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Tatran

Vor zwei Wochen habe ich mir in der Berghainkantine – ich hab mir extra das Hausverbotsoutfit angezogen, damit man mich wiedererkennt (hat aber nichts genützt) – ein Konzert angehört. Tatran hat dort als Trio mit Schlagzeug, E-Gitarre und E-Bass Instrumentalmusik gemacht, die schwer zu kategorisieren ist. Post Progressive Jazz, gibt’s das? Selbst schreiben sie über sich:

TATRAN (Tel Aviv, 2011) are an eclectic Tel-Aviv based instrumental band, with musical influences that range from jazz, avant-garde, post-rock and experimental.

Auch in dieser Gruppe war mal wieder der Bassist auffällig. Bei einem Lied hat er sein Pedal derart eingesetzt, dass er ein klassisches E-Gitarrensolo hingelegt hat. Hat ein paar Minuten gedauert, bis ich gerafft hab, dass da gerade der Bass den Gitarrenpart übernimmt. Schwer in Ordnung die Musik.

Von diesem Konzert hab ich kein Video gefunden, dafür dann das hier:

Diese Pointe Islam.

Disclaimer: Dieser Text behandelt religiöse Themen! (Atheisten oder Agnostiker mit schwachen Nerven seien gewarnt.)

Am Montag besuchte ich in weiblicher Begleitung eine kleine Wanderausstellung der Ahmadyya-Gemeinde Deutschlands im Marburger Rathaus zum Thema Islam. Einer der Ausstellungsbetreuer sprach mich ziemlich schnell an, bevor ich mir auch nur eines der im Raum ausgestellten Roll-ups (s. auch: Public Viewing) durchlesen konnte, die – bis auf zwei spezielle Ahmadyya-Themen zu Kalifen&Co –  größtenteils mit eher allgemeinen Islaminformationen gefüllt waren. Das fanden wir im Nachhinein ziemlich praktisch – ulai, was leesen! So erfuhren wir zum Beispiel, ohne ein Wort lesen zu müssen:

Abdul Basit Tariq, Imam der Ahmadiyya. Der Glaube an eine Art “hauseigenen Kalifen” bricht das islamische Dogma, dass auf Muhammad kein weiterer Gesandter mehr folge. Damit hat sich die Gemeinde die Ablehnung der übrigen Muslime zugezogen. Im Ursprungsland der Bewegung, Pakistan, verfolgt man die Ahmadis als Ketzer. Sie scheinen Altbekanntes neu zu deuten: Jesus sei nicht am Kreuz gestorben, sondern wurde 120 Jahre alt. Vor allem wollen sie eines, behaupten die Ahmadis: Verständigung und Frieden. (Deutschlandfunkkultur)

Sowas hier hat er uns allerdings vorenthalten:

Hiltrud Schröter: “Die Ahmadiyya ist eine millenarische Kalifat-Bewegung mit der Ideologie vom Endsieg und mit Großmachtfantasien. Zum Beispiel sagte der jetzt regierende fünfte Kalif: Alle göttlichen Anweisungen von Adam bis Jesus sind im Koran enthalten. Der Sieg wird uns geschenkt werden. Die Ahmadiyya wird die Oberhand auf der ganzen Welt erzielen. Das wurde dann noch erläutert. Die Oberhand werde auf der ganzen Welt in 300 Jahren erlangt sein. Die Ahmadiyya ist weltweit bereits aufzufinden in sämtlichen Erdteilen und zwar ist sie nach neuesten Angaben bereits in 190 Ländern und hat insgesamt 14.000 Moscheen bereits erbaut. Das alles in den gut 100 Jahren.” (ebd.)

Das Gespräch war inhaltlich sehr informativ und später intensiv. Insbesondere als wir Fragen zur Frauenrolle in deren Gemeinden stellten, wurde es dann zu einem höflichen Streitgespräch. Die Begründung, warum eine Frau keine Imamin werden kann, hat mich nicht überzeugt (musste es ja auch nicht): Während der Menstruation dürften Frauen nicht beten. Und was wäre das für ein Imam, der nicht ständig für seine Gemeinde da sein kann? Für mich klang das im Gespräch dann noch öfter nach Weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Ein weiterer Betreuer aus Gießen gesellte sich noch dazu und merkte an, dass seine Schwester im Jugendalter beschlossen habe, kein Kopftuch mehr zu tragen. Das sei in Moschee und Familie kein Problem gewesen. Er merkte aber auch an, dass dies bei Gemeinden auf dem Dorf unter Umständen anders sein könnte.

Das würde übrigens meine Beobachtung vergangener gesellschaftlicher Entwicklung bestätigen, dass wir in Wahrheit keine echten Konflikte zwischen Geschlechtern, ‘Rassen‘, Generationen, zwischen Gutmenschen und Stammtischdeutschen, Fleischessern und Veganern etc. haben. Vielmehr sind dies nur Schlachtfelder der Anschaungen zwischen ländlicher und städtischer Bevölkerung. (Da, wo unterschiedliche Menschen miteinander besser und häufiger in einen Austausch kommen können, kann auch besser und häufiger gegenseitiges Verständnis entstehen.) Ich muss nämlich ehrlich sagen, dass ich solch ein ähnliches Gespräch auch mit jemandem in Wissenbach hätte führen können. Patrick bestätigte mich am nächsten Tag: In der FEG in Wissenbach seien weibliche Pastoren eher nicht erwünscht. (Ein Blick auf die Liste der Prediger bestätigt das. Der einzige weibliche Name ist die ehemalige Pfarrerin der evangelischen Kirche.)

Am Schluss des Gesprächs in der Ausstellung war ich dann ein bisschen fies – und hab den Ahmadis die Hand ausgestreckt. Ich wollte nämlich kucken, ob sie ihrer weiblichen Gesprächspartnerin danach auch die Hand schütteln würden. Hamse gemacht. Den zögerlichen Widerwillen interpretierten bestimmt meine Vorurteile in ihre Gestik. Ich fand es jedenfalls schade, dass ich nur männlichen Gemeindemitgliedern die Hand hätte schütteln können. (Das habe nur am Tag gelegen, so ein Gesprächspartner.)

Insgesamt waren mir die religiösen Ansichten der beiden freundlichen Ahmadis zu dogmatisch. Ich bekam den Eindruck, dass es im Grunde für alles eine Verhaltensregel gebe. Mein Gedanke dazu war: Wenn Gott auf die Freiheit des Einzelnen pfeifen würde und es ihm wichtig wäre, dass sich seine Menschen an ein detailiertes, für jede Eventualität gewappnetes Regelwerk hielten, tja, dann wäre es doch am effektivsten, wäre er höchstpersönlich anwesend und würde in seiner Allmacht jedem Menschen immerzu das Passende sagen: “Mach das. Lass das. Leg das weg. Jetzt nicht beten, du blutest.” Und nicht sowas:

Jesus sprach nun zu den Juden, welche ihm geglaubt hatten: Wenn ihr in meinem Worte bleibet, so seid ihr wahrhaft meine Jünger; und ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen. (Joh 8, 31f)

Eugen Drewermann hat, wenn ich mich richtig erinnere, in seiner Übersetzung des Johannesevangeliums die Wörter wie “Juden”, “Schriftgelehrten” oder “Pharisäer” mit Gottesbesitzer übersetzt. Ich glaube, weil er damit deutlich machen wollte, dass es nicht um die Herkunft dieser Personengruppen sondern um deren Verhalten geht, wenn sie dogmatisch genau wüssten, was Gottes Wille sei. Das ist aber nur meine Lesart.

Für die Wahrheit kann nur streiten, wer sie nicht besitzen will.

Peru

“Leichtes Erdbeben” nach Elfmeterpfiff:

Um 11.43 Uhr Ortszeit verzeichneten am Samstag die Seismographen leichte Erschütterungen in der Region rund um die Hauptstadt Lima. Exakt in dieser Minute hatte der Schiedsrichter bei der Partie Peru gegen Dänemark der peruanischen Mannschaft einen Elfmeter zugestanden. “Das Beben wurde von vor Freude springenden Fans ausgelöst, die ein mögliches Tor vorab bejubelten” […].

Vielleicht sollte dort mal ne WM stattfinden.

Uli in the pool

Mathias Drobinski im Interview: “Fatalismus hat was Subversives”. Anlass ist sein Buch Lob des Fatalismus. Ich finde, es hört sich eher nach Gelassenheit und nicht nach Fatalismus an, wofür er spricht. Fatalismus klingt für mich nämlich zu sehr nach Nihilismus – diese Verknüpfung wäre ihm vermutlich nicht recht. Ich glaube, er meint eher, das Unveränderbare zu akzeptieren. Ich strebe ja immer noch an, leidenschaftlich zufrieden zu sein.

Gefühlssache

Gefühle sind ja so eine Sache. Oder eben keine.

TED Radio Podcast: Decoding Our Emotions beschäftigt sich mit dem Thema sprachlich-kulturell, historisch-evolutionär, technologisch und musikalisch.

Wenn in naher Zukunft tatsächlich Roboter Standard sind, die u.a. anhand der Gesichtsmimik (vor)schnell Wünsche erkennen, wird dann der innere Abwägungs- und Entscheidungsprozess verstümmelt? Gibt es dann endlich eine Trennung von Körper und Geist? Können Roboter von Autisten lernen? Mögen Roboter Musik? Are we feeling machines that think?

Dienst und Dienlichkeit

Mir geht seit einiger Zeit durch den Kopf, mich von den größeren Diensten zu verabschieden. Konkret meine ich da Facebook, Twitter, Whatsapp, Microsoft und Google. Geschafft habe ich bislang Facebook. Zumindest glaube ich das, denn ich habe Sorge, das zu überprüfen. Denn Facebook sagt, wenn du deinen Account löschst, bewahren wir deinen Zugang noch 6 Monate auf und falls du es dir anders überlegst, musst du dich nur einmal mit deinen Zugangsdaten einloggen und – Zack – bist du wieder dabei! So scheiterte mein erster Versuch daran, dass ich an einem meiner Telefone vergessen hatte, den Facebookdienst zu deaktivieren. Und als ich es dann mal wieder aus Nostalgiegründen startete – Zack.

Auf Whatsapp habe ich halb gezwungenermaßen mal eine Weile im vorletzten und letzten Jahr verzichtet, als ich auf dem Fairphone 2 den community port von SailfishOS installierte. Der kommt logischerweise ohne Androidlayer daher und da diverse inoffizielle Whatsapp-Appentwickler irgendwann Post vom Anwalt von Facebook erhielten, wurde die Einstellung der Entwicklung an nativen Anwendungen wie Whatsup oder Mitakuuluu erzwungen. Ich hingegen hab eines der beiden Programme weiter genutzt und – Zack – wurde meine Nummer geblockt, Whatsapp hatte mich rausgeschmissen. Im Affekt hab ich dann den Support kontaktiert und Hilfe erbeten. Da wurde per Gnadenrecht erwirkt, dass meine Nummer wieder reaktiviert wurde, jedoch mit dem Hinweis, bei einer weiteren Verfehlung meinerseits endgültig gesperrt zu werden. Daraufhin boykottierte ich dann aus Protest (und in Ermangelung konkreter nativer App-Alternativen) Whatsapp weitgehend und nutzte eine Weile Telegram als Hauptmessenger.

Tja, mein Resümee dieser Zeit war: Wenn Fairphone keine Displayprobleme gehabt hätte und mich (und andere) etwa ein halbes Jahr lang auf einen Austausch des Displaymoduls hätte warten lassen, hätte ich mir womöglich nicht das Sony Xperia X samt Sailfish-Lizenz gekauft, dort den Androidlayer aktiviert, um wieder Whatsapp nutzen zu können, und zu allem Übel auch noch die Google Services draufgefuddelt, damit ich die Strava-App nutzen kann. Also letztlich ziemlich viel Gedäh, weil ich irgendwie doch noch angebunden bleiben will.

Das Hauptproblem in diesem Zusammenhang sehe ich darin, wie langfristig die diversen Dienste offene Schnittstellen behalten. Das machen sie vermutlich so lange, bis sie eine derartige Verbreitung haben, dass sie sagen können, wir schließen unsere APIs jetzt und damit vergraulen wir nur einen verschmerzbaren Teil, siehe Facebook. Denn wer will schon alle paar Jahre/Monate seine Dienste wechseln und damit seine Kommunikationsmöglichkeiten womöglich stark einschränken? Es will ja auch nicht jeder ständig umziehen und sich Freundeskreise neu aufbauen. Man bräuchte also sowas wie ein LTS-API.

Zugegeben, das sind nicht die Probleme der Nutzer, die ja im Grunde im Mobilbereich nur zwischen zwei Plattformen für Programme entscheiden können. (Das Geschrei will ich nicht erleben, wenn Facebook ins Hardwaregeschäft einsteigt und seine Dienste für Google-Android und iOS nicht mehr anbietet.) Deren Probleme – und meine, wie ich feststellen musste – liegen eher im Bereich der Verbreitung und dem Anwendungsumfang: Mit welchem meiner Kontakte kann ich mittels welchen Dienstes wie kommunizieren?

Und da haben sich in meiner Vergangenheit – Zack – einige Abhängigkeiten entwickelt, deren Ausmaß ich erst jetzt allmählich überschaue: Microsoft nutze ich gelegentlich noch mit Windows 10 auf dem Desktop-PC und auf Onedrive habe ich über längere Zeit einige mittelwichtige Daten angehäuft, auf die ich spontan, unkompliziert und umfangreich zugreifen kann. Googlemail hatte ich mir mal eingerichtet, weil man dort so praktisch verschiedene Mailadressen einbinden kann, und diese alten Mailadressen werden noch gelegentlich genutzt.

Da fällt mir zum Schluss nur Kants Ausspruch ein, Moment, ich google ihn kurz…:

Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Muthes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen.

Nachtrag (7.4.) (mit Update (7.4.)): Das wars dann wohl auch mit der Twitter-Einbindung in SailfishOS: Twitter closes API for real-time updates for all non-official apps. Mehr auf http://apps-of-a-feather.com/und dem Twitterblogeintrag von Dezember mit dem irgendwie euphemistischen Titel “Announcing more functionality to improve customer engagements on Twitter”:

We are providing notice to all Twitter developers that on Tuesday June 19, 2018 we are retiring the following services and endpoints:

User Streams
Site Streams
GET direct_messages
GET direct_messages/sent
GET direct_messages/show
POST direct_messages/new
POST direct_messages/destroy

Update: Der Entwickler von Piepmatz sieht das Ganze entspannt. Pushbenachrichtigungen von Direktnachrichten könne man bspw. auch ohne API implementieren.

Nachtrag 2 (7.4.): Tinder-Singles geraten in Panik:

“Ich habe heute eine Verabredung aber nicht ihre Telefonnummer”, nölte Max Davids auf Twitter. “Das ist ein ernstes Problem für mich.” Am Ende ging aber alles gut: “Sie nutzte ihre Detektivkünste, um mich auf Twitter zu finden”, freute Davids sich später. Die Frau sei ein guter Fang.

Alexa, lass mich in Ruhe!

War gestern bei nem Freund, der mit Alexa im Wohnzimmer zusammenlebt. Wir hatten jede Menge Spaß zu dritt, Amazons Echo Dot hat uns nur schwerlich verstanden. Das hat mich sehr beruhigt. Ich hab nämlich nach Sascha Lobos Podcast gedacht, dass die Technik schon so gut funktioniere, dass man die technische Ebene nicht mehr wirklich spürt. (Auch deswegen hatte ich mich gestern kritisch zur zukünftigen Vernetzung geäußert.) Mit Alexa zu reden, ist, wie mit einer Maschine zu reden, an die ich mich anpassen muss.

Mein erster Befehl gestern war Alexa, spiel doch mal Oddisee, Built By Pictures. Es wurden dann irgendwelche Oldies abgespielt und mein Freund rief Stopp! Alexa, stopp! Es hat ein wenig gedauert, bis wir gecheckt haben, dass ich den Künstlernamen Deutsch ausgesprochen hab (See), mit englischer Aussprache (see) hats dann funktioniert, wobei das Lied nicht erkannt wurde und dann irgendwas von Oddisee abgespielt wurde.

Haupteinsatzbereich ist vermutlich noch Musikstreamdienststeuerung, auch wenn die Sprachsteuerung im Smarthomebereich nochmal interessanter würde. Es werden aber leider nur wenig Streamingdienste unterstützt. Wer also kein spotify nutzt, für den ist das eher nix.

Es gab bei der Bedienung noch so einige Schwierigkeiten später, habe mich eher wie in der Telekomhotline gefühlt, bevor man einen genervten Menschen am Telefon hat. (Ich habe Sie nicht verstanden.) Alexa hat mir beim Klangschalenskill (App heißt bei Alexa Skill, App mich am Skill!) alle Namen der Klänge vorgelesen, obwohl ich das ausdrücklich nicht gewollt hatte und auch einen Namen zu nennen, während sie auflistet, hat sie nicht unterbrochen. Das kann die Hotline besser.

Jedenfalls bin ich mit einem leicht glücklichen Gefühl wieder gefahren, als ich das von Hand gestartete Eastern Promises von Omar Rodriguez-Lopez im Auto hörte und mit der Technik vorhin unzufrieden gewesen war. In Schwierigkeiten mit der Bedienung offenbart sich die technische Ebene und dies sorgt dafür, dass man die Maschine als einen Fremdkörper erkennen kann.

So betrachtet wird mir die Utopie im Film Her immer unheimlicher. Was, wenn die Maschinen uns nicht verlassen, weil sie unser überdrüssig werden?

Nachtrag (9.4.):
Alexa, what is love?

Neue Netze

Falls ihr Lust auf ein anderes Internet habt, probiert doch IPFS mal aus: https://ipfs.io/. Falls ich es halbwegs kapiert habe, soll es eine Alternative zum bestehenden http-Protokoll (also einem Client-Server-System aka WorldWideWeb&Co) durch Peer-to-Peer und Blockchain mit dezentraler Datenspeicherung und -übertragung sein. Praktisch ändert sich durch das System, dass Dateien nicht mehrfach abgelegt würden. No more broken links? Ich erinnere mich an Theodor Holm Nelsons Ideen zur Umsetzung von Hypertext. Vielleicht wird Xanadu so doch noch ein bisschen Wirklichkeit.

In dieser Richtung zu nennen wäre noch Einiges, wie z.B. das Konzept von dApps (das ‘d’ steht für decentralized). Interessant finde ich gerade Zipperglobal (Blockchainplattform für Smartphones basierend auf Ethereum) und deren Zusammenarbeit mit streamr (damit soll man Kontrolle über persönliche Daten erlangen).

Am Rande will ich noch hinweisen auf Fuchsia (das hatte ich schon wieder voll vergessen), einem von grundauf neu programmierten Betriebssystem, von Google entwickelt (was auch immer das heißt) womöglich für die kommende IoT-Sause.

Zum Schluss ein kritischer Gedanke: Es rollt mit dem Internet of Things und all der Weiterentwicklung der Vernetztheit eine Welle auf uns zu, welche die entscheidenden Veränderungen auf einer Ebene bringt, die wir Menschen aktiv nur oberflächlich wahrnehmen und schwer verstehen werden, uns aber in unserem Selbstverständnis wesentlich verändern kann. Dem Homo Oeconomicus folgt sowas wie der Homo Reticulus? (Stichwort: Netzwerk&Co)

Was passiert mit dem Individuum in der wirklich vernetzten, schönen neuen Welt?

Ismusse zur Arbeit gehen

Traue mich kaum, nachdem dieser Eintrag vor Jahren nicht jedem gefallen hatte, aber ich beschäftige mich doch noch einmal mit dem Thema Atheismus. In einem Interview mit Volker Ladenthin spricht der “Professor für historische und systematische Erziehungswissenschaft” im Deutschlandfunk über alles Mögliche (Ethik des Alltags – “Ohne Freiheit können wir uns nicht entscheiden”):

Wir sind mit unserer Natur religiös. Wir können das gar nicht abstreifen. Mir ist nur wichtig, das noch mal vom Konfessionellen zu unterscheiden. Religiös heißt nicht zwingend, einer bestimmten Konfession anzugehören, sondern heißt, dass ich darüber nachdenke, wie ich mit diesen letzten Fragen umgehe.

Seine Gedanken zum Thema Willensfreiheit sind auch wichtig. Hirnforscher und Deterministen sind ja derzeit auch bei mir schwer im Trend.

Wenn mans mag, kann man sich auch die Southpark-Folgen Gott ist tot und Gott ist tot II ansehen, in denen sich Eric Cartmann einfrieren lässt und in der Zukunft in einen ‘Glaubenskrieg’ dreier atheistischer Konfessionen um die große Frage gerät. Soll wohl satirisch soviel sagen wie: Kriege gibt es, wo Menschen Gruppen bilden. Daran ändert auch das Crank Prank Time Phone nichts.

Wem jetzt hier (unterschwellig) zu viele Ismusse drinsteckten: solange früher alles besser war bleibt alles beim alten.