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Res Publica

Die Radiosendung Computer und Kommunikation beschäftigt sich mit der re:publica. Es wird dort mehrfach die Radiotherie von Bertolt Brecht erwähnt. Wikipedia zitiert Brecht zum damals neuen Medium Radio:

Man hatte plötzlich die Möglichkeit, allen alles zu sagen, aber man hatte, wenn man es sich überlegte, nichts zu sagen.

Klingt ziemlich pessimistisch. Brecht versucht auch, positiv an die Sache zu gehen und überlegt, dass Radio Demokratie stärken könne, wenn es in beide Richtungen funktioniere, also auch vom Hörer gesendet werden könne.

Jetzt denken sich sicher viele, dass das Web 2.0 Brechts Radiotheorie zu erfüllen vermag.

In diesem Zusammenhang bin ich auf diesen Text von Petra Sitte in der Zeitschrift Utopie der Rosa-Luxemburg-Stiftung aus dem Jahr 2006 gestoßen: Internet und Brechts Radiotheorie. Darin heißt es:

Brecht kritisiert am entstehenden Rundfunk, an allen öffentlichen Institutionen die Folgenlosigkeit öffentlicher Kommunikation im Sinne eines sozialen Fortschritts. Er beklagt die Nichtdarstellung und Nichtverarbeitung gesellschaftlicher Konflikte und Widersprüche in Kunst, Bildung und Medien, den »kulinarischen«, d. h. konsumtiven Charakter der Kommunikation.

Des Weiteren findet sich am Rand des Dokuments schön zitiert ein Verweis auf die Seite rettet-das-internet.de:

Die Suchmaschinen haben sich inzwischen, mit Ausnahme von Google, zu ausschließlichen Anzeige-und Werbeplattformen gewandelt. Hier hat eine neue Internetpraxis anzusetzen. Siehe auch www.rettet-das-internet.de/suchmaschinen.htm

Dem Kontext kann man entnehmen, dass die URL in der Zwischenzeit den Besitzer gewechselt hat und Produkttests zeigt, die sonstwo im Internet feilgeboten werden, wie Diäten und Potenzmittel. Das finde ich ein bisschen witzig. Nicht nur wegen Brechts konsumkritischen Überlegungen zu einem Beitrag neuer Medien zu einer emanzipatorischen Utopie. Auch weil mittlerweile die Texte in kürzeren Zeiträumen ihre Gültigkeit verlieren. (Petra Sitte war 2006 noch nicht bei Whatsapp.) Der Inhalt kommt dem Medium nicht hinterher.

Sitte zitiert Brecht zum Schluss so:

Geleitet von dem Verdacht, unsere Vorstellungen seien selbst längst zu Waren geworden (sie konnten keine Güter bleiben), wollen wir nunmehr diese Vorstellungen untersuchen, und zwar gerade auf diesen Warencharakter hin. Schon fast zu lang haben wir, sprechend von solchen Dingen wie neues Lebensgefühl, Nachkriegsauffassung, Weltbild einer neuen Generation, beinahe alles Neuere als Voraussetzung gelassen und so benutzt. Es wird Zeit, nunmehr diese Voraussetzungen zu konstituieren.

Ich so: