Mallorca


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nachtrag am 1.8.: 

Touristen-Ansturm auf Mallorca:

Kapern: Haben Sie denn auch schon eine Lösung für ein anderes Problem, das erstaunt? Da lese ich, dass auf Mallorca 40.000 Mietautos registriert sind, aber tatsächlich 100.000 Mietautos unterwegs sind. Kein Wunder, dass da über Blechlawinen und Dauerstau gesprochen wird.

Wilms: Das ist sicherlich nicht hilfreich, dass diese Menge von Autos dazu kommt. Man muss aber auch sagen, es fahren ungefähr 800.000 Privatwagen auf Mallorca rum. Insofern muss man da auch wieder ein bisschen relativieren. Da ist wenig Lösung in Sicht tatsächlich, weil wir leben in einem Europa der Personen- und der Warenfreizügigkeit. Das heißt, wir können nicht die Zahl der Zahnbürsten bestimmen, die auf die Insel importiert wird, und auch nicht die Zahl der Autos, Mietwagen. Das geht tatsächlich nicht, die können wir nicht limitieren. Wir sind im Moment dabei, zu gucken, kann man das irgendwie über steuerliche Maßnahmen ein bisschen steuern. Das große Problem ist natürlich auch, dass die Mietwagenunternehmen ihre Flotten auf dem Festland zugelassen haben, wo die Steuern viel günstiger sind, und dann im Sommer hier rüberschiffen. Wir sind dran, da irgendwas zu finden, aber das ist tatsächlich durch europäische Rechtsprechung sehr schwierig.

Cave KI-nem

Ich gebe zu, der Titel ist ein wenig bemüht. Aber seht selbst: “Das größte Risiko für unsere Zivilisation”: Elon Musk warnt erneut vor KI. Ich empfehle, es sich vom Computer vorlesen zu lassen. Unterstreicht das ganze Szenario.

Das erinnert mich daran, dass man der Sprachausgabe von Windows 98 Wissenbacher Platt beibringen konnte. Die amerikanische Computerstimme hat nämlich das R gerollt wie in Barnarne. Man musste sich halt an der englischen Aussprache orientieren: Deetr, wool dou a brutwoasht or a currywoasht ho? Aich danga, aich nam a brutwoasht mit currysoase.

So ungefähr jedenfalls, hab die Originaldatei mal unter erhaltenswertem Unfug gespeichert und verloren. Ein intelligentes OS, das mich kennt, hätte sie aufgehoben und sofort parat. Und den Blogeintrag für mich geschrieben. Ohne dass ich überhaupt auf die Idee gekommen wäre.

Sowieso glaube ich, dass das eigentliche Problem ist, dass wir gar keine klar umrissene Vorstellung von Künstlicher Intelligenz haben. Für die einen ist das eine einfache Weiterentwicklung im Rahmen technologischer Möglichkeiten, die dem Menschen zunehmend (lästige) Denkprozesse abnimmt, für die anderen ist es die Erschaffung eines eigenständigen Bewusstseins auf technologischer Basis. Also so von wegen “Hey, ich bin anders als du, Mensch, deshalb erkenne ich mein eigene Identität in Abgrenzung zu dir.” Zauberwort bei jedem Gespräch darüber, egal welche Vorstellung nun zu Grunde liegt, ist: Algorithmen. Vorsicht, wenn das jemand benutzt, inklusive mir, denn meistens sind mit diesem Wort ominös irgendwelche Fähigkeiten, Entwicklungsmöglichkeiten und damit einhergehende Gefahren technologischer Entwicklung gemeint. Also eigentlich ein Eingeständnis, dass ich das, was geschieht, vom Menschen geschaffen, nicht mehr wirklich verstehe.

Leider gibt der heise-Artikel nicht her, wovor nun genau Elon Musk warnt. Vielleicht sieht er auch nur seine Felle davon schwimmen und will durch strengere Regelungen bei der Erforschung von KI Boden wiedergutmachen. Oder er hat die Zukunft gesichtet und warnt wie Cassandra vor dem Unaufhaltsamen. Vielleicht hat er aber auch gemerkt, dass es die Menschen in ihrem Wesen verändert, je mehr ihnen von Maschinen abgenommen wird.

Mir kam neulich auf einem Tex-Konzert in Bad Nauheim der Gedanke, als einige Menschen mit ihren Telefonen Fotos machten, dass man sich ja selbst gar nicht mehr an den Moment erinnern muss, wenn die Maschine beim Speichern hilft.

Im Film Her schreibt der Protagonist beruflich sehr persönliche, einfühlsame Briefe für seine Auftraggeber. Die unausgesprochene These scheint zu sein: Die Menschen verlernen den emotionalen Umgang miteinander durch die Art, wie Technologie unser Kommunikation verändert. (In Her verliebt sich der Protagonist in sein neues OS. Das Thema des Films ist in meinen Augen, wie man sich selbst findet und dass man dafür ein Gegenüber zur Auseinandersetzung braucht.)

Jedenfalls finde ich, dass die entscheidenden Fragen sind, wenn man sich mit dem Thema KI auseinandersetzt: Was macht uns Menschen aus? Was unterscheidet uns im Wesen von Maschinen? Sind Emotionen Folgen von komplexen Algorithmen? (Obacht!) Träumen Androiden von elektrischen Schafen? Wer sind wir?

Ich empfehle, Ridley Scotts Filme mit diesen Fragestellungen anzusehen. Ich denke dabei gerade an Alien, Blade Runner, Prometheus, Alien: Covenant.

Naja, vielleicht ist das ja alles Panikmache oder Hysterie. Ich empfinde es jedenfalls derzeit so, dass die Menschheit sich von ihrer Natur entfremdet anstatt sich ihr zuzuwenden. Vielleicht ist das aber gar nicht so sondern eher ein Wahrnehmungstrick, weil ich mich vermehrt mittels Maschinen informiere und damit ein verfälschtes Bild von öffentlicher Meinung entsteht. Krass, was Maschinen/Algorithmen schon so können:

Es ist vielleicht so, dass wir mit Google oder Alexa oder Siri oder Cortana schon sowas wie eine Künstliche Intelligenz am Erschaffen sind. Stichwort: Netzwerke&Co. Keine Ahnung. Skepsis hilft etwas, hab ich geleesen.

Nur der Skeptiker ist wirklich offen für Neues.

Nachtrag am 21.7.:
https://www.heise.de/newsticker/meldung/Kuenstliche-Intelligenz-Was-denkt-sich-eine-KI-3778547.html

Nachtrag am 24.7.:
Mir ist noch Olimpia aus “Der Sandmann” eingefallen, der von den Göttern geschickte Nathanaels Professor konstruierte Automatenmensch:
Automatenmenschen, Monster, Puppen: Streifzug durch die Literatur
Olimpia ist von einem Menschen nicht zu unterscheiden. Einzig ihre Augen zeigen, dass sie kein Mensch ist, ihr die Seele fehlt. Sie ist ähnlich der schönen Pandora, die laut der Überlieferung der Prometheussage von den Göttern konstruiert wurde, um Epimetheus zu täuschen und Übel über die Menschheit zu bringen.

Ähnlich wie David, der Android in Prometheus: Dunkle Zeichen und Alien: Covenant:

Er scheint auch eine Pandora zu sein, auf die zwar nicht Epimetheus aber die Menschen reinfallen. Und gleichzeitig ist er auch die Büchse der Pandora selbst, die die Menschheit konstruiert hat, da er selbst alles mögliche Übel ‘erschafft’, nachdem er von seinem Schöpfer den Auftrag erhält: “Steigere dich.” Vielleicht ist diese Gier aber auch die eigentliche Büchse der Pandora. Kann ein Android gierig sein? Hat das eigentlich noch mit dem Thema zu tun? #wirr

Kann man ‘trotzdem’ hassen?

Die Überschrift sagt eigentlich schon alles. Ausgangspunkt war ein Gespräch mit Alexander und Claudia, bei dem es gefühlt um alles ging. Ich habe dann irgendwann eingeworfen, dass das Wesen von Liebe ist, dass sie überwindet und deswegen stärker ist als Hass. Man kann (oder besser tut es einfach) lieben, auch wenn einem Unrecht angetan wurde. Gerade dann, wenn man im Recht ist, zeigt sich die Liebe: Man liebt trotzdem. (Hiob 13,15)

Magst Du mich auch beleidigen, magst Du mich auch schlagen, magst Du mir auch wegnehmen das Teuerste und Beste, das ich hab’ auf der Welt, magst Du mich zu Tode peinigen – ich werde immer an Dich glauben. Ich werde Dich immer liebhaben, immer Dich, Dich allein, Dir zum Trotz!
(Aus Jossel Rakovers Wendung zu Gott, gefunden in Der Schrecken Gottes.)

Das Gespräch fand übrigens nach dem Besuch von Despicable Me 3 statt, welchen ich ganz witzig fand. Wir saßen danach noch in Pits Pinte, wo ich ewig nicht mehr war. Wir kamen dann bei alkoholfreiem Bier ins Plaudern. Zunächst erzählte Alexander von einem Buch, dessen Titel ich vergessen habe, obwohl ich fünfmal nachgefragt habe. Er erhoffte sich vom Buch Antworten auf das Erstarken der Rechten in Europa. Es gehe darin halbautobiographisch allerdings eher um entlarvend arrogante Intellektuelle und ihr Verhältnis zur französischen Gesellschaft. Schließlich sprachen wir über Identität. Ich finde ja, da sollte Alexander erst einmal Stiller lesen, bevor er was anderes liest. Aber ist ja nicht meine Sache.

Gegen Ende des Gesprächs – man darf in Pits Pinte peinlich genau nicht länger als 0.00h draußen sitzen, das machte die Bedienung uns sehr deutlich – stellte Alexander dann jene Frage:

Kann man trotzdem hassen?

Ich glaube nicht. Ich denke, man hasst, weil

Das bedeutet übrigens nicht, dass es nichts Böses auf der Welt gäbe. Der Gedanke, nicht trotzdem zu hassen, gibt vielmehr entspannte Zuversicht:

Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit dem Guten! (Römer 12,21)

 

Das Maß der Betroffenheit

Meine Gedanken zur G20gipfeleskalationsdiskussion:

Ich habe das auch an Wolfgang Bosbach gerichtet, weil ich das hier gelesen habe: Bosbach verlässt Studio – Bei G20 eskaliert sogar der Maischberger-Talk. Blöd ist, dass ich erst hinterher gelesen habe, dass ich nicht Wolfgang Bosbach geschrieben habe, sondern einem 19jährigen Jungunionler. Soviel zu meiner Social-Media-Kompetenz
Ich habe selbst die Sendung nicht geseehen. Außer auf Phönix kann man sich nämlich kaum Talkshows anschauen, die nicht eskalieren. Dabei ist doch die einzige Gewalt, die wir akzeptieren sollten, der zwanglose Zwang des besseren Arguments.

Mein Eindruck ist, dass es in unserer Gesellschaft hysterisch zugeht, sobald Ordnung und Besitz in Gefahr geraten. (Dabei ist doch eh alles eitel, sagt der Prediger (Jak 4,14). Die Fokussierung auf den Materialismus ist übrigens meine Hauptkritik an der Linken.) Wirklich schlimm finde ich, dass die öffentliche Empörung so viel größer zu sein scheint als bei vielen empörungswürdigen Ereignissen in den vergangenen Jahren, bei denen auch Menschen hier in unserer Gesellschaft direkt zu Schaden kamen. Die Betroffenheit scheint bei den NSU-Taten nicht allzu groß zu sein. Ich erinnere mich daran, dass ein Freund mal mit seinen Schülern als Projekt eine improvisierte Gedenkwand für die Opfer gemacht hat – und dafür in seiner Schule ziemlich viel Kritik hat einstecken müssen.

Mit dem Maß der Betroffenheit die Ereignisse zu bewerten ist dann problematisch, wenn man nicht mal mehr den eigenen Tellerrand sieht. Dabei sollte es bei der G20-Diskussion doch eigentlich darum gehen: Aufarbeitung von G20 – Die Verweigerung der Demokratie.

Gutemine

Am 1.5. wollte ich einen Text mit dem Titel “Gutemine” schreiben – der logische Schluss, da ich einen Entwurf mit diesem Titel in der Datenbank sah. Das Problem: Außer dem Titel gibt es nichts. Das eigentliche Problem: Ich erinnere mich an rein gar nichts.
Das Verstummen, ein Vergessen.

PS: Seit ich Whatsapp so gut wie nicht mehr nutze und mich bei Facebook abgemeldet habe, ist das Leben deutlich entspannter. Schuld an meiner vorherigen Anspannung trug jedoch meine mangelnde Kompetenz, mit den Dingern umzugehen – bevor sich hier irgendjemand aufs digitale Füßchen getreten fühlt.

Chronisch national

Wer am Montag die Rede des Außenministers der Türkei in Hamburg verfolgt hat, beispielsweise auf dem Sender ntv, hat feststellen können, wie wichtig es ihm war, die Größe der türkischen Republik hervorzuheben. Er nannte zum Beispiel die geplante dreistöckige Untertunnelung des Bosporus, den geplanten Ausbaus des Flughafens in Istanbul zum größten der Welt und den Bau einer verdammt großen Brücke, ob geplant oder bereits fertiggestellt, weiß ich nicht mehr. Mag auch Übersetzungsschwierigkeiten geschuldet sein. Ich fand diese von Größe durchdrungenen Töne beunruhigender als den oft zitierten Vorwurf, Deutschland verhalte sich systematisch feindselig gegenüber der Türkei.

Vielleicht ist das ja einfach ein anderer Menschenschlag oder dem Wahlkampfgetöse geschuldet. Die globalisierte Welt um mich scheint jedenfalls zusehends zu vergangen geglaubten Nationalismen zurückzukehren

Ich frage mich, warum der Einzelne das mitmacht. Vielleicht ist ihm angesichts der Informationsmenge schlicht das Gefühl für das Ferne abhanden gekommen und damit auch der Spiegel für die eigene gesellschaftliche Identität. Der Rückzug in die national überschaubare Behaglichkeit wäre dann die hilflose Reaktion auf das Nichtverarbeitenkönnen der globalen Berührung. Mauern als Schutz vor mehr Betroffenheit. Die Nation ist es also, auf das die einen wieder hoffen, wenn die anderen abstumpfen.

Je mehr berührt, desto weniger betroffen?

Ich weiß es nicht.

Schlag Mensch!

Wie Diego aufklärt, sei die Gewürzmischung Curry eine westliche Erfindung, wenngleich auch curryähnliche Mischungen lange vor Eintreffen der Europäer in Indien verwendet worden seien. Das deutschsprachige Wiktionary schreibt das hier:

Die in den indischen Sprachen Tamil und Canarese existierenden Wörter kari beziehungsweise karil wurden im 16. Jahrhundert zu carriel, dann im 17. Jahrhundert zu carree und schließlich zu curry → en anglisiert. Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ist das Wort auch in Deutschland gebräuchlich. Ursprünglich stand es für die Blätter der Karipflanze und eine für Südindien typische Zubereitung von Gemüsegerichten.

Und das hier noch zur räumlichen Klarstellung des Begriffs Orient (oder eben nicht):

[1] nicht eindeutig: ein Gebiet, dass mindestens den Nahen Osten umfasst, aber auch den Mittleren Osten, den Fernen Osten, Nordafrika und Russland umfassen kann

Vermutlich immer noch zu fremd für den deutschen Menschenschlag. Oder nur für Xenophobe. Doch halt – Ausgangspunkt waren ja Orientale, also orientalisch aussehende Menschen. Dabei wollen wir doch alle nur mal wieder Deutsch sein dürfen:

Vielleicht sollte man den Alternativen für Deutschland bei Gelegenheit mal einen Fremdenführer schenken (oder fremden Führer?). Edition Orient: Von Usbekistan bis zur Karibik. (Karibik. Jetzt bin ich total verwirrt.) Oder doch den Xenophes Guide to the Germans. Das ist eine echt schwierige Sache mit der Identität. Und mit der Sprache:

In diesem Sinne: Goo ten are bent allerseits.

Paranoia Orientale

Habe heute zufällig den Film Die Stunde der Populisten gesehen. Darin gab es Äußerungen von AfD-Mitgliedern, die genau das treffen, worüber ich gestern schrieb. Lustig finde ich, dass in dem Film deutlich wird, dass Andreas Wild in Neukölln kandidieren will, aber in Steglitz wohnt. Genau das wird er auch von einer Neuköllner Abgeordneten beim Besuch einer Flüchtlingsunterkunft gefragt. Woher er denn wissen will, was in Neukölln zu tun sei. Die Antwort blieb er zunächst schuldig und gibt sie später mit dieser Aussage (ab Minute ~34):

Currywurstbude und finnische Sauna, das sind so die Bereiche, in denen man relativ wenig Orientalen findet. … Ich fühle mich nicht, als wenn ich in Deutschland wäre. Es sieht so aus wie im Orient – zumindest die Menschen sehen so aus, als ob wir im Orient wären. … Wir müssen schauen, dass wir hier in Neukölln auch wieder deutsche Bevölkerung haben. … Es geht ja praktisch darum, dass die Umvolkung, die stattgefunden hat, wieder in eine andere Richtung zu lenken. … Es geht um Rückveränderung. (Andreas Wild)

Ob ihm schon mal jemand gesagt hat, dass Curry ein orientalisches Gewürz ist?

Später betet er bei einer AfD-Veranstaltung an einer Straßenecke vor laufender Kamera mit einem evangelischen Pfarrer und den dort Anwesenden das Vater Unser.

Ob ihm schon mal jemand gesagt hat, dass dieses Gebet von einem Orientalen ursprünglich formuliert wurde?

Falls nicht, hier Matthäus 6, 5-15:

Wenn ihr betet, macht es nicht wie die Heuchler. Sie stellen sich beim Gebet gern in die Synagogen und an die Straßenecken, damit sie von den Leuten gesehen werden. Amen, das sage ich euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten.
Du aber geh in deine Kammer, wenn du betest, und schließ die Tür zu; dann bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist. Dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.
Wenn ihr betet, sollt ihr nicht plappern wie die Heiden, die meinen, sie werden nur erhört, wenn sie viele Worte machen. Macht es nicht wie sie; denn euer Vater weiß, was ihr braucht, noch ehe ihr ihn bittet.
So sollt ihr beten:
Unser Vater im Himmel, dein Name werde geheiligt, dein Reich komme, dein Wille geschehe wie im Himmel, so auf der Erde. Gib uns heute das Brot, das wir brauchen. Und erlass uns unsere Schulden, wie auch wir sie unseren Schuldnern erlassen haben. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern rette uns vor dem Bösen.
Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, dann wird euer himmlischer Vater auch euch vergeben. Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, dann wird euch euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben.

Aufrechte Demokratie

Derzeit höre ich oft das Wort Demokratie. Ursprünglich heißt es soviel wie Herrschaft der Bewohner eines Gebietes. Hört man genauer hin, möchte es je nach Sprecher unterschiedlich verstanden werden. Mal liegt der Schwerpunkt auf den oft damit verbundenen Freiheiten einer modernen Gesellschaft, ein anderes Mal betont man damit einfach nur Mehrheitsverhältnisse.

Letzteres kann aus meiner Sicht nur funktionieren, wenn sich alle Bewohner auf gemeinsame Grundlagen geeinigt haben. Sonst entsteht das Problem, dass eine Mehrheit der Bewohner womöglich über eine oder mehrere kleine Gruppen herrscht, ihnen z.B. das Recht nimmt, zu sprechen und gehört zu werden, also ihren Willen zum Ausdruck zu bringen. Das bedeutet, Demokratie funktioniert nur, wenn alle Bewohner langfristig mitmachen dürfen.

Wenn man derzeit genau hinhört, fällt auf, wie häufig auch demokratiefeindliche Stimmen das Wort Demokratie für ihre Absichten nutzen. Dabei geht es vielen darum, die Regeln für die Bewohner grundlegend zu verändern.

So steht z.B. bald in der Türkei eine Abstimmung über eine Verfassungsänderung an, die mit der Wiedereinführung der Todesstrafe verknüpft ist. Hierbei ist ein Streit zwischen Türkei und Deutschland entbrannt, der auch mit dem Wort Demokratie geführt wird: Türkische Regierungsstellen und Medien werfen Deutschland mangelnde Meinungsfreiheit bzw. Scheinheiligkeit angesichts diverser abgesagten Werbeveranstaltungen für die Verfassungsänderung vor. Deniz Yücel ist übrigens Bewohner beider Gebiete.

Oder geheime Whatsapp-Chats entlarven, was sowieso jeder weiß: Die AfD findet die Demokratie gut, solange sie nützlich ist.

Oder Donald Trump sieht sich (vielleicht wirklich) als derjenige, der die Souveränität den Bewohnern zurückgeben wird:

Formulierungen wie folgende lassen dann aufhorchen, wenn Trump die Wahlergebnisse noch einmal untersuchen lassen möchte mit der Absicht: to strengthen up voting procedures.

Man könnte in weitere Gebiete der Welt schauen und jeweilige Demokratiefeinde feststellen, die vermeintlich beabsichtigen, die Macht den Bewohnern wiedergeben zu müssen. Dabei geht es ihnen eigentlich darum, neu zu bestimmen, wer zu den Bewohnern eines Gebietes zu zählen ist, wer dazu gehört und wer nicht, wem damit die dort geltenden Rechte zustehen und schließlich die Rechte den eigentlichen Bewohnern wieder zurückzugeben und dabei noch zu verändern.

Ich sehe mich dabei übrigens als Bewohner der Erde.

Vermutlich zeigt diese Entwicklung, dass wir satt, gierig und faul sind. Satt von der Demokratie, gierig nach Effizienz und zu faul, sich wirklich in die eigenen Angelegenheiten einzumischen. Gegen solche Tendenzen sollten sich alle Bewohner unseres Gebietes stellen. Es ist schließlich nicht so, dass Demokratie unumkehrbar wäre.

Nachtrag am 4. März:

Wir werden so lange durchhalten, bis wir in diesem Lande 51 Prozent erreicht haben.
(Björn Höcke am Schluss des Films Die Stunde der Populisten)

Nachtrag am 5. März:

Spiegel-Online hat einen Essay zum Thema veröffentlicht: Niedergang der Demokratie – Warum Populismus nicht die Ursache ist. Darin benutzt Johannes Thumfart schwer oft das Wort Effizienz. Wenn ichs recht verstehe, fordert er zur effizienten Konsensfindung auf, um im Wettbewerb der Gesellschaftssysteme mithalten zu können und eine globale Demokratie-Rezession zu verhindern.
Da denk ich mir: Leute, werdet doch erst mal leidenschaftlich zufrieden.