Iiiiih, Mobilität!

Bei Andreas’ neuem Auto, einem Hybrid-Passat, hat mich tatsächlich dieses Active Lighting System am meisten beeindruckt. Auch wenn ich zugeben muss, dass der kombinierte Antrieb auch schick ist. Vielleicht kauf ich mir ja den kürzlich auf heise vorgestellten kommenden Audi e-tron. Dort werden mich dann vermutlich die digitalen Außenspiegel am meisten beeindrucken.

Wusstet ihr, dass (zumindest in Deutschland) das Stromtanken nach Zeit und nicht nach kwh, also Aufnahmemenge, berechnet wird? Ich nicht. AC-Laden dauert länger und kostet deutlich weniger als das schnelle DC-Laden. Vielleicht hängt das mit den Kosten für die entsprechende Infrastruktur zusammen. Oder es dient dazu, in Zukunft mit diversen Tarifmodellen Stromtanken noch gewinnbringender zu vermarkten. Denn wer sich für 80.000 € ein Elektro-Auto leistet, tankt dann vielleicht auch häufiger DC. Aber ich hab ja keine Ahnung. Auch davon nicht, was die Blockchain-Technologie mit dem Ganzen zu tun hat.

Derweil kann man natürlich das Ökologiefass aufmachen und fragen, wie umweltschonend der Akku-Einsatz ist. Dieser ganze Energiebilanz-Hype ist, glaube ich, recht neu. Ich finde die Betrachtung zwar wichtig, wundere mich aber, wieso niemand schon früher auf die Idee gekommen ist. Wird das z.B. mit Kohlekraftwerken auch berechnet? Wie viel CO2 wird bei der Herstellung eines Kohlekraftwerks verbraucht, fragt das jemand? Und wie hoch ist der zusätzliche CO2-Ausstoß durch die Leute, die in einem solchen Kraftwerk arbeiten und dahin pendeln müssen im Vergleich zur Herstellung und Unterhaltung von Windkrafträdern? Da wird die Argumentation schnell scheinheilig, finde ich.

Jedenfalls finde ich es wichtiger, den Öffentlichen Personennahverkehr auszubauen, als auf Akku-Mobilität zu setzen, solange es noch keine flächendeckenden autonomen E-Carsharing-Plattformen gibt. Und die daraus resultierenden Stadtarchitekturplanungsänderungsmöglicheiten wären noch ein ganz eigenes Thema. (Diego merkte dazu mal an, dass er es da für wesentlicher hält, die Arbeitszeiten zu flexibilisieren.)

 

Nachtrag (23.4.): Interview zur Berücksichtigung von Fußgängern bei der Stadtplanung

Glückseligkeitsfilter

Ist es möglich, dass wir durch Konsum und Selbstdarstellung in sozialen Netzwerken, auch unbewusst, in einen Glückseligkeits-Wettbewerb von Lebensentwürfen geraten, der wenig resiliente Menschen unglücklich macht?

Mal schauen, ob Kant was dazu zu sagen hat:

Das menschliche Leben, auch das geschichtliche, ist nicht auf Glückseligkeit als höchstes Ziel eingestellt, wenn auch von Natur aus jeder nach Glückseligkeit strebt. […] “Der Begriff der Glückseligkeit ist nicht ein solcher, den der Mensch etwa von seinen Instinkten abstrahiert und so aus der Tierheit in ihm selbst hernimmt, sondern ist eine bloße Idee eines Zustandes, welcher er den letzteren unter bloß empirischen Bedingungen (welches unmöglich ist) adäquat machen will. Er entwirft sie sich selbst, und zwar auf so verschiedene Art durch seinen mit der Einbildungskraft und den Sinnen verwickelten Verstand, er ändert sogar diesen so oft, daß die Natur, wenn sie auch seiner Willkür gänzlich unterworfen wäre, doch schlechterdings kein bestimmtes allgemeines und festes Gesetz annehmen könnte, um mit diesem schwankenden Begriff und so mit dem Zweck, den jeder sich willkürlicherweise vorsetzt, übereinzustimmen. Aber selbst, wenn wir entweder diesen auf das wahrhafte Naturbedürfnis, worin unsere Gattung durchgängig mit sich übereinstimmt, herabsetzen, oder anderseits die Geschicklichkeit, sich eingebildete Zwecke zu verschaffen, noch so hoch steigern wollten: so würde doch, was der Mensch unter Glückseligkeit versteht, und was in der Tat sein eigener letzter Naturzweck (nicht Zweck der Freiheit) ist, von ihm nie erreicht werden; denn seine Natur ist nicht von der Art, irgendwo im Besitze und Genüsse aufzuhören und befriedigt zu werden.”
(Kant-Lexikon)

Ich finde Kant ja ziemlich anstrengend zu lesen. Alexander meinte mal, er hätte sich in seinen Hauptwerken auch deutlich kürzer fassen können. Jedenfalls verstehe ich Kant so, als wäre Glückseligkeit kein Zustand sondern das Streben danach.

Soziale Netzwerke neigen dazu, Zustände abzubilden. Also bspw. Bilder mit Glückseligkeitsfilter. Vielleicht müssten die mal eher das Streben nach diesem Zustand abbilden lernen. Dann könnte es sein, dass man merkt, dass man eigentlich was anderes sucht.

Das Glück der Langeweile

Habe gerade herausgefunden, dass es TED Talks auch auf Deutsch gibt. Auf der Suche nach der verlorenen Zeit:

Wem die 15 Minuten zu lange dauern, kann auch vorspulen, bis der Reisbauer vorgestellt wird. Die Geschichte erinnerte mich an die Anekdote zur Senkung der Arbeitsmoral. Damit ist eigentlich alles gesagt. Wem das zu schnell ging, der kann sich ja nochmal was zu Bore-out durchlesen: Ausgebrannt vom Nichtstun – Bore-out: “Ich sitze hier nur meine Zeit ab”.

Angst Essen Google Auf

Vor Kurzem unterhielt ich mich mit einer Schülerin über ihr vergangenes Prüfungsthema, digitale Demenz. Ich fragte mich, was sie damit meinte. Ob es in die Richtung von Manfred Spitzers Behauptungen Digitale Demenz – Wie wir uns und unsere Kinder um den Verstand bringen (E-Book Version kompakt, für die Denkfaulen, tolles Marketing!) gegangen ist? Seine Thesen scheinen übrigens hohe Wellen geschlagen zu haben: OK, Google, Where Did I Put My Thinking Cap? Man könnte da aber auch etwas neutraler vom Internet als externem Gedächtnis sprechen. Oder Supergehirn.

Oder meinte meine Schülerin mit dem Begriff digitale Demenz nicht analoge Ignoranz, sondern dass das Internet – und damit womöglich auch die Menschheit – ständig Dinge vergesse? (Zur Erklärung: Diego hat neulich in der Berghainschlange festgestellt, dass die meisten externen Links auf der AKBp-Seite nicht mehr funktionieren. Soo lange ist das mit dem AKBp nun auch nicht her, siehe Gründungsmythos.) Dabei wird das Internet ja hier irgendwie gespeichert: The Wayback Machine. Die Frage ist nur, ob das als Gedächtnis zählt. Eigentlich wird da ja nicht ein komplettes Netzwerk gespeichert. Vielleicht ist das ein bisschen so, als würde ein Mensch immer alles aufschreiben, aber nicht verknüpfen und sortieren. Ein Gedächtnis funktioniert also eigentlich nur mit einer Instanz, welche die Erinnerungen sortieren und aufbereitet darbieten kann. Sowas wie Google also. Logisches Problem: Falls die Benutzung der Suchmaschine tatsächlich dazu führen sollte, dass wir weniger selbst denken und das Internet in der Folge mit immer weniger neuen bzw. relevanten Daten füttern, werden dann nicht alle Informationen irgendwann redundant? Vergisst das Internet schließlich sich selbst? Das ist, wenn ich mich richtig erinnere, der Traum des Überwachungssystems in George Orwells1984: Mittels Neusprech die Sprache schließlich auf ein Wort zu reduzieren. Dort kontrolliert das System die Menschen übrigens mit ihren persönlichen Ängsten.

(Da geht’s schon unaufhaltbar voran mit der digitalen Demenz. Wollte gerade irgendwo weiter oben den Link zu dem Film Lo And Behold – Reveries Of The Connected World einfügen. Die Domain ist nicht mehr vergeben: http://www.loandbehold-film.com/)

Zwischendurch zur Klarstellung: Ich will damit echte Demenz nicht veralbern.

Ich denke, dass das Thema digitale Demenz vor allen Dingen von Angst geschürt wird, so wie viele Themen gerade, die den derzeitigen sinnentleerten Wandel markieren. Viele wünschen sich in die Vergangenheit zurück, die sich im Gewand der Erinnerung (dank selektiver Sortierung und Aufbereitung) heute besser darzustellen vermag, als sie es damals als  Gegenwart vermochte.

So würde sich auch erklären, wieso neulich der Pfarrer in Wissenbach (Vakanzvertretung) so krudes, pseudoanalytisches Zeugs gepredigt hat. Thema der Predigt: Was hat das Christentum Gutes für Deutschland gebracht. (Predigtext war, wenn ich mich richtig erinnere, Matthäus 23 – was mit dem Thema nichts zu tun hat, höchstens mit seiner Sichtweise auf sich selbst, falls er sich wirklich als Rebell in der evangelischen Kirche versteht, wie meine Mutter mal meinte.) Mein Gedächtnis hat einen Großteil der Predigt mittlerweile verdrängt. (Das lässt in mir den Gedanken keimen, dass Vergessen Arbeit ist und daher mit Anstrengung verbunden ist.) In seiner Ansprache richtete er sich immer wieder direkt an die drei Jugendlichen vor mir, nutzte dabei aber Wörter wie Attribut und anthropophil (oder androphil?). Es gipfelte schließlich in der Aussage: “Und wenn es in Deutschland nicht so viele Abtreibungen gäbe, bräuchten wir weniger ausländische Fachkräfte.”  Ich hab mich währenddessen schwer aufgeregt und konnte nicht still sitzenbleiben in der Bank, bin es meiner Mutter zu Liebe aber doch. Hatte der Pfarrer wohl auch gemerkt, weil er da sowas in seinen Schluss einbaute wie “Auch wenn es hier manche aufregen mag…”. (Meiner Mutter hat dieser harte Satz vorher übrigens auch nicht gefallen, wie sie mir später sagte.)

Diese Predigt und auch die Thesen Manfred Spitzers würden, glaube ich, ohne ein dahinter gedachtes Früher war alles besser nicht wirklich greifen. Und dieser Gedanke kommt vielen, glaube ich,  derzeit durch eine Angst vor der Zukunft im Angesicht der Gegenwart.

Unsere negativen Emotionen sind aber ein schlechter Archivar unserer Erinnerungen.

Nachtrag:
Jetzt habe ich völlig vergessen, zu erzählen, wie ich überhaupt aktuell auf das Thema gekommen bin: Neulich habe ich eine Deutschgeschichte, Klasse 6, korrigiert, in der ein Schüler einen merkwürdigen Rechtschreibfehler eingbaut hatte: Am Anfang dachten alle, es Wärme nur eine Frage der Zeit. Wie zum Geier schleichen sich schon t9-artige Tippfehler, wie man sie von der Autovervollständigung bspw. aus Whatsapp kennt, in handschriftliche Texte ein? Ich Rätsel Zimmer noch, wie ihm das Passwort konnte.

Nachtrag 2

Wer denkt, Facebook, könne die Whatsapp-Chats wegen der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung nicht mitlesen, liegt falsch, zumindest unter iOS ist das wohl möglich:

[…]auf einem entsperrten iPhone lässt sich die lokale Datenbank der Messaging-App aber im Klartext auslesen. Das muss schon deswegen der Fall sein, damit WhatsApp selbst die Nachrichten verarbeiten kann. Zanon erläutert weiter, dass dies auch mit dem von ihm entwickelten Tool möglich sei.  Die Datenbank enthält Telefonnummern, Namen, Zeitmarkierungen sowie den Inhalt der Nachrichten mitsamt Verweisen auf die Anhänge – ”genug um die gesamte Chat-Historie zu rekonstruieren”. […]

In der Anhörung vor dem US-Kongress im Zusammenhang mit dem Datenskandal rund um Cambridge Analytica, betonte Facebook-Chef Mark Zuckerberg etwa, der Konzern könne keinerlei WhatsApp-Inhalte sehen – und diese somit auch nicht zu Werbezwecken analysieren –, da diese schließlich “komplett verschlüsselt” seien. Das sei aber “einfach nicht korrekt”, betont Zanon.

(heise)

Ein Grund mehr, sich von Whatsapp zu verabschieden.

A Silent Place

Wenn man an der Kinokasse eine Schülerin trifft und im Saal merkt, dass die Platzreservierung einen nebeneinander sitzend geführt hat, wie verhält man sich da in einem Horrorfilm am besten?

Ich hab mich mit Kommentaren zurückgehalten und saß weitgehend still auf meinem Platz. Weiter hab ich mir dann nichts bei gedacht und den Film geschaut: A Quiet Place. Die Geschichte rund um und mit der Stille zu erzählen fand ich, wie der Deutschlandfunk, zunächst recht originell. Aber nach dem Film kramte meine Erinnerung nun schon länger angestrengt nach weiteren originellen Filmelementen. Stattdessen enttäuschte sie mich sogar, ich erinnerte mich an die Clicker bei The Last of Us und muss sagen, das war doch nicht so originell im Film. Der Schockeffekt war im Spiel vergleichsweise krasser gewesen, weil man selbst die Figur samt Geräuscherzeugung steuert. Bei The Last of Us handelt es sich ja um eine Zombieapokalypse, in A Quiet Place um eine Alieninvasionsapokalypse. Wobei ich mich während des Films gefragt habe, wie diese Aliens, die sich nur mit ihrem extrem feinen Gehör orientieren können, offensichtlich ohne Ultraschall, durch das geräuschlose Weltall navigiert haben.

Derweil hab ich noch das hier gefunden: Minus 9db.

Ich werd sie mal Montag fragen, was sie vom Film hielt. Und ob es ein Horror für sie war, neben mir sitzen zu müssen.

Nachtrag

Ich komm mit dem Updaten nicht mehr hinterher:

Just to clarify: This information does not concern #SailfishOS itself, but it is limited to Rostelecom considering a product name for its special clients in Russia that would utilise Sailfish OS Mobile RUS.

(@jollahq auf Twitter)

  • Außerdem habe ich jemanden gefunden, der 5 Monate ohne Google lebt(e). Der Text macht meinem Vorhaben Mut:

The experiment helped me realise how deep the company from Mountain View, California has woven itself into the fabric of our life and how difficult it is to stop using its services. At the same time, it also made me appreciate how competent the often ignored alternatives are. Life without Google seems extremely scary and daunting. However – a few exceptions aside – it is indeed possible.

(I Stopped Using Google Apps and Services for 5 Months. Here’s Everything I Learnt)

Nachtrag:

 

Schwer oarme Firma

Sascha Lobo – der hat auch manchmal schwer lange Blogpausen – schreibt auf SPON über Facebook, die erste vernetzte Gefühlsmaschine:

Denn Treibstoff der sozialen Infrastruktur Facebook sind: Emotionen. Alle wesentlichen Probleme – wie auch die wirtschaftlichen Vorteile – ergeben sich aus der Macht von Facebook, flächendeckend Emotionen auszulösen. Genau dafür ist Facebook gebaut, wie man schon an Standardreaktionen sieht: Like, Love, Haha, Wow, Sad, Angry.

Und das ist der Hauptgrund dafür, dass vor der – absolut notwendigen – Regulierung Facebook überhaupt erst verstanden werden muss: Diese neue soziale Infrastruktur bildet nicht nur den Stand der digitalen Gesellschaft ab. Sie ist zugleich die erste vernetzte Gefühlsmaschine der Welt […}.

So von wegen Gefühle und Maschine und so: Mark zʌkʰɚbɚg konnte einem bei der Anhörung schon leid tun, muss aber nicht.