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CliFi aka Zusammenhangslos TM

Während ich mir noch immer schwer Gedanken mache, passiert so Einiges.

Tatran hat heute ein neues Album herausgebracht:

(Tree ist einer der wenigen Titel, die wirklich neu sind. The Elephant bspw. kennt man ja schon vom Live-Album.)

Und heute Abend läuft im Deutschlandfunk ein Feature zum Thema Climate Fiction. Das interessiert mich, denn nachdem ich in den vergangenen Tagen einigen Schülern versucht habe, ein paar Dinge rund um den Klimawandel beizubringen, befürchte ich, dass es für den ein oder anderen auch eher um CliFi statt um CliSci ging. Benutzt haben wir das Monash-Klimamodell, mit dem man auch ein bisschen Star-Wars spielen kann. Ziel des Spiels ist es, die Klimafaktoren so zu verändern, dass aus der Erde bspw. Tatooine wird (, dessen Bevölkerung sich übrigens “größtenteils auf die Ballungsräume Mos Eisley und Mos Espa” konzentriert). Den spielerischen Ansatz finde ich gut. Ich frage mich, was dann später wirklich an Zusammenhang hängen geblieben sein wird.

Außerdem gab es am Mittwoch im PoetrySlam endlich mal wieder einige ernsthafte Texte und weniger Comedy. Da hat es sich gelohnt, seit Ewigkeiten mal wieder hingegangen zu sein. Gute Idee, Anne!

PS: Wusstet ihr, dass es in der Folge Die Schlacht von Maxia von Star Trek – The Next Generation irgendwie auch um die Frage geht, wie körperlich alles ist? Weniger Fiktion ist da im entfernten Zusammenhang dieser Text: Nele hat Schmerzen. Und: Habt ihr schonmal von Silke Bischoff gehört?

Tatran

Vor zwei Wochen habe ich mir in der Berghainkantine – ich hab mir extra das Hausverbotsoutfit angezogen, damit man mich wiedererkennt (hat aber nichts genützt) – ein Konzert angehört. Tatran hat dort als Trio mit Schlagzeug, E-Gitarre und E-Bass Instrumentalmusik gemacht, die schwer zu kategorisieren ist. Post Progressive Jazz, gibt’s das? Selbst schreiben sie über sich:

TATRAN (Tel Aviv, 2011) are an eclectic Tel-Aviv based instrumental band, with musical influences that range from jazz, avant-garde, post-rock and experimental.

Auch in dieser Gruppe war mal wieder der Bassist auffällig. Bei einem Lied hat er sein Pedal derart eingesetzt, dass er ein klassisches E-Gitarrensolo hingelegt hat. Hat ein paar Minuten gedauert, bis ich gerafft hab, dass da gerade der Bass den Gitarrenpart übernimmt. Schwer in Ordnung die Musik.

Von diesem Konzert hab ich kein Video gefunden, dafür dann das hier:

A Silent Place

Wenn man an der Kinokasse eine Schülerin trifft und im Saal merkt, dass die Platzreservierung einen nebeneinander sitzend geführt hat, wie verhält man sich da in einem Horrorfilm am besten?

Ich hab mich mit Kommentaren zurückgehalten und saß weitgehend still auf meinem Platz. Weiter hab ich mir dann nichts bei gedacht und den Film geschaut: A Quiet Place. Die Geschichte rund um und mit der Stille zu erzählen fand ich, wie der Deutschlandfunk, zunächst recht originell. Aber nach dem Film kramte meine Erinnerung nun schon länger angestrengt nach weiteren originellen Filmelementen. Stattdessen enttäuschte sie mich sogar, ich erinnerte mich an die Clicker bei The Last of Us und muss sagen, das war doch nicht so originell im Film. Der Schockeffekt war im Spiel vergleichsweise krasser gewesen, weil man selbst die Figur samt Geräuscherzeugung steuert. Bei The Last of Us handelt es sich ja um eine Zombieapokalypse, in A Quiet Place um eine Alieninvasionsapokalypse. Wobei ich mich während des Films gefragt habe, wie diese Aliens, die sich nur mit ihrem extrem feinen Gehör orientieren können, offensichtlich ohne Ultraschall, durch das geräuschlose Weltall navigiert haben.

Derweil hab ich noch das hier gefunden: Minus 9db.

Ich werd sie mal Montag fragen, was sie vom Film hielt. Und ob es ein Horror für sie war, neben mir sitzen zu müssen.

Kann man ‘trotzdem’ hassen?

Die Überschrift sagt eigentlich schon alles. Ausgangspunkt war ein Gespräch mit Alexander und Claudia, bei dem es gefühlt um alles ging. Ich habe dann irgendwann eingeworfen, dass das Wesen von Liebe ist, dass sie überwindet und deswegen stärker ist als Hass. Man kann (oder besser tut es einfach) lieben, auch wenn einem Unrecht angetan wurde. Gerade dann, wenn man im Recht ist, zeigt sich die Liebe: Man liebt trotzdem. (Hiob 13,15)

Magst Du mich auch beleidigen, magst Du mich auch schlagen, magst Du mir auch wegnehmen das Teuerste und Beste, das ich hab’ auf der Welt, magst Du mich zu Tode peinigen – ich werde immer an Dich glauben. Ich werde Dich immer liebhaben, immer Dich, Dich allein, Dir zum Trotz!
(Aus Jossel Rakovers Wendung zu Gott, gefunden in Der Schrecken Gottes.)

Das Gespräch fand übrigens nach dem Besuch von Despicable Me 3 statt, welchen ich ganz witzig fand. Wir saßen danach noch in Pits Pinte, wo ich ewig nicht mehr war. Wir kamen dann bei alkoholfreiem Bier ins Plaudern. Zunächst erzählte Alexander von einem Buch, dessen Titel ich vergessen habe, obwohl ich fünfmal nachgefragt habe. Er erhoffte sich vom Buch Antworten auf das Erstarken der Rechten in Europa. Es gehe darin halbautobiographisch allerdings eher um entlarvend arrogante Intellektuelle und ihr Verhältnis zur französischen Gesellschaft. Schließlich sprachen wir über Identität. Ich finde ja, da sollte Alexander erst einmal Stiller lesen, bevor er was anderes liest. Aber ist ja nicht meine Sache.

Gegen Ende des Gesprächs – man darf in Pits Pinte peinlich genau nicht länger als 0.00h draußen sitzen, das machte die Bedienung uns sehr deutlich – stellte Alexander dann jene Frage:

Kann man trotzdem hassen?

Ich glaube nicht. Ich denke, man hasst, weil

Das bedeutet übrigens nicht, dass es nichts Böses auf der Welt gäbe. Der Gedanke, nicht trotzdem zu hassen, gibt vielmehr entspannte Zuversicht:

Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit dem Guten! (Römer 12,21)

 

Welt aus den Fugen?

Vergangenen Sonntag war ich mit Andreas in Frankfurt zur Veranstaltung Welt aus den Fugen. Navid Kermani hat mit Axel Honneth ein Gespräch geführt. Es ging um eine Momentaufnahme unserer (Welt-) Gesellschaft und einen Ausblick in die zukünftige Entwicklung.

Honneth und einige Zuschauer offenbarten im anschließenden Frageteil eine ganz schön negative Weltsicht. Der Sozialforscher sprach sich polemisch für eine Einschränkung privater Kommunikationskanäle und eine Stärkung der öffentlich anerkannten wie Zeitungen aus. Mir gefiel Kermanis überlegter pragmatischer Optimismus. Er vermittelte mir das Gefühl, dass er zuhört, während er redet.

Honneths Formulierung, als er in einem Satz von uns Intellektuellen sprach, entlarvte die Veranstaltung – wobei ich mich gefragt habe, ob der mich damit wohl auch gemeint hat. Mir hats trotzdem gefallen. Interessanter hätte ich es allerdings gefunden, Kermani beim Besuch der Schulen zu begleiten.

Liebesfilm im Zeitalter der Reflexion

Vergangenen Montag habe ich mir Her angesehen, im Kinocenter mit anschließender Diskussion. Der Film spielt in einer nicht sehr fernen Zukunft. Der Protagonist und ein Operating System verlieben sich unbeabsichtigt ineinander. Im Gegensatz zur Moderatorin am Montag erzähle ich hier nicht die komplette Handlung vor dem Film.

Die Diskussion im Anschluss drehte sich vor allem um Liebe im Zeitalter virtueller Realität, Facebook und Whatsapp wurden als prominente Vertreter genannt. Dabei ging es in meinen Augen mehr um die Sicht der älteren Generation auf die Jüngeren. Dabei macht man vielleicht auch gerne den Denkfehler, einen Gegensatz zwischen virtuell und real sehen. Es hilft meiner Meinung nach mehr, von unterschiedlichen Räumen zu sprechen, in denen man kommuniziert, sich von anderen abgrenzt, sich im anderen findet. Oder wer weiß was macht. (Toll fand ich, dass mich ein älterer Herr anschließend noch einmal persönlich auf das Thema ansprach, weil er in mir einen Vertreter der jüngeren Generation sah. Ich musste ihm dann gestehen, dass ich 36 bin.)

Einige legten auch ausgiebig Wert auf die Beziehung zwischen Protagonist und seiner Mutter. Die Mutter kommt im Film nicht vor, wird aber in einem Halbsatz erwähnt, als das Betriebssystem seinen neuen Nutzer als Konfigurationsfrage nach dem Verhältnis zu seiner Mutter fragt, ihn aber schnell unterbricht, als er zu ausführlich werden möchte. Das kann man als Kritik an einer allzu psychologisierenden Perspektive verstehen. (Wobei das auch überinterpretiert sein mag und mehr über mich und mein Verhältnis zur Psychologie aussagt. Oder anders gesagt: Wayne?) In der Diskussion gings dann auch um die Geburt an sich als traumatisches Erlebnis. Daran hatte ich beim Film ankucken noch gar nicht gedacht.

Meiner Meinung nach ist das Thema des Films die Frage, wie man sich selbst findet. Und er liefert eine mögliche Antwort: in der Auseinandersetzung mit dem Gegenüber. Mir hat er gefallen.

Réne Marigtte’s Surraelsitische Rveoltuion

René Magritte hinterfragt mit seinen Bildern unsere Wahrnehmungs- und Abbildungsfähigkeit der Wirklichkeit. Die Ausstellung in der Schirn gibt einen recht guten Überblick über seine Werke, mit denen er wohl eine surrealistische Revolution bewirken wollte. Ihm war es laut Ausstellungstext wichtig, mit der – gerade unter Philosophen – dem Wort untergeordneten Stellung des Bildes zu brechen. Berühmt ist sein Der Verrat der Bilder von 1929, welches bspw. von Michel Foucault 1973 interpretiert wurde, wie ich las. Gefallen hat mir das Bild, welches aus einer mit Lagerfeuer beleuchteten Höhle auf eine Staffelei herausblickt, die eine Burg am felsigen Horizont einrahmt. Er spielt damit wohl auf Platons (oder Sokrates’) Höhlengleichnis an, mit welchem die für den Menschen unüberbrückbare Kluft zwischen Wirklichkeit einerseits und ihrer Darstellung und Wahrnehmung andererseits verdeutlicht werden soll.

Interessant an alledem finde ich, dass Bilder, die ihrem Wesen nach konkrete Gegenstände abbilden (sollten), mit meiner Wahrnehmung derart spielen, dass sie – wenn man sich denn auf die Auseinandersetzung einlässt – Fragen erzeugen anstatt Antworten zu geben. Das ist das Wesen von Philosophie, laut Alexander.

Ich habe mich zum Beispiel gefragt, wieso der Gedanke einer linearen Existenz so allgegenwärtig ist. (Dieser selbstverständlichen Allgegenwärtigkeit hat Anne übrigens widersprochen.) Anlass dazu war ein Erklärtext in schick geformten Buchstaben an einer Wand in der Ausstellung, in der die kunsthistorische Perspektive einer irgendwie aufeinander aufbauenden Entwicklung der Malerei kurz eine Rolle spielte. Ist es nicht eher so, dass alles mit sich spielt, sich selbst wiederholt? Gleichsam dem Wellengang eines Ozeans ist diese oder jene Idee stärker da, obschon alles bereits vorhanden ist. Ohne allzu wehmütig zu klingen verweise ich wie schon 2009 in meinen ersten Blogbuchstaben auf den Prediger (1,9): Es gibt nichts Neues unter der Sonne.

Vielleicht ist das auch eine Dialektik der Aufklärung, die Folge einer Vorstellung von der Einzigartigkeit eines Menschen: Solange ich mich als von der Existenz des anderen losgelöstes, eigenständig existierendes Individuum begreife, dessen Bestehen einen Anfang und ein Ende hat, muss ich linear denken. Oder anders gesagt: Wenn man nur nah genug ranzoomt, mag ein Kreis wie eine Linie wirken.

Ausgangspunkt meiner Wörter waren ja die Bilder von Magritte. Bei Le Viol musste ich an die Marsianer in der Sesamstraße denken. Am besten gefiel mir Gesang des Gewitters, welches im Internet auf die Schnelle nicht zu finden ist. Was auch mal ganz gut tut.

 

Meermenschen, Leviathan, PEGIDA und der Teich

Ich kann nun endlich in das neue Moop Mama-Album reinhören:

Das Lied Meermenschen (Thema Gesellschaft und Flüchtlinge) erinnert mich an die Filmmusik von Leviathan. Insbesondere die fließende Rhythmusänderung lässt Wellengang nachfühlen. Die Musik ist ursprünglich in der Oper Akhnaten von Philip Glass zu hören gewesen, welche, soweit ich weiß, keinen Bezug zu Meer oder Wasser im Allgemeinen hat:

Die Oper erzählt laut Wikipedia keine zusammenhängende Geschichte sondern portraitiert Echnathon und beschäftigt sich mit seinem Scheitern. Im Film Leviathan geht es um das klassische Hiobsthema.

Siehe, tötet er mich, ich werde auf ihn warten, nur will ich meine Wege ihm ins Angesicht rechtfertigen.

Nikolai wird von Staat und Kirche bedrängt, sein an der Barentssee gelegenes Haus zu verkaufen. Er weigert sich und ihm widerfährt viel Unheil, schließlich wird er für den Mord an seiner Frau für schuldig befunden. Der Film endet mit dem Blick auf eine neu gebaute Kirche, die an der Stelle steht, an der Nikolais Haus stand. Anders als das Original der Bibel also etwas glaubwürdiger: kein Happy End.

Ein würdiges Ende fand auch Lars Ruppel eben im Poetry Slam im Jokus bei seinem Auftritt mit einem neuen Text, der wohl noch nicht veröffentlicht ist: Brat mir einer n Storch. Er erzählt darin von einem Teich und dessen Bewohnern, die nach und nach alle auf den Storch hören, der den Teich wieder so haben will wie früher. Als erstes müssen die Frösche dran glauben, für die folgende Mückenplage müssen andere Tiere Mückenjagen lernen.  Schlussendlich wird der Teich eingezäunt, damit nicht jeder an den Teich gelangt, aber dadurch verdreckt er immer mehr. Diese gesellschaftskritische Fabel ließ mich an “Meermenschen” denken, damit schließt sich der Kreis zu Moop Mama:

PS: Alle Kinder mögen alle Kinder. Nur nicht Lisa. Die mag Pegida.