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Schlagwort: Fortschritt

Instagramazon

Allmacht Amazon habe ich neulich nebenbei geschaut. Ganz interessant war der Selbstversuch einer Netzaktivistin. Düstere Zukunftsszenarien wie bspw. dass Amazon in Zukunft weiß, was du willst, bevor du es weißt, blieben natürlich auch nicht aus. Durch die zunehmende Macht von Amazon drohe sich ein Modell der Planwirtschaft zu entwickeln. Klingt nach ganz großem Fußball, der Jeff Bezos da gelingt.

Derweil hat Facebook vom Bundeskartellamt ein fettes Dislike und 1 Jahr Zeit bekommen, seine Regelungen zur Datensammlung umzugestalten, sodass man dem ausdrücklich zustimmen muss. Was mir dabei nicht klar war: Facebook sammelt z.B. Daten von seinen Nutzern, wenn eine beliebige Internetseite Facebooks Like-Button implementiert hat, ohne dass man diesen drücken müsste. Schöne neue Welt.

Opti? Fast.

Beim Zappen in der ARD Mediathek bin ich auf 3sat auf das Thema Fasten gestoßen: Scobel.

Da waren viele mir bekannte Informationen dabei (Autophagie, Ketone) und einige für mich neue: Fasten durch Nahrungsmittelergänzung Spermidin , Fasten mache Chemotherapie verträglicher.

Ein bisschen nervt mich, dass in jüngster Zeit alles Mögliche evolutionär begründet wird, wenn es klug, plausibel und fortschrittlich klingen soll. Streng genommen ist die Argumentation aber reaktionär, wie es in der Sendung auch deutlich wurde: Da solle unser Körper ernährt werden wie zu Zeiten der Jäger und Sammler, z.B. durch das Intervallfasten, auch 16/8 genannt. Erinnert mich an mein Projekt 20/4. Vielleicht gehe ich das demnächst mal an.

Bambus&Co

Vor einigen Tagen habe ich in einer Baumkugel übernachtet. Das war eine tolle Idee von Anne. (Ich würde sie ja gerne verlinken, aber sie hat immer noch kein eigenes Blog, soweit ich weiß.) Das Restaurant hatte eine ziemlich feine Küche. Hungrig saßen wir als einzige Gäste (zunächst) an einem der Tische, als der einzige andere Mensch – der Koch, wie sich später herausstellte – mit einem Teller hübsch dekorierten Essen zu uns kam, uns diesen zeigte und unsere Meinung zur Ästhetik wissen wollte, schließlich machen ja alle bei Instagram (No Fotos!) mit, da müsse er auch mal was posten – und zog uns das Gemüse vor unserer Nase wieder weg.

Das folgende Drei-Gänge-Menü war richtig gelungen. Insgesamt ist Robinsons Nest sehr auf Nachhaltigkeit ausgelegt. So hatte man die Wahl, eine normale Toilette mit Spülung oder ein Plumpsklo mit Rindenmulch und getrenntem Ausscheidungs-Auffang zur besseren Düngenutzung zu benutzen. Der Aufenthalt in der Kugel war ein wenig wie in einem Boot bei ruhigem Seegang. Schön war der Blick in die Baumwipfel und später – wir hatten klare Sicht – der Blick in den Sternenhimmel. Das vegetarische Frühstücksbuffet am nächsten Morgen gefiel mir ausgesprochen gut. Insgesamt also zu empfehlen.

Meinen Hinweis zwischendurch, dass ich es fraglich finde, ob man mit den Anwesenden auch einfach draußen am Lagerfeuer eine Mettwurst grillen kann, fand Anne nicht so lustig. Ich hatte jedenfalls immer ein bisschen das Gefühl, Nachhaltigkeit ist vor allem was für feine Leute.

So von wegen E-SUV fahren. Ich  glaube, es gibt zwei Gründe, warum es von deutschen Autoherstellern zunächst eher Elektro-SUVs gibt als Elektro-Kleinwagen: Der Elektroantrieb wird teuer und SUVs werden ohnehin teuer. Außerdem kann man den ungenutzten Platz in der Karosserie für Akkus verwenden.

Ich hatte darüber dann auch am Montag ein Gespräch mit Christian. Wir waren in McDonalds einen Kaffee trinken und überlegten, dass wir bei der Weihnachtsbaumaktion, die mit einem gemeinsamen Fackelmarsch zum Verbrennen der Weihnachtsbäume mit Mettwürstchen vom Grill & Co endet, mit eigenen Bambusfackeln mitlaufen, vegane Mettwürstchen grillen und vorschlagen, die Bäume nicht zu verbrennen sondern zu kompostieren. (Das war eigentlich irgendwie Diegos Vorschlag.) Im Prinzip alles gute Ideen, die aber ganz schön viel Veränderung abverlangen würden.

Eine Frage dabei ist, kann Nachhaltigkeit gelingen, wenn es sich nur Reiche überhaupt leisten können. Wenn es in einigen Jahrzehnten womöglich so ist, dass ein eigenes (Flug-)Auto nur noch den Superreichen vorbehalten sein wird, weil es für die große Mehrheit der Menschen schlicht zu teuer sein wird, erscheint mir das ungerecht – so wie es ja derzeit im weltweiten Vergleich ungerecht zugeht. Obwohl…

Derweil habe ich mir im Avocadostore in Berlin Bambussocken gekauft. Damit ich wenigstens manchmal tue, was ich für richtig halte.

Metaorganoid

Ich habe mir ja in der Vergangenheit schwer Gedanken gemacht, wie körperlich alles ist. Passend dazu nehme ich auf ärztlichen Rat seit kurzer Zeit Vitamin D. Die Einnahme hob in den vergangenen Wochen leicht meine Stimmung, ob direkt oder durch Placebo ist mir egal.

(Placebo ist ja eben ein körperlicher Effekt. Der Begriff Placebo wird vermutlich häufig mit dem Wort “nur” gedacht, was aber der Wirkmacht des Effekts nicht gerecht wird und eher nach einer hilflosen Deskription derer klingt, die *alles* erklären können wollen. Eigentlich geht es um die Frage der Kontrolle: In welchem Maß habe ich es in der Hand, wie es mir geht? Womöglich hilft der Gedanke, dass man nichts für seine Befindlichkeit kann, sehr wohl aber Faktoren beeinflussen kann.

Mich würde interessieren, ob es schon Untersuchungen gibt, ob in Anbetracht des Zusammenwachsens von Technik und Mensch sowas wie ‘Cyber-Placebos‘ oder auch ‘Cyber-Nocebos‘ existieren. Ich vermute, überall, wo Abhängigkeiten entstehen, entstehen bei Funktionsausfall Entzugserscheinungen. Logische Konsequenz: Man sollte zunächst versuchen, sich nicht von seinem Körper abhängig zu machen. Vielleicht besteht ein Problem auch darin, dass der Mensch zu viel über sich und seinen Körper weiß, aber die Informationen nicht gut genug einordnen kann. Also müsste man vor allem an Selbstwahrnehmungscyberimplantaten forschen, wenn das Ziel eine Selbstoptimierung sein soll.)

Interessant im Zusammenhang der Frage, wie körperlich alles ist, ist zum Beispiel, welche Auswirkung die bakterielle Besiedlung des Darms haben kann:

  • Meine Bakterien und ich – Der Mensch als Metaorganismus (Man beachte, dass ein wesentlicher Ausgangspunkt der Kieler Forschung die Hydra ist: “Hydra, alle Tiere und der Mensch sind mehr als ihre Teile. Sie sind „Metaorganismen“, weil ihr Organismus auch die eigenen Mikroben umfasst.”)
  • Der kluge Bauch – Unser zweites Gehirn (“Im Bauchhirn lebt eine Hunderte Milliarden von Bakterien zählende Kolonie, deren Aktivität sich auf Persönlichkeit und Entscheidungen des Menschen auswirkt und die dafür verantwortlich ist, ob jemand beispielsweise zurückhaltend oder verwegen reagiert.”)
  • Bakterien-Fund im Gehirn wirft viele Fragen auf (“Rosalinda Roberts hält es für denkbar, dass Bakterien direkt im Gehirn eine Rolle spielen könnten. Jene Mikroben, die sie in den Hirn-Gewebeschnitten entdeckte, gehören sogar zu Stämmen wie Bacteroidetes, Firmicutes und Proteobacteria. Diese kommen auch im Darm vor. Es wäre eine faszinierende Vorstellung, wenn die Darm-Hirn-Achse nicht auf einer Fernwirkung beruhte, sondern auf einer direkten Einflussnahme vor Ort.”)
  • „Mini-Gehirne“ aus Stammzellen – Was denkt ein Organoid in der Petrischale? (Hat nicht mit dem Thema direkt zu tun, ist aber auch interessant. “Man könnte sagen: Die Organoide sehen. Licht trifft auf die Netzhautzellen, und die Nervenzellen reagieren mit elektrischen Signalen. Nicht so kompliziert wie im Gehirn, aber das gleiche Prinzip.”)
  • Von cerebralen und anderen Organoiden (Kritischer Blick, 5 Jahre alt: “Mit etwas Glück könnten die Wiener Forscher zeigen, wie sich neuronale Synapsen entwickeln und verknüpfen. Aber die vielfältigen und komplexen Verhaltensmuster von Autismus zu erklären – dazu bedarf es nun wirklich einiges mehr.”)

Ich bin übrigens nicht wirklich schlauer geworden, wie körperlich alles ist. Solange die Maschine aber noch zittert und Vitamin D beim Bloggen hilft, soll mir vieles recht sein.

Künstliche Verantwortung

Diskussionen zwischen KI-Systemen sollen Entscheidungen nachvollziehbar machen, berichtet heise von OpenAI.

Da denke ich mir (was mit dem Artikel selbst nur noch wenig zu tun hat): Wenn uns demnächst Maschinen auch Entscheidungen abnehmen können, dann brauch man ja auch keine Verantwortung mehr zu übernehmen. Autonome Autos sind da ziemlich plausibel, vielleicht gilt das aber auch für andere Bereiche, wie z.B. Altenpflege. Vorher machen uns aber am besten noch die Hirnforscher weis, dass wir gar nicht die Entscheidung selbst treffen, sondern unser Gehirn. Dann wären wir alle fein raus.

Einfach mal mit dem Rad zur Arbeit fahren

Während in den USA gerade Bike Month ist, kommt die HLB laut Patrick auf interessante Ideen:

Mo-Fr von 06:00 bis 09:00 und 16:00 bis 19:00 Uhr steht der Mehrzweckbereich nicht für die Fahrradmitnahme zur Verfügung, solange dieser für Stehplätze benötigt wird.
(Quelle: ADFC)

ÖPNV in D – K tA St ρ fE. Vielleicht sollte man die alten Dieselloks wieder reaktivieren, damit mehr Fahrräder transportiert werden können. Naja, da lausche ich lieber dem Podcast As Easy As Riding A Bike (To Work) und lächle.

Derweil re-verstaatlicht Großbritannien diverse Zugstrecken. Warum? Teure Tickets und etliche Zugausfälle:

Die Medien waren voll von wütenden Pendlern, die Konsequenzen forderten. Andere reagierten mit Humor. Ein Spieleentwickler stellte das Spiel “Southern Rail Tycoon” ins Netz. Das Ziel des Spiels ist es, von möglichst vielen Fahrgästen Geld kassieren und dann so viele Zugfahrten wie möglich ausfallen zu lassen.

Weltbienenrat

Im DLF gibt es ein Interview zu Bienen und ökologischer vs industrieller Landwirtschaft. Darin gibt es einen lustigen Versprecher, als der Bienenexperte “Weltagrarrat” sagen wollte. Die von der Weltbank beauftragten wissenschaftlichen Untersuchungen kämen zu dem Schluss, dass langfristig die Weltbevölkerung nur ernährt werden könne, wenn die Landwirtschaft folgende Bedingungen erfülle:

  • minimaler Pestizideinsatz
  • keinen Kunstdünger
  • keine gentechnisch veränderten Pflanzen
  • regionale Produktionsmethoden

Ausgangsfrage war demnach von der Weltbank folgende: Wo sind die größten Risiken der Weltwirtschaft in Zukunft? Antwort: Hungerrevolten.

Derweil kann man sich auch fragen, wie viel Wasser beim Sojaanbau in Brasilien dafür draufgeht, dass ich ein Rindersteak esse. Stichwort: Virtuelles Wasser, wie Diego heute morgen sagte, als wir über Steuerungsmechanismen und Verantwortung in Bezug auf Nachhaltigkeit sprachen. Ich finde es dabei irgendwie Augenwischerei, wenn dem Verbraucher die Verantwortung für ökologisches Bewusstsein in die Schuhe geschoben wird. Das dachte ich mir schon beim Film zum Thema Landgrabbing, den ich im Januar auf der Globale gesehen hatte. Kann der Weltbienenrat nicht mal eine Nachhaltigkeitssteuer auf sämtliche Waren erheben, die sich nach langfristigen Kriterien richtet?

Das Zittern der Maschine

Die Illusion der Gewissheit ist ein Essay von Siri Hustvedt (Die zitternde Frau), über den im Deutschlandfunk berichtet wurde: Rezension (“Das Leesen des Buches ist schwere Arbeit”) und Interview (“KI wird nicht in der Lage sein, Emotionen zu entwickeln”).

Im Grunde geht es glaube ich mal wieder um das Leib-Seele-Problem, wenn auch vielleicht nicht direkt. Ich stelle ja in letzter Zeit immer wieder fest, wie körperlich viele Dinge doch sind, von denen ich es vorher nicht annahm. Vielleicht werde ich alt. Jedenfalls spricht sie mir beim Thema KI&Co aus der Seele. Wenn sie mit ihren Thesen daneben läge, würde sie mir – logisch – aus dem Leib sprechen.

Findet es noch jemand witzig, dass sie Siri heißt? Und warum findet  derzeit jeder HAL interessant, anstatt sich mal bspw. auf SHODAN zu beziehen, wenns um verrückte KIs geht:

Baby on board

Can This AI-Powered Baby Translator Help Diagnose Autism?

“Misidentifying false positives is not risk-free,” he says. “We’re talking about changing a way a parent thinks about their child and interacts with them, which in and of itself can influence their development.” With research about how to best help neurodiverse kids flourish already lagging far behind the field of AI-based autism detection, and access to the resources that are available unequally distributed through society, algorithms won’t be enough to democratize good outcomes.