.

 

Jahresrückblick 2017: In welcher Geschwindigkeit will ich leben?

In diesem Jahr ging es ganz schön drunter und drüber. Ich erinnere da nur an Dienstag, den 17.1.:

Kein Wunder, dass Diego an diesem Tag nichts geschrieben hat.

Ich komme langsam auch nicht mehr hinterher:
Gestern wurde der neue US-amerikanische Präsident vereidigt (keine Namen, man darf Populisten keine unnötige Aufmerksamkeit schenken). Er soll in seiner Antrittsrede die USA sinngemäß als ein massakriertes, am Boden liegendes Land bezeichnet und anschließend zu Frank Sinatras Auferstanden aus Ruinen und Vorwärts ist keine Richtung getanzt haben.

Wie konnte es in diesem Jahr nur so schnell so weit kommen?

Ich vermute, meine Umgebungsgeschwindigkeit beschleunigt sich zu stark. Oder anders ausgedrückt: Ich bin langsam. Jedenfalls habe ich beschlossen, mich dem Tempo meiner Umgebung nicht anzupassen. Den Gedanken habe ich von John Franklin. Spaceman Spiff hat mich mit seinem Lied Nichtgeschwindigkeit dazu ermuntert:

 

Schweigen ist Zuhören,
Öffnen wird Wachsen,

Verstummen bleibt Bewahren.

Meermenschen, Leviathan, PEGIDA und der Teich

Ich kann nun endlich in das neue Moop Mama-Album reinhören:

Das Lied Meermenschen (Thema Gesellschaft und Flüchtlinge) erinnert mich an die Filmmusik von Leviathan. Insbesondere die fließende Rhythmusänderung lässt Wellengang nachfühlen. Die Musik ist ursprünglich in der Oper Akhnaten von Philip Glass zu hören gewesen, welche, soweit ich weiß, keinen Bezug zu Meer oder Wasser im Allgemeinen hat:

Die Oper erzählt laut Wikipedia keine zusammenhängende Geschichte sondern portraitiert Echnathon und beschäftigt sich mit seinem Scheitern. Im Film Leviathan geht es um das klassische Hiobsthema.

Siehe, tötet er mich, ich werde auf ihn warten, nur will ich meine Wege ihm ins Angesicht rechtfertigen.

Nikolai wird von Staat und Kirche bedrängt, sein an der Barentssee gelegenes Haus zu verkaufen. Er weigert sich und ihm widerfährt viel Unheil, schließlich wird er für den Mord an seiner Frau für schuldig befunden. Der Film endet mit dem Blick auf eine neu gebaute Kirche, die an der Stelle steht, an der Nikolais Haus stand. Anders als das Original der Bibel also etwas glaubwürdiger: kein Happy End.

Ein würdiges Ende fand auch Lars Ruppel eben im Poetry Slam im Jokus bei seinem Auftritt mit einem neuen Text, der wohl noch nicht veröffentlicht ist: Brat mir einer n Storch. Er erzählt darin von einem Teich und dessen Bewohnern, die nach und nach alle auf den Storch hören, der den Teich wieder so haben will wie früher. Als erstes müssen die Frösche dran glauben, für die folgende Mückenplage müssen andere Tiere Mückenjagen lernen.  Schlussendlich wird der Teich eingezäunt, damit nicht jeder an den Teich gelangt, aber dadurch verdreckt er immer mehr. Diese gesellschaftskritische Fabel ließ mich an “Meermenschen” denken, damit schließt sich der Kreis zu Moop Mama:

PS: Alle Kinder mögen alle Kinder. Nur nicht Lisa. Die mag Pegida.

Unter der Konsole

Mit Bier geht alles, sogar Kultur, dachte ich mir. Also war ich vergangenen Sonntag im Städel. Einige der Bilder dort – vor allem in der Moderne – haben mich beeindruckt. Besonders Edgar Endes Unter der Konsole. Im Städelblog liest sich zu dem Bild Interessantes:

Wenn er nach der Bedeutung seiner Bilder gefragt wurde, antwortete er: „Ich habe mir gar nichts dabei gedacht. Sie sollen sich etwas dabei denken.“

Eine weitere Passage erinnerte mich stark an Robert Gwisdeks Der unsichtbare Apfel, welches ich neulich schon mal erwähnt habe:

Dank seines Sohnes Michael ist überliefert, wie Edgar Ende bei seiner Motivsuche vorging: Er verriegelte sein Atelier, verdunkelte die Fenster, legte sich mit geschlossenen Augen auf ein Sofa und konzentrierte sich auf – nichts.

In dem Roman schließt sich Igor für ein Experiment 100 Tage in einen komplett abgedunkelten Raum. Das ist der Beginn einer abgefahrenen Reise ins Innere der Trauer. Ob man dabei wohl das fühlt, was diese Gesichter fühlen?

Diese beiden Bilder habe ich mir auch gemerkt:

Gefährlicher Wunsch von Richard Oelze und Oberon von Georg Baselitz. (Bekomme gerade Lust, Ouroborous von der Bedlam in Goliath zu hören, obwohl das Bild Oberon mit der Musik wohl außer der – grobschlächtig betrachtet – phonetischen Ähnlichkeit nichts zu tun hat.)

Gegenwartskunst

Von Kunst hab ich ja keine Ahnung. Den Kommentar von Georg Diez hab ich mir trotzdem durchgelesen:

Kunst in der Krise: Das Ende der Gegenwart ist nah.

Danach hab ich mich gefragt, was a) Gegenwart ist und 1. Kunst. Ergebnis: Ich hab keine Ahnung.

Nach all den Gedanken ist dieses Video irgendwie passend:

Zu a)
Gegenwart ist die Auseinandersetzung mit dem, was war und dem, was kommt. Formen der Auseinandersetzung sind Angst und Trauma sowie Hoffnung und Nostalgie.
(Jetzt wollte ich erst sowas schreiben wie:
Angst und Trauma, genauso wie Nostalgie und Hoffnung sind jeweils die gleichen Bewegungen, nur in unterschiedliche Richtungen. Aber da bin ich mir nicht sicher, ob das mit der Richtung und der Bewegung Sinn macht. Klingt so linear. Vielleicht ist alles nur ein Kreis, wer weiß. Oder vielmehr eine Spirale, wovon Robert Gwisdek in Der unsichtbare Apfel schreibt. Denn was ist schon Fortschritt?
Und noch was: Im Flow vergisst der Mensch diese bewusste Auseinandersetzung. Aber ohne Erinnerung daran oder Sehnsucht danach hat auch das Flow-Erleben keinen Bestand. Ich sah nicht die Weisheit der Gegenwart, Zerstreuung, Ruhe ist unauslöschlich.)

Zu 1.
Kunst ist die Auseinandersetzung mit dem Menschen in der Auseinandersetzung. Sie gelingt, wenn sie das bewusstmacht.

Nachtrag: Das Tocotronic-Lied im Video heißt Hi Freaks. Danke Patrick.