Alle Beiträge von Ole Snoeijer

Geh Eh Weh

Auf spiegel.de ist eine Kolumne zu finden, in der eine Mutter über ihre Erlebnisse bei Elternsprechtagen berichtet: Ganz harte Schule
Warum Lern­ent­wicklungs­gespräche Mumpitz sind. Ûber diesen Satz bin ich gestrauchelt:

Ich äußerte den innigen Wunsch, meiner Tochter doch bitte beizubringen, wenigstens die Arbeitsblätter mitzubringen.

Mich erinnerte das an ein Plakat von der GEW zu einem Elternsprechtag, auf dem ein Elternteil zum Lehrer sagt: “Mein Sohn sagte mir, Sie seien verhaltensauffällig.”

Wartezimmer

Ich saß neulich beim Arzt im Wartezimmer. Da ist mir aufgefallen, dass es dort eine stille Übereinkunft bestimmter Verhaltensweisen gibt.

  • Das Grüßen geht nur vom Eintretenden aus, nie von den Wartenden.
  • Man redet grundsätzlich nicht – es sei denn, man kennt sich, dann muss man reden.
  • Gespräche zwischen zwei einander unbekannten, die manchmal aus einem konkreten Anlass beginnen, brechen abrupt ab, wenn eine bestimmte Intimitätsebene erreicht wird.
  • Kinder kennen diese stillen Übereinkünfte nicht.

Kurz: Verhalte dich wie in der Sauna.

Preisfrage: In welchen (halb-)öffentlichen Räumen gelten diese Regeln noch? Tipp: Der Fahrstuhl ist es nicht.

Gute Nacht

Ich habe mir die Serie Nightflyers angeschaut. In den Kommentaren zu einer Kritik auf SPON entdecken einige Ähnlichkeiten zu Event Horizon, 2001: A Space Odyssey und Interstellar. Ich würde wenigstens noch Solaris hinzufügen. Nightflyer basiert auf einer kurzen Erzählung aus dem Jahr 1980 von George R.R. Martin, bekannt für Game of Thrones. (Ich habe gehört, dies solle die beste Serie aller Zeiten sein.) Ganz interessant ist, dass Nightflyers schonmal 1987 verfilmt wurde – offensichtlich nicht so gut:

Director Robert Collector left the production before the film’s editing was completed, and requested that his name not appear in the credits.

Für mich klingt das, als hätte er sich einen Kilius geleistet.

Piet

Anne hat mich gerade daran erinnert: Vor genau einem Jahr musste mein Hund eingeschläfert werden. Er hatte Krebs, der so gestreut hatte, dass durch ein Loch in der Herzwand Flüssigkeit im Herzbeutel war. Eine Not-OP wäre sofort nötig geworden, um mit einer Punktion das Herz zu entlasten. Da seine Blutwerte mies waren, wäre er vermutlich bei der OP verblutet. Hätte er überlebt, hätte er vermutlich noch wenige Wochen gelebt. Also war die Entscheidung, ihn einzuschläfern, vernünftig. Schwer war sie, weil er vor dem Einschläfern noch ziemlich fit schwanzwedelnd in den Behandlungsraum der Tierklinik reingetrabt kam. Der Oberarzt hatte wohl nochmal deutlich gemacht, dass er noch nie ein Tier mit diesem Krankheitsbild gesehen habe, das noch so fit gewesen sei. Das kann ich bestätigen, da er mich (auf dem Fahrrad) noch 10 Tage vorher abgezogen hatte, ich kam schlicht nicht an sein Tempo heran. Es geht manchmal sehr schnell.

Zeitmanager

Gestern hatten wir an unserer Schule einen pädagogischen Tag. Für die Schüler bedeutet das, sie haben einen Tag frei. Die Lehrer müssen arbeiten. Das Thema war Zeitmanagement. Durch den Vormittag führte ein Mensch, der sich wohl auf dieses Thema spezialisiert hat und in Firmen&Co solche Workshops anleitet. Es wurden zunächst einige Modelle und Prinzipien vorgestellt:

Zu Prokrastination (Stichwort: “Die Faulheit steigt mit den Möglichkeiten.”) verlor unser Zeitmanager kein Wort. Interessant fand ich die Unterscheidung zwischen Effektivität und Effizienz: Tue ich die richtigen Dinge? (Effektivität) Oder tue ich die Dinge richtig? (Effizienz) Allerdings würde ich die beiden Begriffe nicht (so) unterscheiden. Ich halte das eher für einen rhetorischen Trick, um Verblüffung zu erzeugen, nachdem jeder trotz Grübelei nicht auf die Unterschiede der beiden Begriffe gekommen ist.

Im Grunde hatte ich das Gefühl, dass sich alles eher an Führungskräfte richtete. Schließlich gab der Workshopleiter uns Anekdoten mit auf den Weg, wie bspw. die von jenem hart arbeitenden Menschen, der zum ersten Mal in seinem Leben 3 Wochen Urlaub am Stück genommen habe. Als dieser dann nach den 3 Wochen seine Arbeitsmails abgerufen habe, seien das so viele gewesen, dass er sie alle in einen Extraordner verschoben habe, um sie sich später anzusehen. Nach Monaten sei ihm dann der Ordner mit den nichtbeantworteten Mails eingefallen. Da habe er für sich gemerkt: Es sei ja auch so gegangen.

In der sich anschließenden Gruppenarbeitsphase zog ich mich ins Bürro zurück, um mich weiter um den Zeugnisdruck zu kümmern (der Kollege, der das üblicherweise macht, war erkrankt), und dachte darüber nach, wieviel Arbeit durch die nicht beantworteten Mails wohl an anderen hängen geblieben war.

Wenn sich in unserer Schule alle nur noch an die erlernten Zeitmanagementregeln halten würden, wären wir sicher bald keine Teamschule mehr.