Weltbienenrat

Im DLF gibt es ein Interview zu Bienen und ökologischer vs industrieller Landwirtschaft. Darin gibt es einen lustigen Versprecher, als der Bienenexperte “Weltagrarrat” sagen wollte. Die von der Weltbank beauftragten wissenschaftlichen Untersuchungen kämen zu dem Schluss, dass langfristig die Weltbevölkerung nur ernährt werden könne, wenn die Landwirtschaft folgende Bedingungen erfülle:

  • minimaler Pestizideinsatz
  • keinen Kunstdünger
  • keine gentechnisch veränderten Pflanzen
  • regionale Produktionsmethoden

Ausgangsfrage war demnach von der Weltbank folgende: Wo sind die größten Risiken der Weltwirtschaft in Zukunft? Antwort: Hungerrevolten.

Derweil kann man sich auch fragen, wie viel Wasser beim Sojaanbau in Brasilien dafür draufgeht, dass ich ein Rindersteak esse. Stichwort: Virtuelles Wasser, wie Diego heute morgen sagte, als wir über Steuerungsmechanismen und Verantwortung in Bezug auf Nachhaltigkeit sprachen. Ich finde es dabei irgendwie Augenwischerei, wenn dem Verbraucher die Verantwortung für ökologisches Bewusstsein in die Schuhe geschoben wird. Das dachte ich mir schon beim Film zum Thema Landgrabbing, den ich im Januar auf der Globale gesehen hatte. Kann der Weltbienenrat nicht mal eine Nachhaltigkeitssteuer auf sämtliche Waren erheben, die sich nach langfristigen Kriterien richtet?

Das Zittern der Maschine

Die Illusion der Gewissheit ist ein Essay von Siri Hustvedt (Die zitternde Frau), über den im Deutschlandfunk berichtet wurde: Rezension (“Das Leesen des Buches ist schwere Arbeit”) und Interview (“KI wird nicht in der Lage sein, Emotionen zu entwickeln”).

Im Grunde geht es glaube ich mal wieder um das Leib-Seele-Problem, wenn auch vielleicht nicht direkt. Ich stelle ja in letzter Zeit immer wieder fest, wie körperlich viele Dinge doch sind, von denen ich es vorher nicht annahm. Vielleicht werde ich alt. Jedenfalls spricht sie mir beim Thema KI&Co aus der Seele. Wenn sie mit ihren Thesen daneben läge, würde sie mir – logisch – aus dem Leib sprechen.

Findet es noch jemand witzig, dass sie Siri heißt? Und warum findet  derzeit jeder HAL interessant, anstatt sich mal bspw. auf SHODAN zu beziehen, wenns um verrückte KIs geht:

Baby on board

Can This AI-Powered Baby Translator Help Diagnose Autism?

“Misidentifying false positives is not risk-free,” he says. “We’re talking about changing a way a parent thinks about their child and interacts with them, which in and of itself can influence their development.” With research about how to best help neurodiverse kids flourish already lagging far behind the field of AI-based autism detection, and access to the resources that are available unequally distributed through society, algorithms won’t be enough to democratize good outcomes.

Dritter Versuch

Kennt ihr das, Filme immer wieder zu schauen, weil man nicht komplett durchgehalten hat? Versuche den dritten Abend in Folge bei diesem an sich unterhaltsamen Film wach zu bleiben: Die Azteken-Mumie gegen den Menschen-Roboter. Das erinnert mich an Zwei bärenstarke Typen, welchen ich ne Weile mal sehen wollte, es aber nie schaffte durchzuhalten und zur DVD-Menü-Musik, die sich ständig wiedderholte, irgendwann wieder wach wurde. Derweil ist es gerade nach 1:00 und draußen zwitschern die Vögel immer noch eifrig. Na dann, gute Nacht.

Nachtrag (10.5.):
Mist, hat wieder nicht geklappt.

Hydra

Ich schrieb neulich über Dienste und so. Nachdem ich nun schon eine Weile auf Android und Whatsapp verzichte (naja, ist ein bisschen gefuddelt, gelegentlich ruf ich whatsapp auf nem anderen Telefon im Wlan noch ab), muss ich sagen: Ich komme gut zurecht. Das liegt wohl daran, dass ich immer noch ziemlich viel von den großen Diensten nutze. Googles Youtube zum Beispiel. Facebook vermisse ich tatsächlich nicht, auch wenn ich mir überlegt habe, wieder einen Account zu erstellen, um einen Terminfeed von lokalen Events zu haben. Jetzt ist mir aufgefallen, dass ich einen Dienst bei meinen Überlegungen vollkommen vergessen habe: Amazon. Gut, ich habe meine Prime-Mitgliedschaft vor kurzem gekündigt. Und Bücher kauf ich grundsätzlich lieber woanders. You Were Never Really Here, die Grundlage für den gleichnamigen Film, habe ich allerdings auf die Schnelle nur auf der Amazonplattform gefunden und – Zack – bestellt.

Schlimm finde ich das alles ja nicht. Es geht mir dabei auch nicht um den Kampf gegen Windmühlen, Verschwörungstheorien oder ums Prinzip. Ich sehe es eher als zwanglosen Selbstversuch, nicht von den großen Diensten sich abhängig machen zu lassen. Fühlt sich aber im Moment eher an wie der Kampf gegen die Hydra. Nur langweiliger.

Nachtrag:
Na toll, jetzt bin ich auf Amazon reingefallen: Wenn man was bestellt, ist die Standardeinstellung für die Versandart “prime” und nicht “Standard”. Hydra.

Christen fuddeln fett

Ich bin heute über die Losung gestolpert. Nach dem gelosten Vers aus dem Alten Testament (“Ich bin dein, hilf mir!“) und dem dazu passend ausgewählten Vers aus dem Neuen Testament (“Jesus spricht: In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.“) wird da Sophie Scholl zitiert:

Wie ein dürrer Sand ist meine Seele, wenn ich zu dir beten möchte. Mein Gott, verwandle du diesen Boden in eine gute Erde, damit dein Samen nicht umsonst in sie falle, wenigstens lasse auf ihr die Sehnsucht wachsen nach dir, ihrem Schöpfer. Ich bitte dich von ganzem Herzen, zu dir rufe ich.

Weil mich die Formulierung mit der Seele als dürren Sand berührt hat, habe ich dann ein wenig nach den Umständen gesucht, in welchen sie das aufgeschrieben hat und bin auf den herder-Verlag gestoßen. Dort ist ein Artikel aus der Zeitschrift Christ in der Gegenwart veröffentlicht: Widerstand gegen Hitler – Die letzten Gebete der Weißen Rose. Darin wird über Sophie Scholl unter der Überschrift Trotzdem rufe ich “Du” erzählt, dass sie Gott direkt ansprechen müsse, zum Beispiel in einem Eintrag vom 15. Juli 1942:

Wie ein dürrer Sand ist meine Seele, wenn ich zu Dir beten möchte, nichts anderes fühlend als ihre eigene Unfruchtbarkeit. Mein Gott, verwandle Du diesen Boden in eine gute Erde, damit Dein Same nicht umsonst in sie falle, wenigstens lasse auf ihr die Sehnsucht wachsen nach Dir, ihrem Schöpfer, den ich so oft nicht mehr sehen will. – Ich bitte Dich von ganzem Herzen, zu Dir rufe ich, […]

Das liest sich anders, ehrlicher und eher wie etwas, das ich schonmal in einem etwas anderen Zusammenhang erwähnt habe. Navid Kermani zitiert im Kapitel Die Schoa aus Jossel Rakovers Wendung zu Gott:

[Gott Israels,] Du aber tust alles, daß ich an dich nicht glauben soll. […] es wird Dir alles nichts nützen. Magst Du mich auch beleidigen, magst Du mich auch schlagen, magst Du mir auch wegnehmen das Teuerste und Beste, das ich hab’ auf dieser Welt, magst Du mich zu Tode peinigen – ich werde immer an Dich glauben. Ich werde Dich immer liebhaben, immer Dich, Dich allein, Dir zum Trotz!

Was hier die Herrnhuter Brüdergemeinde mit Sophie Scholls Gebet gemacht haben, erinnert mich an das, was ich über das Buch Hiob mal irgendwo gelesen habe. Es gibt die Vermutung, dass es nicht einen Verfasser des Buches gegeben hat, sondern mindestens zwei im Abstand mehrerer Jahrhunderte. Dafür spreche, wenn ich mich richtig erinnere, dass die Zahl “3” wesentliches Gestaltungselement darin sei und plötzlich ein vierter Freund auftaucht, und auch das zum Rest wenig passende Ende, die Rehabilitierung Hiobs, nachträglich eingearbeitet wurden.

Das macht durchaus Sinn, wie ich finde: Hiob besuchen drei Freunde, die ihm entgegenreden, er müsse etwas falsch gemacht haben, sonst hätte Gott sich nicht gegen ihn gewendet. Diesen  Reden widerspricht Hiob jeweils und klagt Gott an. Dann taucht auf einmal ein vierter Freund auf, der nocheinmals Gott verteidigt. Dem Vierten antwortet Hiob nicht. Als schließlich Gott im Sturm erscheint, nimmt Gott Hiob in Schutz, widerspricht seinen drei Freunden, was die denn seinen Diener Hiob so angingen, und weist gleichzeitig Hiob wiederum zurecht: Er wolle die Weisheit dessen in Frage stellen der alles erschaffen hat, zum Beispiel Behemot und Leviathan? (“Wo warst du, als ich die Erde erschuf?“) Das Buch Hiob endet damit, dass Hiob einsieht, dass er gegen Gottes Weisheit nicht bestehen kann. Schließlich wird Hiob belohnt mit mehr Besitz und schöneren Töchtern als vorher. Und er stirbt alt und lebenssatt. Yeah.

Allgemeinhin wird aus dem Buch Hiob, glaube ich, die Lehre gezogen, man müsse nur standhaft genug in der Prüfung mittels Lebensleids sein, das Gott uns auferlege, dann würde man belohnt. Ich lese da eher rein, dass es Lebenssituationen gibt, in denen Gott anzuklagen die einzige Möglichkeit ist, den Glauben an ihn aufrechtzuerhalten. Und dieses Lebensleid auszuklammern, wie es die Herrnhuter in dem heutigen Losungstext andeutungsweise gemacht haben, ist nicht in Ordnung.