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Poincaré

Da ich nicht schlafen konnte, habe ich verschiedenste Musik gehört, bis ich schließlich mal wieder bei dem Liveauftritt der Omar Rodriguez Lopez Group in Los Angelos gelandet bin: Sie spielen dort “Un buitre amable me pico” und “Poincaré” hintereinander, was ich in dieser Form extrem gelungen finde. Vor allem das Schlagzeug, aber auch insgesamt der Rhythmus hauen mich um.

Mir hat dann keine Ruhe gelassen, wovon die Frau dort wohl singen mag. Da ich kein (Gossen-?)Spanisch kann, musste ich ziemlich lang und umständlich mit dem Google-Übersetzer rumfummeln, bis ich ein halbwegs brauchbares Ergebnis hatte – das sollte man jedoch nicht als Übersetzung ansehen, da haben ich und Google sicher einiges Neues beigemischt. Auf Youtube scheinen sich auch einige Kommentatoren für den Text zu interessieren. So hab ichs jedenfalls ins Deutsche gebracht:

 

Ein Geier pickt mich sanft (Un buitre amable me pico)

Ich bin, was zwischen den Abständen geschieht,
Zeit gefüllt mit Worten,
Bis die Minuten davonfliegen,
Wer auch immer sie nimmt.

Schlaganfall/Schriftzeichen – die Lösung, wenn ich aufwache,
Um einige Momente zu vergessen,
Die ich am Ufer des Flusses anhäufe,
Um Dich abzutragen.

 

Poincaré

Ich sah nicht die Weisheit der Gegenwart,
Zerstreuung,
Ruhe ist unauslöschlich.

 

Im Original lauten die Texte laut diverser Songtextseiten folgendermaßen:

Un buitre amable me picó

Soy lo que sucede entre distancias
Tiempo lleno de palabras
Hacia donde parten los minutos
Quien se los llevara?

Trazo solucion cuando me despierto
Mis momentos pa’ olvidar
Lo que acumulo, la orilla del rio
Tuyo para deshacer

 

Poincaré

No miré
lo sabio del presente
coso para disipar
la calma es indeleble

“Trazo” kann Schlaganfall aber auch Umriss, Strich oder Schriftzeichen bedeuten. Und beim Suchen nach einer Übersetzung des 2. Titels bin ich dann auf Henry Poincaré gestoßen. Er wird in Wikipedia als letzter Universalgelehrter bezeichnet, da er sich neben Mathematik unter anderem auch mit Geodäsie sowie Physik beschäftigte. Die Sätze, die dort zu seinen philosophischen Betrachtungen stehen, helfen womöglich, das Lied zu verstehen, sind aber auch so interessant:

Er schrieb auch philosophische Abhandlungen zur Wissenschaftstheorie und begründete dabei eine Form des Konventionalismus. Er trennte das Faktische von der Definition. Auch lehnte er die Klassifizierung in die beiden Extrema Idealismus und Empirismus ab und es gelang ihm in seiner Philosophie eine Verquickung von geistes- und naturwissenschaftlichen Fragestellungen.
Geprägt vom Fortschritts-Paradigma und Optimismus des 19. Jahrhunderts ging Poincaré mit einem mathematischen Naturverständnis und dem Experiment an die Arbeit. Er klammerte jedoch bewusst die Suche nach der Wahrheit als letzter Realität aus und operiert nicht mit metaphysischen Objekten – gewissermaßen formuliert er Aufklärung neu.

Und in dem im weiteren Verlauf des Artikels verlinkten Zen und die Kunst, ein Motorrad zu warten von Robert M. Pirsig liest man:

Der Name Zen im Titel des Werks Zen und die Kunst, ein Motorrad zu warten steht symbolisch für die Auffassung, dass eine bestimmte Herangehensweise zu Problemlösungen im Bereich der Technik führen kann. In dieser Herangehensweise hat der Beobachter sich selbst noch nicht so weit von der beobachteten Welt getrennt, dass er nur noch statische, unveränderliche Dinge vor sich sieht, die den Zwecksetzungen des Beobachters entsprechend funktionieren oder nicht funktionieren. Der Beobachter in dieser Herangehensweise ist noch so weit mit den Dingen verbunden, dass er Neues wahrnehmen kann, und dass er auf diese Weise die Dinge – und damit seine Welt – dynamisch den auftretenden Problemen anpassen kann.

Naja, keine Ahnung, wie das zusammenhängt. Jedenfalls stelle ich fest, dass ich mich nun seit etwa vier Stunden mit dem Thema zerstreue, anstatt zu schlafen. Was der Zerstreuung übrigens ganz besonders dient, wenngleich die Tonqualität miserabel ist, sind Omar Rodriguez Lopez, Flea und John Fruiscante bei diesem Auftritt 2004:

Wie ich mein 2°-Ziel verfehlte

Ich sitze grade in einem Bistro in Berlin, wo ich zurzeit einen Freund besuche, der am Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung (PIK) arbeitet. Das Wetter ist bombig und so genieße ich die letzte Sonne bei einem frischen Pfefferminztee. Eigentlich war der Plan gewesen, heute um 14.00h zu einem Vortrag von Lutz Wicke mit dem Titel Nach Kopenhagen: Neue Strategie zur Realisierung des 2°max-Klimazieles zu gehen:

Wollen Deutschland und die Europäische Union ihr Klimaziel nicht verloren geben, dann bedarf es der schnellen Entwicklung und Durchsetzung einer wirksameren und gerechteren Klimaschutzstrategie. Denn die Fortsetzung der derzeitigen, wenig strukturierten und effektiven Strategie birgt große Langfristrisiken für Mensch und Natur in sich. Außerdem müssen gravierende Konstruktionsfehler im bestehenden Weltklimaschutzsystem durch strukturelle Weiterentwicklungen im Sinne der wichtigsten Vereinbarungen im „Copenhagen Accord“ beseitigt werden. Die 2°max-Strategie ist ein ausgearbeiteter Vorschlag für eine künftige Weltklimaschutzarchitektur, welche die unterschiedliche Interessenlage wichtiger internationaler Akteure explizit berücksichtigt.

Prof. Dr. Lutz Wicke: Direktor des Instituts für Umweltmanagement an der Wirtschaftshochschule ESCP Europe. Der ehemalige Wissenschaftliche Direktor am Umweltbundesamt arbeitet seit Jahren an einem durchsetzbaren und effektiven Weltklimaschutzsystem. Als Umweltstaatssekretär war er auch politisch-praktisch für den Klimaschutz tätig.

Um rechtzeitig dort zu sein, hab ich mir tatsächlich den Wecker 7.00h gestellt, um mit Staus und Suchen genügend Zeit für die Fahrt mit dem Auto von Gießen nach Potsdam einzuplanen. Ich bin dann auch tatsächlich schon um kurz nach neun losgefahren. Auf der A4 geriet ich in einen Stau erster Ordnung, als ich dann von der Autobahn abfuhr auch gleich in einen zweiter Ordnung. Aber ein Beinahefeldweg sorgte dafür, dass mein Zeitmanagement nicht ein totales Desaster zu werden drohte. Nun musste ich aber ein wenig aufs Gas treten, um noch pünktlich um zwei in Potsdam anzukommen. Ums kurz zu machen: Ich habs nicht rechtzeitig geschafft und die Spitzengeschwindigkeiten von ~180km/h (Tacho) sorgten dafür, dass ich nicht nur den Vortrag über die neuen Strategien zum Erreichen des 2°-Ziels verpasste, sondern auch nicht unerheblich zum vermutlichen Verfehlen desselbigen beitrug…

Jedenfalls solls morgen noch nen klimatisch günstigen Tag fürs Draußensitzen geben, mal sehen, ob ich noch ein bisschen fletzen kann. Schließlich war das Autofahren ziemlich anstrengend, von Potsdam nach Berlin hats übrigens zwei Stunden Stop’n’Go gedauert.

Was von Darwin übrig blieb

Ich schaute gerade eine Wiederholung der Sendung Wissenschaftsforum auf Phönix mit dem Titel “Was von Darwin übrigblieb… – Die Evolution und ihre Folgen“. Ein Gedanke zu Beginn vom Darwinliebhaber gefiel mir, der darauf verwies, dass zwar Konkurrenz ein treibendes Prinzip der Evoulution nach Darwin sei, dazu aber Vielfalt eine unbedingte Notwendigkeit sei. Also letztlich das stärkste Argument gegen einen Sozialdarwinismus von Darwin selbst. Ansonsten war ich doch eher auf der Seite des Theologen, nicht nur, weil er schön zugespitzt formuliert hat. (Kostprobe von anderer Stelle: “Experimente der Hirnforschung auf der Suche nach Gott sind ungefähr so sinnvoll wie das Zerlegen eines Fernsehgerätes auf der Suche nach Ulrich Wickert.”)  Er hat auch deutlich gemacht, dass das Interessante an Evolution die Prozesshaftigkeit ist, dass man aber all zu schnell ihre Gesetzmäßigkeiten auf jeden Prozess zu übertragen versuche. Zumindest hab ich mir das so rausgezogen. Jedenfalls vergisst man meiner Ansicht nach zu schnell, dass die Naturwissenschaften beschreibende Wissenschaften sind und darin auch ihre Stärke liegt. Schwach wirds aber dann, wenn man das vergisst. Oder anders gesagt: Wer nur genug beschreibt, erklärt noch lange nichts.

Die Verantwortung tragen die Gene…

Gen für Fettleibigkeit identifziert:

Mehr als 30 Prozent der deutschen Bevölkerung haben Übergewicht – und wir werden imer dicker. Deutsche Wissenschaftler haben jetzt nachgewiesen, welche Bedeutung ein 2006 entdecktes Gen bei der Entstehung des Übergewichts hat.

Verdächtig nur – und die Einleitung dieses Artikels bringt es ja auf den Punkt –,  dass es Deutsche Wissenschaftler sind, die der deutschen Bevölkerung das Gewissen erleichtern und die Lasten unseres Wohlstands, nämlich den individuellen Umgang mit gesellschaftlicher Dekadenz, von uns nehmen und die Verantwortung an unser Erbmaterial abgeben. Damit wär dann übrigens auch ich fein raus. Es lebe die Wissenschaft!

Damit bleibt dann nur noch zu sagen: Mach den Bart-Man!