Alle Beiträge von Ole Snoeijer

Niqab

In Kiel verbietet die Hochschule Vollverschleierung. Begründet wird das damit, dass die Mindestvoraussetzung der Kommunikation zur Erfüllung universitärer Aufgaben erfüllt sein müssen.

Ein Kommentar dazu war: Vollverschleierung einfach scheiße finden oder auch auch als Symbol der Unterdrückung der Frau zu verstehen und deswegen abzulehnen, fände ich eine ehrlichere Argumentation.

Mein Kommentar: Wenn ich jemandem im Gesicht nicht ansehen kann, wie langweilig mein Unterricht ist, wäre das auch nicht so ehrlich.

Instagramazon

Allmacht Amazon habe ich neulich nebenbei geschaut. Ganz interessant war der Selbstversuch einer Netzaktivistin. Düstere Zukunftsszenarien wie bspw. dass Amazon in Zukunft weiß, was du willst, bevor du es weißt, blieben natürlich auch nicht aus. Durch die zunehmende Macht von Amazon drohe sich ein Modell der Planwirtschaft zu entwickeln. Klingt nach ganz großem Fußball, der Jeff Bezos da gelingt.

Derweil hat Facebook vom Bundeskartellamt ein fettes Dislike und 1 Jahr Zeit bekommen, seine Regelungen zur Datensammlung umzugestalten, sodass man dem ausdrücklich zustimmen muss. Was mir dabei nicht klar war: Facebook sammelt z.B. Daten von seinen Nutzern, wenn eine beliebige Internetseite Facebooks Like-Button implementiert hat, ohne dass man diesen drücken müsste. Schöne neue Welt.

Deep

„Roboter gehören zur Schöpfung“ – das Gespräch erinnerte mich ganz entfernt an Der Gewissensfall, wo ein Theologe Teil eines Erkundungsteams auf einem fernen Echsenplaneten ist – um herauszufinden, ob dieses gesellschaftliche Paradies, welches ohne den Glauben an Gott funktioniert, echt ist oder eine Illusion des Teufels, um die Menschen zu verführen, von Gott abzulassen.

Im DLF-Gespräch geht es allerdings um Künstliche Intelligenz und ob diese moralische Entscheidungen zu treffen vermag. Wenn ich den Theologen richtig verstanden habe, schlägt er eine pragmatische Lösung für diverse Dilemmata vor. So könne Deep Learning (Vorsicht!) so eingesetzt werden, dass KI das richtige Verhalten von Menschen automatisch lernt. Eine Entscheidung grundsätzlich am Programmiertisch zu treffen, wie bspw. sich ein Auto in Dilemmasituationen zu verhalten habe, sei jedenfalls nicht sinnvoll, da jede Entscheidung von vielen kleineren Faktoren bedingt sein könnte.

Mein Gedanke dazu war: Wenn Maschinen durch Beobachtung moralisches Handeln lernen sollen, ist es ja nicht mehr moralisch, weil die Entscheidung, etwas als richtiges und also nachahmenswertes Verhalten zu interpretieren nicht auf einem Individuum (samt Historie, Trotz und freiem Willen) beruht, sondern vermutlich auf der bloßen Masse von ‘richtigen’ Handlungen.

Interessant finde ich die Frage, wie sehr wir Menschen Moral auch ‘nur’ deep lernen. Erwähnenswert ist noch die Anekdote vom Prager Golem, der vergessen wurde, für den Sabbat deaktiviert zu werden, und daraufhin das Haus seines Herrn verwüstet.

Alexander meint zu dem Beitrag Folgendes:

Ich glaube, hier liegt eine große Begriffsverwirrung vor, die notwendigerweise zur Nivellierung zentraler anthropologischer Grenzziehungen führt. Es ist in dem Beitrag immer wieder von ‘maschinellen Entscheidungen’ die Rede. Gibt es die aber überhaupt – und wenn ja, in welchem Sinne? Die Wahl zwischen zwei (oder mehreren) Handlungsoptionen ist nur unter der Bedingung ‘moralisch’, dass die Handlung für den Entscheidungsakteur eine persönliche Relevanz besitzt. Das würde ich bei Maschinen grundsätzlich bezweifeln. Schon in der sprachlichen Mikrostruktur des KI-Diskurses wird mit unzulässigen Gleichsetzungen zwischen Mensch und Maschine operiert. Roboter sind nicht ‘intelligent’, es sei denn man reduziert Intelligenz auf Lernfähigkeit; sie handeln nicht ‘moralisch’, weil sie bloß einem sich selbst optimierenden Programm folgen; und sie treffen auch keine ‘Entscheidungen’, weil sie keine Gewissensbisse verspüren. Was wie moralisches Handeln aussieht, ist noch lange kein moralisches Handeln. Das ist im Grunde auch mein Einwand gegen den Turing-Test. Einer Maschine Würde zuzusprechen wäre damit das Ergebnis einer fundamentalen Selbsttäuschung – Kubriks ‘A.I.’ in allen Ehren.

Damit wäre alles gesagt.

Geh Eh Weh

Auf spiegel.de ist eine Kolumne zu finden, in der eine Mutter über ihre Erlebnisse bei Elternsprechtagen berichtet: Ganz harte Schule
Warum Lern­ent­wicklungs­gespräche Mumpitz sind. Ûber diesen Satz bin ich gestrauchelt:

Ich äußerte den innigen Wunsch, meiner Tochter doch bitte beizubringen, wenigstens die Arbeitsblätter mitzubringen.

Mich erinnerte das an ein Plakat von der GEW zu einem Elternsprechtag, auf dem ein Elternteil zum Lehrer sagt: “Mein Sohn sagte mir, Sie seien verhaltensauffällig.”

Wartezimmer

Ich saß neulich beim Arzt im Wartezimmer. Da ist mir aufgefallen, dass es dort eine stille Übereinkunft bestimmter Verhaltensweisen gibt.

  • Das Grüßen geht nur vom Eintretenden aus, nie von den Wartenden.
  • Man redet grundsätzlich nicht – es sei denn, man kennt sich, dann muss man reden.
  • Gespräche zwischen zwei einander unbekannten, die manchmal aus einem konkreten Anlass beginnen, brechen abrupt ab, wenn eine bestimmte Intimitätsebene erreicht wird.
  • Kinder kennen diese stillen Übereinkünfte nicht.

Kurz: Verhalte dich wie in der Sauna.

Preisfrage: In welchen (halb-)öffentlichen Räumen gelten diese Regeln noch? Tipp: Der Fahrstuhl ist es nicht.

Gute Nacht

Ich habe mir die Serie Nightflyers angeschaut. In den Kommentaren zu einer Kritik auf SPON entdecken einige Ähnlichkeiten zu Event Horizon, 2001: A Space Odyssey und Interstellar. Ich würde wenigstens noch Solaris hinzufügen. Nightflyer basiert auf einer kurzen Erzählung aus dem Jahr 1980 von George R.R. Martin, bekannt für Game of Thrones. (Ich habe gehört, dies solle die beste Serie aller Zeiten sein.) Ganz interessant ist, dass Nightflyers schonmal 1987 verfilmt wurde – offensichtlich nicht so gut:

Director Robert Collector left the production before the film’s editing was completed, and requested that his name not appear in the credits.

Für mich klingt das, als hätte er sich einen Kilius geleistet.