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Kategorie: BLOGBuchstaben

Sure, he will

Am Freitag war ich in Paderborn mit meiner Schwester und meinem Hund unterwegs. Eine Frau überholte uns und flüsterte zu ihrem ca. 4jährigen Kind, als das fasziniert den Hund ansah: Be careful, this dog might eat you for breakfast. (Oder so ähnlich, es waren jedenfalls native speaker.) Mir ist dann rausgerutscht: Sure, he will. Die Mutter hat gelacht. Das Kind hatte Angst und hat sich noch die nächsten 100m, die die beiden sich von uns vor uns entfernt haben umgedreht.

Geh dee ell

Stört die Berichterstattung zum Bahnstreik noch wen? Sogar Phoenix titelt suggestiv “GDL gegen den Rest der Welt”. Heute morgen lief auf hrInfo ein Beitrag, in dem der Außenreporter auf die Frage, wie die Stimmung unter den Bahnreisenden sei, sinngemäß antwortete, die seien bestimmt sauer. Er hätte zwar selbst keine direkte solche Aussage gehört, aber das sei schon sicherlich so.

Dass Züge ausfallen ist natürlïch nervig. Das sind Straßenblockaden bei Demonstrationen aber auch.

Übrigens: Wenn Bahnreisende sauer auf den Streik sind, heißt das nicht zwingend, dass sie sauer auf die GDL sind.
Und: Es geht weniger um GDL vs EVG sondern um GDL vs DB Vorstand.

Augstein schreibt in SPON auch was dazu. Bin aber gerade Linkfaul.

Mein Lösungsvorschlag: Vereinigung von GDL und EVG mit Weselsky als Chef.

Überwachungsgesellschaft

Nach dem Gespräch mit einem Freund gestern, ist mir etwas klar geworden. Es war der erste Abend seit Langem, an dem ich kein Telefon dabei hatte. Es war ganz angenehm, nicht der Gewohnheit halber ab und zu draufzuschauen, ob es irgendwas Neues gibt. Zugegeben – eine wenig spektakuläre Erfahrung, aber eine hilfreiche. Bemerkenswert, wie abhängig ich mich von dieser Informiertheit manchmal fühle.

Jedenfalls bot meine Vergesslichkeit schließlich den Anlass zu einem längerem Gespräch, bei dem es im Grunde um alles ging. Ich erzählte unter anderem von meinem Unterricht, in dem ich den Schülern versuche nahezubringen, dass sicheres Verhalten im Netz mit bewusstem Umgang mit dem Preisgeben eigener Daten einhergeht.

Jetzt meine Überlegung: Führt nicht vielleicht eben jene Bewusstmachung dazu, dass wir verinnerlichen, überwacht zu werden innerhalb einer so zu nennenden Netzöffentlichkeit? Und resultiert aus dieser Verinnerlichung womöglich eine veränderte Vorstellung von Öffentlichkeit und schließlich auch Gesellschaft, also dem, wie wir einander wahrnehmen bzw. die Annahme einer derartigen gegenseitigen Wahrnehmung? Also, ich möchte ja den jungen Menschen beim Umgang mit dem Netz helfen, fürchte aber, dadurch eher einen Beitrag zu leisten, dass Überwachbarkeit normal wird.

Für mich resultiert daraus, wenn wir darüber diskutieren, ob und wie wir durch NSA, Google und Facebook überwacht werden, wir vielmehr darüber sprechen sollten, was unser persönlicher Beitrag zum Weg in eine Überwachungsgesellschaft ist.

Das Gespräch im Auto endete jedenfalls mit einem provokanten Satz, von dem ich noch nicht so ganz weiß, ob und was er wirklich bedeutet: Wir müssen uns vor uns selbst schützen.

Ich denke, ich nehme das zumindest zum Anlass, gelegentlich mein Telefon zu Hause zu lassen.

Freund oder Arschloch

Gestern habe ich einen Anhalter mitgenommen. Ein mittelalter Herr türkischer Herkunft hatte ein paar Elektrogeräte von Frohnhausen nach Dillenburg zu bringen. Als er im Auto saß, fragte er in gebrochenem Deutsch, ob wir noch woanders langfahren könnten, er würde gerne noch anderes Zeug  mitnehmen. Wie sich herausstellte, handelte es sich um ziemlich große Blechplatten, die nur mit einigen Umräumaktionen in mein Auto gepasst hätten. Da hatte ich keinen Bock drauf, also fuhren wir wieder weiter. Er meinte dabei nur, dass er bald noch mal hier vorbei schauen müsse, sonst “holt so eine andere Arschloch” die Bleche ab.

Auf der folgenden kurzen Fahrt erklärte er mir, dass es ihm um Kupfer und ähnliche wertvolle Bestandteile in ausrangierten Bauteilen ginge. Er fragte mich dann auch, ob ich den Monitor und den Computer, die ich  dabei hatte, um sie in meinen Klassenraum zu stellen, noch bräuchte. Ich erklärte ihm das. Er wurde dann hellörig und meinte, ich solle an ihn denken, wenn unsere Schule mal alte Sachen ausrangiere. Er würde mir für 20,30 Monitore auf 50 Euro geben.

Bei ihm zu Hause angekommen zeigte er mir noch seine Garage mit wertvollem Gerümpel. Autoreifen wollte er mir dabei auch verkaufen. Bei dem Gespräch nannte er mich dann öfter “Freund”. Ich fuhr schließlich weiter ins Schwimmbad und dachte noch ein bisschen über den gar nicht so wunderlichen Mann nach und merkte, dass man leicht jemanden, den man per Anhalter kennen lernt, als “Freund” und noch leichter jemanden, den man gar nicht kennt, als “Arschloch” bezeichnen kann.

Die Moral von der Geschichte: Nur weil ich eine e-Wigkeit hier nichts geschrieben habe, heißt das nicht, dass dies das spektakulärste Ereignis in der letzten Zeit war, dass “gebrochenes Deutsch” eine allgemeingültige Kategorie unabhängig vom Betrachter sei, und noch weniger, dass ich was zu sagen hätte.

Granit: Kunst ist eine kalte Konstruktion

Gestern war ich auf der Eröffnungsveranstaltung zur Ausstellung “Granit” in der Gießener Kunsthalle.  Das Plakat zur Ausstellung war schon geil. Und die Ausstellung selbst war irgendwie atemberaubend: Zwei Wände, auf der unteren Hälfte granitfarben gestrichen, die obere Hälfte in der Mitte durch eine Lichtzeile mittig getrennt. Ich vermute, dass der “Elite”-Cellist, der zur Eröffnung gut unnahbare Musik gespielt hat, ziemlich teuer war. Jedenfalls war Gerhard Merz, der Künstler, nicht da, war nie da. Das gesamte Kunstwerk entstand nur auf Anweisung und ein Freund von ihm war zur Begutachtung mal da, um unzufrieden zu sein. Ich kann damit nichts anfangen, noch weniger damit, wie elitär toll das alle bei der Eröffnung gefunden haben.