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4 Suchergebnisse für "Gottesbesitzer"

„Wer plündert wird erschossen“

Dem Faschismus geht es nicht um Schutz vor echten Gefahren, schon gar nicht vor materiellen Verlusten. Es geht um Schutz „gegen die“, die nämlich, denen man das Äußerste zutraut (das Äußerste, das einem selbst nicht aus dem Kopf geht). Die, das sind nicht die irgendwie anderen, sondern die abartig anderen. Die Asozialen, die Arbeitsscheuen, die Ausländer. Die Schwulen, die Woken, die Grünen, die mit Trans- und Gender-Gaga. Kommunist:innen sowieso, falls es sie überhaupt noch gibt, ansonsten: Antifa. Es sind immer wieder die Juden, mit all ihren Decknamen: Globalisten, Eliten, Israelis, Intellektuelle. Und es sind die Muslim:innen als Messer-Männer, Kopftuchmädchen und antisemitische Aggro-Araber. „Wir gegen die“ – schön wär’s. Es ist, jedesmal wieder, Selbstjustiz gegen Plünderer.

Eva von Redecker: Dieser Drang nach Härte

Gestolpert bin ich in diesem Absatz über „das Äußerste, das einem selbst nicht aus dem Kopf geht“. Erinnerte mich irgendwie an das Buch Männerphantasien von Klaus Theweleit.

Siehe auch: Die Angst vor der Körperauflösung.

Nachtrag:

Der Phantombesitzer verkehrt die Welt, damit sie zu seinen Impulsen passt, und inszeniert sich selbst als Opfer dessen, was er zur fortgesetzten Unterdrückung vorsieht.

Ebd.

Siehe auch: Gottesbesitzer.

Diese Pointe Islam.

Disclaimer: Dieser Text behandelt religiöse Themen! (Atheisten oder Agnostiker mit schwachen Nerven seien gewarnt.)

Am Montag besuchte ich in weiblicher Begleitung eine kleine Wanderausstellung der Ahmadyya-Gemeinde Deutschlands im Marburger Rathaus zum Thema Islam. Einer der Ausstellungsbetreuer sprach mich ziemlich schnell an, bevor ich mir auch nur eines der im Raum ausgestellten Roll-ups (s. auch: Public Viewing) durchlesen konnte, die – bis auf zwei spezielle Ahmadyya-Themen zu Kalifen&Co –  größtenteils mit eher allgemeinen Islaminformationen gefüllt waren. Das fanden wir im Nachhinein ziemlich praktisch – ulai, was leesen! So erfuhren wir zum Beispiel, ohne ein Wort lesen zu müssen:

Abdul Basit Tariq, Imam der Ahmadiyya. Der Glaube an eine Art „hauseigenen Kalifen“ bricht das islamische Dogma, dass auf Muhammad kein weiterer Gesandter mehr folge. Damit hat sich die Gemeinde die Ablehnung der übrigen Muslime zugezogen. Im Ursprungsland der Bewegung, Pakistan, verfolgt man die Ahmadis als Ketzer. Sie scheinen Altbekanntes neu zu deuten: Jesus sei nicht am Kreuz gestorben, sondern wurde 120 Jahre alt. Vor allem wollen sie eines, behaupten die Ahmadis: Verständigung und Frieden. (Deutschlandfunkkultur)

Sowas hier hat er uns allerdings vorenthalten:

Hiltrud Schröter: „Die Ahmadiyya ist eine millenarische Kalifat-Bewegung mit der Ideologie vom Endsieg und mit Großmachtfantasien. Zum Beispiel sagte der jetzt regierende fünfte Kalif: Alle göttlichen Anweisungen von Adam bis Jesus sind im Koran enthalten. Der Sieg wird uns geschenkt werden. Die Ahmadiyya wird die Oberhand auf der ganzen Welt erzielen. Das wurde dann noch erläutert. Die Oberhand werde auf der ganzen Welt in 300 Jahren erlangt sein. Die Ahmadiyya ist weltweit bereits aufzufinden in sämtlichen Erdteilen und zwar ist sie nach neuesten Angaben bereits in 190 Ländern und hat insgesamt 14.000 Moscheen bereits erbaut. Das alles in den gut 100 Jahren.“ (ebd.)

Das Gespräch war inhaltlich sehr informativ und später intensiv. Insbesondere als wir Fragen zur Frauenrolle in deren Gemeinden stellten, wurde es dann zu einem höflichen Streitgespräch. Die Begründung, warum eine Frau keine Imamin werden kann, hat mich nicht überzeugt (musste es ja auch nicht): Während der Menstruation dürften Frauen nicht beten. Und was wäre das für ein Imam, der nicht ständig für seine Gemeinde da sein kann? Für mich klang das im Gespräch dann noch öfter nach Weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Ein weiterer Betreuer aus Gießen gesellte sich noch dazu und merkte an, dass seine Schwester im Jugendalter beschlossen habe, kein Kopftuch mehr zu tragen. Das sei in Moschee und Familie kein Problem gewesen. Er merkte aber auch an, dass dies bei Gemeinden auf dem Dorf unter Umständen anders sein könnte.

Das würde übrigens meine Beobachtung vergangener gesellschaftlicher Entwicklung bestätigen, dass wir in Wahrheit keine echten Konflikte zwischen Geschlechtern, ‚Rassen‚, Generationen, zwischen Gutmenschen und Stammtischdeutschen, Fleischessern und Veganern etc. haben. Vielmehr sind dies nur Schlachtfelder der Anschaungen zwischen ländlicher und städtischer Bevölkerung. (Da, wo unterschiedliche Menschen miteinander besser und häufiger in einen Austausch kommen können, kann auch besser und häufiger gegenseitiges Verständnis entstehen.) Ich muss nämlich ehrlich sagen, dass ich solch ein ähnliches Gespräch auch mit jemandem in Wissenbach hätte führen können. Patrick bestätigte mich am nächsten Tag: In der FEG in Wissenbach seien weibliche Pastoren eher nicht erwünscht. (Ein Blick auf die Liste der Prediger bestätigt das. Der einzige weibliche Name ist die ehemalige Pfarrerin der evangelischen Kirche.)

Am Schluss des Gesprächs in der Ausstellung war ich dann ein bisschen fies – und hab den Ahmadis die Hand ausgestreckt. Ich wollte nämlich kucken, ob sie ihrer weiblichen Gesprächspartnerin danach auch die Hand schütteln würden. Hamse gemacht. Den zögerlichen Widerwillen interpretierten bestimmt meine Vorurteile in ihre Gestik. Ich fand es jedenfalls schade, dass ich nur männlichen Gemeindemitgliedern die Hand hätte schütteln können. (Das habe nur am Tag gelegen, so ein Gesprächspartner.)

Insgesamt waren mir die religiösen Ansichten der beiden freundlichen Ahmadis zu dogmatisch. Ich bekam den Eindruck, dass es im Grunde für alles eine Verhaltensregel gebe. Mein Gedanke dazu war: Wenn Gott auf die Freiheit des Einzelnen pfeifen würde und es ihm wichtig wäre, dass sich seine Menschen an ein detailiertes, für jede Eventualität gewappnetes Regelwerk hielten, tja, dann wäre es doch am effektivsten, wäre er höchstpersönlich anwesend und würde in seiner Allmacht jedem Menschen immerzu das Passende sagen: „Mach das. Lass das. Leg das weg. Jetzt nicht beten, du blutest.“ Und nicht sowas:

Jesus sprach nun zu den Juden, welche ihm geglaubt hatten: Wenn ihr in meinem Worte bleibet, so seid ihr wahrhaft meine Jünger; und ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen. (Joh 8, 31f)

Eugen Drewermann hat, wenn ich mich richtig erinnere, in seiner Übersetzung des Johannesevangeliums die Wörter wie „Juden“, „Schriftgelehrten“ oder „Pharisäer“ mit Gottesbesitzer übersetzt. Ich glaube, weil er damit deutlich machen wollte, dass es nicht um die Herkunft dieser Personengruppen sondern um deren Verhalten geht, wenn sie dogmatisch genau wüssten, was Gottes Wille sei. Das ist aber nur meine Lesart.

Für die Wahrheit kann nur streiten, wer sie nicht besitzen will.

Die Passion Christi

Ich war gestern bei einer Filmvorführung in der FEG in Wissenbach, wo anlässlich der jetzigen Feiertage der Film „Die Passion Christi“ gezeigt wurde (mit offiziell lizenzierten Vorführrechten, wie der Veranstalter nicht müde wurde zu betonen – wobei ich immer gedacht hatte, wenn man das nicht kommerziell macht sondern quasi vereinsintern, braucht man dafür keine Lizenz, aber: ich scheine mich geirrt zu haben; oder zählt ein Vereinshaus zu den eigenen vier Wänden?).
Auf jeden Fall hatte ich den Film noch nicht gesehen – war eigentlich nie so scharf drauf – und dachte mir, dass ich das ja jetzt mal nachholen könnte. Ich muss zugeben, dass ich schon vorurteilsbeladen in den Film gegangen bin, sowohl weil man mich wohl als Christ bezeichnen könnte als auch weil ich wenig von Versuchen halte, inneren Wahrheiten eine (scheinbar unabänderliche) äußere Gestalt zu geben.

Und so fand ich den Film dann auch wirklich nicht gut. Was teilweise an Gewaltdarstellungen zu sehen war, war tatsächlich schon krass, aber mir haben sich dann doch auch einfach Details aufgedrängt wie der faltenwerfende Latexüberzug, auf dem die Maske die Wunden des Jesus-Darstellers anfertigen konnte. Sah man stellenweise halt einfach. Auch der Szene, in der er von diesen fiesen, sadistischen römischen Soldaten ausgepeitscht wird mit dieser Peitsche mit Widerhaken, die sich in seine Seite bohren und Fleischfetzen herausreißen, sah man deutlich die Computeranimiertheit an. Es ist halt doch nur irgendwie ein Film, der sich den Kriterien der Filmtechnik unterwerfen muss, auch wenn er etwas Heiliges thematisieren möchte.

Krasser in dem Zusammenhang der Gewaltdarstellung war für mich übrigens das Ausufernde, in dem das Ganze dargestellt wurde. Es war die ganze Zeit der Zeigefinger der Moral zu spüren, der mir sagen wollte: „Schau dir an, wie sehr er leiden musste! Das ist das Schlimmste, was jemals ein Mensch hat ertragen müssen!“ Und irgendwie bin ich nach dem dritten zusammenbrechenden Hinfallen der Jesus-Figur auf dem Weg zur Kreuzigung abgestumpft. Da konnte auch die gefühlsbestimmende Hintergrundmusik mir beim besten Willen nicht mehr helfen… (Ein Nebengedanke: Ist das Leid, das man bei einem geliebten Menschen mitansehen muss, für einen selbst nicht um ein Vielfaches stärker als jenes, welches man selbst aus freiem Entschluss erduldet? Insofern muss unser Gott ein über alle Maße leidender Gott sein, wenn er seine Menschen liebt…)
Was mich an dem Film aber wirklich zutiefst empören ließ (innerlich, ich hab niemandem in dem Saal seine Gefühle zu der Sache streitig machen wollen), war die echt albern wirkende Teufelsdarstellung. Gleich zu Beginn, nachdem dieser Jesus im Garten Getsemane mit Gott um die Unabänderbarkeit des Bevorstehenden ringt, seine Jünger dann schlafend statt wachend vorfindet und sich anschließend abermals ins Gebet stürzt, erscheint von der Seite eine bleiche, mit einem schwarzen Tuch umhüllte Figur, die mich andauernd in meiner lückenhaften Erinnerung der Schilderungen in den Evangelien erfolglos nach ihr stöbern ließ. Es sollte wohl Satan, die Schlange, in Person sein; weder Mann noch Frau, ganz das hinterlistig Böse verkörpernd wollte er wohl diesen Jesus versuchen, damit der sein Schicksal ändere. So zumindest hab ich das verstanden. Der erste Gedanke, als ich diesen Typen sah, war: „Meeiiin Schaaaaatz“ … Er tauchte dann auch immer wieder auf, mal als Schatten, als der Verräter Judas von Kindern (, die mit dämonenverzerrten Fratzen wohl seine teufelsgegebenen Wahnvorstellungen sein sollten,) aus der Stadt gejagt wird und sich bei einer von Maden zerfressenen Eselsleiche (jener Esel, der zuvor noch mit Palmwedel in Jerusalem begrüßt wurde?) das Leben nimmt, mal mit einem missgebildeten Kind/Kleinwüchsigem auf dem Arm, während er an der Geißelungsszenerie an der Jesus-Figur seltsam süffisant vorbeischreitet. Seinen entscheidenden Auftritt hat er dann am Schluss, als dieser Jesus am Kreuz seinen letzten Atem ausstößt. Satan wird da am Boden kniend, die Hände emporstreckend und mit einem Schrei der endgültigen Niederlage dargestellt, während die Kamera, den Blick nach unten auf Satan gerichtet, in bester Dramaturgiemanie in den Himmel entfährt.
Alles schwer albern, wie ich fand.
Auf Wikipedia ist übrigens zu lesen, dass der Film historisch gar nicht so korrekt ist, wie er sich in seinem deutsch untertiteltem Aramäisch/Latein gibt. Auch ist die Story des Films aus den vier Evangelien zusammengewürfelt und einige Begebenheiten waren mir völlig neu.
Bleibt zum Abschluss der Kritik noch die Frage an alle, die den Film schon mal gesehen haben: Welche Augenfarbe hatte dieser Jesus? Und warum?

Aber wie dem auch sei, einigen bei der Filmvorführung schien Mel Gibsons Film recht nahe gegangen zu sein und auch irgendwas Inneres berührt zu haben – das will ich niemandem nehmen. Nur war das bei mir nicht so und so ist es dann auch zu erklären, dass ich nach Filmende, als alle zutiefst betroffen geschwiegen haben, ich in die Stille ziemlich nervig mit dem Schlüsselbund geklimpert hab, penetrant lange, weil ich noch jemandem einen Schlüssel zurückgeben wollte, den ich mir geliehen hatte und ich befürchtete, es sonst zu vergessen. Hab dann erst danach gerafft, dass alle so ruhig waren, weil sie tief betroffen waren. Etwas ungeschickt von mir, war aber keine böse Absicht. Wie das halt so ist mit Fettnäpfchen…

Der geilste Satz des Abends soll dann hier auch noch Erwähnung finden. Der Filmvorführer erzählte zu Beginn eine Kleinigkeit über den Film und eben auch über Mel Gibson, als er den wahrhaft pointierten Satz (unabsichtlich, dessen bin ich mir doch ziemlich sicher) äußerte: „Mel Gibson ist streng katholisch erzogen worden; trotzdem steht er fest im Glauben.“

Mein abschließendes Fazit, bewusst provozierend: Mir sind Jesus-Verfilmungen wie „Das Leben des Brian“ lieber, in denen nicht der Anspruch erhoben wird, die Wahrheit abzubilden. Mit denen kann man ehrlicher umgehen, weil sie viel leichter zu durchschauen sind.

Vielleicht richtet sich meine (lange und stellenweise ausufernde Kritik) ja auch gegen das, was Drewermann im Johannesevangelium mit „Gottesbesitzer“ übersetzt hat (ich hab vor Kurzem schon mal auf Drewermanns Johannsevangelium hingewiesen). Und so will ich zum Abschluss allem Abbilden von Wahrheit nicht den Satz aus 2. Mose 20,4: Du sollst dir kein Bildnis noch irgend ein Gleichnis machen, weder des, das oben im Himmel, noch des, das unten auf Erden, oder des, das im Wasser unter der Erde ist. stellen, sonder vielmehr Jesus selbst zu Wort kommen lassen, als er im Zusammenhang mit der Heilung eines Blindgeborenen einigen Pharisäern (=Gottesbesitzern) offenbart:

Zum Gericht bin ich in diese Welt gekommen, auf daß die Nichtsehenden sehen und die Sehenden blind werden. [Und] etliche von den Pharisäern, die bei ihm waren, hörten dies und sprachen zu ihm: Sind denn auch wir blind? Jesus sprach zu ihnen: Wenn ihr blind wäret, so würdet ihr keine Sünde haben; nun ihr aber saget: Wir sehen, so bleibt eure Sünde. (Johannes 9,39ff)

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