Koffein, Selbstbefriedigung und Instrumental-Musik

Neulich ging ich mit einem Freund in der Uni-Mensa essen. Auf dem Rückweg zur UB stach uns eines der “Jesus lebt!”-Plakate ins Auge, die doch recht vehement die ein oder andere Feierlichkeit überklebten. Neugierig schaute ich mir ein Plakat etwas genauer an – die Schrift war stellenweise sehr klein und ich musste echt nah ran gehen. Im Wesentlichen stand dort etwas wie “Jesus kam in eine verdorbene Welt, verdorbene Menschen kommen nicht in den Himmel.” Als Beispiele für die Verdarbtheit der Welt waren nun einige Begriffe brainstormartig aufgelistet, u.a. “Schwulitäten“, “Kneipe” und “Koffein” stand dort. Jetzt ist ja Enthaltsamkeit spätestens seit der Straight-Edge-Bewegung, die im Punk irgendwie ihre Wurzeln hatte, nichts Uncooles mehr. Allerdings dürften einige Hardcore-Fans doch so ihre Probleme damit haben, was ich noch zum Vorschein brachte, als ich den auffällig auf dem Plakat aufgeklebten Begriff “Selbstbefriedigung” abpiddelte: Im Original stand dort “Instrumental-Musik”. Da war wohl jemand lernfähig. Dumm nur, wenn man einen großen Druckauftrag von Plakaten bestellt und hinterher feststellt, dass sich Sünde ändert. Vielleicht hat der Plakaturheber auch nur irgendwann doch mal in der Bibel gelesen und stieß auf die Geschichte der Eroberung Jerichos (Josua 6) auch mithilfe von Instrumenten. Oder er las von David, der harfespielend König Saul zu beruhigen wusste (1. Samuel 16). Vielleicht war er auch einfach nur mal in einer Kirche, um der Orgelmusik zu lauschen. Jedenfalls stelle ich mir jetzt eine Redaktionssitzung vor: “Scheiße, wir brauchen eine neue Sünde!” … “Selbstbefriedigung!” – “Na klar, warum sind wir da nicht eher drauf gekommen?!”. – Ok, Entschuldigung für das Niveau. Aber ich finde, der Begriff beschreibt tatsächlich den Antrieb des Urhebers der Plakate.

Der Freund, mit dem ich zuvor essen war, meinte auf jeden Fall, dass solche Plakate die ganze Sache kaputt machen würden. Ich glaube, dass an diesem Gedanken zwar was dran ist. Allerdings denke ich auch, dass sich jemand mit ernsthaften Beweggründen nicht von solchen Plakaten davon abbringen lassen wird, nach Gott zu suchen.

Nachtrag:
Auf der Seite http://www.bekehrdich.de findet man das Plakat.

PS: Grad ist mir das Tollste an der Seite aufgefallen: Irgendwo unten steht “Ende meiner Homepage“. Mit einem Satz mal eben so alle Festen von Hypertext ins Wanken gebracht, find ich toll.

Ein Gedanke zu „Koffein, Selbstbefriedigung und Instrumental-Musik“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.