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Künstliche Verantwortung

Diskussionen zwischen KI-Systemen sollen Entscheidungen nachvollziehbar machen, berichtet heise von OpenAI.

Da denke ich mir (was mit dem Artikel selbst nur noch wenig zu tun hat): Wenn uns demnächst Maschinen auch Entscheidungen abnehmen können, dann brauch man ja auch keine Verantwortung mehr zu übernehmen. Autonome Autos sind da ziemlich plausibel, vielleicht gilt das aber auch für andere Bereiche, wie z.B. Altenpflege. Vorher machen uns aber am besten noch die Hirnforscher weis, dass wir gar nicht die Entscheidung selbst treffen, sondern unser Gehirn. Dann wären wir alle fein raus.

Einfach mal mit dem Rad zur Arbeit fahren

Während in den USA gerade Bike Month ist, kommt die HLB laut Patrick auf interessante Ideen:

Mo-Fr von 06:00 bis 09:00 und 16:00 bis 19:00 Uhr steht der Mehrzweckbereich nicht für die Fahrradmitnahme zur Verfügung, solange dieser für Stehplätze benötigt wird.
(Quelle: ADFC)

ÖPNV in D – K tA St ρ fE. Vielleicht sollte man die alten Dieselloks wieder reaktivieren, damit mehr Fahrräder transportiert werden können. Naja, da lausche ich lieber dem Podcast As Easy As Riding A Bike (To Work) und lächle.

Derweil re-verstaatlicht Großbritannien diverse Zugstrecken. Warum? Teure Tickets und etliche Zugausfälle:

Die Medien waren voll von wütenden Pendlern, die Konsequenzen forderten. Andere reagierten mit Humor. Ein Spieleentwickler stellte das Spiel “Southern Rail Tycoon” ins Netz. Das Ziel des Spiels ist es, von möglichst vielen Fahrgästen Geld kassieren und dann so viele Zugfahrten wie möglich ausfallen zu lassen.

Weltbienenrat

Im DLF gibt es ein Interview zu Bienen und ökologischer vs industrieller Landwirtschaft. Darin gibt es einen lustigen Versprecher, als der Bienenexperte “Weltagrarrat” sagen wollte. Die von der Weltbank beauftragten wissenschaftlichen Untersuchungen kämen zu dem Schluss, dass langfristig die Weltbevölkerung nur ernährt werden könne, wenn die Landwirtschaft folgende Bedingungen erfülle:

  • minimaler Pestizideinsatz
  • keinen Kunstdünger
  • keine gentechnisch veränderten Pflanzen
  • regionale Produktionsmethoden

Ausgangsfrage war demnach von der Weltbank folgende: Wo sind die größten Risiken der Weltwirtschaft in Zukunft? Antwort: Hungerrevolten.

Derweil kann man sich auch fragen, wie viel Wasser beim Sojaanbau in Brasilien dafür draufgeht, dass ich ein Rindersteak esse. Stichwort: Virtuelles Wasser, wie Diego heute morgen sagte, als wir über Steuerungsmechanismen und Verantwortung in Bezug auf Nachhaltigkeit sprachen. Ich finde es dabei irgendwie Augenwischerei, wenn dem Verbraucher die Verantwortung für ökologisches Bewusstsein in die Schuhe geschoben wird. Das dachte ich mir schon beim Film zum Thema Landgrabbing, den ich im Januar auf der Globale gesehen hatte. Kann der Weltbienenrat nicht mal eine Nachhaltigkeitssteuer auf sämtliche Waren erheben, die sich nach langfristigen Kriterien richtet?

Das Zittern der Maschine

Die Illusion der Gewissheit ist ein Essay von Siri Hustvedt (Die zitternde Frau), über den im Deutschlandfunk berichtet wurde: Rezension (“Das Leesen des Buches ist schwere Arbeit”) und Interview (“KI wird nicht in der Lage sein, Emotionen zu entwickeln”).

Im Grunde geht es glaube ich mal wieder um das Leib-Seele-Problem, wenn auch vielleicht nicht direkt. Ich stelle ja in letzter Zeit immer wieder fest, wie körperlich viele Dinge doch sind, von denen ich es vorher nicht annahm. Vielleicht werde ich alt. Jedenfalls spricht sie mir beim Thema KI&Co aus der Seele. Wenn sie mit ihren Thesen daneben läge, würde sie mir – logisch – aus dem Leib sprechen.

Findet es noch jemand witzig, dass sie Siri heißt? Und warum findet  derzeit jeder HAL interessant, anstatt sich mal bspw. auf SHODAN zu beziehen, wenns um verrückte KIs geht:

Baby on board

Can This AI-Powered Baby Translator Help Diagnose Autism?

“Misidentifying false positives is not risk-free,” he says. “We’re talking about changing a way a parent thinks about their child and interacts with them, which in and of itself can influence their development.” With research about how to best help neurodiverse kids flourish already lagging far behind the field of AI-based autism detection, and access to the resources that are available unequally distributed through society, algorithms won’t be enough to democratize good outcomes.

Iiiiih, Mobilität!

Bei Andreas’ neuem Auto, einem Hybrid-Passat, hat mich tatsächlich dieses Active Lighting System am meisten beeindruckt. Auch wenn ich zugeben muss, dass der kombinierte Antrieb auch schick ist. Vielleicht kauf ich mir ja den kürzlich auf heise vorgestellten kommenden Audi e-tron. Dort werden mich dann vermutlich die digitalen Außenspiegel am meisten beeindrucken.

Wusstet ihr, dass (zumindest in Deutschland) das Stromtanken nach Zeit und nicht nach kwh, also Aufnahmemenge, berechnet wird? Ich nicht. AC-Laden dauert länger und kostet deutlich weniger als das schnelle DC-Laden. Vielleicht hängt das mit den Kosten für die entsprechende Infrastruktur zusammen. Oder es dient dazu, in Zukunft mit diversen Tarifmodellen Stromtanken noch gewinnbringender zu vermarkten. Denn wer sich für 80.000 € ein Elektro-Auto leistet, tankt dann vielleicht auch häufiger DC. Aber ich hab ja keine Ahnung. Auch davon nicht, was die Blockchain-Technologie mit dem Ganzen zu tun hat.

Derweil kann man natürlich das Ökologiefass aufmachen und fragen, wie umweltschonend der Akku-Einsatz ist. Dieser ganze Energiebilanz-Hype ist, glaube ich, recht neu. Ich finde die Betrachtung zwar wichtig, wundere mich aber, wieso niemand schon früher auf die Idee gekommen ist. Wird das z.B. mit Kohlekraftwerken auch berechnet? Wie viel CO2 wird bei der Herstellung eines Kohlekraftwerks verbraucht, fragt das jemand? Und wie hoch ist der zusätzliche CO2-Ausstoß durch die Leute, die in einem solchen Kraftwerk arbeiten und dahin pendeln müssen im Vergleich zur Herstellung und Unterhaltung von Windkrafträdern? Da wird die Argumentation schnell scheinheilig, finde ich.

Jedenfalls finde ich es wichtiger, den Öffentlichen Personennahverkehr auszubauen, als auf Akku-Mobilität zu setzen, solange es noch keine flächendeckenden autonomen E-Carsharing-Plattformen gibt. Und die daraus resultierenden Stadtarchitekturplanungsänderungsmöglicheiten wären noch ein ganz eigenes Thema. (Diego merkte dazu mal an, dass er es da für wesentlicher hält, die Arbeitszeiten zu flexibilisieren.)

Nachtrag (23.4.): Interview zur Berücksichtigung von Fußgängern bei der Stadtplanung

Real existierende Zukunft

Im Deutschlandfunk kann man sich was durchleesen oder auch mal anhöören: Hat die Zukunft eine Zukunft? Über die  Zurückeroberung eines Imaginationsraums. Heißt bestimmt extra Zurückeroberung statt Rückeroberung. Ich mag solche Wortspielchen ja auch, als Leser finde ich sowas aber anstrengend. Kann man also dialektisch betrachten.

Im Artikel wird Oscar Wilde zitiert:

Eine Weltkarte, in der das Land Utopia nicht verzeichnet ist, verdient keinen Blick, denn sie lässt die eine Küste aus, wo die Menschheit ewig landen wird.

Ich denke bei dem Thema Utopie immer auch an zwei Sätze aus dem Alten Testament:

Es gibt nichts Neues unter der Sonne. (Pred. 1,9)

Denn siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr’s denn nicht? (Jes. 43,19)

Und an ein weises Zitat eines Freundes:

Es kann immer alles sein.

Die Sprachspiele im DLF-Beitrag erinnern mich etwas an Alexanders und meinen Versuch, Futur III zu bilden. Mein Favorit ist da ja irgendwas in die Richtung von wurde gewesen sein. Schließlich dachten wir auch über den Konjunktiv 3 nach und kamen zu dem Schluss, dass das logisch identisch mit Futur III zu sein haben würde. Derweil scheint das Lieblingswort im Artikel Panorama zu sein. Ich hätte es das ein oder andere Mal ersetzt mit Panoptikum. Klingt auf die Schnelle auch klug.

Hiob hab ich zwar neulich schonmal verlinkt, passt hier aber besser:

Die Zitate sind wohl aus dem Film Deathrace 2000 (1975):

 

Alexa, lass mich in Ruhe!

War gestern bei nem Freund, der mit Alexa im Wohnzimmer zusammenlebt. Wir hatten jede Menge Spaß zu dritt, Amazons Echo Dot hat uns nur schwerlich verstanden. Das hat mich sehr beruhigt. Ich hab nämlich nach Sascha Lobos Podcast gedacht, dass die Technik schon so gut funktioniere, dass man die technische Ebene nicht mehr wirklich spürt. (Auch deswegen hatte ich mich gestern kritisch zur zukünftigen Vernetzung geäußert.) Mit Alexa zu reden, ist, wie mit einer Maschine zu reden, an die ich mich anpassen muss.

Mein erster Befehl gestern war Alexa, spiel doch mal Oddisee, Built By Pictures. Es wurden dann irgendwelche Oldies abgespielt und mein Freund rief Stopp! Alexa, stopp! Es hat ein wenig gedauert, bis wir gecheckt haben, dass ich den Künstlernamen Deutsch ausgesprochen hab (See), mit englischer Aussprache (see) hats dann funktioniert, wobei das Lied nicht erkannt wurde und dann irgendwas von Oddisee abgespielt wurde.

Haupteinsatzbereich ist vermutlich noch Musikstreamdienststeuerung, auch wenn die Sprachsteuerung im Smarthomebereich nochmal interessanter würde. Es werden aber leider nur wenig Streamingdienste unterstützt. Wer also kein spotify nutzt, für den ist das eher nix.

Es gab bei der Bedienung noch so einige Schwierigkeiten später, habe mich eher wie in der Telekomhotline gefühlt, bevor man einen genervten Menschen am Telefon hat. (Ich habe Sie nicht verstanden.) Alexa hat mir beim Klangschalenskill (App heißt bei Alexa Skill, App mich am Skill!) alle Namen der Klänge vorgelesen, obwohl ich das ausdrücklich nicht gewollt hatte und auch einen Namen zu nennen, während sie auflistet, hat sie nicht unterbrochen. Das kann die Hotline besser.

Jedenfalls bin ich mit einem leicht glücklichen Gefühl wieder gefahren, als ich das von Hand gestartete Eastern Promises von Omar Rodriguez-Lopez im Auto hörte und mit der Technik vorhin unzufrieden gewesen war. In Schwierigkeiten mit der Bedienung offenbart sich die technische Ebene und dies sorgt dafür, dass man die Maschine als einen Fremdkörper erkennen kann.

So betrachtet wird mir die Utopie im Film Her immer unheimlicher. Was, wenn die Maschinen uns nicht verlassen, weil sie unser überdrüssig werden?

Nachtrag (9.4.):
Alexa, what is love?

Neue Netze

Falls ihr Lust auf ein anderes Internet habt, probiert doch IPFS mal aus: https://ipfs.io/. Falls ich es halbwegs kapiert habe, soll es eine Alternative zum bestehenden http-Protokoll (also einem Client-Server-System aka WorldWideWeb&Co) durch Peer-to-Peer und Blockchain mit dezentraler Datenspeicherung und -übertragung sein. Praktisch ändert sich durch das System, dass Dateien nicht mehrfach abgelegt würden. No more broken links? Ich erinnere mich an Theodor Holm Nelsons Ideen zur Umsetzung von Hypertext. Vielleicht wird Xanadu so doch noch ein bisschen Wirklichkeit.

In dieser Richtung zu nennen wäre noch Einiges, wie z.B. das Konzept von dApps (das ‘d’ steht für decentralized). Interessant finde ich gerade Zipperglobal (Blockchainplattform für Smartphones basierend auf Ethereum) und deren Zusammenarbeit mit streamr (damit soll man Kontrolle über persönliche Daten erlangen).

Am Rande will ich noch hinweisen auf Fuchsia (das hatte ich schon wieder voll vergessen), einem von grundauf neu programmierten Betriebssystem, von Google entwickelt (was auch immer das heißt) womöglich für die kommende IoT-Sause.

Zum Schluss ein kritischer Gedanke: Es rollt mit dem Internet of Things und all der Weiterentwicklung der Vernetztheit eine Welle auf uns zu, welche die entscheidenden Veränderungen auf einer Ebene bringt, die wir Menschen aktiv nur oberflächlich wahrnehmen und schwer verstehen werden, uns aber in unserem Selbstverständnis wesentlich verändern kann. Dem Homo Oeconomicus folgt sowas wie der Homo Reticulus? (Stichwort: Netzwerk&Co)

Was passiert mit dem Individuum in der wirklich vernetzten, schönen neuen Welt?