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8 Suchergebnisse für "roboter"

Deep

„Roboter gehören zur Schöpfung“ – das Gespräch erinnerte mich ganz entfernt an Der Gewissensfall, wo ein Theologe Teil eines Erkundungsteams auf einem fernen Echsenplaneten ist – um herauszufinden, ob dieses gesellschaftliche Paradies, welches ohne den Glauben an Gott funktioniert, echt ist oder eine Illusion des Teufels, um die Menschen zu verführen, von Gott abzulassen.

Im DLF-Gespräch geht es allerdings um Künstliche Intelligenz und ob diese moralische Entscheidungen zu treffen vermag. Wenn ich den Theologen richtig verstanden habe, schlägt er eine pragmatische Lösung für diverse Dilemmata vor. So könne Deep Learning (Vorsicht!) so eingesetzt werden, dass KI das richtige Verhalten von Menschen automatisch lernt. Eine Entscheidung grundsätzlich am Programmiertisch zu treffen, wie bspw. sich ein Auto in Dilemmasituationen zu verhalten habe, sei jedenfalls nicht sinnvoll, da jede Entscheidung von vielen kleineren Faktoren bedingt sein könnte.

Mein Gedanke dazu war: Wenn Maschinen durch Beobachtung moralisches Handeln lernen sollen, ist es ja nicht mehr moralisch, weil die Entscheidung, etwas als richtiges und also nachahmenswertes Verhalten zu interpretieren nicht auf einem Individuum (samt Historie, Trotz und freiem Willen) beruht, sondern vermutlich auf der bloßen Masse von ‚richtigen‘ Handlungen.

Interessant finde ich die Frage, wie sehr wir Menschen Moral auch ’nur‘ deep lernen. Erwähnenswert ist noch die Anekdote vom Prager Golem, der vergessen wurde, für den Sabbat deaktiviert zu werden, und daraufhin das Haus seines Herrn verwüstet.

Alexander meint zu dem Beitrag Folgendes:

Ich glaube, hier liegt eine große Begriffsverwirrung vor, die notwendigerweise zur Nivellierung zentraler anthropologischer Grenzziehungen führt. Es ist in dem Beitrag immer wieder von ‚maschinellen Entscheidungen‘ die Rede. Gibt es die aber überhaupt – und wenn ja, in welchem Sinne? Die Wahl zwischen zwei (oder mehreren) Handlungsoptionen ist nur unter der Bedingung ‚moralisch‘, dass die Handlung für den Entscheidungsakteur eine persönliche Relevanz besitzt. Das würde ich bei Maschinen grundsätzlich bezweifeln. Schon in der sprachlichen Mikrostruktur des KI-Diskurses wird mit unzulässigen Gleichsetzungen zwischen Mensch und Maschine operiert. Roboter sind nicht ‚intelligent‘, es sei denn man reduziert Intelligenz auf Lernfähigkeit; sie handeln nicht ‚moralisch‘, weil sie bloß einem sich selbst optimierenden Programm folgen; und sie treffen auch keine ‚Entscheidungen‘, weil sie keine Gewissensbisse verspüren. Was wie moralisches Handeln aussieht, ist noch lange kein moralisches Handeln. Das ist im Grunde auch mein Einwand gegen den Turing-Test. Einer Maschine Würde zuzusprechen wäre damit das Ergebnis einer fundamentalen Selbsttäuschung – Kubriks ‚A.I.‘ in allen Ehren.

Damit wäre alles gesagt.

Künstliche Verantwortung

Diskussionen zwischen KI-Systemen sollen Entscheidungen nachvollziehbar machen, berichtet heise von OpenAI.

Da denke ich mir (was mit dem Artikel selbst nur noch wenig zu tun hat): Wenn uns demnächst Maschinen auch Entscheidungen abnehmen können, dann brauch man ja auch keine Verantwortung mehr zu übernehmen. Autonome Autos sind da ziemlich plausibel, vielleicht gilt das aber auch für andere Bereiche, wie z.B. Altenpflege. Vorher machen uns aber am besten noch die Hirnforscher weis, dass wir gar nicht die Entscheidung selbst treffen, sondern unser Gehirn. Dann wären wir alle fein raus.

Dritter Versuch

Kennt ihr das, Filme immer wieder zu schauen, weil man nicht komplett durchgehalten hat? Versuche den dritten Abend in Folge bei diesem an sich unterhaltsamen Film wach zu bleiben: Die Azteken-Mumie gegen den Menschen-Roboter. Das erinnert mich an Zwei bärenstarke Typen, welchen ich ne Weile mal sehen wollte, es aber nie schaffte durchzuhalten und zur DVD-Menü-Musik, die sich ständig wiedderholte, irgendwann wieder wach wurde. Derweil ist es gerade nach 1:00 und draußen zwitschern die Vögel immer noch eifrig. Na dann, gute Nacht.

Nachtrag (10.5.):
Mist, hat wieder nicht geklappt.

Gefühlssache

Gefühle sind ja so eine Sache. Oder eben keine.

TED Radio Podcast: Decoding Our Emotions beschäftigt sich mit dem Thema sprachlich-kulturell, historisch-evolutionär, technologisch und musikalisch.

Wenn in naher Zukunft tatsächlich Roboter Standard sind, die u.a. anhand der Gesichtsmimik (vor)schnell Wünsche erkennen, wird dann der innere Abwägungs- und Entscheidungsprozess verstümmelt? Gibt es dann endlich eine Trennung von Körper und Geist? Können Roboter von Autisten lernen? Mögen Roboter Musik? Are we feeling machines that think?

KI&CoKG

Hier ein Feature vom Deutschlandfunk zum Themenbereich KI: Das Dunkle in der Blackbox – Die Maschine.

Eine wohl entscheidende Stelle beschreibt, was passiert, wenn Algorithmen (Vorsicht!) Vorhersagen machen, die sich erstaunlich genau erfüllen: Die Maschine sagt, dass die nukleare Option die einzige Möglichkeit sei, den Nordkorea-Konflikt zu lösen. Was dann passiert, erinnert ein wenig an Philip K. Dicks Minority Report (nicht an den Film denken, der erzählt die Geschichte in den wesentlichen Teilen komplett anders), wo sich eine Vorhersage nur wegen der Vorhersage selbst bewahrheitet. Im Feature schlägt ein Experte vor, einer Maschine nur Glauben zu schenken, wenn sie erklären kann, warum sie das weiß. Wenn sie das nicht kann, darf man sich nicht darauf verlassen, auch wenn die Vergangenheit möglicherweise gezeigt habe, dass die Vorhersagen zutreffend gewesen seien. Das geht ein bisschen in die Richtung, ob man Maschinen ethisches Verständnis beibringen kann: Nicht, bevor sie sich rechtfertigen können.

Derweil schlägt Diego zum Thema dies hier vor: Google-Forscher veröffentlichen bessere Sprachsynthese. Verlinke ich ungeleesen. Außerdem: Alien: Covenant hat mir als Film nicht so besonders gefallen (Mikroebene), besonders die Handlungsweise der Figuren war schwer zu ertragen (Die rennen da durch ein Feld voller erstarrter Ex-Lebewesen und fangen nicht an, gegenüber dem anderen Roboter misstrauisch zu werden?), auf der Makroeebene der Geschichte (was man da alles so hineinzuinterpretieren vermag) war ich aber tatsächlich eher begeistert.

Die Pflicht zum digitalen Ungehorsam: Wie wir kommunizieren möchten

Vorwort
Ich überlege seit einiger Zeit, SailfishOS dank Community-Port nochmal auf meinem Fairphone zu installieren. Was mich daran hindert, ist die Tatsache, dass Whatsapp dank fehlender Androidunterstützung nicht nutzbar ist, neulich leider offiziell bestätigt. Bin schonmal von Whatsapp gesperrt worden, weil ich Whatsup für SailfishOS genutzt hatte. Das hat Facebook nicht so gefallen, Fremdsoftware für deren Dienst zu benutzen. Etwas beleidigt habe ich mir dann gedacht, ich machs ähnlich wie Diego und boykottiere erstmal Whatsapp. Habe es nicht so lange durchgehalten wie er, wollte wieder mit allen schnell kommunizieren. Daher ist meiner Meinung nach Software wichtiger als Hardware, wenns um Nachhaltigkeit geht. Mal sehen, was ab morgen auf dem Mobile World Congress in Barcelona von Jolla und Fairphone so noch kommt.

Digitale Kommunikation
Verschiedene Gespräche über die Art und Weise, wie wir heute digital kommunizieren, insbesondere im Gegensatz zu der Zeit vor wenigen Jahren, haben mich viele selbstverständliche Kommunikationswege in Frage stellen lassen. Ich wage mal einen spontanen, nicht recherchierten Blick in die vergangenen Jahre:
Vor etwa sechs bis sieben Jahren hat bei mir Whatsapp den Short Message Service als Kurznachrichtendienst weitgehend abgelöst. Der SMS funktioniert als geräte- und anbieterunabhängiger Standard. Die Netzbetreiber bzw. Tarifanbieter haben meiner Meinung nach (zumindest in Deutschland) die Entwicklung verschlafen – womöglich weil man damit eben lange ordentlich Geld verdient hat. Ich war aber irgendwann nicht mehr bereit, pro Nachricht zu bezahlen, wenn es doch deutlich (monetär) günstigere Dienste gibt. Daher bin ich auf den Whatsappzug aufgesprungen.

Jetzt fragte ich mich neulich, warum niemand ein ernsthaftes Interesse daran hat, einen neuen geräte- und anbieterunabhängigen Standard durchzusetzen, der ähnliche Möglichkeiten wie Messenger wie Whatsapp bietet. Und – ZACK – lese ich Folgendes: Googles Android Messages: Angriff gegen WhatsApp und Co. durch die Hintertür RCS. Google, soso. Klingt auch nicht besser, wenn einem beim Thema Kommunikation Postgeheimnis, Briefgeheimnis und Fernmeldegeheimnis wichtig ist. Ob meine Kommunikationswege über Facebook-Server laufen oder Google darauf in irgendeiner Weise Zugriff hat, finde ich ähnlich blöde.

Tolle neue Welt?
Warum hat unsere Gesellschaft eigentlich kein Interesse daran, einen Kommunikationsstandard zu schaffen, der garantiert, dass die digitale Kommunikation ihrer Bürger geschützt ist? Und zwar vor anderen Bürgern, vor Unternehmenvor Robotern – und vor dem Staat selbst.

Meiner Meinung nach ist es grob fahrlässig, dieses Themenfeld denen zu überlassen, die aus Profitabsicht solche Dienste anbieten. Man könnte sich ja mal in die eigenen Angelegenheiten einmischen, sich ein bisschen aktiv gestaltender mit der virtuellen Realität auseinandersetzen.

Natürlich ist es toll, dass Whatsapp verschlüsselt funktioniert. Aber:

Allerdings sind durch die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung natürlich nicht alle potenziellen Probleme aus der Welt geräumt. Der Quellcode von WhatsApp liegt nicht offen, Anwender müssen Facebook also nach wie vor ein gewisses Vertrauen einräumen. Zum Beispiel, dass der Anbieter die geheimen Schlüssel nicht auf einem Seitenkanal von ihrem Smartphone ableitet und so die Nachrichten auf dem Server doch wieder entschlüsseln kann. Auch das Metadaten-Problem bleibt bestehen. Die WhatsApp-Server sehen zwar nicht den Inhalt der Nachrichten, aber sie können nach wie vor beobachten, wer mit wem spricht. Und WhatsApp macht keinen Hehl daraus, dass diese Daten gespeichert werden. Das ist besonders interessant für Strafverfolgungsbehörden und Geheimdienste, die diesen Daten fast so viele Informationen entlocken können wie dem Inhalt der eigentlichen Nachrichten.

Natürlich ist es toll, wenn ich dank des kommenden Netzstandard 5G  und seiner höheren Signalstärke auch im tiefsten Keller guten Empfang haben werde. Aber etwas Kontrolle – oder wenigstens umfassendes Verständnis davon – über die mit dem Internet of things einhergehenden Veränderungen, also das, was wirklich passieren wird, ist nicht das Schlechteste.

Natürlich ist es toll, insgesamt so viel mehr Möglichkeiten zur Kommunikation zu haben. Aber Möglichkeiten sind nicht Freiheit.

Pflicht zum Ungehorsam
Bei alledem sehe ich zwei wesentliche Probleme: Die gesammelten Daten, insbesondere zum Kommunikations- und Konsumverhalten, lassen auch Rückschlüsse auf diejenigen zu, die sich diesen Kommunikationsformen entziehen. Auch wer nicht bei Facebook ist, handelt nach bestimmten Prinzipien, die sich womöglich auch manipulieren lassen. Um ein konkretes Beispiel zu bringen, sorgte nach der US-Präsidentschaftswahl die Firma Cambridge Analytica für Furore, als ihr CEO behauptete, mit Psychogrammen via Facebook Donald Trump zum Wahlsieg verholfen zu haben. Ob das tatsächlich so war oder nur ein Werbecoup für seine Firma, sei hier dahingestellt. Wenn man das nämlich hysterisch zu Ende denkt, können mittels Psychogrammen von Facebooknutzern auch Rückschlüsse auf das Verhalten von Nicht-Facebooknutzern gezogen werden – und so ganze Gesellschaften zielgerichteter beeinflusst werden.

Das zweite Problem: Diejenigen, die sich der digitalen Kommunikation aus einer grundsätzlichen Kritik heraus entziehen (zu Recht oder nicht spielt keine Rolle), nehmen an dieser gesellschaftlichen Entwicklung nicht direkt Teil. Kritik von Innen ist aber dringend nötig, um das Bestehende zu hinterfragen und darauf hinzuwirken, es zum Besseren zu verändern. Wir haben die Pflicht zum Ungehorsam – heute nicht nur gegenüber dem Staat, sondern vielmehr unserem gewohnten Verhalten gegenüber.

Nachwort
Ich habe nichts zu verbergen“ ist zwar eine Einstellung, die auf ein gesundes Selbstbewusstsein schließen lässt. Allerdings bezieht der Gedanke nicht den Faktor Zeit mit ein. Wer weiß, ob ich in 20 Jahren nicht doch lieber verborgen hätte, was mir heute gleich ist? Habe neulich eine Nachricht gelesen (finde sie leider gerade nicht wieder), laut der in Russland eine Bürgerin kürzlich wegen Spionage zu einer Haftstrafe verurteilt worden sei, weil sie vor einigen Jahren eine SMS geschrieben habe, in der sie von russischen Panzern auf dem Weg nach Georgien schrieb.

Man muss ja nicht jeden Kommunikationsscheiß mitmachen, aber einzelner Boykott bewegt wenig. Tox ist beispielsweise eine Alternative, gibts auch für SailfishOS als native App.

Und: Sabine Leutheusser-Schnarrenberger wurde 2011 zur Regulierung im Internet interviewt.

Ecce! Lo And Behold!

Der Film Lo And Behold – Reveries Of The Connected World vom August vergangenen Jahres beschäftigt sich mit der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Internets und dessen Einfluss auf gesellschaftliche Entwicklungen. Er ist von Werner Herzog:

Ich habe mich während des Films an verschiedene Dinge erinnert. So taucht zu Beginn kurz Ted Nelson auf, der als tragische Figur seine Vorstellung davon zeigt, wie das Internet hätte eigentlich werden sollen, kurz: seine Vision von Hypertext. Das wird gut visualisiert beim Blick über seine Schulter auf seinen WindowsXP-Rechner.

Später im Film wird gesagt, dass es in Zukunft oder auch bereits jetzt egal ist, wer einen Text verfasst – sei es ein Mensch, ein Roboter oder ein Hund:

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/en/f/f8/Internet_dog.jpg

Das würde Roland Barthes Vorstellung von der Abwesenheit des Autors wahrscheinlich ziemlich gut gefallen. Ich zitiere mich hierzu mal selbst (Waaaaaahh, ein Barthes’sches Paradoxon??):

Der Text als Netzwerk, dem Sinnstiftung allein durch die Verknüpfungsleistung des Lesers widerfährt, scheint sich als Inbegriff eines poststrukturalistischen Verständnisses á la BARTHES im Hypertext zu offenbaren. Aber sind wir bereit, diesem Verständnis zu folgen? Schließlich tötet er nicht nur den Autor, er löst auch die Identität des Subjekts auf, indem er die »Einheit des Textes« nicht im Ursprung sondern im Zielpunkt verortet, »wobei dieser Zielpunkt nicht mehr länger als eine Person verstanden werden kann«. Mehr noch, »der Leser ist ein Mensch ohne Geschichte, ohne Biografie, ohne Psychologie« (BARTHES 2000, S. 192). BARTHES’ ›Leser‹ gleicht so gesehen viel eher Xanadu, NELSONs ›Maschine‹, die als Unified Tissue of Storage, als Gewebe von Speicher Knotenpunkte zentral im Netzwerk verortet, verknüpft und verfügbar macht.

Die Identität des Subjekts im Internet löst sich demnach auf, spielt zumindest keine Rolle mehr, im Gegensatz zum Fremdbildnis, meiner Ansicht nach.

Oscar Wilde versteht übrigens Kritik als höchste Form der Subjektivität. Hierzu fällt mir noch eine Aussage aus Werner Herzogs Film ein. Ein Interviewpartner sieht ein großes Problem in der Unfähigkeit der mit dem Internet heranwachsenden Menschen, kritisch zu denken, da Inhalte so umfassend verfügbar sind und junge Menschen sich verstärkt einseitig informieren. Er kommt dabei übrigens ohne das alte Wort postfaktisch aus. Ich teile die Befürchtungen immer dann, wenn ich Schüler nach der Quelle Frage und die Antwort Internet bekomme, sie aber eigentlich Google meinen und dann nicht verstehen, dass eine Suchmaschine keine Quelle ist. Allerdings würden sie der Unterstellung sicher heftig widersprechen – was mich irgendwie wieder zuversichtlich stimmt.

Im letzten Abschnitt des Films tauchen zwei Gehirnforscher auf, die von einer Art universellen „Sprache“ des Gehirns sprechen. Als Beispiel für diese universelle Gedankensprache dienen Beobachtungen durch eine MRT, während Menschen entweder ein Video von zwei in der Savanne wandernden Elefanten sahen oder einen Satz entsprechender Semantik lasen. In beiden Situationen wurden übereinstimmende Hirnaktivitäten festgestellt. Die Hirnforscher schlussfolgerten, dass es nur eine Frage der Zeit bzw. der technologischen Entwicklung sei, bis wir uns mittels Mini-MRTs quasitelepathisch austauschen könnten. Erinnert stark an Shitter:


Die Vorstellung einer Art universellen Gehirnsprache widerspricht der Idee, dass unser Weltbild, unser Vorstellungsvermögen, unsere Art zu denken von der Grammatik unserer Sprache bestimmt wird. Auf die Theorie bin ich durch den Film Arrival aufmerksam geworden, welchen ich gut fand, vor allem wegen dieser Idee und in diesem Zusammenhang der Art, wie die Geschichte erzählt wird. Alexander wusste natürlich nach dem Film gleich eine Erzählung zu nennen, in der das schon zuvor thematisiert wurde, hab ich aber wieder vergessen. Jedenfalls befürchte ich, dass Arrival zu den Filmen gehört, die man nur einmal sehen sollte, damit man sie in guter Erinnerung behält. Ich fand ihn offensichtlich so gut, dass sich mein Kopf bei Lo And Behold – Reveries Of The Connected World sofort eine Verknüpfung herstellte.

Was noch zu sagen bleibt nach dem Film: Wahrscheinlich werde ich die Wette mit Andreas verlieren, der behauptet, am 1. April 2025 mich mit nem autonom fahrenden Fahrzeug legal abzuholen und wir beide unterwegs Tee trinken können. Meine Skepsis bezieht sich zwar mehr auf die träge Gesetzesentwicklung in Deutschland als auf die technologische Entwicklung – im Film geht es auch um die Tatsache, dass die Software autonomer Autos (Vorsicht, Neologismus: Autoauto) eine menschliche Ethik entwickelt. So, wie man mit dem Thema in der letzten Zeit zugemüllt wird, sehe ich aber doch schwarz, die Wette zu gewinnen. Echte autonome Autos werden wohl noch vor der CSU-Maut gesetzlich implementiert werden. Es sei denn, Deutschland tritt 2018 aus der EU aus.

Naja, mal sehen. In diesem Sinne: Frohes neues Jahr.

Ps: Ich finde Werner-Herzog-Filme ohne Klaus Kinski interessant und sehenswert, aber nur halb so unterhaltsam.

Die Kompossibilität des Konfusen

Hab grad nen Artikel auf Spiegel-Online geleesen, in dem Oswald Egger dem Wesen des Unvorstellbaren nachgeht. Ist aus oder zu seinem Buch Diskrete Stetigkeit. Poesie und Mathematik (erschienen 2008 beim nach Berlin ziehenden Suhrkamp-Verlag).
Ich finde solche (sprach-)philosophischen Gedanken ja immer ganz spannend, aber ich raff einfach nicht, warum derartige Texte oft in einer Sphäre eigener Begrifflichkeiten schweben, die höher liegt als jeder andere wissenschaftliche Elfenbeinturm. – Wer soll das denn verstehen:

Die Kompossibilität des Konfusen und auch des Konformen, und die Interimsbilder inzwischen: in Leibniz‘ wechselständiger Fulguration von winzigen, sofort wieder zerfallenden, geborgten Bedeutungen, die wie Augenblicksgötter koexistierender Zustände zwischen Rede und Realität oszillierten

Meine Übersetzung (für Hauptschulphilosophen):
„Wie wir Zusammenhänge herstellen können im Unordentlichen und auch im bereits von anderen Geordneten sowie die Frage, wie wir durch Sprache zu Momenten der Erkenntnis (= Augenblicksgötter koexistierener Zustände zwischen Rede und Realität) gelangen“

Und das ist ne Zwischenüberschrift… Ich frag noch mal: Wer soll das raffen? Vielleicht ist das ja auch ein Philosophenwitz: Das ist deren Geheimsprache und der Inhalt dieses Satzes heißt im Grunde genommen: „Wer das liest, ist doof.“ …

Im Grunde genommen will Egger – so vermute ich – einfach sagen, dass es eine interne Logik in der Sprache gibt, wie sie sich selbst zusammenhält und wie sie mit der Realität in Kontakt kommt bzw. ob sie überhaupt die Realität berührt. Vielleicht will er ja auch was ganz anderes sagen. Er hat hier halt Konfusion komponiert, zumindest in mir.

Präzision, die eitel ist, führt zur geordneten Konfusion. Wer wahrhaft verstehen will, muss das Wesen der Dinge reduzieren, herunterbrechen auf die Wahrheit. Eggers Essay ist große sprach-mathematische Kunst, wer weiß. Vielleicht aber auch nicht. Ich kanns nicht beurteilen. – Und dass ich es nicht beurteilen kann, ist mein Vorwurf an ihn.

Aber vielleicht bin ich auch einfach unfair, weil ich die Dinge mit meinem kindlichen Idealismus sehe, der auf dem festen Glauben beruht, dass die Wahrheit nichts Exklusives ist.

PS: Ich mag das Roboterbild, das hat so was Romantisches…

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